Arno Rademacher (Die Friesen)
Kandidat Landtagswahl Niedersachsen 2008
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

Arno Rademacher
Jahrgang
1963
Berufliche Qualifikation
Bankkaufmann
Ausgeübte Tätigkeit
Finanz u. Versicherungsmakler
Wohnort
-
Wahlkreis
Leer
Ergebnis
2,7%
Landeslistenplatz
1
(...) Wir sind der Meinung: "Elk sien möög!"; jeder mag an das glauben, womit er sich wohlfühlt. Allerdings gilt auch in Bezug auf Glaube und Religion der Grundsatz, dass die persönliche Freiheit dort endet, wo die persönliche Freiheit eines anderen beeinträchtigt wird. (...)
 
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Frage zum Thema Kultur und Medien
11.01.2008
Von:

Moin Herr Rademacher,
aus welchem Grund haben Sie hauptsächlich Ihre Partei gegründet?
Wieviele Friesen gibt es überhaupt?
Wie hoch ist der %-Anteil in Niedersachsen?
Wie hoch schätzen Sie den Nichtwähleranteil ein?
Als Butenfrees, der inzwischen Nichtwähler geworden ist, neige ich nämlich nun doch dazu, wieder meine Kreuze zu machen.
Ich glaube, gerade weil Ihnen die "Großen" die 5% Hürde `reindrücken wollen werden Ihnen viele Nichtwähler ihre Stimme geben.
Antwort von Arno Rademacher
8Empfehlungen
13.01.2008
Arno Rademacher
Moin Herr ,

das sind eine Menge Fragen auf einmal!

Zu 1.: Gründe für die Gründung:
Wir haben die Partei Die Friesen gegründet, will wir mit der Vertretung durch die etablierten Parteien schon lange nicht mehr zufrieden sind und unsere Region vernachlässigt sehen. Das beginnt bei unserer Kultur und Geschichte, die z.B. in den Schulen überhaupt nicht stattfinden, obwohl eine entsprechende Verpflichtung durch das Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten vorliegt. Außerdem haben die etablierten Parteien nicht kommuniziert, dass es bei der EU für die Minderheit der Ostfriesen einen "Fördertopf" mit einem Volumen von 30 Millionen Euro pro Jahr (!) gibt; die Folge ist, dass dort seit 1998 nichts abgerufen wurde. Der Schaden für die Region liegt mittlerweile bei 325,2 Millionen Euro! Die Beschäftigungsquote im Industrie- und Handelskammerbezirk Ostfriesland und Papenburg liegt um 10,6% unter dem Landesdurchschnitt; bei der Altersgruppe der über 50-jährigen sogar um 19,5%!
Beim Landesraumordnungsprogramm wurde Ostfriesland als "Ländliche Region" eingestuft, was zur Folge hat, dass Entwicklungsmöglichkeiten nur noch in den Bereichen Landwirtschaft, Fischerei und Tourismus gefördert werden. Aber diese Wirtschaftszweige sind entweder Ein-Mann- oder Familienbetriebe oder gehören dem Niedriglohn-Sektor an. Das führt zu einer verschärften Perspektivlosigkeit unserer Jugend und dem Zwang, auf der Suche nach Arbeit Ostfriesland zu verlassen.
"Der Küstenschutz ist sicher!" wird von den etablierten Parteien gerne proklamiert. Dabei wird aber verschwiegen, dass von der ersten Planung einer Küstenschutzmaßnahme bis zum heutigen Fertigungsstand viele Jahre ins Land gingen. Zum Zeitpunkt der Planung war aber über den Klimawandel noch nichts oder nur sehr wenig bekannt. Deshalb sind wir der Ansicht, dass der heutige Küstenschutz für die kommenden Anforderungen nicht ausreichend ist! Bereits der Sturm Kyrill hätte, wenn die Windrichtung nur geringfügig ungünstiger gewesen wäre, verheerende Folgen für die ostfriesische Halbinsel und die vorgelagerten Inseln gehabt! Und so weiter, und so weiter. Aus diesen Gründen haben wir uns entschlossen, stärker als bisher an den Entscheidungen mitzuwirken und unsere Rechte in Hannover einzufordern (Mit uns für uns, statt ohne uns über uns!). Die anderen können es nicht oder wollen es nicht!

Zu 2.: Wie viele Friesen gibt es?
Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten, weil es keine Erhebungen über Ethnizitäten gibt. Im angestammten Gebiet der Friesen (Ostfriesland, Oldenburger Friesland, Butjadingen, Rüstringen, Saterland und Land Wursten) leben etwa 722.000 Einwohner. Wenn man davon ausgeht, dass sich etwa zwei Drittel der dort lebenden Menschen als Friese fühlen, dann kommen wir auf rund 480.000 Friesen. Völlig unbekannt dagegen ist die Zahl der Butenfresen, also der außerhalb des Kerngebietes lebenden Friesen, die es aus beruflichen oder familiären Gründen in die Ferne getrieben hat. Wir gehen deshalb von rund 550.000 Friesen im Land Niedersachsen aus.

Zu 3.: Anteil der Friesen an der Gesamtbevölkerung in Niedersachsen
Auf Grundlage der eben genannten Zahl beträgt der Anteil der Friesen an der Gesamtbevölkerung Niedersachsens (etwa 8 Mio. Menschen) rund 6,9%. Um die Volksgruppe der Friesen angemessen im Niedersächsischen Landtag zu vertreten, müssten Die Friesen also mit 9 Sitzen im Landtag vertreten sein (6,9% von 135 Sitzen = 9,3 Sitze). Aus diesem Grund haben sich Die Friesen bei der Zusammenstellung der Landesliste auf 9 Bewerber/innen beschränkt.

Zu 4.: Nichtwähleranteil
Bei der Landtagswahl 2003 gab es in Niedersachsen eine Wahlbeteiligung von rund 67%. Für die Vorjahre liegen mir leider keine gesicherten Zahlen vor. Aber für die Landtagswahl 2008 befürchtet man einen Rückgang der Wahlbeteiligung auf nur 56%! Darum ruft auch der Landeswahlleiter verstärkt auf, dieses Jahr zur Wahl zu gehen. Man muß sich das mal bildlich vorstellen: die etablierten Parteien haben es mit ihrer Politik am Bürger vorbei in nur 5 Jahren geschafft, 11% der Wahlberechtigten so anzuwidern, dass sie nicht mehr bereit sind, diese Politiker durch Stimmenabgabe zu legitimieren! Wenn also die Prognose stimmt, gibt es 2008 einen Nichtwähleranteil von rund 44%!
Wir freuen uns sehr über jede Stimme; besonders, wenn es uns gelingt, Nichtwählern eine Alternative zu bieten (und sei es nur aus Protest). Einen positiven Nebeneffekt kann eine solche Protestwahl zu Gunsten der Partei Die Friesen nämlich auch noch haben: weil wir uns auf 9 Bewerber/innen für die Landesliste beschränkt haben, um unsere Volksgruppe dem Anteil an der Gesamtbevölkerung entsprechend zu repräsentieren, würden bei einem Ergebnis oberhalb von 7% für Die Friesen Sitze im Parlament freibleiben! Damit könnten die Nichtwähler endlich auch zu ihrem Recht kommen, ein Votum abzugeben, das seinen Niederschlag in der Zusammensetzung des neuen Landtages findet!

Mit freundlich-friesischen Grüßen,
Arno Rademacher
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Frage zum Thema Familie und Generationen
17.01.2008
Von:

Wie stehen Sie zu der jetzigen Diskussion wg. Jugendstrafrecht und sollen Kinder/Jugendlich weggeschlossen werden? Was soll mit Herrn Hinzpeter passieren, wenn alle weg sind??? Ernste Frage, wie stehen Sie zur härteren Bestrafung von auffälligen Kindern (ab 14J.) oder angehenden Jugendlichen.

Gruß
Antwort von Arno Rademacher
4Empfehlungen
18.01.2008
Arno Rademacher
Moin ,

dass schärfere Gesetze nur selten eine Verbesserung bringen, kann man sehr eindrucksvoll am Beispiel der USA erkennen. Und auch hier bei uns, wenn man sich die Mühe macht, ein wenig in den Rückspiegel zu schauen, in der Historie zu forschen. Trotz drakonischer Strafen, die an Unmenschlichkeit kaum zu überbieten waren (Rädern, Vierteilen, Pfählen und dergleichen mehr), ist es nicht gelungen, Gewaltverbrechen in den Griff zu bekommen. Im Gegenteil: Gewalt erzeugt immer Gegengewalt.

Allerdings lässt sich mit Forderungen nach mehr Härte natürlich viel Stimmung machen. Außerdem kann man damit sehr schön vom Problem und den eigentlichen Verursachern ablenken.

Denn das letzte, was die Damen und Herren Populisten wollen, ist, dafür selber die Verantwortung übernehmen und sich sehr unangenehmen Fragen stellen zu müssen!

Wir müssen eine wichtige Voraussetzung vorher klären: Politik schafft Rahmenbedingungen. Nicht mehr und nicht weniger.

Wenn ich jetzt ein Symptom betrachte (zunehmend gewaltbereite Jugendliche, die zudem häufig einen Migrationshintergrund haben), dann kann ich nichts verändern, wenn ich vergesse, die Ursachen zu klären.
Die Ursachen sind aber ganz eindeutig: Perspektivlosigkeit der Gesellschaft und vor allem der Jugend, die natürlich bei Ausländern, die zum großen Teil (gewollt?) ghettoisiert werden, um ein Vielfaches schlimmer ausfällt, als bei unserer eigenen Jugend. Bei denen kommt das Sprachproblem hinzu, dessen sich niemand so richtig angenommen hat. Außerdem wird doch seit dem 11. September 2001 jeder dunkelhaarige und gebräunte Mensch mit einem pauschalen Terrorverdacht belegt, was sicher nicht geeignet ist, den gegenseitigen Argwohn (der völlig natürlich ist), zu überwinden.

Da liegen die Versäumnisse: in einer nicht vorhandenen Integration dieser Menschen! Und das ist zweifellos das Versäumnis der Politiker, die in den letzten Jahren die Aufgabe hatten, vernünftige Rahmenbedingungen für ein friedliches Miteinander zu schaffen.

Mit freundlich-friesischen Grüßen,

Arno Rademacher
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Frage zum Thema Wirtschaft
19.01.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Rademacher,
wenn Sie am nächsten Sonntag in den Landtag einziehen sollten, mit welcher Partei könnten Sie sich eine Regierungsbildung vorstellen?
Als Nichtwählerin möchte ich aber wohl doch einer guten Idee meine Stimme geben.
Antwort von Arno Rademacher
2Empfehlungen
22.01.2008
Arno Rademacher
Moin Frau ,

wenn wir am nächsten Sonntag in den Niedersächsischen Landtag einziehen (notfalls per Gerichtsbeschluß!) sind wir für eine Zusammenarbeit mit allen Parteien, die auf dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland fußen, offen. Linker und rechter Rand sind definitiv ausgeschlossen! Allerdings werden wir sicher keine Regierungskoalition bilden; wir könnten uns aber eine Tolerierung vorstellen. Da hängt es dann davon ab, welche Partei unserer Region die größten Zugeständnisse macht. Schließlich geht es um die Menschen in der Region und nicht um persönliche Vorlieben.

Mit freundlich-friesischen Grüßen,
Arno Rademacher
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Ihre Frage an Arno Rademacher
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