Sehr geehrter Herr

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dass Sie noch nicht viel über unser Wirtschaftsprogramm gelesen haben verwundert mich nicht. Die Piratenpartei versteht sich grundsätzlich als Themenpartei mit den Schwerpunkten "Digitale Gesellschaft", "Bürgerrechte" und "Immaterialgüterrechte". Der Themenkomplex der Wirtschaftspolitik ist gewaltig und nicht selten eher von glaubensähnlichen Strukturen als harten Fakten beherrscht. Dies macht eine Meinungsbildung in einer Partei, die kein gemeinsames Fundament auf diesem Gebiet hat sehr schwierig. Genauso ist die Vorstellung einer Gesamtstrategie in diesem Rahmen natürlich unmöglich.
Deswegen möchte ich meine Ausführungen zunächst auf einen Aspekt beschränken, der typisch für die Politik der PIRATEN ist und deshalb wohl von den anderen Parteien noch nicht bedacht wurde.
Ein grundsätzlicher Aspekt des Wirtschaftswachstums ist der Fortschritt. Wenn überhaupt kann nur dieser langfristiges Wachstum ermöglichen. Dies bedeutet zum einen, dass wir gut ausgebildete Menschen brauchen. Gleichzeitig wäre es aber auch wichtig, Fortschrittshemmnisse abzubauen. Die beiden bekannte US-Ökonomen Boldrin und Levine haben gefordert, jetzt in der Krise mehr zu wagen und das Urheberrechts- und Patentwesen radikal zu liberalisieren um Wachstum anzuregen.
Die Idee die dahinter steckt, schildern sie eindrucksvoll in ihrem Werk "Against Intellectual Monopoly"[1]. Darin erklären sie auch ausführlich, warum "Geistiges Eigentum" kein notwendiges, sondern ein überflüssiges Übel ist.
Die Piraten kämpfen seit ihrer Gründung zusammen mit allen Schwesterparteien für eine Lockerung von Immaterialgüterrechten. Somit kann ich mich hier den Ausführungen von Boldrin und Levine eigentlich nur beherzt anschließen.
Was den von Ihnen angesprochenen Aspekt des Internationalen Handels bzw. des Währungsrisikos angeht, so kann ich lediglich aus meiner Vorbildung als Wirtschaftsmathematiker zehren. Dies bedeutet, es handelt sich hierbei auch nur um meine persönliche Meinung.
Ein Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar, scheint vor dem Aspekt, dass die EZB primär das Ziel der Geldwertstabilität verfolgt schwierig. Ich denke es wäre deswegen sinnvoller, den großen, währungsrisikolosen Binnenmarkt zu nutzen, den die Währungsunion bietet. Gerade die Fixierung auf die USA, eine Volkswirtschaft die seit langem mehr konsumiert als sie produziert, war ja ein Grund der Krise.
Mit freundlichen Grüßen
Andreas Popp
[1] Wenn Sie des Englischen mächtig sind, können Sie das Werk kostenlos herunterladen unter:
www.dklevine.com