Vasco Schultz (GRÜNE)
Kandidat Bürgerschaftswahl Hamburg 2008
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

Vasco Schultz
Jahrgang
1976
Berufliche Qualifikation
Abitur
Ausgeübte Tätigkeit
Student der Wirtschaftsinformatik
Wohnort
-
Wahlkreis
Rahlstedt , Listenplatz 1, Stimmen (Wahlkreis): 2.720, 3,4%
Landeslistenplatz
keinen
(...) Wer glaubt, dass härtere Strafen automatisch zu einer geringeren Anzahl von Verbrechen führt, der braucht sich nur die Vereinigten Staaten anschauen: Todesstrafe, gleichzeitig aber auch exorbitant hohe Mordrate. Einfache Lösungen für komplexe Sachverhalte gibt es eben nicht! Viele Straftaten werden im Affekt begangen oder unter Alkoholeinfluss. (...)
 
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Frage zum Thema Soziales
14.01.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Schultz,

beeindruckend finde ich Ihre persönlichen Ansichten und Ziele, wie auf dieser Plattform geschildert.
Bei allen Detaildiskussionen, gerade in Wahlkampfzeiten, vermisse ich klare Aussagen zu den Visionen für ein weitgehend gerechtes Miteinander in Bezirken und Bundesländern. Zwar mag das Bewustsein für sozialen Ausgleich und weitestgehende Chancengleichheit bei vielen Bürgern abgestumpft sein, insgesamt würde ich den in Frustration und Perspektivlosigkeit enthaltenen Sprengstoff nicht unterschätzen - gerade was die junge Generation angeht. Frankreichs Krawalle zeigen bereits im Kleinen, was auch hier möglich wäre. Eine freiwillige Maßhaltung der stark überdurchschnittlich Vermögenden scheint nicht realistisch zu sein, dabei halten diese fast das gesamte Kapital. Die Dynamik des Materiellen wird sich von alleine nicht zu Gunsten bemühter aber relativ durchschnittlicher Mittelständler (Wirtschaft genauso wie privat) verändern.
Bei aller Verantwortung jedes Einzelnen:
Was wollen Sie für den sozialen Frieden tun? Wie stellen Sie sich Deutschland in dieser Hinsicht i.J. 2020 vor? Ich gehe davon aus, dass Sie zu diesem Zeitpunkt noch politisch aktiv sind...

Mit besten Grüßen
Antwort von Vasco Schultz
12Empfehlungen
17.01.2008
Vasco Schultz
Sehr geehrter Herr ,

Vielen Dank für die netten Worte. Ich finde einfach, dass die Wählerinnen und Wähler einen Anspruch darauf haben, sich relativ ausführlich ein Bild von ihren Kandidaten zu machen. Ob ich 2020 noch politisch aktiv sein werde, kann ich im Moment natürlich nicht versprechen. (Oder damit drohen, je nachdem, wen man fragt...) Ich bin der festen Überzeugung, dass das, was heute getan wird, entscheidet, wie es in Hamburg im Jahr 2020 aussieht. Es gibt ja den schönen Spruch: "Versuche die Welt ein Stück besser zu hinterlassen, als du sie vorgefunden hast". Jeder Hamburger und jede Hamburgerin sollte versuchen, sich daran zu halten, dann wären wir schon ein ganzes Stück weiter. Leider denken Politiker meistens nur 4 Jahre im voraus. Das bringt das System leider mit sich und ist auch gar nicht als Kritik gemeint. Denn wer unbequeme Wahrheiten ausspricht, der wird eben einfach nicht gewählt, weil das Wahlvolk es nicht honoriert.

Deutschland hat einen sehr hohen Lebensstandard, wenn man sich die Welt insgesamt ansieht. Teilweise - beispielsweise durch den ungerechten Welthandel - gerade auf Kosten der ärmeren Staaten. Realistisch betrachtet werden wir in Deutschland und gerade auch in Hamburg sehr kämpfen müssen um diesen Standard im internationalen Wettbewerb auch nur zu halten. Das muss uns nicht unbedingt pessimistisch stimmen. Denn natürlich ist der Lebensstandard im Laufe der Jahre gestiegen, aber Probleme wie die Verwahrlosung von Kindern und die Tatsache, dass ganze Bevölkerungsschichten von dem Anstieg des allgemeinen Lebensstandards wenig bis gar nichts mitbekommen haben gehört zur Wahrheit genauso dazu. Das Ungleichgewicht, die "Schere zwischen Arm und Reich" ist gestiegen, wie auch die Diskussion über überzogene Managergehälter zeigt. Die Rücksichtslosigkeit und die Ellenbogengesellschaft ist so stark wie nie zuvor. Kindesmisshandlung und -verwahrlosung geschehen häufig unter den Augen der Öffentlichkeit, die weg schaut, die das nicht interessiert.

Ich wünsche mir für 2020 ein Deutschland, in dem die Menschen sich wieder mehr umeinander kümmern und nicht die egoistische reine Profitmaximierung im Vordergrund steht. Gesellschaftliche Kräfte und Potentiale entfalten sich immer dann, wenn man als Gesamtheit zu seinem Land und seinen Idealen steht. Dafür muss man aber erst einmal definieren, was das genau ist. Der Begriff "Leitkultur" ist sicherlich verbrannt, denn im Grunde geht es auch gar nicht um Kulturen oder Unterschiede zwischen ihnen aufzuzeigen, sondern die Gemeinsamkeiten. Eine Diskussion darüber, welche Grundwerte wir als Deutsche oder besser als Europäer hochhalten wollen halte ich aber für unheimlich wichtig. Für mich ist das ein aufgeklärtes tolerantes Weltbild. Dazu gehört die Ächtung von Ehrenmorden genauso wie die Ablehnung der Todesstrafe oder den absurden Vorstellungen, Kinder in den Knast zu stecken. Wer dies fordert begibt sich geistig vor die Aufklärung ins Mittelalter.

Die Probleme der bildungsfernen, perspektivlosen Schichten hat in Frankreich tatsächlich eine Brisanz erreicht, die wir bisher in Deutschland noch nicht erlebt haben. Aber es ist bereits absehbar, dass auch wir dahin kommen werden, wenn nichts passiert. Ich habe auch kein Patentrezept, mit dem man von heute auf morgen dieses Problem lösen kann. Komplexe Probleme haben keine einfachen Lösungen. Ehen wir den Tatsachen ins Auge: Durch Computerisierung, Automatisierung und allgemein Rationalisierung fallen immer mehr einfache Arbeitsplätze weg. Selbst ein Bäcker muss heutzutage mit teilweise komplexen Maschinen umgehen können. Die Jugendlichen mit schlechten oder ganz ohne Bildungsabschlüsse merken das natürlich und das führt je nach Charakter entweder zur Selbstaufgabe und Abstumpfung oder zu Aggressionen. Ich wünsche mir ein Deutschland 2020, das dieses Problem in den Griff bekommen hat. Dazu braucht es zum einen ein vollkommen anderes Bildungssystem, das nicht mehr auf Selektion in Gewinner und Verlierer setzt sondern versucht, die Verlierer zu Gewinnern zu machen. Wer heute auf der Haupt- oder Sonderschule ist, der weiß genau, dass er mit einem noch so guten Abschluss kaum eine Chance haben wird. Wenn man dann von zu Hause auch noch keinerlei Unterstützung und Motivation erfährt, dann ist es vermessen von diesen Menschen zu erwarten, dass sie selbst aus ihrem Käfig ausbrechen. Das wäre etwas, wo die Politik handeln muss. Als GAL haben wir ein Vorschlag für ein neues Schulmodell, das unserer Meinung nach diese Probleme an der Wurzel anpackt: "9-macht-klug": www.hamburg-kreativestadt.de

Gleichzeitig brauchen wir aber ein gesellschaftliches Bewusstsein für diese Probleme. Es darf nicht immer erst dann über sozial problematische Gebiete im Fernsehen berichtet werden, wenn irgend ein schlimmes Ereignis eingetreten ist. Jugendliche brauchen Vorbilder von Menschen, die erfolgreich aus dem Teufelskreis der Perspektivlosigkeit ausgebrochen sind, darüber muss auch berichtet werden um den Jugendlichen Hoffnung zu geben. Menschen aus sozial problematischen Stadtteilen sind nicht dümmer als Menschen aus den Hamburger Villenvierteln. Ich erwarte von Firmen und Betrieben, dass sie ihre gesellschaftliche Verantwortung annehmen und sich zusammen tun, Patenschaften für solche Gebiete übernehmen. Dass sie gezielt Jugendliche aus diesen Gebieten holen und ihnen eine Chance geben. Wenn dann darüber noch groß berichtet wird, dann hat sowohl das Unternehmen etwas davon als auch die Jugendlichen, die ernst genommen werden, die eine Chance im Leben bekommen. Eine Keimzelle für eine erfolgreiche Veränderung benachteiligter Stadtteile und Quartiere können ehrenamtliche Stadtteilbeiräte sein, die bereits jetzt einen unverzichtbaren Beitrag zur Stärkung des Lebens vor Ort sind.. Hier braucht es mehr Unterstützung durch die Politik. Einige konkrete Maßnahmen, die wir für benachteiligte Stadtteile ergreifen möchten finden sich ebenfalls unter: "Viertel vor": www.hamburg-kreativestadt.de

Das sind alles keine Patentrezepte und vielleicht teilweise auch Dinge, die sich im Nachhinein als Falsch oder wirkungslos herausstellen. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann ist, dass wenn nichts getan wird die Probleme nicht von alleine verschwinden werden, sondern größer werden.

Weitere wichtige Maßnahmen um den sozialen Frieden sicher zu stellen sind ein gerechtes Steuersystem, in dem die starken Schultern mehr tragen als die Schwachen und nicht Unternehmen ihre Steuerschuld auf Null herunter rechnen können.. Genauso verwerflich finde ich es, wenn einige bekannte Sportler, Showmaster, Manager etc. zwar in Deutschland den Ruhm und das Geld einheimsen, aber ihre Steuern nicht hier zahlen. So etwas muss endlich gesellschaftlich geächtet werden. Viele dieser Menschen sind darüber hinaus ja erst mit deutschen Fördergeldern so bekannt geworden. Und natürlich muss es einen Mindestlohn geben, der den Menschen das Gefühl gibt, dass ihre Arbeit etwas wert ist und der dafür sorgt, dass sie ihre Familien ernähren können.

Auch innerhalb der GRÜNEN findet derzeit eine hoch spannende Diskussion zum Thema "Bedingungsloses Grundeinkommen" statt. Informationen dazu finden sich beispielsweise hier: de.wikipedia.org Die Politik ist also nicht ganz so untätig, wie sie manchmal erscheint. Große gesellschaftliche Sprünge brauchen allerdings die entsprechenden politischen Mehrheiten. Eine große Koalition ist in dem Sinne denkbar ungeeignet.

Natürlich gibt es für Deutschland noch weitere Herausforderungen, die nicht direkt im sozialen Bereich liegen. Zu nennen wäre da beispielsweise der Klimawandel, der Hamburg ja direkt bedroht und der absehbar zu größeren Völkerwanderungen auf der Welt führen wird. Aber ich glaube, dass sie mit ihrer Frage vor allem einen Fokus auf den sozialen Frieden legen wollten und das habe ich auch mit meiner Antwort versucht.

Ich hoffe, dass ich Ihnen einige meiner Gedanken zu diesem schwierigen Thema darlegen konnte.

Mit freundlichen Grüßen,
Vasco Schultz
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Frage zum Thema Innere Sicherheit und Justiz
16.01.2008
Von:

Ihr Vergleich zu den USA ist für mich ungeeignet. Die USA haben rd. 290 Mio. Einwohner, rd. 3,5 mal so viele wie in der BRD. Dort gibt es kein vernünftiges soziales System. Im Falle einer Arbeitslosigkeit gibt es nach wenigen Wochen keine staatliche Hilfe. Auch die dortige Krankenversicherung ist unzureichend. Die USA sind auch ein Staat, der Schußwaffenkriminalität nicht in Verbindung mit Schußwaffen bringt. Wenn man Menschen mit "den Rücken an die Wand" stellt, Sie bewaffnet und dann steigende Kriminalitätraten hat, ist soetwas allenfalls logisch.

Der zitierte § 3 GG ist richtig, wird aber nicht angewandt. Alle Bundesbürger haben mit 18 Wahlrecht und sind nach dem Gesetz volljährig. Jedoch ist es im Strafrecht ein Unterschied, ob ein Täter 18 oder 21 Jahre alt ist. Ebenso wenn ein Migrant "Scheiss Deutscher" sagt, wird nicht wegen Volksverhetzung ermittelt. Ich halte es für unverzichtbar eine Straftat auch mit einem Bestrafungsgedanken zu verurteilen, da ansonsten Straftat, Folgen und Einsicht auf der Strecke bleiben. Ihre Präventionsmaßnahmen in Form von Erziehung, Sozialleistungen etc. sind logisch und sicherlich hilfreich. Aber wie bekannt ist, gibt es z.Z. Intensivtäter, wo derartige Maßnahmen nicht (mehr) helfen. Auch kann eine zu "lasche" Bestrafung im Umkehrschluß bei den "Delinquenten" zu der Erkenntnis führen, dass Straftaten folgenlos bleiben.

Subjektiv wird (mir zumindest) der Eindruck vermittelt, Ordnungskräfte und Polizei sind fast ausschliesslich mit Bagatelldelikten betraut. So dudeln im Fernsehen Dokumentationen über Blitzer(autos), Ordnungsamt etc. auf und ab und auch, wie Sie bemerkten, das Verhältnis zwischen dem Vergehen und Strafhöhe bzw. die Art der Strafverfolgung nicht existiert. Opfer müssen für eine Schadenbeseitigung entweder selber sorgen, sich versichern lassen oder private Organisationen, wie z.B. vom weissen Ring um Hilfe fragen.

Deswegen die Nachfrage : Wie sehen Sie künftig den Opferschutz/die Opferunterstützung vom Staat ?
Antwort von Vasco Schultz
9Empfehlungen
19.01.2008
Vasco Schultz
Sehr geehrter Herr ,

Sicherlich ist der direkte Vergleich von Deutschland und den USA nicht 1:1 möglich. Er ist aber ein Indiz dafür, dass der Schluss härtere Strafen = weniger Verbrechen unzulässig ist. Weitere Informationen finden sich z.B. hier unter dem Punkt "Wirken Strafen?" www.bundestag.de

Zum §3GG:
Ich sehe immer noch nicht die Ungleichbehandlung: Für alle Heranwachsenden zwischen 18 und 21 gelten die gleichen Regeln im Bezug auf das Strafrecht: Je nach geistiger Reife sind sie entweder nach Jugendstrafrecht oder allgemeinem Strafrecht zu verurteilen.
Wenn ein Deutscher einem Ausländer gegenüber nur die Worte "Scheiß Ausländer!" äußert, dann wird auch nicht wegen Volksverhetzung ermittelt. Der Tatbestand der Volksverhetzung ist im §130 StPO geregelt: www.gesetze-im-internet.de
Die Prüfung der Volksverhetzung würde genauso bei einer Äußerung in der Richtung: "Scheiß Deutscher" stattfinden. Es gab Fälle von Übergriffen und Beschimpfungen gegenüber Ausländer bzw. "fremd aussehenden" Menschen - über die auch berichtet wurde -, bei denen der Sachverhalt der Volksverhetzung auch nicht fest gestellt wurde sondern einfach eine allgemeine Gewaltbereitschaft. Aus meiner - wie gesagt nicht juristisch geprägten Sicht - ist beispielsweise der verbrecherische Überfall in München keine Volksverhetzung.

Ich stimme mit Ihnen darin absolut überein, dass eine "zu lasche" Bestrafung bei Jugendlichen und Heranwachsenden auch dazu führen kann, dass sie den Staat nicht mehr ernst nehmen. Aber das Jugendstrafrecht bietet aus meiner Sicht genügend Möglichkeiten auch für harte Strafen. Die Anwendung des Jugendstrafrechts findet durch Richter und Schöffen statt. Jeder Bürger kann Schöffe werden und selbst dazu beitragen, dass Gerichte eine angemessene Strafe finden. Informationen zur Berufung von Schöffen findet man z.B. hier: dibis.dufa.de
Leider richtet sich der Fokus der Öffentlichkeit immer darauf, wo das Jugendstrafrecht versagt hat aber nicht auf die vielen Fälle, wo Jugendliche erfolgreich von einer kriminellen Karriere abgehalten werden konnten. Die "Bild" könnte jeden Tag über einen Jugendlichen berichten, der durch das Jugendstrafrecht erfolgreich von der schiefen Bahn geholt werden konnte. Aber das ist eben nicht spektakulär und befriedigt auch nicht den nach Blut schreienden Voyeurismus der Massen.
Auch der Weiße Ring fordert in einer Stellungnahme mehr Besonnenheit in der aktuellen Diskussion und setzt eher auf Prävention: www.weisser-ring.de

Der Hauptfokus der Justiz liegt aus meiner Sicht grundsätzlich zu Recht auf der Findung einer angemessenen Strafe für den Täter oder die Täterin. In einigen Punkten, die auch der Weiße Ring nennt, muss aber der Schutz der Opfer verbessert werden. So beispielsweise bei der Betreuung der Opfer und deren Rechten auf Informationen. Auch muss vermieden werden, Opfer im Laufe eines Prozesses weiter zu traumatisieren. Verschiedene Forderungen des Weißen Rings finden sich hier: www.weisser-ring.de
und hier: www.weisser-ring.de
Bei der überwiegenden Mehrheit der Vorschläge handelt es sich natürlich um Vorschläge, die Hamburg nicht alleine durchsetzen kann, weil Bundesgesetze betroffen sind.
Mein Vorschlag wäre, dass ich der Weiße Ring und die verantwortlichen Bundespolitiker zusammen setzen um den Großteil dieser Forderungen abzuarbeiten und im Sinne des Opferschutzes tätig zu werden. Für Forderungen, die in Hamburg umgesetzt werden, werde ich mich gerne einsetzen.

Mit freundlichen Grüßen,
Vasco Schultz
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Frage zum Thema Soziales
18.01.2008
Von:

Hallo, Hr. Schultz,

eigentlich sollte meine Stimme nicht zur GAL wandern, allerdings bringt Ihre Darstellung Ihrer Person diese Einstellung etwas ins Wanken. Sie haben in Ihrer letzten Antwort einen Spruch, ein Zitat geschrieben. Es stammt vom Gründer der Pfadfinderbewegung, Lord Baden-Powell .
Im Bezirk Wandsbek wird (wie fast im restlichen, kompletten Hamburg) sehr wenig getan, um Kinder zu selbstkritischen und motivierten, jungen Menschen zu erziehen. Stattdessen findet eine weitläufige Verrohung statt, geprägt durch ein Weltbild aus Gewaltmusik und Computerspielen.
Dazu bedarf es einer Aufklärung durch Erwachsene, denen Kinder vertrauen, und das in einem Alter, dass es nicht fast zwingend voraussetzt, sich einer Szene/ Gruppe/ Bande anzuschließen, um nicht unterzugehen. Ich denke, man müsste mehr Stätten offener wie auch gruppenorientierter Jugendarbeit schaffen. Stätten, an denen Jugendliche ihre Zeit sinnvoll verbringen können. Dazu gehört auch die entsprechende Werbung zu machen, um dort jemanden "hinzulocken". Ich selbst bin aktiver Pfadfinder und leite eine Gruppe, aber viele Eltern der Kinder sind Hartz IV-Empfänger und somit können diese Kinder manchmal nicht mit oder werden eben schnell wieder abgemeldet/ gar nicht erst angemeldet. Diese Jugendarbeit müsste verstärkt aufgebaut werden.
Das Waffenverbot auf dem Kiez wurde durchgesetzt. Warum werden Tötungssimulationen, also Ego-Shooter und andere, gewaltverherrlichende Computerspiele und Songs nicht aus den Geschäften verbannt? Warum fangen Gesetze nicht gleich zu Beginn der Erziehung zur Gewalt zu wirken statt erst am Ende dieser unseligen Entwicklung?
Immer mehr Kinder gehen statt mit einer Vorstellung einer zu realisierenden und coexistierenden Gesellschaft mit einem aufgebauten Feindbild durch die Welt. Wie vermittelt man wieder echte Werte?
Es grüßt herzlich,
Antwort von Vasco Schultz
14Empfehlungen
21.01.2008
Vasco Schultz
Sehr geehrter Herr ,

Aus meiner Arbeit im Ortsausschuss Rahlstedt kenne ich den Pfadfinderstamm "Mutter Teresa" ein bisschen, der ja auch vor einigen Jahren den Sozialpreis des Ortsausschusses Rahlstedt bekommen hat. Außerdem sehe ich die Pfadfinder regelmäßig auf dem Geländer der Kirchengemeinde Mariä Himmelfahrt, wenn ich zur Bahn gehe.

Die Arbeit der Pfadfinder kann man gar nicht hoch genug einschätzen wie auch die Arbeit der vielen anderen Organisationen und Einzelpersonen, die sich ehrenamtlich engagieren. Auch die meisten Politiker engagieren sich ja ehrenamtlich. Nur eine verschwindend kleiner Anteil sitzt in Land- oder Bundestagen. Die Tatsache, dass sich Jugendliche in Gruppen zusammen schließen zeigt vor allem, dass ein starkes Bedürfnis nach sozialem Miteinander besteht, das nur in vernünftige und produktive Bahnen gelenkt werden muss. Die staatliche Jugendhilfe tut hier einiges durch Häuser der Jugend und Jugendsozialarbeiter, die direkt auf die Jugendlichen zu gehen. Allerdings bin ich der Meinung, dass gerade die aufsuchende Jugendsozialarbeit ausgebaut werden muss, denn viele Jugendliche lassen sich nur noch dadurch erreichen, dass man sie dort abholt, wo sie sind. Und das ist meistens auf der Straße. Stichwort: "Wilde Jugendtreffs". Die Jugendlichen brauchen einfach eine sinnvolle Beschäftigung. Das kann von "Midnight-Basketball" bis zu Theaterstücken gehen, die man gemeinsam in der Gruppe einstudiert und aufführt. Das alles kostet natürlich Geld und die Mittel in der Jugendhilfe sind sehr begrenzt. Im Grunde stellt sich häufig die Frage: Wenn ich dort eine Jugendeinrichtung haben möchte, wo schließe ich dann eine? Das ist natürlich kein Zustand und eine Aufstockung der Mittel in der Jugendhilfe ist generell nötig. Aber selbst mit einer optimalen Ausstattung kann die Jugendhilfe nicht alles leisten, was die Gesellschaft nicht (mehr) schafft. Wir brauchen gesellschaftlich ein Umdenken hin zu mehr Mitverantwortung für andere und zu mehr Anerkennung für ehrenamtliche Arbeit.

Da hapert es sowohl bei den Medien - die berichten meist lieber über Unglücke und Katastrophen als über "langweilige" ehrenamtliche Arbeit aber auch in der Wahrnehmung der politisch Tätigen. Ich fände es beispielsweise einmal überlegenswert, wenn sich alle die, die mit Jugendarbeit zu tun haben - auch und gerade die Ehrenamtlichen - einmal mit den politisch Verantwortlichen zusammen setzen um gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Manchmal sind es auch einfach Berührungsängste, die ein produktives Arbeiten miteinander verhindern. Ich könnte mir gut vorstellen, so ein Treffen einmal zu organisieren. Werte vermittelt man aus meiner Sicht vor allem durch Vorbilder. Diese Vorbilder gibt es, aber leider stehen meistens andere Personen im Fokus der Öffentlichkeit, die man teilweise nicht unbedingt als Vorbilder ansehen kann. Das kann man von der Politik her leider auch nicht unbedingt von Heute auf Morgen ändern. Generell wird der Einfluss der Politik auf die Gesellschaft aus meiner Sicht überschätzt. Politiker können durch ihr persönliches Wirken und durch ihre Integrität Vorbild sein und dadurch ein Umdenken fördern. Gleichwohl sind Politiker auch selbst Spiegelbild der Gesellschaft und genauso mit Fehlern behaftet. Ich habe auch Fehler. Aber Selbsterkenntnis kann ja schon ein Schritt zur Besserung sein.

Das Waffenverbot auf dem Kiez ist grundsätzlich sicherlich positiv, denn hier geht es ja vor allem darum, den Menschen die Waffen aus der Hand zu nehmen und dadurch Schlimmeres zu verhindern. Was das Verbot von "Killerspielen" angeht bin ich eher skeptisch. Gewaltverherrlichende Spiele, Filme etc. können ja bereits jetzt verboten oder mit einer Verkaufsbeschränkung an Minderjährige belegt werden. Trotzdem (oder gerade deswegen?) sind sie vielfach sehr populär und durch das Internet weiterhin frei verfügbar. Das Internet ist in dieser Hinsicht auch nicht zu kontrollieren.

Untersuchungen über die Gefahren von Killerspielen haben unterschiedliche Ergebnisse über die Auswirkungen erbracht. Wie die meisten jüngeren Menschen habe ich selbst Erfahrungen mit ihnen gemacht und glaube eigentlich, dass sie mir nicht geschadet haben. Problematisch wird es dann, wenn man zu sehr in den virtuellen Welten versinkt und deshalb reale soziale Kontakte weniger werden oder ganz abreißen. Das betrifft auch und gerade Spiele, die eine virtuelle soziale Gemeinschaft bieten und die ich aus diesem Grund für weit gefährlicher halte als "Killerspiele", die relativ schnell ihren Reiz verlieren. Teilweise spricht man hier auch von Sucht. Bedeutsam finde ich, dass auch hier der Wunsch nach sozialer Interaktion befriedigt wird, der in der realen Welt nicht mehr statt findet. Es ist vor allem der Wunsch nach Anerkennung, der Jugendlichen je nach Charakter entweder in Jugendgangs, in die virtuelle Welt entführt oder die Sucht entführt. Man ist da eben nicht mehr der schlechte Schüler, der in der Schule immer wieder einen Schlag aufs Selbstbewusstsein bekommt sondern jemand, der respektiert wird oder seine Sorgen zumindest vergessen kann. Sich mit der Realität auseinander zu setzen ist eben anstrengend. Das ist ja auch kein Phänomen der Neuzeit: Vor dem Computerzeitalter waren es manchmal die Bücher, in die man sich geflüchtet hat. Der Unterschied zu früher ist eher der, dass die Gruppe von Jugendlichen, die in der Realität keine Anerkennung mehr bekommen aus meiner Sicht viel größer ist als früher.

Und das ist der Punkt, wo man ansetzen muss: Jeder weiß aus der eigenen Schulzeit, wie leicht man durch Leistungsdruck, schlechte Noten oder das Verhalten von Mitschülern einen Knacks im Selbstbewusstsein bekommt. Gleichgültige Lehrer und Eltern tun dann bei vielen Kindern ihr übriges. Wie leicht ist es da, zu flüchten. Lehrerinnen und Lehrer und vor allem auch die Erzieherinnen und Erzieher in den Kindertagesstätten müssen gerade für diese Kinder und Jugendlichen immer ein offenes Ohr haben. Kinder müssen ermuntert und dürfen nicht herab gesetzt werden. Generell müssen Kinder wissen: Du wirst geachtet und bist etwas wert obwohl und vielleicht sogar gerade weil du auch Schwächen hast. Jeder Mensch hat Stärken - darauf muss man sich konzentrieren und sie ausbauen. Das sollte generell ein Leitbild der Erziehung von Kindern sein: Sie ernst nehmen, sie ermuntern, sich Zeit nehmen und loben. Übermäßigen unproduktiven Leistungsdruck verhindern. Das bringt allemal mehr, als erst im Nachhinein bei Jugendlichen und Heranwachsenden tätig zu werden, wenn sie auffällig geworden sind. Das ist im Übrigen ja auch sehr viel kostengünstiger. Ich habe auch keine Patentrezepte, aber auch mit vielen kleinen Schritten, die in die richtige Richtung gehen kann man die Welt umrunden.

Mit freundlichen Grüßen,
Vasco Schultz
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Frage zum Thema Verkehr / Infrastruktur / Stadtentwicklung
20.01.2008
Von:
Ulf

Lieber Vasco Schulz,

vielen Dank für die vielen exzellent recherchierten und verständlich gemachten Antworten von Ihnen hier auf abgeordnetenwatch.de, Ihr Einsatz und Ihre Gründlichkeit heben Sie und Ihre Partei angenehm hervor.

Heute beim autofreien Sonntag habe ich viele Fahrgäste darüber diskutieren gehört, wieso nicht regelmäßig freie Fahrt eingerichtet werden könnte.

Gibt es realistische Pläne dieser Art von den Grünen?

Mit freundlichen Grüßen,

Ulf
Antwort von Vasco Schultz
10Empfehlungen
21.01.2008
Vasco Schultz
Sehr geehrter Herr ,

zu erst einmal vielen Dank für ihr Lob. Ich finde einfach, dass diejenigen, die eine Frage stellen ein Anrecht auf eine Antwort haben, die auch etwas aussagt. Außerdem kann ich mich auf diese Weise auch mit Themen beschäftigen, mit denen ich bisher eher wenig zu tun hatte und dadurch selbst etwas dazu lernen. Dadurch haben dann ja auch beide Seiten etwas davon. Ein freier autofreier Sonntag ist natürlich eine tolle Sache. Besonders, wenn man kostenlos mit Bus&Bahn fahren kann. Ob sich durch einen einzelnen Tag oder wie jetzt angedacht ein paar autofreie Sonntagen wirklich etwas ändert, wage ich stark zu bezweifeln.

Wer ein Auto hat, der schafft es nicht deshalb ab, weil er an ein paar Sonntagen im Jahr kostenlos mit der Bahn fahren kann. Und wer ein Auto hat, der möchte es natürlich auch benutzen. Ein Effekt würde sich aus meiner Sicht erst dann ergeben, wenn die Fahrpreise entweder drastisch sinken oder die Fahrt mit dem ÖPNV gänzlich kostenlos wird. Und dann natürlich nicht nur am Sonntag.

Pläne, die in diese Richtung gehen haben wir in unserem Wahlprogramm leider nicht. Mein Vorschlag wäre, Gewinne, die man aus der Einführung einer City-Maut oder Umweltzone für Hamburg erwirtschaftet, komplett in die Reduktion der HVV-Fahrpreise und die Verbesserung des Netzes (z.B. Stadtbahn) zu stecken. Das würde die Akzeptanz einer City-Maut respektive Umweltzone sicherlich drastisch erhöhen und gleichzeitig die alternativen Verkehrsmittel fördern. Das ist aber bisher nur ein spontaner Vorschlag, der weder durchgerechnet noch irgendwie in der GAL abgestimmt ist. Was wir in unserem Wahlprogramm fordern ist die Wiedereinführung eines Sozialtickets für unter 20EUR. Mit einer Reduktion der Fahrpreise durch die City-Maut oder Umweltzone wäre auch nicht nur der Sonntag ein Tag, an dem man preiswert mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren kann, sondern auch die für die Klimabilanz viel wichtigeren Arbeitstage. Darüber hinaus würde der Druck von den Straßen kommen und der ständige Ruf nach mehr, breiteren und schnelleren Straßen würde verstummen.

Aus der bezirklichen Arbeit im Verkehrsausschuss weiß ich, wie schnell solche Forderungen kommen. Dabei locken breitere und schnellere Straßen nur noch mehr Verkehr an und nach ein paar Jahren wiederholt sich die Forderung nach dann eben noch breiteren Straßen.

Mit freundlichen Grüßen,
Vasco Schultz
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Frage zum Thema Verkehr / Infrastruktur / Stadtentwicklung
09.02.2008
Von:
Jan

Sehr geehrter Herr Schultz,

Forderungen von Bündnis 90/DIE GRÜNEN restriktivere Tempolimits zu erlassen habe ich mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis genommen. Zwar erkenne ich den ökologischen Sinn einiger Tempolimits, doch gerade innerstädtische Limits erscheinen mir in der Praxis schwer umsetzbar. Wie ist die Position Ihrer Partei zu innerstädtischen Limits und welches Augenmerk legen Sie hierbei auf Aspekte wie Verkehrsfluss etc. ?

Vielen Dank!

  • Jan
Antwort von Vasco Schultz
8Empfehlungen
12.02.2008
Vasco Schultz
Vielen Dank für ihre Frage.
Wir setzen uns in Hamburg dafür ein, dass Tempo 30 zur Regelgeschwindigkeit wird, Tempo 50 als Ausnahme auf Hauptverkehrsstraßen gilt. Durch niedrigere Geschwindigkeiten sinkt nicht nur die Unfallgefahr und die Unfallschwere (z.B. wegen kürzerer Bremswege), sondern wie Untersuchungen zeigen steigt dadurch auch die Leistungsfähigkeit der Straße. Als optimale Geschwindigkeit für die Leistungsfähigkeit innerörtlicher Hauptverkehrsstraßen gibt eine Untersuchung der Universität Kaiserslautern Tempo 40 an (Einsatzbereiche des Entwurfsprinzips "weiche Trennung" an innerörtlichen Hauptverkehrsstraßen, Grüne Reihe, Band 16).
Das erscheint nur auf den ersten Blick paradox, denn durch eine maßvolle Geschwindigkeit verringern sich natürlich die Abstände zwischen den Autos. Das wichtigste ist aber, dass für die Leistungsfähigkeit innerörtlicher Hauptverkehrsstraßen eben nicht die Geschwindigkeit maßgeblich ist, sondern es sind die Knotenpunkte. Also die Ampeln! Die meisten Knotenpunkte haben bei Tempo 40 ihre maximale Leistungsfähigkeit im Zusammenspiel zwischen Grünzeiten, Räumzeiten und Wartezeiten. Das bedeutet, dass ein Knotenpunkt bei dieser Geschwindigkeit die maximale Anzahl an Fahrzeugen pro Zeiteinheit bewältigen kann. Wir möchten deshalb Tempo 40 testweise ausprobieren.
Absolut kontraproduktiv sind die derzeit eingeführten Tempo 60 Strecken auf beispielsweise der B75. Denn abgesehen davon, dass Tempo 60 schlicht nichts bringt, was den Verkehrsfluss anbelangt, erhöht sich der Lärmpegel und die Abgasbelastung der Anwohner. Vom Feinstaub gar nicht zu sprechen.
Eine Stadt ist in erster Hinsicht für die Menschen (und vor allem auch die
Kinder) da. Ihre Gesundheit und Sicherheit steht aus meiner Sicht eindeutig
vor höheren Geschwindigkeiten.
Meiner Ansicht nach braucht ein normaler Berufstätiger in Hamburg für seinen Weg zur Arbeit in Hamburg auch kein Auto. Untersuchungen haben gezeigt, dass mehr als 2/3 aller Autofahrten schlicht unnötig sind, weil man entweder mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit Bus&Bahn schneller und kostengünstiger am Ziel wäre. Würden diese 2/3 der Hamburgerinnen und Hamburger Vernunft alten lassen und ihr Auto nur dann benutzen, wenn es wirklich nötig wäre, dann wäre das nicht nur für sie selbst gesunder und kostengünstiger. Nein - Auf Hamburgs Straßen würde der Verkehr endlich wieder gut fließen.

Mit freundlichen Grüßen,
Vasco Schultz
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