Ulla Jelpke (DIE LINKE)
Abgeordnete Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Ulla Jelpke
Jahrgang
1951
Berufliche Qualifikation
Friseurin, Kontoristin, Buchhändlerin, Diplom-Soziologin, Volkswirtin
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages, Journalistin
Wahlkreis
Landesliste
Landeslistenplatz
5, Nordrhein-Westfalen
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(...) Sollte so eine Kampagne auch in Deutschland geplant sein und auf den zu erwartenden Widerstand stoßen, werde ich mich gerne öffentlich dafür stark machen, dass auch hier entsprechende Sprüche auf öffentlichen Verkehrsmitteln die Menschen zum Nachdenken anregen. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Internationales
07.06.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Jelpke,

da Sie in meinem Wahlkreis als Abgeordnete des Bundestages aufgestellt sind, interessiert mich folgender Umstand. Sie sind gemäß Ihrer Homepage in der AG Cuba Si und unterstützen den kubanischen Staat in seinem Kampf für seine Selbstbestimmung. Mich interessiert nun, ob Sie auch den kubanischen Staat und vornehmlich die kubanische Regierung in ihrem Kampf gegen die innerkubanische Opposition unterstützen. Des Weiteren interessiert mich, ob Sie den Umstand befürworten, dass der kubanische Staat die Todesstrafe ausübt. Für eine Antwort bin ich Ihnen sehr verbunden und verbleibe mit

freundlichem Gruß
Darius Muschalik
Antwort von Ulla Jelpke
18Empfehlungen
09.06.2008
Ulla Jelpke
Sehr geehrter Herr Muschalik,

kein Mensch behauptet, dass auf Kuba in Sachen Menschenrechte eitel Sonnenschein herrsche. Insbesondere in der Todesstrafe sehe ich tatsächlich einen Menschenrechtsverstoß, und das sage ich auch, wenn ich in Kuba bin.
Allerdings bin ich der Ansicht, dass es auf der ganzen Erde keinen einzigen Staat gibt, dem man quasi ein menschenrechtliches Unbedenklichkeitszeugnis ausstellen könne. Und im Vergleich mit vielen anderen schneidet Kuba aus meiner Sicht gar nicht schlecht ab. Zu berücksichtigen sind schließlich auch die sozialen Menschenrechte, d. h. beispielsweise das Recht auf Bildung und Gesundheit. Wenn man da Kuba, das immerhin ein Entwicklungsland ist, mit den anderen Entwicklungsländern in Lateinamerika vergleicht, ist es führend. Und selbst im Vergleich zu den hochentwickelten USA ist Kuba überlegen, wenn Sie zum Beispiel die Alphabetisierungsrate oder den Zugang zum Gesundheitssystem vergleichen. In den USA mag es die ausgefeiltere Technik geben, aber Sie wissen sicherlich genauso gut wie ich, dass das dort zunehmend eine Sache für die Reichen ist.

Ausschlaggebend für meine Solidarität mit Kuba ist, mehr noch als der gegenwärtige Ist-Zustand, die Entwicklungsrichtung, die dieses Land eingeschlagen hat. Aus dem verarmten und ausgeplünderten Hinterhof der USA hat sich ein emanzipiertes, mit fortschrittlichen Bewegungen und den Armen in der ganzen Region solidarisches Land entwickelt. Da ist, wie gesagt, noch vieles zu verbessern, sicherlich auch in Hinsicht auf Oppositionsgruppen, aber die Tendenz, die Kuba nimmt, ist positiv, und dieser Entwicklung gilt meine Solidarität. Der kapitalistische Weg kann, wenngleich er im Moment machtpolitisch einen Höhepunkt erreicht hat, nicht die Zukunft sein, weil das ein Horror für die Menschheit wäre.

Außerdem darf natürlich nicht übersehen werden, dass manche Oppositionsgruppen (nicht alle!) daraufhin orientieren, die Entwicklung Kubas im Schulterschluss mit der US-Regierung umzukehren. Sofern sie dabei als Agenten der USA agieren, möchte ich Sie darauf hinweisen, dass Betätigungen wie etwa "Hochverrat" auch in der Bundesrepublik unter Strafe stehen.
Man kann darüber diskutieren, ob das so sein soll; aber es geht nicht an, dann die Kritik auf Kuba zu beschränken.

Mit freundlichen Grüßen
Ulla Jelpke
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
26.06.2008
Von:

Schönen guten Morgen, Frau Jelpke

Nachdem ich einige ihrer Antworten gelesen habe, scheinen Sie mir ja einer der Lichtblicke in unserer politischen Landschaft zu sein. Darum richte ich meine Frage mal direkt an Sie.

Zuerst mal die Übersetzung eines Wortes die den meisten unserer Abgeordneten unbekannt zu sein scheint:
DEMOKRATIE=VOLKSHERRSCHAFT

Als das Grundgesetz konstruiert wurde hat man viele Artikel der Weimarer Verfassung von 1919 fast wörtlich übernommen.Unglücklicherweise hat man dabei den Art.73 "übersehen" der eine meiner Meinung nach ganz gute Regelung zum Thema Gesetze und Volksentscheid beinhaltete.
Naja,kann ja mal passieren!

Als man jetzt in Irland dieses demokratischste aller Instrumente beim "Lissabon Vetrag" anwandte,sagte das Volk,nein!
Danach hörte ich in den Medien von Frau Merkel immer wieder so Sätze wie:" Die Iren haben als einzige diesen Vertrag abgelehnt....usw.
Dabei scheint sie zu vergessen daß sowohl das französische als auch das niederländische Volk dies bei der ersten Abstimmung ebenfalls getan haben und diesmal nur durch einen bürokratischen Winkelzug von der Last einer erneuten Entscheidung befreit wurden!
Naja,kann ja auch mal passieren!

Aber wie erklären sich unsere Politiker die Tatsache daß jedesmal wenn dieses demokratische Instrument angewendet wird,sich das Volk gegen seine "Vertreter" ausspricht?
Welche Konsequenzen werden daraus gezogen?

Mit besten Wünschen

Antwort von Ulla Jelpke
64Empfehlungen
27.06.2008
Ulla Jelpke
Sehr geehrter Herr ,

dass die Regelungen zur Volksabstimmung, wie sie die Weimarer Verfassung kannte, im Grundgesetz "übersehen" worden seien, ist hübsch formuliert. Warum die Bevölkerung möglichst nicht direkt mitreden soll, begründen die Herrschenden seit 1949 im Wesentlichen mit angeblichen "Erfahrungen" aus der Weimarer Republik. Tatsächlich hat es da aber gerade zwei (2) Volksabstimmungen gegeben: Zur Enteignung der Fürsten und gegen den Panzerkreuzer B. Beide sind an zu geringer Beteiligung gescheitert. Weitere Initiativen sind gestartet worden, haben aber nicht genügend Unterschriften erhalten, um überhaupt zur Abstimmung zu kommen. An zu vielen Volksabstimmungen ist die Weimarer Demokratie also ganz bestimmt nicht gescheitert. Andersrum ist es richtig: Zu Grabe getragen wurde die Republik vom Parlament selbst, das mit den Stimmen von Nazis, Nationalkonservativen und Bürgerlichen dem Ermächtigungsgesetz zustimmte. Also: zu viel repräsentative und zu wenig direkte Demokratie!

Ich freue mich natürlich, dass die Bevölkerung des kleinen Irland so standhaft gegen die Tonangebenden der ganzen EU geblieben ist. Was die Regierungen und die Parlamente der EU betreiben, ist der Abbau von politischen und sozialen Grundrechten (das nennt sich dann "Harmonisierung") und die Militarisierung von Innen- wie Außenpolitik. Die Bevölkerungen würden dem kaum zustimmen, deshalb fragt man sie ja auch gar nicht erst. Und deswegen wird ja fast das Gleiche, was in der EU-Verfassung stand, nun im Lissaboner Vertrag verankert. Die Fraktion DIE LINKE fordert selbstverständlich, über EU-Verfassungen auch in der BRD die Bevölkerung abstimmen zu lassen. Außerdem haben wir einen Antrag in den Bundestag eingebracht, der Volksabstimmungen fordert. Das Dokument finden Sie hier: dokumente.linksfraktion.net

Solange die repräsentative Demokratie jenseits der Bevölkerungsmeinungen agiert und die direkte Demokratie verweigert, gilt es den Druck auf der Straße zu verstärken.

Viele Grüße
Ulla Jelpke
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Frage zum Thema Integration
07.07.2008
Von:

Schönen gute Abend, Frau Jelpke!

Heute habe ich mal eine Frage zum Thema Rassismus.
Wenn man sich in der Natur mal etwas umsieht, wird man feststellen dass alle dort vorkommenden Lebensformen ihrem jeweiligen Umfeld entsprechend perfekt angepasst sind.
Nehmen wir mal ein großes schwarzafrikanisches Dorf. Die schwarze Haut schützt die Menschen vor der sengenden Sonne und sie haben genetisch bedingt weniger Körperfett als z.B. Europäer. Das liegt einfach daran, dass ein solches "Winterpolster" mangels Winter recht überflüssig ist. ( Lassen wir hier die Ernährungsprobleme mal außer Acht, da diese nicht natürlich sondern von uns selbst konstruiert sind.)
Wenn man nun dieses ganze Dorf in ein von mir aus skandinavisches Land umsiedelte, würde die Natur gemäß dem neuen Umfeld reagieren und nach einer entsprechenden Anzahl von Generationen gäbe es dort keine Farbigen mehr, sondern ein großes Dorf hellhäutiger blonder Menschen.
Ich glaube dieses Modell kann man auf alle sogenannten "Rassen" dieser Welt anwenden!

Und da in der Natur letztendlich alles logisch ist bleibt für mich nur der Schluss das es gar keine unterschiedlichen "Rassen" geben kann, sondern nur eine "Standardausführung Mensch mit verschiedenen geographischen und klimabedingten Feineinstellungen".

Aber dann wäre ja auch jede Form von "Rassismus" völlig absurd, denn wie kann jemand etwas hassen, das gar nicht existiert?
Und warum schafft es unsere Regierung mit ihren ganzen Experten nicht, diese simplen Dinge den Menschen zu vermitteln?
Oder liege ich mit meinen Überlegungen so falsch?

Viele Grüße


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Frage zum Thema Inneres und Justiz
15.07.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Jelpke,

Gerade habe ich nochmals einen Artikel über Sie und von Ihnen gemachte Aussagen bezüglich Wolfgang Schäuble gelesen - Zitat aus dem Artikel:
"»Der oberste Verfassungsfeind sitzt im Innenministerium«, sagte die innenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion »Die Linke«, Ulla Jelpke, und forderte die Abschaffung des Verfassungsschutzes.

In diesem Punkt stimme ich Ihnen voll zu, denn Wolfgang Schäuble ist nicht tragbar, insbesondere durch seinen ausgeprägten Verfolgungswahn schadet er mehr, als das er nützt.
Gerade in diesem Zusammenhang würde ich gerne einmal wissen - obwohl es eigentlich nicht das Hauptthema ist, doch ganz sicher einen unmittelbaren Zusammenhang aufweist, wie die Bundesregierung sich zu den "Stand-Behind-Armeen" äußert, die nachweislich dazu eingesetzt wurden, Politische Gegner der Linken Richtung entweder Mundtot zu machen oder sogar an terroristischen Aktionen teilzunehmen oder diese Auszuführen.

Als Grundlage für diese Aussagen gilt das von Dr. Daniele Ganser schon im Jahre 2005 herausgebrachte Buch - und jetzt seit März auf Deutsch erhältlichem Buch "Nato Geheimarmeen in Europa -inzinierter Terror und verdeckte Kriegsführung."

Mit freundlichem Gruß


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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
20.07.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Jelpke,

bevor ich Ihnen meine Fragen stelle möchte ich vorab um eventuelle Missverständnisse vorzubeugen einige Angaben zu meiner Person machen.

Ich selbst bin seit über 10 Jahren freiwillig bei der Bundeswehr. Ich bin ein entschiedener Anhänger des Grundgesetzes und lehne ganz ausdrücklich Extremismus von allen Seiten ab. Ich halte Parteien wie die NPD für verbrecherisch.
Ich finde es aber äußerst merkwürdig dass es Persönlichkeiten des Bundestages gibt, unter anderem auch Sie, die persönlich, die Bundeswehr von dem alltäglichen Leben abschneiden wollen. Warum wollen Sie die Armee der Demokratie in der Kaserne verbannen? Die bisher einzigste militärische Institution in der Geschichte Deutschlands die sich audrücklich für Menschenrechte, Demokratie und Freiheit einsetzt soll von der Öffentlichkeit ferngehalten werden. Warum?
Wieso sollen sich diejenigen, die sich per Gelöbnis für die Grundrechte der Demokratie einsetzen und Intolleranz ablehnen in die Kasernenhöfe zurückziehen? Wo sonst gibt es ein ähnlich starkes Bekenntnis junger Menschen zu unserer Verfassung und den Grundideen der Menschenrechte? Im Gegensatz zur Wehrmacht, zur NVA und zur Stasi werden bei der Bundeswehr keine militaristischen Ideale verhamlost. Unsere Kinder werden im Gegensatz zur Nationalen Volksarmee nicht zu gewissenlosen Republikjägern und Mauerschützen erzogen. Vielmehr werden die Ideale der Demokratie und der Grundrechte verteidigt.
Warum also diese Ihre Haltung?
Vielen Dank für Ihre Antwort.

Mfg

Antwort von Ulla Jelpke
22Empfehlungen
23.07.2008
Ulla Jelpke
Sehr geehrter Herr ,

eines will ich Ihnen vorab versichern: Mein Votum gegen öffentliche Gelöbnisse hat nichts damit zu tun, dass ich ein generelles und pauschales Misstrauen gegen sämtliche Angehörige der Bundeswehr empfinde.
Ich empfinde aber ein großes Misstrauen gegen die Führung der Bundeswehr. Seit 1990 wird sie Schritt für Schritt umgebaut. Um die "Verteidigung", die ja Gegenstand des Treuebekenntnisses beim Gelöbnis ist, geht es doch schon lange nicht mehr. Es geht darum, jederzeit und überall interventionsfähig zu sein. Spätestens seit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf Jugoslawien wissen wir, dass wir den Bekenntnissen der Politik (aber auch der Bundeswehrgeneralität), sich stets an Grundgesetz und Völkerrecht zu halten, nicht trauen dürfen.
Die Unterstützungsleistungen der Bundesrepublik - und auch militärischer Dienststellen - für den Angriff der USA auf den Irak sind vom Bundesverwaltungsgericht ebenfalls für "zweifelhaft" erklärt worden.
Vor einem Jahr erst wurde die Bundeswehr zur Hilfspolizeitruppe anlässlich des G8-Gipfels.

Was nun das Gewissen oder die "Gewissenlosigkeit" angeht, so muss ich leider feststellen, dass sich nur sehr wenige Bundeswehrangehörige den Zumutungen ihrer Führung verweigern. Namentlich bekannt sind mir nur Oberstleutnant Rose und Major Pfaff, darüber hinaus gibt es immer wieder einige Grundwehrdienstleistende, die kurz nach Dienstantritt ihre Kriegsdienstverweigerung erklären und/oder eigenmächtig abwesend bzw. fahnenflüchtig werden. Ich will das nicht allzu moralisierend behandeln (Soldaten sind potentielle Arbeitslose), aber diese Tatsache lässt mir öffentliche Militärzeremonien nicht angebrachter erscheinen.

Um es zusammenzufassen: Das was die Bundeswehr derzeit unternimmt, bzw. das, was die Politik mit ihr unternimmt, hat mit dem Verfassungsauftrag nicht mehr viel zu tun. Und da gibt es dann für mich nichts zu feiern. Abgesehen davon finde ich solche mythisch überhöhten Rituale in einer Demokratie ohnehin deplatziert. Wenn die Bundeswehr dennoch in die Öffentlichkeit geht, muss sie auch mit öffentlicher Kritik leben. Das geht mir ja im Prinzip nicht anders.

Mit freundlichen Grüßen

Ulla Jelpke
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