Ulla Jelpke (DIE LINKE)

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Frage zum Thema Inneres und Justiz
29.01.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Abgeordnete,

ich bemerke in meiner persönlichen Umgebung immer öfter "Jugendgangs" und kriminelle Jugendliche, welche nicht nur Delikte wie Raubüberfall oder Taschendiebstahl verüben, sondern auch familiäre Konklikte offen auf deutschen Straßen ausüben. Ich kann berichten von einem 18 jährigen "Jugendlichen", marokanisch muslimischer Herkunft, welcher sein Auto als Waffe einsetzte um seinen Onkel zu attaktieren, anschließend wurde noch ein Messer gezogen. Er gab am letzten Prozesstag, die Taten zu, und wurde daraufhin zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Meiner Meinung nach sollten "Jugendliche", welche solch eine kriminelle Energie aufweisen, nicht mit einer Bewährungsstrafe davon kommen. 2 Waffen im Einsatz, also das Messer immer dabei, = Bewährungsstrafe? Der Kriminelle lacht den deutschen Staat doch aus. Planen sie dagegen etwas zu tun?
Des Weiteren ist mir aufgefallen, dass der Anteil an Straftatten in meinem persönlichen Umfeld, oft von "Jugendlichen" begangen werden, welche dem Islam angehören, sehen Sie eine konkrete Verbindung zwischen dem Islam und diesen Straftaten?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Ulla Jelpke
15Empfehlungen
05.02.2008
Ulla Jelpke
Sehr geehrter Herr ,

eine Verschärfung des geltenden Jugendstrafrechts lehne ich ab. Die langjährige kriminologische Erfahrung beweist: Wegsperren ist kontraproduktiv. Laut dem Leiter des kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen Professor Christian Pfeiffer war die Rückfallquote von Insassen so genannter Boot Camps in den USA sogar höher als bei Straftätern, die zu Bewährungsstrafen verurteilt wurden.

Entscheidend ist, dass überall dort, wo auch Jugendliche mit Migrationshintergrund schulisch gut integriert sind, die Kriminalität deutlich gesunken ist. Bei schlechten schulischen und beruflichen Chancen für solche Jugendlichen drohen diese dagegen in Gewaltkriminalität abzurutschen. Es ist ein Irrglauben zu denken, soziale Probleme ließen sich mit Mitteln des Strafrechts lösen. Jeder, der Sachverstand in der Kriminologie und der Sozialwissenschaft hat, sagt: Wir müssen die Bildungschancen verbessern, wir müssen Integration fördern, wir müssen die Verarmung breiter Bevölkerungskreise aufhalten. Dieser Forderung schließt sich DIE LINKE an.

Ich kenne weder Ihr persönliches Umfeld, in dem Straftaten passierten, noch die Art der begangenen Straftaten, noch die religiöse Überzeugung der Täter. Ich weiß auch nicht, woher Sie Ihr Wissen über die religiöse Überzeugung eines Täters ableiten. Allein die Tatsache, dass jemand in der Türkei oder Marokko geboren wurde oder dass dessen Eltern aus einem Land des Nahen Ostens stammen, besagt nichts über die Religion eines Menschen. Dort leben außer Muslimen auch Christen, Juden, Aleviten, Yeziden, Drusen, Atheisten, Freidenker etc Einen Zusammenhang zwischen der religiösen Überzeugung eines Straftäters und seiner Tat kann ich in der Regel nicht erkennen. Eine Ausnahme wären beispielsweise Angriffe von christlichen Fundamentalisten auf Abtreibungskliniken. Auch der christliche Fundamentalist George W. Bush wäre hier zu nennen, der seinen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Irak als von Gott befohlen bezeichnete.

Mit freundlichen Grüßen
Ulla Jelpke
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
07.02.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Jelpke,

das Bundesfamilienministerium benutzt die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, um im Interesse der Kirchen die Meinungsfreiheit teilweise abzuschaffen.
Mit unhaltbaren Vorwürfen wurde die Indizierung des religionskritischen Kinderbuches

"Wo bitte geht`s zu Gott? fragt das kleine Ferkel"

beantragt - dazu www.ferkelbuch.de .
In einer Unterstützerliste haben schon mehr als 3000 Personen ihren Protest gegen das grundgesetzwidrige Verhalten des Ministeriums deutlich gemacht.

Bitte lesen Sie ferner meine Mail in Abgeordnetenwatch an MdB Hans-Christian Ströbele vom 4.2.08.
In Schulbüchern wird der Hassprediger Martin Luther durch Verschweigen seiner Hetzschriften verherrlicht. Warum gab es bisher keinen Indizierungsantrag? Hier zeigt sich ganz deutlich, daß mit zweierlei Maß gemessen und dadurch unser Rechtsstaat beschädigt wird.

Die Bundesprüfstelle ist dem Familienministerium nachgeordnet. Wie wird sich das beim Indizierungsantrag auswirken?

Im Entscheidungsgremium der Bundesprüfstelle sitzen auch Kirchenvertreter. Dürfen diese im vorliegenden Fall trotz ihrer Befangenheit - die Unterdrückung von Religionskritik festigt ihren Einfluss - mitentscheiden?

Ist gegen die Entscheidung der Bundesprüfstelle die Anfechtungsklage beim Verwaltungsgericht zulässig?
Kann notfalls später das Bundesverfassungsgericht angerufen werden?

Darf vor der Rechtskraft ein Buch in die Indizierungsliste eingetragen werden?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Ulla Jelpke
29Empfehlungen
19.02.2008
Ulla Jelpke
Sehr geehrte Frau ,

die Indizierung des religionskritischen Kinderbuchs "Wo bitte geht`s zu Gott? fragt das kleine Ferkel" halte ich für einen untragbaren Rückfall in das Mittelalter. Daher habe ich den Aufruf gegen diesen Anschlag auf die Meinungsfreiheit unterzeichnet. Die Verantwortlichen in der Bundesprüfstelle und im Familienministerium sind dringend aufgefordert, diesen Akt der Zensur rückgängig zu machen. Ich empfehle dem Verlag des Ferkelbuches, auch entsprechende rechtliche Schritte gegen die Indizierung einzuleiten.

Ich begrüße es ausdrücklich, wenn Kinder in einem religionskritischen Geist erzogen werden und lernen, eigenverantwortlich und kritisch zu denken. Das "Kleine Ferkel" könnte einen Beitrag zu einer solchen humanistischen Erziehung leisten. Offenbar ist genau das die Befürchtung der staatlichen Bevormundungsinstanz. Den privilegierten Einfluss von Kirchenvertretern in der Bundesprüfstelle und anderen staatlichen Stellen lehne ich ab. Insbesondere im vorliegenden Fall besteht leicht der Verdacht von Befangenheit.
Als Sozialistin setze ich mich für die Trennung von Staat und Kirche sowie Schule und Kirche ein.

Mit freundlichen Grüßen

Ulla Jelpke
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Frage zum Thema Familie
21.02.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Jelpke,

Ihre Sicht zum verschärften Sexualstrafrecht haben Sie bereits erläutert. Wenn ich dennoch noch einmal die Frage aufwerfe, dann im Zusammenhang mir dem von Bund und Ländern favorisierten und geförderten Gender Mainstreaming. Kollidiert nicht Gender Mainstreaming mit den Forderungen des neuen Sexualstrafrechts? Im Gender Mainstreaming wird die sexuelle Selbstfindung Jugendlicher gefördert und auch mit unterschiedlichen Aktivitäten (siehe Land Berlin) geradezu gefordert. Nach den verschärften Sexualstrafrecht würde aus meiner Sicht die Jugend damit aber kriminalisiert.
Antwort von Ulla Jelpke
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26.02.2008
Ulla Jelpke
Sehr geehrter Herr ,

zum Gender Mainstreaming gehört es natürlich dazu, das Finden sexueller Identitäten zu ermöglichen, ohne diese Identitäten vorgeben zu wollen oder überhaupt vorschreiben zu wollen, dass es EINE feste Identität geben muss.

Ich fürchte, das Gesetz wird nicht dazu beitragen, die sexuelle Selbstfindung von Jugendlichen zu erleichtern. Vielmehr befürchte ich, dass das Gesetz besonders nachteilige Auswirkungen auf genau solche Sexualitätsbereiche hat, die ohnehin schon unter einer gesellschaftlichen Stigmatisierung leiden. Also beispielsweise Homosexualität. Gender Mainstreaming sollte unter anderem dazu beitragen, Konflikte und Diskriminierungen abzubauen. Solche Konflikte erleben auch heute noch Jugendliche, wenn ihre Familien mitbekommen, dass sie lesbisch oder schwul sind.

Und anstatt nun den Ansatz zu unterstützen, solche Konflikte abzumildern bzw. möglichst zu verhindern, kommt das Gesetz daher und rückt Sexualität unter Jugendlichen in die Nähe strafbewehrter Delikte. Das ist ganz bestimmt nicht die Unterstützung, die Jugendliche brauchen.

Freundliche Grüße

Ulla Jelpke
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Frage zum Thema Sicherheit
11.05.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Jelpke,

wir befinden uns im Krieg, in Informationskrieg, schon vor dem Kalten Krieg. Heute ernten wir die Wut, die wir durch Klonialismus und Imperialismus lange Zeit gesäht haben, so scheint es. Osama Bin Laden ist nicht der erste Ex-CIA Mann, der fallengelassen wurde, es gibt viel Material darüber.
Daher meine Frage, was sind die Konsequenzen, die Sie und Ihre Partei aus Büchern wie im Namen des Staates, des Schwarzbuchs Helmut Kohl und anderen Publikationen aus aller Welt gezogen haben?
Haben Sie, oder/und Ihre Partei irgendwelche Konzepte dagegen, dass weiterhin Menschen sterben, weil es der Politik der Geheimdienste und auch so einiger großer Unternehmen, Banken und auch Privatpersonen des öffentlichen Interesses, die daran mitverdienen, entspricht und die Bürger dafür immer besser überwacht werden?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Ulla Jelpke
7Empfehlungen
14.05.2008
Ulla Jelpke
Sehr geehrter Herr ,

die Abgeordneten der Fraktion DIE LINKE sind selber Objekt geheimdienstlicher Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Geheimdienste, zumal innerstaatliche, sind immer ein Instrument der politisch Herrschenden zur Unterdrückung oder Manipulation, eine tatsächliche Kontrolle von Geheimdiensten ist nicht möglich. Es liegt in ihrem Wesen, dass sie sich der Kontrolle entziehen, in einem Rechtsstaat darf es aber keine rechtsfreien Räume geben, deshalb trete ich für die Abschaffung aller Geheimdienste ein.

Mit freundlichen Grüßen,

Ulla Jelpke
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Frage zum Thema Sicherheit
19.05.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Jelpke,

erstmal Danke für die recht schnelle Antwort.
Aus ihrem Statement ergibt sich für mich eine neue Frage, leider, war wohl auch abzusehen.

Wie viele andere Mitbürger bin auch ich der Meinung das man die Geheimdienste abschaffen sollte und das Militär global verwalten müsste um nur noch gegen mögliche Ausserirdische Gefahren einsetzen sollte, falls wir jemals damit konfrontiert werden sollten, aber leider halte ich es für unmöglich einfach aus dem Geschäft auszusteigen, alleine um tatsächlich Leben im In- und Ausland bei Gefahr der Menschenrechte auch schützen zu können, beziehungsweise möglichst lange im Vorraus informiert zu sein um rechtzeitig aktiv werden zu können. Dieser Möglichkeit wollen sie den Staat doch nicht berauben?

Es ist wünschenswert dass sich die ganze Welt darauf einigt staatliche Gewalt abzuschaffen, aber im Moment halte ich das für eine Utopie. Deswegen meine Frage, haben sie einen Übergangsplan, beziehungsweise wie würden sie sich dieses Vorhaben mit einer Bundestagsmehrheit praktisch vorstellen und wie würden sie die Folgen einschätzen, wenn die Geheimdienste alleine in Deutschland abgeschafft würden?

Mit freundlichen Grüßen



P.S.: Die Überwachung einiger Journalisten und auch Abgeordneter der Linken oder Grünen beweist ja eigentlich nur die Unwissenheit der
Geheimdienstler.
Antwort von Ulla Jelpke
8Empfehlungen
30.05.2008
Ulla Jelpke
Sehr geehrter Herr ,

nein, ich will ich auch keine Übergangsfrist zur Abschaffung der Geheimdienste. Wenn man der Meinung ist, dass Geheimdienste der Demokratie nicht nützen, sondern schaden - und dieser Meinung bin ich - dann kann ich keinen Grund dafür sehen, sie beizubehalten. Natürlich würde ich mir wünschen, dass eine solche Abschaffung ein internationales Projekt wäre, aber davon mache ich meine Haltung nicht zwingend abhängig. Wie gesagt: Zur Verteidigung von Freiheitsrechten gehört die Abschaffung, nicht die Beibehaltung unkontrollierbarer Geheimdienste.

Freundliche Grüße
Ulla Jelpke
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Ihre Frage an Ulla Jelpke
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