Ulla Jelpke (DIE LINKE)
Abgeordnete Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Ulla Jelpke
Jahrgang
1951
Berufliche Qualifikation
Friseurin, Kontoristin, Buchhändlerin, Diplom-Soziologin, Volkswirtin
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages, Journalistin
Wahlkreis
Landesliste
Landeslistenplatz
5, Nordrhein-Westfalen
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Ihre Unzufriedenheit über den Tenor der Berichterstattung und Kommentierung zum Afghanistan-Krieg teile ich. Dass die übergroße Mehrheit der Bevölkerung diesen Krieg ablehnt, wird in den sogenannten Leitmedien kaum reflektiert. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Inneres und Justiz
27.05.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Jelpke,

Nach dem Morden in Winnenden haben sich die Angehörigen der Opfer zum Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden zusammengeschlossen.
Anliegen und ursprünglich erhobene Forderungen erscheinen sinnvoll:
Da ist von einer Begrenzung der Darstellung von Gewalt in den Medien, von weniger Killerspielen , von mehr Erziehung die Rede. Es wird auch die Frage nach der Notwendigkeit bestimmter schießsportlicher Disziplinen gestellt.

Das ist legitim und könnte in der Summe hilfreich sein.

In der öffentlichen Diskussion spricht man aber nur noch von der Verschärfung des Waffenrechts. Auch von den Parteien kommt fast nichts anderes.

Jäger und Sportschützen sehen sich immer wieder unter Generalverdacht gestellt, obwohl sie nach Erfurt durchwegs die gesetzlichen Auflagen erfüllt haben und sich nachweisbar weit überdurchschnittlich gesetzeskonform verhalten.

Als hiervon Betroffener fühlt man sich in Sippenhaft genommen für das Verbrechen des Sohnes eines einzigen Sportschützen, der die Aufbewahrungsvorschriften missachtet hatte.

Das ist mit normalem Gerechtigkeitsempfinden nicht vereinbar , das verstärkt einmal mehr die Parteien- und Politikverdrossenheit!

Schließlich: Die Freiheit ist immer die Freiheit der anderen . (Sofern die anderen die Gesetze achten, und das tun wir .) Wegen eines solches Satzes hat man vor Zeiten mal Wehrdienst geleistet....

Meine Fragen
( die ich für meine Vereinskolleg/Innen an Sie richte)

1. Vermindern die von der großen Koalition vorgeschlagenen Waffenrechtsänderungen die Gefahr von Amokläufen?

2. Welche übergeordneten politischen Überlegungen stehen hinter den Verschärfungsplänen?

3. Gibt die zu Waffenrechtsthemen veröffentlichte Meinung die öffentliche Meinung wieder ?

Um eine Antwort wird gebeten . Ihre persönliche Stellungnahme ist uns wichtig.
Die offiziellen Darlegungen kennen wir.

Mit freundlichen Grüßen
H.
Antwort von Ulla Jelpke
6Empfehlungen
29.05.2009
Ulla Jelpke
Sehr geehrter Herr ,

dass die Opfer des Amoklaufes sich Gedanken machen, wie solche Dramen künftig vermieden werden könnten, ist nur allzu verständlich, auch, dass sie Forderungen erheben.
Natürlich ist nicht jede Forderung geeignet - das ist dann jeweils in der politischen Diskussion zu bewerten.
Ich denke da beispielsweise an den Vorstoß der Regierungsfraktionen, Paintball verbieten zu wollen. Ich will nicht verheimlichen, dass ich diese Art der Freizeitbeschäftigung reichlich merkwürdig finde, aber bevor man etwas verbietet, muss man schon mehr vorweisen können als nur ein Unbehagen. Ein Paintball-Verbot lehne ich deswegen ab, das wäre reine Symbolpolitik. Mittlerweile sind die Pläne ja wieder vom Tisch.
Anders dagegen beim Waffenrecht.
Meine Fraktionskollegin Petra Pau hat dazu im Bundestag ausgeführt:
"Nun wäre es fahrlässig, den Focus allein auf das Waffenrecht zu rücken. Es wäre aber auch fahrlässig, das Waffenrecht auszublenden."

Damit will ich sagen: Natürlich ist es mit einer Verschärfung des Waffenrechtes nicht getan. Man muss sich Gedanken machen über Prävention, und damit meine ich nicht Taschenkontrollen an den Schultoren, sondern sozialarbeiterische Begleitung bzw. "Früherkennung" von Problemfällen, Verminderung des sozialen Drucks auf Schülerinnen und Schüler, Investitionen in der Jugendarbeit usw.
Andererseits will DIE LINKE aber auch nicht darüber hinwegsehen, dass der Vater des Amokläufers von Winnenden seine Waffe nicht den gesetzlichen Regelungen entsprechend aufbewahrt hat. Die Fraktion DIE LINKE fordert deshalb, im Regelfall ein Aufbewahrungsverbot für Schusswaffen in Privathaushalten und die Aufbewahrung in gesicherten Behältnissen beispielsweise in den Schützenvereinen. Das würde dafür Sorge tragen, dass die Waffen nicht in die falschen Hände kommen.

Um direkt auf Ihre Fragen einzugehen:
Ich fasse Ihre Punkte 1 und 2 zusammen: Den praktischen Wert der Regierungspläne beurteile ich sehr skeptisch. Es wird wohl dabei bleiben, dass vielleicht alle paar Jahre mal jemand nachsehen kommt. Was das nützen soll, ist mir schleierhaft.
Jedoch: Sollten unangemeldete Kontrollen tatsächlich intensiviert werden, würde dies unweigerlich in das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung eingreifen. Ich würde es ganz klar ablehnen, wenn alle paar Tage ein Kontrolleur vor der Tür stünde, um nachzusehen, ob die Waffen tatsächlich sicher verschlossen im Schrank stehen und nicht etwa eine unterm Bett liegt. Und ich wollte das auch nicht, weil es schlichtweg unzumutbar wäre. Auch wenn die Waffenbesitzer die Kontrolleure nicht in die Wohnung lassen müssen - welche reale Alternative hätten sie denn, wollen sie nicht ihren Waffenschein riskieren?

Deswegen sind diese Pläne aus meiner Sicht unrealistisch und aus grundrechtlichen Erwägungen heraus fragwürdig. Sie zeigen allerdings den unter der Großen Koalition insgesamt vorherrschenden Trend, elementare Grundrechte einzuschränken.

3. Die veröffentliche Meinung ist fast nie identisch mit der "tatsächlichen" öffentlichen Meinung. Das ist ja schon daran zu merken, dass in der Regel eine kleine Schicht professioneller "Meinungsmacher" in der Presse zitiert wird. Die Eigentumsverhältnisse bei den großen Medien erleichtern es nicht unbedingt, die Positionen der breiten Masse einzubinden.
Andererseits kann ich Ihnen versichern, dass gerade Sportschützen und Jäger gut organisiert sind und zumindest gegenüber Bundestagsabgeordneten unübersehbar von ihrem Recht der Meinungsäußerung Gebrauch machen. Das ist völlig legitim, und ich würde mich freuen, wenn sich auch die Gruppe der (legal) Waffenbesitzenden an der Diskussion beteiligt, welche Lehren aus dem Amoklauf von Winnenden zu ziehen sind.

Mit freundlichen Grüßen

Ulla Jelpke, MdB
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Frage zum Thema Verwaltung und Föderalismus
09.06.2009
Von:

Einen schönen guten Tag, sehr geehrte Ulla Jelpke,

Bierproduzent Dr. A. H. Heineken hat 1992 Überlegungen zur Neugliederung von Europa angestellt und bei verschiedenen Universitäten eine Studie mit dem Titel "The United States of Europe (A Eurotopie? (Eurotopia))" in Auftrag gegeben.

Die Idee, die hinter dem Vorschlag stand, war daß Europa internationalem Frieden, der Sicherheit und der Wirtschaft am besten dient, wenn es in kleinere Regionen mit mindestens 5 Millionen und höchstens 10 Millionen Einwohnern aufgeteilt wird. Dabei sollten aber historische und ethnische Gesichtspunkte berücksichtigt werden, um landsmannschaftliche Verbindungen nicht zu stören.

Brüssel, Straßburg & Luxemburg entscheiden dann über die Außen-, Verteidungs- und Umweltpolitik und die damit überflüssig gewordenen Nationalstaaten werden endlich überwunden.
Gemäß dem bewährten Subsidiaritätsprinzip ist die Ebene darunter die der Regionen: Lombardei, Franken, Katalonien, Flandern, Burgund, Rheinland ...

Was werden Sie tun, um ein solches bürgernahes Europa der Regionen voranzutreiben und die Nationalstaaten zu überwinden?

sonnige, neugierige Vormittagsgrüße aus der Bonner Fußgängerzone sendet Ihnen
Antwort von Ulla Jelpke
8Empfehlungen
15.06.2009
Ulla Jelpke
Sehr geehrter Herr ,

die heutige EU ist ein rein an den Interessen des Großkapitals orientiertes Gebilde ohne bürgernahe demokratische Strukturen. Daher lehne ich diese EU ab und halte sie auch nicht für reformierbar. Ein "Europa der Regionen" als einer nach ethno-nationalistischen Kriterien neugegliederten, aber weiterhin kapitalistischen EU ist für mich allerdings keine Alternative. Dieses Konzept stammt auch nicht erst aus der von Ihnen genannten Heineken-Studie sondern wurde bereits viel früher von konservativen bis extrem rechten Kreisen aus dem Umfeld der so genannten Vertriebenenverbände entwickelt, um auf diese Weise separatistische Strömungen insbesondere deutschstämmiger Minderheiten zu fördern und den deutschen Einfluss innerhalb Europas zu stärken. Auch die separatistische und ultrakonservative Bayernpartei tritt seit ihrer Gründung für ein solches Europakonzept ein.
Statt der bestehenden EU der Monopole und Generäle oder eines in kleine ethnische Einheiten zerstückelten Europa der Regionen trete ich daher für die Vereinigten sozialistischen Staaten von Europa ein. Letztlich müssen die Völker - und nicht die Ethnien - Europas entscheiden, wie und in welchen Grenzen sie leben wollen.

Mit freundlichen Grüßen,

Ulla Jelpke
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Frage zum Thema Gesundheit
10.06.2009
Von:

Einen schönen guten Tag, sehr geehrte Ulla Jelpke,

bereits 2007 hat der Deutsche Ethikrat dafür plädiert, die hierzlande bei der Organspende geltende Zustimmungslösung abzulösen durch die in anderen europäischen Ländern bereits erfolgreich eingeführte Widerspruchslösung.

Werden auch Sie und Ihre Fraktion sich dieser Initiative anschließen?

Neugierige Grüße aus Bonn sendet Ihnen
Antwort von Ulla Jelpke
2Empfehlungen
25.06.2009
Ulla Jelpke
Sehr geehrter Herr ,

von Seiten der Fraktion DIE LINKE gibt es zu dieser Frage noch keine einheitliche Position. Persönlich befürworte ich die bereits in Ländern wie Österreich oder Spanien geltend Widerspruchsregelung. D.h ein Verstorbener sollte jederzeit als Spender in Frage kommen, es sei denn, er hat zu Lebzeiten ausdrücklich einer Organspende widersprochen. Angesicht eines weltweiten gravierenden Mangels an Spenderorganen mit jahrelangen Wartelisten wäre eine solche Regelung nicht nur eine Frage der Humanität. Sie wäre zugleich ein Mittel, um den Schwarzmarkt mit zum Teil gegen den Willen der Betroffenen lebend entnommenen Organen aus Ländern der Dritten Welt einzudämmen. Um den auch bei einer Widerspruchsregelung nicht ausgeschlossenen Missbrauch vorzubeugen, wären folgende vom Freidenkerverband vorgeschlagene Maßnahmen notwendig:
  • sorgfältige Diagnostik des Hirntodes durch unabhängige Instanzen, erst wenn der irreversible Hirntod sicher feststeht (Cerebrolyse im CT oder Durchblutungsstop im Angiogramm), dürfen die intensivmedizinischen Anstrengungen beendet und die Explantation geplant werden. Mitspracherecht für Angehörige bei der Bestimmung der unabhängigen Untersucher
  • umfassende Aufklärung über Organspende in Schulen und Beruf schulen als verbindlicher Inhalt des Transplantationsgesetzes
  • Ächtung, Verbot und strenge Bestrafung des weltweiten Organhandels
  • umfassende Hilfe und Rehabilitationsmöglichkeiten für Hirngeschädigte, Wachkomapatienten und ihre Angehörigen
  • keine Aufweichung der ärztlichen Verpflichtung, Leben zu bewahren! Aber auch keine unnötige Sterbe- und Leidensverlängerung
  • bessere Vorbeugung von chronischen Krankheiten, die zum Bedarf nach einem Spenderorgan führen, um dadurch mit der Zeit die Zahl der nötigen Transplantationen zu senken.

Mit freundlichen Grüßen,

Ulla Jelpke
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Frage zum Thema Inneres und Justiz
28.06.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Jelpke,

in Folge des Amoklaufs von Winningen ist die Frage aufgekommen, ob man Schusswaffen und Munition zentral in den Schützenvereinen lagern sollte. Ihre Partei/Fraktion hat sich dafür ausgesprochen.

Mich würde interessieren, was diese Erneuerung in etwa kosten würde? Aus Platzmangel müssten sehr viele Schützenvereine dafür neue Gebäude bauen und einen ständigen Wachschutz einrichten. Des Weiteren frage ich mich, wer diese Kosten zu tragen hat? Die Sportschützen oder der Staat?

Mit freundlichen Grüßen,


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Frage zum Thema Internationales
10.08.2009
Von:

Schönen guten Morgen, Frau Jelpke!

Ich habe in der letzten Woche den von Ch. Hörstel produzierten Film "Kriegsversprechen" gesehen, der in der zweiten Hälfte auch "Todesstaub" von Frieder Wagner beinhaltet welcher sich ausführlich mit dem Thema Uranmunition befasst. Die dort gezeigten Bilder speziell von den missgestalteten Neugeborenen waren so ziemlich das Schrecklichste was ich bisher gesehen habe.

Alle Leute denen ich seitdem davon berichtet habe, sind sich mit mir einig darüber das der Einsatz dieser Waffen eine ganz neue Dimension von Verbrechen darstellt.
Es war danach ein Leichtes, im Netz Hunderte von Seiten als pdf Dateien zu diesem Thema zu finden, z.B. die "Dossiers Uranwaffen aus Zeitfragen" oder auch den offenen Brief von Frieder Wagner an Gernot Erler, der die Entgegnung auf Herrn Erlers Antwort zu der von Ihrer Fraktion gestellten Kleinen Anfrage ist! ( zu finden unter dem Suchbegriff "Einsatz von Uranmuntion ist Kriegsverbrechen")
Der WDR hat am 26.4.2004 um 22,30Uhr die Dokumentation "Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra" gesendet, in dem am Beispiel von Kenny Duncan und seinen 3 Kindern auch die Folgen für die vor Ort eingesetzten Soldaten gut ersichtlich sind!
(Quelle: www.youtube.com )

Dass diese Waffen auch in Afghanistan eingesetzt wurden hat das "Uranium Medical Research Center" , Kanada bereits im juni 2008 nachgewiesen.
(Quelle www.freigeistmusic.org )

Wenn es mir als Hartz 4 Empfänger ein Leichtes ist diese Informationen zu finden, müsste das doch auch den entsprechenden Regierungsstellen gelingen.
Trotzdem unterstützt die Bundesregierung durch den Bundeswehreinsatz im Kosovo sowie in Afghanistan weiterhin diese Vorgehensweise der Nato!

Welche Möglichkeiten haben Sie aus der Opposition heraus um auch weiterhin gegen diese Dinge vorzugehen ?

Ich wünsche Ihnen für die kommenden Wahlen viele Stimmen!

Mit den besten Wünschen!
Antwort von Ulla Jelpke
4Empfehlungen
11.08.2009
Ulla Jelpke
Sehr geehrter Herr ,

die besondere Gefährlichkeit von Uranmunition ist mir bereit seit längerem bekannt. Als Oppositionsfraktion können wir z.B. durch Anfragen und Anträge immer wieder auf diese Thematik hinweisen. Im Übrigen hält die Fraktion DIE LINKE den Bundeswehreinsatz in Afghanistan für verfassungswidrig - mit und ohne Uranmunition. Um den nötigen Druck auf die Regierung auszuüben und einen Rückzug aller deutschen Soldaten aus dem Ausland zu erreichen ist allerdings neben parlamentarischen Initiativen vor allem Protest von außen, von der Antikriegsbewegung, notwendig.

Mit freundlichen Grüßen,

Ulla Jelpke
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Ihre Frage an Ulla Jelpke
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