Thomas Hummel (BAYERNPARTEI)
Kandidat Landtagswahl Bayern 2008
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

Thomas Hummel
Jahrgang
1982
Berufliche Qualifikation
Erste Juristische Staatsprüfung
Ausgeübte Tätigkeit
Programmierer, ehrenamtlicher Stadtrat
Wohnort
-
Stimmkreis
München-Pasing
Landeslistenplatz
2, Oberbayern
(...) Bei unserem Auftreten gegen das Rauchverbot haben wir auch öfters gehört, das sei populistisch. Umgekehrt haben uns viele gesagt, wir seien die einzigen, die sich nicht von diesem "populistischen Gesundheitsgetue" hätten anstecken lassen. Darum glaube ich, daß sich eine näheres Eingehen auf diese Wertung erübrigt. (...)
 
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Frage zum Thema Bildung
04.09.2008
Von:

Hallo Herr Hummel,

alle reden über Bildungspolitik. Was tun Sie und insbesondere wie würden Sie es finanzieren, dass unsere Kinder nicht mehr mit 25-30 Kindern in einer Schulklasse sitzen? Wie bekommt der Münchner Westen mehr Lehrer?

Viele Grüße,
Antwort von Thomas Hummel
3Empfehlungen
15.09.2008
Thomas Hummel
Grüß Gott, Frau !

Zunächst bitte ich um Entschuldigung für die ziemlich späte Antwort, aber nachdem Sie unmittelbar nacheinander zwei Fragen gestellt haben, ist mir die erste irgendwie durchgerutscht.

Wie ich hier bereits einmal geschrieben habe, halte ich mehr Lehrer bzw. weniger Schüler pro Klasse nicht für falsch. Gleichzeitig ist das aber - obgleich das neuerdings gleich mehrere Parteien unisono plakatieren - auch nicht die Patentlösung für alle schulischen Probleme. Ich habe meine Schulzeit in Klassen zwischen 14 und 33 Schülern zugebracht und konnte eigentlich keinen signifikanten Unterschied feststellen.

Möglicherweise ist aber das Lernklima wirklich besser, das will ich gar nicht bestreiten. Erstrebenswert könnte auch das skandinavische Modell sein, in dem ein zweiter Lehrer bereitsteht, um Schülern individuelle Fragen zu beantworten. Diese Überlegungen sind aber rein akademischer Natur, solange es einfach zu wenige Lehrer gibt. Allein an Gymnasien sind nach den Meldungen der letzten Tage ca. 1000 Stellen unbesetzt.

Wie kann man also mehr junge Menschen dazu bringen, den Lehrerberuf zu ergreifen? Notwendig wäre meinesachtens, das Studium etwas prägnanter zu gestalten. Derzeit lernen Lehramtsanwärter ihre Fächer mit schier unvorstellbarer Tiefe und ohne Bezug zum für den Unterricht benötigten Wissen. Warum man als Realschullehrer sämtliche weltweiten Englischdialekte in Lautschrift originalgetreu reproduzieren können muß, erschließt sich mir nicht ganz. Natürlich muß ein Lehrer fundierte Kenntnisse auch über den Schulstoff hinaus besitzen - aber alles hat seine Grenzen. Den Einsatz von "Quereinsteigern" aus anderen Berufen halte ich dabei auch für sinnvoll, wenn man es richtig angeht. Ob andererseits - wie vor längerem einmal in der Diskussion war - bspw. ein Förster den gesamten Biologieunterricht erledigen kann, da wäre ich wieder skeptisch.

Die Finanzierung ist natürlich ein Problem und ich bin auch kein Freund von Mehrausgaben. Und im Schulalltag sehe ich durchaus noch Einsparpotentiale: Wenn man nicht alle drei Jahre den kompletten Lehrplan umschmeißen würde, dann hätten Bücher ein längeres Haltbarkeitsdatum; außerdem wäre einiges an Unterrichtsmaterial heutzutage problemlos digitalisierbar. Umgekehrt ist man besonders eifrig, elektronische Medien zu besorgen, ohne Rücksicht darauf, ob man sie wirklich verwenden kann; nicht wenige Laptops, Beamer und Sprachlabore verstauben relativ ungenutzt. Ich sehe es auch - durchaus im Gegensatz zu vielen Kommunalpolitikern - nicht als verwerflich an, wenn eine Schule mit der örtlichen Wirtschaft zusammenarbeitet und sich so Spenden- oder Werbegelder verschafft. Würde man den Schulen allgemein mehr Freiheit lassen und mehr Verantwortung auferlegen, könnten sich schon einige Einsparpotentiale erschließen lassen, ohne daß die Qualität darunter leidet.

Faszinierend war übrigens auch, daß auf einmal schier unerschöpfliche Mittel dafür da waren, in zahlreichen Schulen Cafeterien, Mensen und Aufenthaltsräume zur Versorgung des Ganztagsunterrichts zu bauen, die mittlerweile auch nicht gerade exzessiv genutzt werden - aber das nur am Rande.

Was ich auch als Mißstand empfinde, ist die Behandlung von Vertretungsstunden: Ist ein Lehrer krank oder verhindert, dann ist das eine faktische Freistunde für die Schüler. Man darf Hausaufgaben erledigen, Karten spielen oder einfach gar nichts tun. Als Schüler freut einen das natürlich, aber Sinn hat diese Stunde sicher nicht. Dabei sollte es doch möglich sein, zumindest eine Übungs- oder Wiederholungsstunde im jeweiligen Fach zu organisieren.

Mit gelehrigen Grüßen,

Thomas Hummel
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Frage zum Thema Bürokratie und Verwaltung
05.09.2008
Von:

Grüß Gott!

Die Bayerische Verfassung blickt auf eine über 60 Jahre alte Tradition zurück. Sie wurde wie jedes Gesetz desöfteren geändert, aber im wesentlichen ist sie die alte geblieben. Sie war aber von Haus aus als Verfassung eines deutschen Bundeslandes konzipiert, wenngleich Bayern anfangs ein mehr oder weniger unabhängiger Staat war - was er leider nicht lange geblieben ist.

Würde die BV, den Erfolg Ihres und auch meinen Strebens nach Unabhängigkeit vorausgesetzt, aus Ihrer Sicht den Notwendigkeiten eines selbständigen Staates gerecht? Welche Änderungen müsste man vornehmen?

Im übrigen möchte ich Ihnen meinen Kompliment ausdrücken, dass Sie die an Sie gerichteten Fragen immer derart schnell und sachlich präzise beantworten. Davon könnten sich andere Kandidaten hier eine Scheibe abschneiden. Ich nehme an, dass sich das auch in der Zahl der Fragen niedergeschlagen hat - für den Bewerber einer kleinen Partei ist das schon außergewöhnlich.

Viele Grüße aus dem Vorort,

B. .
Antwort von Thomas Hummel
3Empfehlungen
10.09.2008
Thomas Hummel
Grüß Gott, Herr !


"Würde die BV, den Erfolg Ihres und auch meinen Strebens nach Unabhängigkeit vorausgesetzt, aus Ihrer Sicht den Notwendigkeiten eines selbständigen Staates gerecht?"
Als Übergangsverfassung, denke ich, schon. Aber ansonsten ist sie eben auf die Bedürfnisse eines Glied- und keines unabhängigen Staates zugeschnitten. In dieser Funktion hat sie sich aber in den letzten sechs Jahrzehnten hervorragend bewährt.


"Welche Änderungen müsste man vornehmen?"

  • mehr Föderalismus, Aufwertung der Bezirke, Vertretung der Bezirke in einer zweiten Kammer (Senat)

  • klare Trennung zwischen Zuständigkeiten der einzelnen Ebenen

  • Eigenfinanzierung der Kommunen durch gemeindliche Steuern statt Staatszuweisungen

  • mehr direkte Demokratie, einfachere Volksbegehren, Direktwahl des Ministerpräsidenten

  • Verbesserung der Gewaltenteilung, Einführung eines Staatsoberhaupts

  • verbesserter und um moderne Rechte erweiterter Grundrechtsteil mit eindeutigen Abwehrrechten statt Programmsätzen

  • ein unabhängiger, nicht von der Politik eingesetzter Verfassungsgerichtshof

Mit diesen Änderungen würden wir meinesachtens nicht nur die Mängel der Bayerischen Verfassung beheben, sondern großteils auch das Grundgesetz an Demokratie und Modernität überholen. Es gäbe aber mit Sicherheit noch genug andere Reformen, die man einfachgesetzlich umsetzen müßte. (Außerdem weiß ich genau, daß mir noch zwei, drei bahnbrechende Ideen einfallen werden, sobald ich diese Antwort losgeschickt habe.)


"Im übrigen möchte ich Ihnen meinen Kompliment ausdrücken, dass Sie die an Sie gerichteten Fragen immer derart schnell und sachlich präzise beantworten."

Danke, danke. Leider war ich in den letzten Tagen wahlkampfmäßig etwas zu sehr eingespannt und konnte nicht immer sofort antworten. Aber dementsprechend hat sich auch die Fragenfrequenz an mich gleich verringert, sodaß ich nicht allzuweit im Rückstand bin...


Mit sachlich-präzisen Grüßen,

Thomas Hummel
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Frage zum Thema Bürgerbeteiligung und Bürgergesellschaft
12.09.2008
Von:
H.

Herr Hummel, Sie setzen sich ja ziemlich vehement für mehr Bürgerbeteiligung in Form von VOlksbegehren und -Entscheiden ein. Ich erinnere nur an das "Alle Staatsgewalt geht vom Volk aus"-Plakat. Aber ist es denn wirklich sinnvoll, dem oftmals uninteressierten Volk schwierige und für dieses nicht immer überblickbare Fragen zur Entscheidung vorzulegen? Wäre da nicht die Politik selbst gefragt? Auf mich wirkt diese Forderung eher populistisch. Gruß, M.H. .
Antwort von Thomas Hummel
7Empfehlungen
16.09.2008
Thomas Hummel
Grüß Gott, Herr !

"Populistisch" ist natürlich immer relativ und liegt im Auge des Betrachters. Bei unserem Auftreten gegen das Rauchverbot haben wir auch öfters gehört, das sei populistisch. Umgekehrt haben uns viele gesagt, wir seien die einzigen, die sich nicht von diesem "populistischen Gesundheitsgetue" hätten anstecken lassen. Darum glaube ich, daß sich eine näheres Eingehen auf diese Wertung erübrigt.

Bezüglich Ihrer Hauptfrage bin ich durchaus der Meinung, daß die Menschen kompetent genug sind, allgemeine Entscheidungen in Form von Gesetzen selbst zu treffen. Die Bürger sind dabei ja nicht auf sich allein gestellt, sondern können zumindest den Medien die Ansichten der Politik und von Experten entnehmen.

Wenn ich im Münchner Stadtrat eine Entscheidung mittreffe, dann habe ich da auch nicht immer eine besondere Fachkenntnis. Das ist bei der Fülle der behandelten Themen einfach nicht möglich und ich bin mir sicher, daß das auch die allermeisten Landtagsabgeordneten, wenn sie ehrlich sind, zugeben müßten. Aber es gibt eben einen Mitarbeiterstab, der die Fakten darlegt, aufbereitet, diskutiert und schließlich eine Entscheidung vorschlägt.

Was ich dagegen für falsch halte, ist ein Vorschlag der Schweizer Volkspartei, über Asylanträge abstimmen zu lassen. Solche Einzelfallentscheidungen bedürfen einer gründlichen Sachstandsermittlung, die in einem geregelten Verwaltungsverfahren fallen und gerichtlich nachprüfbar sein muß. Hierfür eignet sich ein Referendum einfach nicht.

Aber bei legislativen Aufgaben traue ich den Menschen durchaus zu, nicht dümmer zu sein und schlechter zu entscheiden als die gewählten Parlamentarier.

Mit basisdemokratischen Grüßen,

Thomas Hummel.
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Frage zum Thema Verkehr, Infrastruktur und Stadtentwicklung
12.09.2008
Von:
H.

Herr Hummel, sind Sie für den Ringschluss Süd in München? Wollen Sie eher den Individual- oder den öffentlichen Verkehr in der Gesamtplanung bevorzugen? Gruß, M.H. .
Antwort von Thomas Hummel
3Empfehlungen
23.09.2008
Thomas Hummel
Grüß Gott, Herr !

Den Ringschluß würde ich natürlich ausdrücklich begrüßen, langsam wird´s mal Zeit.

Eine einseitige Bevorzugung von Individual- oder öffentlichem Verkehr sehe ich grundsätzlich kritisch. Hier sollte man eher nachfrageorientiert planen und nicht ideologisch das eine oder das andere fördern.

Wenn in München alle Leute jeden Tag mit dem eigenen Auto in die Arbeit fahren würden, hätten wir bald eine Stausituation, daß sich in kürzester Zeit alle gegenseitig an die Gurgel springen würden.

Umgekehrt können wir nicht an jeden Supermarkt einen Gleisanschluß bauen und wenn die S-Bahn mal wieder ausfällt, dann kann ich nur jeden bemitleiden, der sich in Schienenersatzverkehr-Busse zwängen muß.

Ich persönlich komme in München wunderbar ohne Auto aus, erreiche trotzdem mein Ziel in akzeptabler Dauer und kann die Zeit in der S-Bahn nutzen, um am Laptop Kandidatenwatch-Fragen zu beantworten. Aber ich verstehe auch jeden, der einfach auf das Auto angewiesen ist; dan sollte man ihn auch nicht gleich zum Feinstaub-Terroristen degradieren.

Beide Verkehrsformen haben ihre Daseinsberechtigung und mit gesundem Pragmatismus lassen sie sich auch ganz verträglich kombinieren.

Mit Pkw-losen Grüßen,

Thomas Hummel.
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Frage zum Thema Kultur und Medien
12.09.2008
Von:

Hallo Herr Hummel!

Wie sehen die Zukunft des öff-rechtlichen Fernsehens? Brauchen wir ARD und ZDF noch?

Mit freundlichen Grüßen,

Antwort von Thomas Hummel
6Empfehlungen
15.09.2008
Thomas Hummel
Grüß Gott!

Ich sehe keine Zukunft mehr für das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Die einstige Beschränkung auf die Grundversorgung wird schon seit langem nicht mehr durchgehalten und die Ausstrahlung von Vollprogrammen können die privaten Sender doch ähnlich gut. Wo es noch Niveauunterschiede gibt, sind diese in erster Linie darauf zurückzuführen, daß es in Gestalt der Öffentlich-Rechtlichen bereits etablierte und finanziell privilegierte seriöse Angebote gibt und der Markt damit bedient ist.

Denn bspw. im Zeitungsmarkt hat es auch bestens funktioniert, das Feld ausschließlich privaten Verlagen zu überlassen. Und so kann sich heute auch jeder selbst aussuchen, ob er lieber die FAZ oder das Handelsblatt oder doch Bild oder taz lesen will. Ohne ARD und ZDF wäre die entsprechende Nische frei und würde vom Wettbewerb schnell ausgefüllt werden.

Das System der staatlichen Zwangsgebühren hat jedenfalls keine Daseinsberechtigung mehr.

Mit privaten Grüßen,

Thomas Hummel
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