Sylvia Kotting-Uhl (GRÜNE)
Abgeordnete Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Sylvia Kotting-Uhl
Jahrgang
1952
Berufliche Qualifikation
Dramaturgin, Pädagogin, Dozentin
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Karlsruhe-Stadt
Landeslistenplatz
5, über Liste eingezogen, Baden-Württemberg
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Ja, wir könnten Schutzräume für Elektrosensible mit einem Strahlungskonzept schaffen, das die automatische indoor-Versorgung nicht mehr beinhaltet. Das hieße, die Strahlung der Sendemasten wird so weit herunter gefahren, dass sie die Innenräume von Gebäuden nicht mehr erreicht. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Internationales
25.06.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Kotting-Uhl,

der stellver. Fraktionsvorsitzende Herr Ströbele hat gestern den Abzug der deutschen Truppen aus Afghanistan gefordert. Wie ist Ihre persönliche Meinung zu diesem Problem? Wie lange soll die Bundeswehr noch in diesem Land bleiben? Wieviele junge Männer sollen noch getötet werden? Muß man nicht eine Rückzugsstrategie einleiten?

MfG

Antwort von Sylvia Kotting-Uhl
5Empfehlungen
26.06.2009
Sylvia Kotting-Uhl
Sehr geehrter Herr ,

wir haben uns in Afghanistan in ein unglaubliches Dilemma gebracht: die militärischen Einsätze - in erster Linie Enduring freedom, aber durch die starke Verknüpfung beider Einsätze auch ISAF - führen zu immer mehr Opfern und befrieden die Situation absehbar nicht. Gleichzeitig rechnen Kenner der Lage mit einer Verschlechterung der Situation für die Bevölkerung, wenn die ISAF-Truppen abgezogen würden. Dieses Dilemma ist nicht mehr befriedigend lösbar. Ganz bestimmt nicht durch "immer mehr vom selben", der ständigen Ausweitung der Mandate - nächste Woche steht im Bundestag die Ausweitung der AWACS-Einsätze an.

Wir brauchen eine Exit-Strategie. Ich gehöre wie Christian Ströbele zu den Grünen die das schon lange fordern. Da man die Soldaten nicht von heute auf morgen abziehen kann, ist es überfällig, sich endlich auf die Notwendigkeit einer solchen Strategie zu einigen und sie zu entwickeln. Die Bundesregierung betreibt hier Vogel-Strauss-Politik.

Mit freundlichen Grüßen
Sylvia Kotting-Uhl
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Frage zum Thema Kinder und Jugend
02.07.2009
Von:

Langsam kristallisiert sich für mich ein Bild heraus, was Egoshooter angeht. Allerdings ist die Begründung für ein Verbot immernoch schwammig, daher möchte ich versuchen, sie konkret zu bekommen. Daher verzichte ich erstmal auf die Frage, ob ein Verbot überhaupt sinnvoll ist.

Wenn wir davon ausgehen (unbewiesene Annahme, die meiner Erfahrung widerspricht!), dass Egoshooter das Aggressionspotenzial erhöhen, könnten wir uns anschauen, ob eine Diskussion über Gesetzesänderungen sinnvoll ist.

Dabei lohnt ein Blick darauf, was es bereits gibt. Ich habe kurz gesucht und halbzufällig ein Spiel herausgepickt: "The Chronicles of Riddick: Assault on Dark Athena". Das klingt blutig genug, dass es vielleicht nicht in Kinderhände gehört.

Ein erster Blick auf Wikipedia zeigt dabei eine USK-Wertung von 18 (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle).

Das bedeutet laut Wikipedia: "Keine Jugendfreigabe, d.h. freigegeben ab 18 Jahren"

Also sollte dieses Spiel schonmal nicht von unter 18 jährigen gekauft werden können. Eltern dürfen ihren Kindern auch Pornos geben, also können wir es den Eltern nicht verbieten, sich über die USK hinwegzusetzen (es sei denn, wir verbieten das Spiel auch den Eltern). Der Händler wird das Spiel keinem Jugendlichen geben (und wenn doch, ist das ein Gesetzesverstoß, der ganz regulär geahndet werden kann). Ein Spiel das keine USK-Wertung hat gilt als ab 18.

Die Diskussion über ein Verbot kann also nur darum gehen, ob das Spiel vollständig verboten wird, also auch für Erwachsene, oder ob die Bewertung von Spielen angepasst werden sollte, damit mehr Spiele erst ab 18 freigegeben sind.

Ich habe dazu gerade einige Ego-Shooter auf Wikipedia angeschaut, und (abgesehen von den Star Wars-Spielen) hatten alle als Rating entweder USK 15 oder USK 18, oder einen äquivalenten PEGI-Wert von 16+ oder 18+ (Pan European Game Information).
Die Star Wars-Spiele waren PEGI 12.

Wo sehen sie an diesem bereits existierenden System Schwachstellen, und wo genau wollen sie ansetzen?
Antwort von Sylvia Kotting-Uhl
4Empfehlungen
03.07.2009
Sylvia Kotting-Uhl
Sehr geehrter Herr ,

lässt die Beschäftigung mit Ego-Shooter-Spielen die Umgangsformen verlottern oder warum verzichten Sie so konsequent auf Anrede und Unterschrift?

Und, sehr geehrter Herr , warum meinen Sie, sollte ich so höflich sein, Ihnen zum 2. Mal und insgesamt auf Abgeordnetenwatch zum 4. Mal meine Haltung zu diesen Spielen darzulegen, wenn Sie nicht mal höflich genug sind, mich anzureden, wenn Sie etwas von mir wollen?

Mit freundlichen Grüßen
Sylvia Kotting-Uhl
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Frage zum Thema Sicherheit
05.07.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Kotting-Uhl,

das Atomkraftwerk Krümmel schalete sich selbst ab - Focus online vom 4.7.09.
Es war erst vor 2 Wochen nach 2 Jahren Stillstand wieder in Betrieb
gegangen. Seitdem kam es bereits zu 3 Störfällen.

Nach meiner Vermutung wird die neue Zuverlässigkeitsprüfung des
Betreibers Vattenfall nicht zur endgültigen Schließung der Anlage führen.
Wie bewerten Sie die Arbeit der Atomaufsicht?

Welche Parteien - bitte eine vollständige Aufzählung - sind dafür
verantwortlich, daß möglicherweise die rechtlichen Voraussetzungen
für eine endgültige Schließung des Akw Krümmel fehlen?

Wer ist im Falle eines Unfalls entschädigungspflichtig, wenn es zu Todesfällen und schweren Krankheiten kommt, Menschen ihre Heimat verlassen müssen und dauerhaft ihren Arbeitsplatz verlieren?

Trifft es zu, daß Frau Merkel sich für die Verängerung der Laufzeiten alter Akws einsetzt?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Sylvia Kotting-Uhl
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23.07.2009
Sylvia Kotting-Uhl
Sehr geehrter Herr ,

danke für Ihre interessierten Fragen zum AKW Krümmel.

Ob die rechtlichen Voraussetzungen für eine endgültige Abschaltung des AKW Krümmel fehlen, ist Ansichtssache. Ich bin nicht der Meinung, dass sie fehlen. Es ist letztlich eine Frage des Mutes - und natürlich auch der Überzeugung - wie eine Atomaufsicht handelt. Siehe Beispiel Asse, die ja unter der Aufsicht des niedersächsischen Umweltministeriums (FDP) stand und genug Anlass zum Eingreifen geboten hätte. Umweltminister Gabriel hat vor kurzem ein neues kerntechnisches Regelwerk erlassen, mit dem Krümmel umgehend und schnell stillgelegt werden könnte. Allerdings hat er es als Zugeständnis an die unionsgeführten Bundesländer nicht sofort verbindlich gemacht, sondern eine Parallel-Anwendung alten und neuen Regelwerks zugelassen. Damit herrscht eine gewisse Unklarheit die den Betreibern nützt.

Es gibt eine begrenzte Haftpflicht der AKW-Betreiber mit einer Deckungssumme von 2,5 Mrd. Euro pro AKW. Damit hat ausgerechnet die Hochrisikotechnologie Atomkraft einen Sonderstatus in der üblichen Praxis, dass ein Unternehmen eine betriebliche Risikovorsorge zu treffen hat, die sich in der Größenordnung des tatsächlich möglichen Schadens bewegt. Bei einem GAU wäre also die öffentliche Hand gefordert. (Entsprechend dem Prinzip der Atomwirtschaft: privatisierte Gewinne, vergesellschaftete Kosten und Risiken.) Das Prognos-Institut hat ermittelt, dass ein GAU Schäden in Höhe von etwa 5000 Milliarden Euro verursachen würde. Das entspricht dem 20-fachen Wert des Bundeshaushalts und übertrifft die Deckungsvorsorge um den 2500-fachen Faktor. Bekanntermaßen ist keine Versicherung bereit das Risiko der AKW zu versichern. Das spricht für sich.

Frau Merkel setzt sich wie die gesamte Union und auch die FDP für die Verlängerung der Laufzeiten alter AKW ein. Der Ministerpräsident meines Bundeslandes Baden-Württemberg spricht sogar schon von unbegrenzten Laufzeiten "solange die AKW sicher sind", was sie nach Ansicht von Union und FDP ja per se sind .

Ihre Zusatzfragen, sehr geehrter Herr , die Sie direkt an mein Büro geschickt haben und auch über Abgeordnetenwatch beantwortet haben wollen: "Werden die Grünen nach der Landtagswahl in Schl-H eine Koalition mit der CDU davon abhängig machen,das die Zuverlässigkeit von Vattenfall ernsthaft geprüft wird und die Grünen das Umweltministerium erhalten? Herr Carstensen hatte Krümmel eine nochmalige Chance zugesagt, obwohl das Ergebnis der von Frau Trauernicht veranlaßten Zuverlässigkeitsprüfung noch nicht bekannt ist. Wie würden die Grünen auf eine solche Einmischung reagieren?" werde ich Ihnen nicht befriedigend beantworten können. Es ist alles andere als meine Aufgabe einem anderen Landesverband Internet-öffentlich Ratschläge zu geben für Fragen die sich im Moment überhaupt nicht stellen. Ich hoffe, Sie verstehen das.

Mit freundlichen Grüßen
Sylvia Kotting-Uhl
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Frage zum Thema Internationales
09.07.2009
Von:
Dr.

Sehr geehrte Farau Kotting-Uhl,

erlauben Sie mir bitte, Ihnen mehrere Fagen zu stellen. Ich bedanke mich im Voraus für Ihre Antworten.

1. Abschaffung aller Atomwaffen

  • Wie stehen Sie zur Frage der US-Atomwaffen in Deutschland und zur nuklearen Teilhabe Deutschlands? Welchen Sinn haben diese Waffen aus Ihrer Sicht nach dem Ende des Kalten Kriegs?
  • Wird Ihre Partei im Falle von Koalitionsverhandlungen den Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland im Koalitionsvertrag festschreiben?

2. Ausstieg aus der Atomenergie/Erneuerbare Energien

  • Wird Ihre Partei den Atomausstieg nach dem derzeit geltenden Atomgesetz fortsetzen?
  • Werden Sie sich dafür einsetzen, das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) so fortzuschreiben, dass insbesondere der dezentrale Ausbau der Photovoltaik und der Windenergie "in Bürgerhand" beschleunigt wird?

3. Beendigung des Afghanistan-Krieges

  • Würden Sie Ende des Jahres für oder gegen die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan stimmen?
  • Angesichts der Lage in Afghanistan, wie stehen Sie zur zivil-militärischen Zusammenarbeit (CIMIC)?

4. Schutz von Flüchtlingen und Bekämpfung von Flucht-Ursachen

  • Wie stehen Sie zu einem Bleiberecht für besonders schutzbedürftige, traumatisierte Flüchtlinge?
  • Wo sehen Sie Deutschland in der Verantwortung für wichtige Flucht-Ursachen (Krieg, Verelendung, Umweltzerstörung) und was wollen Sie als Abgeordnete/r diesbezüglich tun?

Freundliche Grüße
Ihr Dr.
Antwort von Sylvia Kotting-Uhl
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25.07.2009
Sylvia Kotting-Uhl
Sehr geehrter Dr. ,

ich bitte Sie um Nachsicht, dass ich versuche diese doch umfangreichen Fragen so kurz wie möglich zu beantworten. Auf Wunsch schicken wir Ihnen gern unser Wahlprogramm zu (das wie üblich das umfangreichste aller Parteien ist). Für Karlsruher ist die Adresse sylvia.kotting-uhl@wk.bundestag.de

1.
Die Grünen wollen, dass die in Deutschland und Europa verbliebenen Atomwaffen endlich abgezogen werden und unsere nukleare Teilhabe beendet wird. Unser Ziel ist dir Entnuklearisierung der NATO-Strategie. Gerade die Atomwaffenstaaten müssen allen Verpflichtungen aus dem Nichtweiterverbreitungsvertrag (NVV) und den vereinbarten Schritten zur nuklearen Abrüstung nachkommen. Den nuklearen Abrüstungsprozess muss Deutschland bzw. Europa auch mit einseitigen Abrüstungsschritten voranbringen. Die 2010 anstehende Überprüfungskonferenz für den Atomwaffensperrvertrag muss eine positive Botschaft haben. Unser Ziel war und bleibt eine Welt ohne Atomwaffen. Ich bin für Anfang August nach Japan eingeladen um in Hiroshima und Nagasaki zum Jahrestag der Atombombenabwürfe zu reden. Ich werde sicher mit Eindrücken zurückkommen, die mich in dieser Grünen Grundhaltung noch einmal massiv bestärken.

Der "Sinn" von Atomwaffen liegt auch nach dem Kalten Krieg in Machtdemonstration und Drohgebärde. In der Biologie nennt man das "schimpansoides Dominanzverhalten".

Wie das mit Koalitionsverträgen ist, wissen Sie vermutlich: Sie werden in langen Tagen und Nächten ausgehandelt, jede - vor allem aber die kleinere - Partei muss Zugeständnisse machen und am Ende entscheidet die Partei darüber, ob die Plus- die Minus-Punkte ausreichend überwiegen. Der Abzug aller Atomwaffen ist ein wichtiger Punkt, aber es macht keinen Sinn, wenn einzelne Abgeordnete im Vorfeld verkünden was unabdingbarer Bestandteil eines eventuellen Koalitionsvertrages sein muss. Ich bitte da um Ihr Verständnis.

2.
Der Atomausstieg ist für uns nicht verhandelbar - darauf hat sich die Gesamtpartei bei ihrem Programmparteitag festgelegt. Er ist Kern unserer Energiepolitik und ein Stück Sicherheit das wir für unsere Kinder und Kindeskinder organisiert haben. Das Risiko der Atomkraft gegen den Klimawandel ausspielen zu wollen - wie es derzeit von den Energiekonzernen und ihren politischen VertreterInnen versucht wird - zeugt von Unkenntnis oder bewusster Irreführung. Nachhaltiger Klimaschutz gelingt nur mit Erneuerbaren und Effizienz. Die geforderte Laufzeitverlängerung für die schwerfälligen nicht regelbaren Atomkraftwerke fördert nicht den Ausbau der EE, sondern behindert ihn. Flexibilität ist die Forderung an Kraftwerke, die den Windstrom ausgleichen und damit sein ungeheures Potential nutzbar machen sollen.

Das EEG als das bisher weltweit beste Instrument zur Förderung der Erneuerbaren Energien wird von uns im Sinn des dezentralen Ausbaus fortgeschrieben werden. Ein Projekt wie Desertec, das solaren Wüstenstrom und Windstrom von den Küsten Marokkos nach Europa transportieren sollen, ist eine wunderbare Vision dafür was mit Eneuerbarer Energie alles möglich ist. Es im Sinn einer energetischen Weichenstellung für Afrika anzugehen ist richtig. Wenn dann aus Überkapazitäten ein gewisser Anteil nach Europa exportiert werden kann - gut. Aber darauf unsere Vorstellung zukünftiger Energieversorgung zu konzentrieren, ist so unsinnig wie unnötig. Europa hat das Potential sich zu 100% aus Erneuerbaren Energien selbst zu versorgen. Das Wachstum der Energie aus Erneuerbaren in Deutschland übersteigt alle Erwartungen. Sie werden uns 2030 zu 100% mit Strom versorgen - wenn wir ihnen keine Hindernisse wie lange am Netz bleibende Großkraftwerke in den Weg stellen. Darum geht der Kampf mit den Energiekonzernen in den nächsten Jahren und in diesem Bundestagswahlkampf. Unsere Energieversorgung ist in Bürgerhand am besten aufgehoben, davon bin ich inzwischen absolut überzeugt!

3.
Ich werde Ende des Jahres gegen die Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan stimmen, wie ich es jedes Jahr getan habe - und zwar sowohl bei OEF wie bei ISAF. Diese beiden Mandate sind nicht ehrlich voneinander zu trennen, weil sie ineinander greifen und sich gegenseitig brauchen. Die Strategie in Afghanistan ist gescheitert. Ich habe die militärischen Einsätze von Anfang an für nicht zielführend und nicht verantwortbar gehalten. Es gab aber Phasen, in denen auch ich die Hoffnung hatte, ich hätte mich geirrt. Inzwischen sind wir in einer Situation, die immer eindeutiger darauf hinweist, dass die Einsätze in Afghanistan ohne gewaltige Aufstockung von Finanzmitteln und Soldaten zu keinem - wie immer dann gearteten - Ende kommen werden. Dazu sind die beteiligten Länder aber offensichtlich nicht bereit. Auf der anderen Seite scheint auch der Abzug nicht möglich, da dann das Land nach Einschätzung der Einsatz-Befürworter sofort wieder unter die Herrschaft der Taliban geraten würde. Ein Dilemma reinsten Wassers!

In dieser Gemengelage scheint mir die praktizierte zivil-militärische Zusammenarbeit ganz offensichtlich nicht die Lösung zu sein. Was immer die Lösung sein könnte - an ihrem Anfang müsste das Eingeständnis der westlichen Welt stehen, dass man sich mit dem Eingreifen in Afghanistan überschätzt und übernommen hat.

4.
Die derzeitige Flüchtlingspolitik der Bundesrepublik hat mit dem ursprünglichen Recht auf Asyl in unserem Grundgesetz nichts mehr zu tun. Flüchtlinge werden in Länder abgeschoben, in denen Menschenrechte systematisch verletzt werden und in denen sie an Leib, Leben und Freiheit bedroht sind. Wir Grüne wollen zurück zu einer Flüchtlingspolitik, die auf der Genfer Konvention und der europäischen Menschenrechtskonvention beruht. Wir wollen großzügige Bleiberechtsregelungen, vor allem für besonders schutzbedürftige und/oder traumatisierte Flüchtlinge. Solche Menschen dürfen nicht in Abschiebehaft genommen werden. Flüchtlingskinder, die gar keine andere Heimat kennen als Deutschland, abzuschieben - wie es immer wieder praktiziert wird - ist ein unglaublicher Skandal (vor allem auf der Folie unserer eigenen Geschichte!).

Deutschland als Ressourcen verbrauchende, Umwelt schädigende und Klima zerstörende Gesellschaft trägt natürlich Verantwortung dafür, dass Lebensgrundlagen in der Welt zerstört werden und Menschen flüchten. Eine Milliarde Menschen sind chronisch unterernährt. Konkurrenzen um die Ressourcen Fisch, Holz, Wasser, Land oder Energie; Finanzkrise, Klimawandel oder Aufrüstung - an all dem sind wir auf irgendeine Weise beteiligt, und all das treibt Menschen in die Flucht. Das Flüchtlingshilfswerk der UN schätzt, dass allein in der Folge von Umweltkatastrophen derzeit rund 25 Millionen Menschen auf der Flucht sind. Diese Zahl wird sich mit stärker werdenden Auswirkungen des Klimawandels vervielfachen. Unsere ganze Programmatik - ob Umwelt-, Energie- oder Außenpolitik - ist auf den globalen Blick, auf globale Gerechtigkeit ausgelegt. Deshalb zeigt unser Haupt-Bundestagswahlplakat genauso wie das Cover des Wahlprogramms auch die Weltkugel. Um es etwas übergeordnet zusammenzufassen: Wir setzen auf Kooperation, Dialog und fairen Interessenausgleich zwischen Nord und Süd. Ein solcher "kooperativer Multilateralismus" braucht stärkere, mächtigere Institutionen unter dem Dach der UN als wir sie heute haben. Dafür setzen wir uns ein.

Na ja, "kurz" ist etwas anderes - nun ist meine Antwort doch länger als beabsichtigt ausgefallen. Ich empfehle Ihnen trotzdem zur vertiefenden Einsicht unser Wahlprogramm ;-)

Mit freundlichen Grüßen
Sylvia Kotting-Uhl
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Frage zum Thema Wirtschaft
14.07.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Abgeordnete,

im Handelsblatt gab es einen Artikel zu den Plänen der EU, in den Markt für Milch und Butter einzugreifen: www.handelsblatt.com

Wenn wir die Milchbauern vor der Marktwirtschaft retten, warum dann nicht auch andere Wirtschaftszweige - wo bleibt der Grundsatz der Gleichbehandlung?

Wie stehen Sie zu dieser Frage?

Ich freue mich auf Ihre Antwort und danke im Voraus,

Antwort von Sylvia Kotting-Uhl
1Empfehlung
23.07.2009
Sylvia Kotting-Uhl
Sehr geehrter Herr ,

mein politischer Ansatz ist nicht der, dass alle gleich behandelt werden müssen. Ganz im Gegenteil, Politik ist (auch) dazu da Ausgleich bei ungleichen Startbedingungen und Chancen zu schaffen. Das gilt eindeutig für Menschen und mit klaren einschränkenden Bedingungen durchaus auch mal für einen Wirtschaftszweig. Eine dieser Bedingungen ist, dass dieser Wirtschaftszweig zukunftsfähig ist - eine zweite, dass die temporäre Unterstützung nicht zur Dauersubvention wird. Ich wäre zum Beispiel durchaus dafür gewesen, die Automobilindustrie in der Krise bei der raschen Entwicklung Co2-armer Antriebstechniken zu unterstützen. Mit der Abwrackprämie dagegen wird Geld als unsinnige Subvention ohne Lenkungswirkung zum Fenster hinaus geworfen.

Mit der Brüsseler Subventionspolitik verhält es sich nicht immer viel klüger. Sie fördert immer wieder die Überproduktion am Bedarf vorbei. Ich halte diese Art von Politik, bei der es nur darum geht mit den niedrigsten Preisen des Weltmarktes konkurrieren zu können, für äußerst schädlich - auch aus der globalen Perspektive. Was macht es für einen Sinn Milch bei uns zu Dumpingpreise für den chinesischen Markt zu produzieren? Wir Grünen unterstützen die Milchbäuerinnen und -bauern und den Bundesverband Deutscher Milchviehhalter bei ihrem Kampf für einen fairen Milchpreis. Sogenannte Interventionskäufe für Butter und Magermilchpulver, die jetzt in der Krise dafür sorgen sollen, dass die Preise nicht noch weiter abstürzen, halten wir aber für den falschen Weg. Landwirtschaftliche ErzeugerInnen brauchen einen rechtlichen Rahmen, um ihre Erzeugung dem Bedarf des Marktes flexibel anpassen zu können. Überproduktion in den Industrieländern zerstört volkswirtschaftliche Werte und regionale Wirtschaftskreisläufe weltweit. Darum bin ich und meine Partei für die unverzügliche Abschaffung aller Exportsubventionen. Fortführung der unter Renate Künast begonnenen Agrarwende, Ökolandbau, regionale Vermarktung, faire Preise, artgerechte Tierhaltung - das sind unsere Stichworte für eine zukunftsfähige eigenständige Landwirtschaft.

Mit freundlichen Grüßen
Sylvia Kotting-Uhl
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