Sehr geehrter Herr

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vielen Dank für Ihre Nachricht. Es ist unbestreitbar, dass wir vor allem im Sozialbereich mit vielen Problemen zu kämpfen haben. Man muss aber auch zur Kenntnis nehmen, dass die Politik - über alle Parteigrenzen hinweg - verantwortungsbewusst daran arbeitet, diese Probleme zu regeln. Betrachten wir einmal die Situation der Arbeitslosigkeit: Die Arbeitslosigkeit ist seit 2005 von knapp 5,2 Mio auf (wie Sie richtig festgestellt haben) knapp 3,2 Mio gesunken. Dabei müssen wir berücksichtigen, dass sich selbst in den letzten anderthalb Jahren die Arbeitslosenzahlen (im Zuge der heftigsten Wirtschafts- und Finanzkrise unserer Zeit!) positiv entwickelt haben. Und bei diesen Arbeitsplätzen handelt es sich zum Großteil um qualifizierte Arbeitsplätze, d.h. weder um "Ein-Euro-Jobs" noch um "geringfügige" Beschäftigungen. Insofern lässt sich die von Ihnen implizierte Unterstellung, es würde in unserem Land die Arbeit ausgehen, nicht empirisch belegen (aktuell gibt es auch noch über 800.000 offene Stellen).
Ich gebe ganz offen zu, dass im Zuge der von der damaligen Rot-Grünen Bundesregierung vorgenommenen Reformen viele handwerkliche Fehler passiert sind. Diese Fehler (vor allem im Hartz IV-Bereich) müssen wir korrigieren und das haben wir auch in Angriff genommen. Wie Sie den Stellungnahmen und Programmen entnehmen können, haben wir als FDP schon frühzeitig z.B. die Verfassungswidrigkeit der Hartz IV-Regelsätze angemahnt (worin uns das Bundesverfassungsgericht bestätigt hat). Darüber hinaus haben wir das Kindergeld erhöht und für Familien mit Kindern wesentliche steuerliche Entlastungen geschaffen. Und auch die Verdreifachung des Schonvermögens für Hartz IV-Empfänger ist eine Maßnahme, die ich ausdrücklich befürworte.
Eine Bedrohung der Legitimation dieses politischen Systems lässt sich auch nicht erkennen, zumal in Deutschland über alle Ebenen knapp 800 Mrd. EUR (800.000.000.000 Euro) pro Jahr für Sozialleistungen aufgewendet werden (zumal mir auch keine Alternative zu diesem politischen System bekannt ist, die sich zu irgendeiner Zeit in irgendeinem Land auf dieser Erde dauerhaft etabliert hätte). Und damit kommen wir auch zur Idee des bedingungslosen Grundeinkommens. Rein theoretisch könnte man die 800 Mrd dafür verwenden, jedem Bürger 800 EUR im Monat auszuzahlen. Allerdings müssten Sie dann bewerkstelligen, von heute auf morgen alle Einrichtungen, die direkt oder indirekt mit der Sozialverwaltung betraut sind, zu schließen und alle Mitarbeiter zu entlassen und den Mitarbeitern (darunter auch viele Beamte) sämtliche Leistungen (Renten/Pensionen, Krankenversicherung etc.) ersatzlos streichen. Auch müssten sämtliche Versorgungssysteme (wie z.B. die Rentenversicherung) - ohne Rücksicht auf die rechtmäßig erworbenen Anwartschaften - abgeschafft werden. Unabhängig davon, dass das verfassungsrechtlich nicht zulässig ist, wäre das auch technisch nur schwer durchführbar. Im übrigen gibt es weltweit eine Reihe von Ländern, die bereits mit einem bedingungslosen Grundeinkommen experimentiert haben. Bislang ist jedes dieser Experimente fehlgeschlagen (oder aber das Grundeinkommen ist schlicht und einfach zu gering - wie z.B. in Alaska, wo ein bedingungsloses Grundeinkommen in Höhe von 1.100 US$ - pro Jahr - eingeführt worden ist). Ich lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen.
Wenn man berücksichtigt, dass sich in Zukunft der demographische Wandel noch stärker auf dem Arbeitsmarkt niederschlägt (als es jetzt schon der Fall ist), dann wir es sogar dazu kommen, dass es zu wenig Arbeitskräfte gibt.
Was ich aber im Zuge der aktuellen Situation am bemerkenswertesten finde, ist der Umstand, dass auch viele Menschen jetzt in Arbeit sind, die man noch vor wenigen Jahren als "nicht vermittelbar" oder "chancenlos" abgestempelt hätte.
Auch wenn ich Ihre Einschätzung im Ansatz verstehen kann, so kann ich sie aber nicht teilen. Herr

- lassen Sie uns einfach betrachten, wie sich die Arbeitslosigkeit in den letzten 5 Jahren reduziert hat und gemeinsam daran arbeiten, dass diese Entwicklung sich fortsetzt.
mit freundlichen Grüßen
Sebastian Blumenthal