Sehr geehrter Herr

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haben Sie vielen Dank für Ihre Fragen vom 7. Juni 2009 zum vieldiskutierten Thema des Verbotes von sogenannten Killerspielen.
Ich denke, dass es einer Vielzahl unglücklicher Umstände bedarf, bis jemand soweit kommt, einen Amoklauf als in der Regel auch für ihn letzten Weg zu gehen. Wenn man sich nun daran macht, als Gesetzgeber die Voraussetzungen zu prüfen, die zu einer solchen Tat führten, um zukünftige entsprechende Taten so gut es irgend möglich ist zu vermeiden, muss man sich natürlich mit den bisher bekannten Täterprofilen auseinandersetzen.
Leider ist es ein übereinstimmendes Merkmal der Täter von Erfurt, Emsdetten und Winnenden, dass die späteren Amokläufer vorher Killerspiele konsumiert haben. Ich bin davon überzeugt, dass die häufige Beschäftigung mit Spielen, bei denen ein wesentlicher Bestandteil der Spielhandlung die virtuelle Ausübung von wirklichkeitsnah dargestellten Tötungshandlungen darstellt, bei einer entsprechenden Neigung die Hemmschwelle gegenüber real existierenden Menschen senken kann.
Ihrer Einschätzung, dass andere Faktoren wie z.B. Erfolglosigkeit in der Schule oder Vereinsamung bei den Analysen der Amokläufe ignoriert würden, kann ich nicht teilen. Im Gegenteil wird immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig es beispielsweise im schulischen Umfeld ist, dass niemand "aufgegeben" wird, sondern dass man genau hinsehen muss, gerade wenn sich jemand als Außenseiter von seiner Umwelt abschottet. Solches sollte im Übrigen nicht nur der Vorbeugung potentieller Amokläufe dienen, sondern ein selbstverständlicher Akt des Miteinanders sein.
Im Zusammenhang mit den "Killerspielen" denke ich, dass noch viel mehr getan werden muss, um eine allgemeine Medienkompetenz sowohl bei Kindern und Jugendlichen als auch bei Eltern und allen Erziehungsberechtigten zu erreichen. Das im Juli 2008 reformierte Jugendschutzgesetz, was sich unter anderem eine bessere und nachvollziehbarere Kennzeichnung der Spiele zum Ziel gesetzt hatte, geht hier bereits in die richtige Richtung.
Ein Zusammenhang zwischen "Need for Speed" und illegalen Autorennen, bei denen traurigerweise auch immer wieder meist junge Menschen zu Tode kommen, ist mir bislang nicht bekannt. Sollte er sich erweisen, müsste man auch hier überlegen, ob und wenn ja wie man darauf reagiert.
Mit freundlichen Grüßen
Ruprecht Polenz