Sehr geehrter Herr

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zunächst einmal möchte ich mich bei Ihnen für Ihre Frage bedanken. In der Tat war die Regierungsbeteiligung in Berlin innerhalb meiner Partei von Anfang an umstritten. Nach den Abgeordnetenhauswahlen im Jahr 2006 war ich selbst entschieden gegen eine Neuauflage des Senats aus SPD und Linkspartei.PDS, wie meine Partei damals noch hieß. Zum einen war ich der Meinung, dass angesichts der gigantischen Verschuldung Berlins eine Politik der Haushaltskonsolidierung zwangsläufig zu Einschnitte bei den schwächsten dieser Gesellschaft führen musste und deshalb mit meinen linken Zielen nicht in Einklang zu bringen ist. Zum anderen fand ich, dass es einer Zeit der Erneuerung in der Opposition bedurfte, nachdem die Partei ihre Wählerschaft im Vergleich zur vorherigen Wahl nahezu halbiert hatte. Zu dieser Einschätzung stehe ich noch heute.
Gleichzeitig muss aber festgestellt werden, dass die Verschuldung Berlins zum einen daher resultiert, dass CDU und SPD über Jahre hinweg Berlin in den Ruin getrieben haben. Denke Sie beispielsweise an den Bankenskandal. Zum anderen resultiert diese Situation aus der Steuerpolitik der letzten Jahrzehnte zugunsten der Gutverdiener, der Vermögenden und Konzerne, die CDU/CSU, SPD, Grüne und FDP im Bund zu verantworten haben und die die Länder und Kommunen systematisch geschwächt hat.
Ungeachtet meiner eingangs geschilderten Kritik meine ich, dass DIE LINKE es trotz dieser widrigen Ausgangssituation geschafft hat, seit dem Jahr 2002 eigene Akzente zu setzen, soziale Errungenschaften zu verteidigen und ein paar wichtige Projekte anzustoßen. Dazu gehört aus meiner Sicht unter anderem: Die Berlinerinnen und Berliner haben jetzt die Möglichkeit, sich durch Bürgerbegehren und Bürgerentscheide, Volksbegehren und Volksentscheide direkter und einfacher als bisher in die Politik einzumischen. In Berlin gibt es nach wie vor keine Studiengebühren. Das erlaubt es allen jungen Menschen, ein Studium aufzunehmen, egal wie es um den Geldbeutel ihrer Eltern bestellt ist. Die Sparkasse wurde nicht an Lehmann Brothers verkauft, wie es andere Parteien in Berlin gefordert haben. Und im Bundesrat hat Berlin dem Vertrag von Lissabon, der Europa noch kapitalfreundlicher und militaristischer gemacht hätte, nicht zugestimmt.
Ob das ausreicht, eine Regierungsbeteiligung in einem hoch verschuldeten Bundesland zu rechtfertigen, ist eine schwierige Frage. Ich selbst habe meine Zweifel. Man kann sich aber auch fragen, was eine Regierung aus CDU, Grünen und FDP verbrochen hätte? Wäre die BVG gänzlich privatisiert worden? Gäbe es jetzt auch in Berlin Studiengebühren? Welchen zusätzlichen Härten wären Arbeit suchende Menschen ausgesetzt?
Eines jedenfalls ist klar: DIE LINKE ist die einzige Partei, die ernsthaft die Vor- und Nachteile von Regierungsbeteiligungen diskutiert. Die abwägt, ob sie ihre Ziele eher aus der Opposition heraus gemeinsam mit Gewerkschaften und sozialen Bewegungen realisieren kann oder im Verbund mit anderen Parteien in der Regierung. Das ist, finde ich, Ausdruck einer lebendigen Debatte, an der sich hoffentlich nicht nur Parteimitglieder, sondern auch Sympathisanten beteiligen werden.
Und was die Bundestagswahl am 27. September 2009 betrifft, ist unsere Position klar: Mit uns wird es keinen Sozialabbau, keine Lohnsenkungen, keinen Arbeitsplatzabbau und keine Kriege geben. Solange wie die anderen Parteien nicht bereit sind, auf diese Forderungen einzugehen, werden wir aus der Opposition heraus die Missstände in diesem Land thematisieren und, hoffentlich gemeinsam mit ihnen, Widerstand leisten.
Mit freundlichen Grüßen,
Ruben Lehnert