Lothar Bisky (DIE LINKE)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Lothar Bisky
Jahrgang
1941
Berufliche Qualifikation
Diplom Kulturwissenschaftler
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Frankfurt (Oder) - Oder-Spree
Landeslistenplatz
1, über Liste eingezogen, Brandenburg
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(...) Damals waren Union und SPD taub für alle Argumente. Herr Pannwitz, Sie haben Recht, als Wahlkampfthema ist die Pendlerpauschale ungeeignet. Wer wirklich etwas für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer tun will, muss die Pendler sofort entlasten und nicht erst zum 1. Januar 2009. Es stimmt, aufgrund sinkender Umfrageergebnisse und der bevorstehenden Landtagswahlen bröckelt die Front derjenigen, die einst eine Kürzung der Pendlerpauschale befürwortet haben. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
03.07.2009
Bundestagswahlrecht
nicht beteiligt
02.07.2009
AWACS-Einsatz in Afghanistan
NEIN
18.06.2009
Internetsperren
nicht beteiligt
18.06.2009
Patientenverfügung (Stünker-Antrag)
nicht beteiligt
29.05.2009
Schuldenbremse
nicht beteiligt
28.05.2009
Abgabe von künstlichem Heroin an Schwerstabhängige
nicht beteiligt
Fragen an Lothar Bisky
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Frage zum Thema Wirtschaft
27.05.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Bisky!

Bei abgeordnetenwatch lese ich in einer ihrer E-Mail-Antworten, dass sich der Begriff"Neoliberalismus" vor 20Jahren gewandelt hätte,früher diente der Begriff auch wegen der Ökonomen Walter Eucken und Wilhelm Röpke als theoretische Grundlage der "sozialen Marktwirtschaft",jetzt wird er nach ihrer Meinung aber nur noch als Synonym einer "angebotsorientierten Wirtschaftspolitik",d.h.als Marktfundamentalismus verwandt!
Herr Bisky, kann es vielleicht sein,dass der Linkspartei das gut zu passe kommt? Heut braucht man als Linker doch nur noch den Anhängern der "sozialen Marktwirtschaft" den Kampfbegriff"Neoliberalismus" entgegen zu schleudern,schon ist er in eine Ecke gedrängt,aus der er schwer wieder raus kommt!So dass Anhänger der sozialen Marktwirtschaft sich wie der ehemalige Grüne Oswald Metzger sich nun nicht mehr Neoliberale nennen,sondern sich als Ordoliberaler bezeichnet!

Sollte es nicht einzig und allein darum gehen,den Wohlstand einer Nation und ihrer Bürger zu mehren und dafür eine Wirtschaftspolitik zu finden,die angemessen ist und dazu gehören nach meiner Überzeugung sowohl die Angebots-,als auch die Nachfrageseite!Was nützt es ihnen,wenn sie eine angebotsorientierte Wirtschaftspolitik als Teufelszeug und Marktradikalismus und -fundamentalismus diskreditieren,wenn sie temporär zu guten und überzeugenden Ergebnissen führt,das heisst ja nicht,dass es auch Zeiten gibt,wo eine nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik dringend erforderlich ist!

Wäre es da nicht angezeigt,mit der Verteufelung des "Neoliberalismus" und der Glorifizierung des "Sozialismus" in welcher Form auch immer,aufzuhören?
Sie werden doch nicht bestreiten wollen,dass die überwiegend angebotsorientierte "soziale Marktwirtschaft" Ludwig Erhards der Bundesrepublik Deutschland Wohlstand für die Bürger gebracht hat?Wenn eine SPD geführte Regierung bürokratische Monster ala Hartz4 etc.einführt und den Mittelstand vergisst,kann man das alles dem Neoliberalismus anlasten?

MfG
Antwort von Lothar Bisky
20Empfehlungen
30.05.2008
Lothar Bisky
Sehr geehrter Herr ,

für Ihre Sicht der Dinge danke ich Ihnen. Die meinige ist allerdings hinsichtlich des Wohlstandes für die Mehrheit der Menschen – mit Verlaub – eine andere.
Das Ziel linker Wirtschaftspolitik ist meines Erachtens die Verbesserung des Lebensstandards der großen Mehrheit der Bevölkerung. Dazu bedarf es aus meiner Sicht – und aus der meiner Partei - verschiedener Maßnahmen:

I) Wirtschaftliche Stabilisierung
Produktion und Beschäftigung sind durch die gesamtwirtschaftliche Nachfrage bestimmt. Dies ist die Grundlage der Wirtschaftspolitik der Partei DIE LINKE und ihrer Fraktion im Deutschen Bundestag, denn nur dann, wenn produzierte Güter auch nachgefragt werden, also Unternehmen mit Absatz rechnen können, stellen sie dauerhaft ein entsprechendes Angebot an Waren und Dienstleistungen dem Markt zur Verfügung. Eine Nachfrage, die zu Vollbeschäftigung führt und überdies den Sozialstaat wieder instand setzt, ist nach unserer Ansicht durch die folgenden wirtschaftpolitischen Maßnahmen zu erreichen:
1. Eine Steuerpolitik, die die Gewinn- und Unternehmenseinkommen stärker belastet, des weiteren die hohen Vermögen, Erbschaften und die Börsenumsätze. Dies schließt eine markante Erhöhung des Spitzensteuersatzes ein. Die zusätzlichen Einnahmen des Staates dienen der Finanzierung vermehrter öffentlicher Ausgaben in den Bereichen Soziales und Bildung, im öffentlichen Dienst und im Rahmen staatlicher Investitionen. Dies bedeutet auch eine Vergrößerung des öffentlichen Sektors. Privatisierung von öffentlichem Eigentum findet nicht mehr statt. Stattdessen sind Privatisierungen rückgängig zu machen.
2. Stärkung der Gewerkschaften in ihrer Position bei Lohntarifverhandlungen. Dies erfordert vor allem mehr Kündigungsschutz, Zahlung von Kurzarbeitergeld bei streikbedingten Produktionsausfällen und die bessere Unterstützung bei Arbeitslosigkeit (Überwindung von Hartz IV).
3. Niedrige Zinsen, um die privaten Investitionsausgaben zu erhöhen. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) muss grundlegend revidiert werden. In einem ersten Schritt ist gemeinsam mit anderen europäischen Parteien darauf zu dringen, dass die EZB ihre Geldpolitik öffentlich rechtfertigt. Besonders ist sie anzuhalten, die fragwürdige Geldtheorie zur Debatte zu stellen, die als Grundlage ihrer Politik dient.
4. Staatsdefizite dann, wenn es für die Verteilungspolitik (etwa in wirtschaftlichen Depressionsphasen) an Masse fehlt und wenn die privaten Investitionen auf niedrige Zinsen nicht im erforderlichen Ausmaß reagieren. Bei Staatsdefiziten gilt der Grundsatz: In der konjunkturellen Flaute das Wachstum erhöhen durch kreditfinanzierte Staatsausgaben, das Wachstum absichern durch Verteilungs- und Zinspolitik.
Die Verteilung zugunsten der Staatsausgaben, der Sozialeinkommen und der Löhne erhöht zuverlässig die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und damit das Wachstum. Ein hoher Gewinnanteil am Volkseinkommen dagegen führt nicht zu mehr privaten Investitionen, mehr noch: er behindert sie sogar. Denn wenn bei niedrigem privatem und öffentlichem Verbrauch – als Folge geringer Löhne, Sozialeinkommen und Staatsausgaben – die Endnachfrage gering ist, werden die Unternehmen ihre Kapazitäten nicht vergrößern, auch wenn sie dies wegen der hohen Gewinne finanzieren könnten. Ebenfalls eröffnet der technische Fortschritt nicht deswegen vermehrte Investitionsmöglichkeiten, weil die Gewinne hoch sind. Aus diesen Gründen legen die Unternehmen ihre Gewinne auf den Finanzmärkten an oder kaufen fremde Unternehmen auf: Übermäßige Gewinne fördern daher nicht das Wachstum, sondern stattdessen die Konzentration und Monopolbildung. Ähnliche Nachfragewirkungen hat die Verteilung der Einkommen im Sektor privaten Haushalte. Bei den hohen Haushaltseinkommen handelt es sich im Wesentlichen um Unternehmens- und Vermögenseinkommen, die zu einem verhältnismäßig geringen Anteil für den Konsum ausgegeben werden. Eine Verteilung zugunsten der niedrigen Einkommen und zugunsten des Staates erhöht die Ausgaben je Einkommenseuro.

II) Wachstum und Umwelt
Diese Politik zur wirtschaftlichen Stabilisierung ist nicht auf ein Wachstum angewiesen, das die Umwelt belastet. Im Gegenteil: Da sie auf mehr Sozialstaat und öffentlichen Dienst und auf Arbeitszeitverkürzungen setzt, eröffnet sie erst die Chance, den ökologischen Strukturwandel rasch und umfassend voranzubringen. Ressourcenschonung, Energieeffizienz und der weitgehende Ersatz von schädlichen durch regenerative Energiequellen gehen damit Hand in Hand mit Vollbeschäftigung und einem leistungsfähigen Sozialstaat. Qualitatives Wachstum verbindet mehr Lebensstandard mit dem erforderlichen grundlegenden Wandel der Nutzung der Ressourcen.

III) Arbeitsproduktivität und Wohlfahrt
Grundlage für eine Besserung der Lebensverhältnisse der großen Mehrheit der Bevölkerung ist die hohe und steigende Arbeitsproduktivität. Während vor rund 35 Jahren in einer Erwerbstätigenstunde ein Wert von 20 Euro hergestellt wurde, sind es 40 Euro im Jahr 2007. Alles spricht dafür, dass sich die Produktivität in den kommenden 35 oder 40 Jahren erneut verdoppeln wird. Dies ist die Grundlage für mehr allgemeine Wohlfahrt, für mehr Lohn, mehr Altersrente, mehr Sozialstaat. Dass seit Jahrzehnten die Menschen bei ihrer Arbeit immer produktiver und gleichzeitig immer ärmer werden, ist absurd. Die LINKE will dieser Absurdität ein Ende setzen. Die Lösung dieser Frage fordert eine andere Verteilung des produzierten Reichtums.

IV) Arbeitsproduktivität, Arbeitsstress und Umwelt
Die Steigerung der Arbeitsproduktivität darf nicht einfach den privaten Unternehmen überlassen werden. Denn deren Ziel ist einzig ein höherer Gewinn. Bei der Verfolgung dieses Zieles setzen die Unternehmen nicht zuletzt neue Produktionstechniken ein, die den Arbeitsstress erhöhen und die Umwelt schädigen. Die Arbeitswelt muss humanisiert werden, öffentliche Kontrollen und Normen müssen dafür sorgen, dass nicht alles, was technisch möglich ist, auch erlaubt wird. Um eine solche Entwicklung zu erreichen, muss die Wirtschaft demokratischen regeln unterworfen werden.

V) Demokratisierung der Wirtschaft
Eine linke Wirtschaftpolitik kann sich nicht einfach darauf verlegen, den produzierten Reichtum angemessen zu verteilen. Der Arbeitsprozess, die Art und Weise der Produktion ist nicht Privatsache der Unternehmen. All dies ist eine öffentliche, eine politische Angelegenheit. Maßgeblich darf nicht das Eigentümerinteresse allein sein. Vielmehr müssen alle, die Beschäftigten, die Gemeinden, das Wohnumfeld, das Konsumenteninteresse ein Recht auf Mitsprache haben. Mittel hierzu sind mehr Mitbestimmung, verbindliche Verhaltensstandards und Rechenschaftspflichten für Unternehmen. Der Staat als großer Auftraggeber für die private Wirtschaft muss Standards setzen und soziale und ökologische Kriterien mit seiner Auftragsvergabe verknüpfen.

VI) Kleine und mittlere Unternehmen, das Kleingewerbe
Die Existenzbedingungen des Kleingewerbes sind zu verbessern. Bedrohlich für diesen Wirtschaftsbereich sind nicht die Löhne und Sozialabgaben. Entscheidend sind vielmehr die Auftragslage, die Beschaffungs- und Absatzpreise und die technischen Verbesserungen im Produktionsprozess. Für mehr Aufträge sorgt die Steigerung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage im Binnenland. Zu geringe Gewinne im Kleingewerbe sind nicht eine Folge zu hoher Lohnkosten. Ausschlaggebend sind in den überaus meisten Fällen zu geringe Absatz- und zu hohe Beschaffungspreise, d.h. eine ungleiche Verteilung der Rentabilität als Folge von Marktmacht: Großunternehmen als Zulieferer oder Abnehmer sind in der Lage, dem Kleingewerbe Preise zu diktieren, die ihnen eine rentable Produktion kaum ermöglichen. Die Lösung kann nicht in niedrigeren Arbeitskosten und Kombilöhnen gesucht werden. Vielmehr ist es Aufgabe des Kartellamtes, diesem Missbrauch von wirtschaftlicher Macht ein Ende zu setzen. Die Missbrauchsaufsicht der Behörde muss vermehrt auf diese Wirtschaftsbereiche ausgedehnt werden.
Die Produktionstechnik des Kleingewerbes ist zu verbessern. Hier müssen das ERP-Sondervermögen und die Kreditanstalt für Wiederaufbau als Spezialbanken im Bundeseigentum ihren Aufgaben besser als bisher nachkommen. Das ERP-Sondervermögen darf nicht zur Sanierung des Bundeshaushaltes herangezogen werden. Öffentliche Beratungsstellen sind vermehrt notwendig, um den Mittelabfluss dieser Spezialeinrichtung zur Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen sicher zu stellen. Wichtig sind hier ebenfalls die Leistungen der Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Die Förderung des Kleingewerbes ist mit einem privatisierten Sparkassensektor nicht möglich. Wir lehnen daher eine Politik ab, die auf Kombilöhne für kleine und mittlere Unternehmen und gleichzeitig auf eine Privatisierung der Sparkassen setzt.

VII) Vergrößerung des öffentlichen Sektors
Eine erfolgreiche Wirtschaftpolitik braucht einen hinreichend großen öffentlichen Sektor im Rahmen eins gemischtwirtschaftlichen Systems. Die Aufgaben des öffentlichen Sektors sind:
1. Die öffentliche Daseinsvorsorge sicherstellen. Dies betrifft vor allem Bereiche wie Gesundheit, Erziehung, soziale Dienste, Wohnen, Wasser- und Energieversorgung, Transport.
2. Mit öffentlichen Produktionsunternehmen für Preiswettbewerb sorgen.
3. Marktmacht beschränken. Eine wirksame Sozialstaats- und Beschäftigungspolitik kann nur verwirklicht werden, wenn das Parlament der uneingeschränkte Souverän ist und wenn die Regierung die vom Parlament beschlossenen Gesetze ohne Wenn und Aber ausführt. Dies ist gefährdet, wenn sich Großunternehmen und Lobby allgemein Staatsgewalt erschleichen. Sie dürfen nicht durch Gremien wie Innovations- oder Normenkontrollräte, durch Leihbeamte und –beamtinnen in den Ministerien, durch Formulierungshilfen bei Gesetzesentwürfen oder durch die Finanzierung von Regierungskonferenzen die parlamentarische Demokratie beschränken und die Staatsgeschäfte maßgeblich beeinflussen. Das Parlament, die Öffentlichkeit, die Medien müssen alles daran setzten, damit wirtschaftliche Macht nicht zu politischer Macht wird. Wenn die Souveränität der Demokratie anders nicht geschützt werden kann, ist der Übergriff wirtschaftlicher Macht auf die Verfassungsorgane durch Gemeineigentum an den betreffenden Unternehmen zu unterbinden.
4. Sicherstellen, dass auf lange Sicht die notwendige Verteilungspolitik nicht an den Rentabilitätsforderungen der Großwirtschaft scheitert: Wenn die Ziele Vollbeschäftigung und Sozialstaat nur eine Kapitalrentabilität zulassen, die geringer ausfällt als die stets steigenden Profitratenforderungen der Großunternehmen, dürfen die allgemeinen Sozialstaatsziele diesen Forderungen nicht untergeordnet werden.
Ein umfangreicherer öffentlicher Sektor begründet sich daher nicht nur aus der Notwendigkeit der Daseinsvorsorge und eines wirksameren Preiswettwebs. Grundsätzlich bedeutend ist, die Politik handlungsfähig zu machen und Übergriffe wirtschaftlicher Macht zu verhindern. Die konkreten Eigentumsformen im öffentlichen Sektor sind eine Frage des jeweiligen Zwecks von öffentlichen Unternehmen und Einrichtungen. Der neoliberale wirtschaftsförmige Staat ist zu demokratisieren. Eine staatsförmige Wirtschaft soll das gemischtwirtschaftliche System nicht sein.

VIII) Zukunftsprogramm
Angesichts der gravierenden Vernachlässigung der öffentlichen Infrastruktur, des Erziehungs- und Bildungswesens, der Gesundheitseinrichtungen und anderer Einrichtungen der öffentlichen Daseinsvorsorge müssen die öffentlichen Investitionen und der öffentliche Konsum erhöht werden.
DIE LINKE hat dazu ein Zukunftsprogramm entwickelt, das zur ökologischen Erneuerung, zur wirtschaftlichen Stabilisierung und zur Schaffung von mehr als einer Million Arbeitsplätze beiträgt.

IX) Außenwirtschaftspolitik
Ziel der Außenwirtschaftspolitik muss sein, zu einer ausgeglichenen Leistungsbilanz zu kommen: Der Export und Import von Waren und Dienstleistungen muss sich die Wage halten. Die aggressive deutsche Exportpolitik schafft internationale Ungleichgewichte und erhöht die Gefahr von internationalen Wirtschaftkrisen.
Der freie internationale Waren- und Kapitalverkehr fördert die Entwicklung besonders der ärmeren Länder nicht. Die Entwicklungsländer müssen die Möglichkeit haben, ihre jungen Industrien vor ruinöser Auslandskonkurrenz zu schützen. Es ist daher eine Weltwirtschaftordnung erforderlich, die den Entwicklungsländern diejenige staatliche Souveränität einräumt und zurückgibt, die sie für eine erfolgreiche Entwicklungspolitik benötigen. Direktinvestitionen transnationaler Konzerne sind keineswegs eine angemessene Strategie für die wirtschaftliche Entwicklung.

In der Hoffnung, Ihnen zu Ihrer Zufriedenheit geantwortet zu haben und mit der abschließenden Bemerkung, dass in der Bundesrepublik zu Ludwig Ehrhards Zeiten mitnichten eine überwiegend angebotsorientierte Wirtschaftspolitik vorherrschte, sondern eine, die über steigende Löhne die Beschäftigten stetig in die Lage versetzte, mehr Konsumgüter nachzufragen, verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen,
Lothar Bisky
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Frage zum Thema Diätenerhöhung
28.05.2008
Von:

Ich finde die Art und Weise wie diese Diätenerhöhung zustande kommen sollte Skandalös.
Wie stehen sie zu der zukünftigen Frage insb. nach der Wahl bez. Diätenerhöhung ,und woran sollte diese sich orientieren ?
Die Politik der Linken finde ich sehr gut, und würde auch sehr gerne aktiv mittarbeiten.
Ich bin froh ,dass es hier eine alternative zu den nicht mehr tragbaren Parteien gibt.
Antwort von Lothar Bisky
20Empfehlungen
30.05.2008
Lothar Bisky
Sehr geehrter Herr ,

für Ihre freundlichen Worte zur Politik der Partei DIE LINKE danke ich Ihnen. Über Ihr Interesse an einer Mitarbeit freue ich mich sehr. Den Kreisverband Bochum der LINKEN erreichen Sie unter Universitätsstr. 39, 44789 Bochum, Tel.: 0234 - 324 15 00, Fax: 0234 - 298 47 74.

Aber nun zu Ihrer Frage in Sachen Abgeordnetendiäten: Auch ich halte es für skandalös, wie in kurzer Zeit eine zweite Diätenerhöhung durchgedrückt werden sollte. Zum Glück kann auch eine Große Koalition nicht machen, was sie will. Das Scheitern der Diätenerhöhung legt zugleich offen, dass eine grundlegende Reform der Abgeordnetenentschädigung überfällig ist. Diese muss schnellstens angepackt werden. Privilegien wie die steuerfreie Kostenpauschale und die beitragsfreie Altersversorgung für Abgeordnete gehören auf den Prüfstand. Meine Partei, DIE LINKE, und ich selbst fordern, dass auch Abgeordnete künftig in die gesetzliche Rente einzahlen müssen. Bis eine umfassende, sozial gerechte Diätenreform unter Dach und Fach ist, darf es nach unserer Meinung keine weiteren Diätenerhöhungen geben. Übrigens: Die Abgeordneten der LINKEN und auch zuvor die der PDS haben jede Diätenerhöhung im Deutschen Bundestag abgelehnt und anschließend die Nettosumme der höheren Diäten für soziale und politische Projekte gespendet. Unter www.linksfraktion.de können Sie sich informieren, wofür die LINKEN Abgeordneten die Diätenerhöhungen vom Anfang des Jahres verwenden.

Ich persönlich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass die Abgeordnetendiäten im selben Maße erhöht werden, wie die Renten oder die Hartz-IV-Regelsätze.

In diesem Sinne und

mit freundlichen Grüßen,

Ihr Lothar Bisky
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Frage zum Thema Inneres und Justiz
30.05.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Prof Bisky!

Leider wird m.E. im Bundestag die Personalie Gregor Gysi parteipolitisch ausgeschlachtet.
Ich habe gelesen, dass der Sohn von Herrn Havemann in der "Mitteldeutschen Zeitung" gesagt habe, dass Herr Gysi seinem Vater sehr geholfen habe. Auch wenn er die Vorwürfe natürlich nicht beurteilen kann. Ist es nicht so, dass wenn keine Verpflichtungserklärung auftaucht, keine Schul bewiesen ist?

Könnte die Stasi im Wendejahr 1989 Dinge gefälscht haben? Warum spielt diese Möglichkeit in der Öffentlichkeit keine Rolle?

Bei www.wikipedia.de habe ich gelesen, dass Herr Kohl ev. SED-Vermögen umgeleitet haben könnte. Unter der Eingabe "CDU-Spendenaffäre". Unter der Eingabe Franz Josef Strauß erscheint u.a., dass das bayerische Verfassungsamt Stasiakten aufgekauft habe. Um das Ansehen des ehem. Landesvaters nicht zu beschädigen.
Warum darf man dazu noch Steuergelder ausgeben?

Mir fällt auch auf, dass die Tatsache, dass die CDU und die FDP Blockparteien geschluckt haben, in der Öffentlichkeit keine Rolle spielt.
Ist es nicht so, dass die politischen Gegner also gar nicht die Vergangenheit einiger Ihrer Mitglieder/ Politiker im Sinne haben, sondern nur politisches Kapital herausziehen wollen?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Lothar Bisky
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17.06.2008
Lothar Bisky
Sehr geehrter Herr ,

für Ihre Mail und Ihre Sicht der Dinge danke ich Ihnen. In der Tat sind die Vorwürfe gegen Gregor Gysi nicht neu, sondern werden nur zu einem seinen Gegnern günstig erscheinenden Zeitpunkt immer wieder aufs Tapet gebracht. Gregor Gysi hat zu diesem unfairen Schauspiel in seiner Rede im Deutschen Bundestag alles gesagt, was dazu zu sagen ist. Sie finden sie unter www.linksfraktion.de . Im Übrigen behält sich Gregor Gysi weitere juristische Schritte gegen seine Verleumderinnen und Verleumder vor, denn er hat definitiv nicht wissentlich und willentlich Informationen an die Stasi gegeben. Sie haben völlig Recht, Florian Havemann, der Sohn von Robert Havemann, sagt - ebenso wie der Sohn von Rudolf Bahro -, dass der Anwalt Gregor Gysi seine Sache sehr gut gemacht habe. Der Vorwurf des Mandantenverrates ist völlig absurd.
Selbstverständlich müsste die Möglichkeit, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit Akten zu ihrem eigenen Vorteil gefälscht haben in Erwägung gezogen werden. Dies wird absichtsvoll unterlassen bzw. nur sehr leise angemerkt.
Explizit danken möchte ich Ihnen für Ihren Hinweis, dass CDU und FDP mehrere Blockparteien der DDR aufgenommen haben, ohne sich je mit ihrer Geschichte auseinander gesetzt zu haben. Die PDS hat dies umfänglich getan. Dies wird nur aktiv verschwiegen. Insofern kann ich Ihrem Schlusssatz zustimmen.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Lothar Bisky
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Frage zum Thema Inneres und Justiz
02.06.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Prof. Bisky!

In der WDR-Sendung "hart aber fair" vom 28. Mai 2008 äußerten Sie, dass die Kontrolle der Partei DIE LINKE durch den Verfassungsschutz endlich aufhören müsse, da das Parlament den Verfassungsschutz kontrolliere und nicht umgekehrt der Verfassungschutz das Parlament.
Ohne auf den Einzelfall Ihrer Partei einzugehen, kann ich jedoch Ihrer generellen Auffassung nicht folgen. Wiewohl die Parteien als Mittler zwischen Staat und Volk mit Recht das Parteienprivileg genießen, so wenig darf eine wehrhafte Demokratie zusehen, wenn die freiheitlich-demokratisch Ordnung untergraben wird - und sei es aus dem Parlament heraus. Dies wird verfassungsrechtlich dadurch verbürgt, dass ein Parteiverbotsverfahren auch gegen Parteien angestrengt werden kann, welche in Parlamenten vertreten sind.
Daher möchte ich Sie fragen, ob Sie, in logischer Konsequenz Ihres oben beschriebenen Arguments, der Auffassung sind, dass der Verfassungsschutz der Länder Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern die Überwachung der NPD einstellen sollte, da diese in den jeweiligen Landtagen vertreten ist.

Mit freundlichen Grüßen,

Antwort von Lothar Bisky
45Empfehlungen
03.07.2008
Lothar Bisky
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage, die sich rein formallogisch womöglich stellen mag. Den Vergleich der Partei DIE LINKE mit der NPD halte ich jedoch aus inhaltlichen Gründen für völlig absurd. DIE LINKE versteht sich - wie ihre Vorgängerparteien Linkspartei.PDS und WASG - als eine politische Partei, die auf der Grundlage des Grundgesetzes arbeitet. Dies wird aus der Satzung, bzw. dem Statut und den Programmen bzw. den Programmatischen Eckpunkten mehr als deutlich. Im besonderen Maße gilt dies für die parlamentarischen Initiativen, die wir in den Bundestag, das Europaparlament und die zehn Landesparlamente einbringen und in der Vergangenheit eingebracht haben.
Eine Vorgängerpartei der LINKEN, die PDS, war im Land Brandenburg maßgeblich an der Erarbeitung und Formulierung der brandenburgischen Landesverfassung beteiligt. Meine Partei stellt zahlreiche Bürgermeisterinnen und Bürgermeister und tausende von kommunalen Abgeordneten und ist nach der Zahl ihrer Abgeordneten auf Europa-, Bundes- und Landesebene die drittstärkste Kraft in der Bundesrepublik Deutschland. Nur Union und SPD zählen mehr Parteimitglieder als DIE LINKE.
Die Vorstellung, dass rechtsextremistische Demokratiefeinde dies alles erreichen könnten, gruselt mich und ich habe soviel Vertrauen in die Demokratie, dass ich dies für unwahrscheinlich halte. Sie können sicher sein, dass ich alles in meiner Macht Stehende dafür tue, dass rechtsextremistische Positionen jeden Rückhalt in der Gesellschaft verlieren.
Ich bleibe dabei: Das Parlament muss den Verfassungsschutz kontrollieren und nicht umgekehrt der Verfassungsschutz das Parlament, wie es gegenwärtig geschieht. Derzeit missbraucht die Mehrheit den Geheimdienst, um die Minderheit unter Kontrolle zu bekommen. Dieser Missbrauch seitens der Regierung gegen eine kritische demokratische Opposition wie DIE LINKE ist inakzeptabel. Diese Bespitzelung der LINKEN ist ein Ausdruck von Willkür und mangelnder demokratischer Fairness. Ich wünsche mir, dass die freiheitlich-rechtsstaatlich legalisierte Schnüffelei im Interesse der Meinungsfreiheit endlich beendet wird und freue mich, dass der Bremer Innensenator die Beobachtung der LINKEN durch den bremischen Landesverfassungsschutz beendet hat, wie heute der Presse zu entnehmen war.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Lothar Bisky
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Frage zum Thema Arbeit
05.06.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Bisky,

seit einiger Zeit verfolge ich nun schon die mediale Debatte um einen gesetzlichen Mindestlohn (gM) in Höhe von BRUTTO 7,50 EUR bis 8,50 EUR.
die LINKE betätigt sich ja auch auf diesem Felde sodass die Frage erlaubt sein muss, was ein gM nachhaltig bewirken soll.

Menschenwürdiges Einkommen
Mehr teilhabe am gesellschaftlichem Leben
Würdigung der Arbeitsleistung

Ein verheirateter Familienvater mit einem Kind bekommt bei einem gM in Höhe von
BRUTTO 10,- EUR bei Regelarbeitszeit 160 Std. BRUTTO 1.600,- EUR
Das macht unterm Strich NETTO 1.150 EUR.
Der Familienvater ist wieder bei der ARGE und muss sich nackig machen...
Sie sehen das ich zur Berechnung BRUTTO 10,- EUR genommen habe. Davon ist aber öffentlich überhaupt nicht die Rede.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich bin für eine Diskussion über einen gM, doch sollte außer der Verpackung (gM) auch der Inhalt (?NETTO?) stimmen, sonst entsteht mit dem Beschluss des gM sofortiger Reformbedarf und das ist nicht vorausdenkende, weitsichtige Politik im Sinne des Bürgers, der sich darüberhinaus Fragen wird, wozu ein gM wenn doch innerhalb der LINKEN Partei das menschenfreundliche Grundeinkommen debattiert wird.

Ich wäre sehr erfreut eine Antwort zu erhalten.

Mit freundlichen Grüßen
Hans

PS. Eigentlich bräuchte man sich mal wieder nur an unterschriebene Verträge
erinnern!

menschenrechtsblog.wordpress.com
1. Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.
2. Jeder, ohne Unterschied, hat das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit.
3. Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert, gegebenenfalls ergänzt durch andere soziale Schutzmaßnahmen.
Antwort von Lothar Bisky
11Empfehlungen
19.06.2008
Lothar Bisky
Sehr geehrter Herr Meier,

die von Ihnen am Schluss Ihrer Frage zitierten Menschenrechte gesellschaftliche Realität werden zu lassen, dafür setzen sich meine Partei DIE LINKE und ich selbst in und außerhalb der Parlamente immer wieder ein. Sie gehören zu den Leitmotiven meines und unseres politischen Handelns.

Aber nun zum Kern Ihrer Frage, der Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn. In der Tat, wir wollen, dass niemand weniger als 8,44 € in der Stunde brutto verdient, egal ob Mann oder Frau, Ossi oder Wessi, Nordi oder Südi und unabhängig davon, in welcher Branche gearbeitet wird. Wir wollen einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn in dieser Höhe, der nach seiner Einführung bald auf 10,- € in der Stunde steigen möge. Ein Single läge bei einem Vollzeitverdienst (39-Stunden in der Woche, 169h/Monat) von 1426,36 € bis 1690,00 € brutto in jedem Fall mit seinem Nettoeinkommen deutlich über den Hartz-IV-Leistungen und auch die von Ihnen genannte dreiköpfige Familie muss dann keine Sozialleistungen mehr in Anspruch nehmen, wenn beide Partner berufstätig sind. Für einen Alleinverdienenden mit Familie ist es allerdings richtig, dass ergänzende Sozialleistungen benötigt werden. Darum tritt DIE LINKE auch für eine sofortige Erhöhung des Kindergeldes auf 250,00 € ein und mittelfristig für eine eigenständige Kindergrundsicherung in Höhe von 420,00 €. Leider gibt es derzeit dafür im Bundestag noch keine Mehrheiten.

Übrigens: Das Konzept eines bedingungslosen Grundeinkommens wird zwar in unseren Reihen debattiert, fordern tun meine Partei und ich es aus einer Vielzahl von Gründen nicht. DIE LINKE fordert eine soziale Grundsicherung für alle Menschen, die erwerbslos sind, oder nicht erwerbstätig sein können. Im Bundestagswahlprogramm ( www.die-linke.de ) finden Sie dazu Eckpunkte. Ein detailliertes Konzept wird zurzeit in der Bundestagsfraktion DIE LINKE erarbeitet.
Um eine soziale Grundsicherung politisch durchzusetzen, brauchen wir jedoch noch Verbündete in der Gesellschaft und vor allem in den Parlamenten. Seien Sie sicher: Wir bleiben am Ball.

In diesem Sinne und
mit freundlichen Grüßen, Ihr
Lothar Bisky
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