Monika Lazar (GRÜNE)
Abgeordnete Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Monika Lazar
Jahrgang
1967
Berufliche Qualifikation
Bäckerin und Betriebswirtin
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Leipzig II
Landeslistenplatz
1, über Liste eingezogen, Sachsen
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(...) Für mich interessant sind besonders die Idee, dass jedeR BürgerIn erst mal einen Grundanspruch hat und so für die vielfältigen Wendungen des Lebens, gerade in unserer Zeit, eine Grundabsicherung hat und auch nicht mehr zu unwürdigen Arbeiten gedrängt werden könnte. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
27.01.2007
Von:

Sehr geehrte Frau Lazar,

Ich interessiere mich seit einiger Zeit sehr für die Idee des bedigungslosen Grundeinkommens bzw. des Bügergeldes.
Dabei ist mir aufgefallen das die Diskussion in der politischen ebene überhaupt nicht in gang kommt, obwohl es in weiten teilen der gesellschaft stark diskutiert wird. täuscht der eindruck oder wie sieht jemand, als Mitglied des Bundestages, die derzeitige situation bei diesem Thema. Darüber hinaus interessiert mch natülich auch ihre meinung dazu. Ich persönlich finde diese idee spannend, da es die individuelle Freiheit stärkt und zu mehr effizienz führen würde.
mfg

Antwort von Monika Lazar
1Empfehlung
29.01.2007
Monika Lazar
Sehr geehrter Lars Bachmann,

ich bin sehr froh, dass das Thema Grundeinkommen in der Bevölkerung derzeit so aktiv diskutiert wird. Ihr Eindruck, dass dies in der Politik nicht so ist, kann ich allerdings nicht bestätigen. Auch auf politischer Ebene ist Bewegung in das Thema gekommen und wird von verschiedenen Parteien diskutiert.

Bei Bündnis 90/ Die Grünen gab es auf dem Zukunftskongress, der letztes Jahr im September stattfand, eine rege Diskussion dazu. Auf der Bundesdelegiertenkonferenz (Parteitag) im Dezember hat das Thema ebenfalls eine Rolle gespielt. Ende diesen Jahres wird es von der nächsten Bundesdelegiertenkonferenz eine Entscheidung dazu geben. Da Sie mich zu meiner persönlichen Meinung gefragt haben, möchte ich auch dazu etwas sagen:

Ebenso wie Sie, finde ich die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens ebenso spannend. Seit einiger Zeit befasse ich mich damit, habe mir aber noch kein abschließendes Urteil über ein bestimmtes Modell gebildet. Für mich interessant sind besonders die Idee, dass jedeR BürgerIn erst mal einen Grundanspruch hat und so für die vielfältigen Wendungen des Lebens, gerade in unserer Zeit, eine Grundabsicherung hat und auch nicht mehr zu unwürdigen Arbeiten gedrängt werden könnte.

Allerdings würde dies einen kompletten Umbau unserer bisherigen Sicherungssysteme bedeuten. Dies ist auf politischer Ebene wohl kurzfristig nicht schaffbar. Diese Ideen brauchen Zeit zu reifen. Vielleicht geht die Entwicklung ja mittel- und langfristig in diese Richtung. Da bin ich ebenso wie Sie sehr gespannt.

Freundliche Grüße
Monika Lazar
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Frage zum Thema Umwelt
07.03.2007
Von:
Eik

Hallo Frau Lazar,

das die folgen der Umweltverschmutzung und die damit einhergehende Veränderung der klimatischen Bedingungen seit spätestens diesem Jahr auch in "der allgemeinen Bevölkerung" registriert worden, ist es begrüßenswert.

Da dieses Thema jetzt "en vouge" ist äußern sich alle möglichen Politiker und Meinungsführer zu diesem Thema und keiner kann "grün" genug sein. Über die inhaltliche Tiefe vieler Vorschläge kann man sicherlich diskutieren, jedoch die Partei deren Kernthema und Vereinigung von Ökologie, Gesellschaftlichen Werten und Industrie eigentlich sein müsste – ihre Partei – ist sehr still in der aktuellen öffentlichen Diskussion.

Wäre es nicht die Aufgabe Der Grünen einen klaren, nachhaltigen und ausgewogenen Weg für Deutschland aufzuzeigen, wie wir unsere Klimakiller weiter eindämmen und dabei vor allem für die breite Bevölkerung Modelle zu entwickeln die spürbare Erweiterungen für Hausbesitzer, Nutzer von alternativen Energien, Mülltrenner etc. Zu empfehlen.

Warum gibt es keine Ansätze für die stärkere Förderung dezentraler Energiegewinnung in Verbindung mit einem Weg die "Big Player" (z.B. Über den BGW) einzubeziehen und gemeinsam neue Ansätze entwickeln.

Ich glaube ein ganzheitliches, schlüssiges Konzept zu diesem Thema stände ihrer Partei besser zu Gesicht, als einzelne Meinungen auch um in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen zu werden.

Oder gibt es schon ein solches Konzept?
Antwort von Monika Lazar
1Empfehlung
23.03.2007
Monika Lazar
Sehr geehrter Herr Eik ,

vielen Dank für Ihre Mail. Ich teile Ihre Einschätzung, dass die Umweltverschmutzung in Form des Klimawandels seit einigen Wochen eine breite gesellschaftliche Debatte ausgelöst hat. Das war längst überfällig. Die Probleme sind seit langem bekannt, aber bislang war es eher eine Fachdebatte, die in der Öffentlichkeit keine Beachtung gefunden hat. Erst jetzt, seitdem die Auswirkungen spürbar geworden sind, ist es, wie sie sagen, auch von der allgemeinen Bevölkerung registriert worden.

Nur weil wir schon länger auf die Bedrohung aufmerksam gemacht haben, fühlen wir uns nicht als Mahner. Wir sind fest überzeugt, dass sich der Klimawandel stoppen und begrenzen lässt. Wir haben auch durchaus konkrete Vorschläge dafür. Die Nachhaltigkeit ist ein grünes Grundprinzip, dass - angewandt auf den Energieverbrauch auch die klimaschädlichen Treibhausgasemissionen begrenzen kann. Wir brauchen eine Fortsetzung der Energiewende sprich den Ausbau der Erneuerbaren und das Ende des atomaren und fossilen Zeitalters. Ein Umstieg ist möglich. Dazu müssen jedoch auch konkrete Maßnahmen ergriffen werden. Das Erneuerbaren Energien Gesetz ist erfolgreich aber nicht ausreichend.

Wir brauchen darüber hinaus eine Effizienzrevolution sowie den Ausbau der Erneuerbaren im Wärmebereich. Für beides haben wir Vorschläge vorgelegt. Darüber hinaus müssen wir die Emissionen im Verkehrsbereich begrenzen. Effizientere Motoren und ein Tempolimit sind zwei Lösungsbeispiele. All diese Ansätze funktionieren nicht von selbst. Sie müssen von der Gesellschaft getragen werden sowie von den wirtschaftlichen Akteuren - auch den "Big Playern" zum Beispiele bei den Offshore Windparks.

Grundsätzlich reicht es nicht, dies nur in Deutschland voran zu treiben, der Klimawandel kennt keine Grenzen. Wir können und müssen Vorreiter sein, aber wir brauchen die internationale Gemeinschaft um den Ansatz zu verbreitern. Eigentlich hat Deutschland durch den EU-Vorsitz sowie den G8-Vorsitz eine gute Chance. Leider scheinen die Ansätze am großkoalitionären Kleinklein zu scheitern. Wir werden uns weiter aktiv an der Debatte beteiligen und die Regierung treiben wo wir können. Dabei wünschen wir uns weiter aufmerksame und kritische Bürger wie sie sowie die Aufmerksamkeit der Medien. Zum weiterlesen schicke ich Ihnen noch den Link auf unser Themenspecial "Klimaschutz" der grünen Bundestagsfraktion. www.gruene-bundestag.de/cms/energie_klima/rubrik/4/4377.htm

Mit freundlichen Grüßen
Monika Lazar
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
25.04.2007
Von:

Sehr geehrte Frau Lazar,

sicherlich haben Sie bereits von den Plänen des Bundesministers des Inneren, Herrn Dr. Schäuble, gehört. Er versucht, die Angst der Bürger vor einer Terrorgefahr zu schüren und darauf aufbauend die Unschuldsvermutung und damit den Rechtsstaat und wichtige Grundrechte abzuschaffen. Dies würde eine Zeit der staatlichen und justiziellen Willkür einläuten.

Außerdem hat das Kabinett kürzlich die Vorratsdatenspeicherung beschlossen, mit der alle Bürger pauschal verdächtigt werden.

Daher möchte ich Sie fragen, wie Sie gedenken, im Bundestag einerseits zur Vorratsdatenspeicherung und andererseits zu den aktuellen Gesetzesvorhaben Herrn Dr. Schäubles abzustimmen.

Mit freundlichen Grüßen,
Antwort von Monika Lazar
3Empfehlungen
26.04.2007
Monika Lazar
Sehr geehrter Herr ,

Ihre Meinung, dass die große Koalition mit dem pauschalen Hinweis auf eine "Terrorgefahr" in unverhältnismäßiger Weise die Rechte von Bürgerinnen und Bürgern einschränken will, teile ich.

Ich bin in der DDR aufgewachsen und habe mich unter dem Eindruck der Stasi-Überwachung schon frühzeitig für den Schutz von Bürgerrechten engagiert. Momentan beschäftigt uns die Problematik auch im Bundestag sehr stark. Es gibt mehrere Gesetzesvorhaben der Bundesregierung, die aus meiner Sicht Angriffe auf die Grundrechte darstellen.

So plant Herr Schäuble ein Passgesetz, das die Möglichkeiten zum Vollzugriff auf bundesweite Fotodateien schaffen soll. Fingerabdrücke, die gespeichert werden, sind in Pässen vorgesehen. Unverantwortlich finde ich auch Bestrebungen im Telekommunikationsüberwachungsgesetz, in dem ein Zwang zur Vorratsdatenspeicherung verankert werden soll. Datenschutz spielt anscheinend für die Bundesregierung zunehmend überhaupt keine Rolle mehr. Ich sehe bei diesen Vorschlägen großes Missbrauchspotential und werde solchen Gesetzen ím Bundestag nicht zustimmen.

Auch jenseits aktuell laufender Gesetzesvorhaben baut der Bundesinnenminister weiter an Konzepten zur Aufweichung des Rechtsstaats. Gefährlich finde ich z.B. sein ständig widerholtes Ansinnen, die Bundeswehr im Landesinneren einzusetzen. Ich hoffe, es wird nie dazu kommen. Als würde dies alles nicht genügen, denkt die große Koalition nun auch noch darüber nach, heimliche Online-Durchsuchungen legitimieren. Der Bundesgerichtshof hatte ja gesagt, dass es für das heimliche Überwachen privater und geschäftlicher PC keine rechtliche Grundlage gibt. Nun streiten die PolitikerInnen verschiedener Lager miteinander, ob hier Gesetzesänderungen anzustreben sind. Ich finde es überaus bedenklich, dass sich VertreterInnen demokratischer Parteien ungeniert für staatliches Hacken aussprechen, ohne den Eingriff in die Persönlichkeitsrechte zu berücksichtigen. Für den modernen Menschen ist der Computer Teil der Intimsphäre und der persönlichen Identität. Vieles, was früher in Aktenschränke geschlossen wurde, liegt heute auf Laufwerken. Dazu gehören Fotos, Videos, persönliche Mails oder auch vertrauliche Dateien. Dies alles ist nicht für die Augen irgendwelcher Angestellter in Behörden bestimmt. Bedauerlicherweise fehlt Teilen der Bundesregierung die notwendige Sensibilität, um die Wirkung der geplanten Eingriffe einschätzen zu können.

Ich sehe zudem keinen Grund, warum das Einschränken von Rechten eine Voraussetzung funktionierender Kriminalitätsbekämpfung sein sollte. Die Bundesregierung konnte hierzu noch keinen Beweis erbringen. Risiken hingegen sind viele bekannt - genug, um Nein zu Herrn Schäubes Plänen zu sagen.

Die grüne Bundestagsfraktion arbeitet inhaltlich ständig an dem Thema. Im März hat unsere Fraktion beispielsweise ein Fachgespräch zum "Bürgerrechtsschutz im digitalen Zeitalter" durchgeführt. Mehr dazu können Sie nachlesen unter www.gruene-bundestag.de Auch weitere ausführliche Informationen rund ums Thema "Innen und Recht" finden Sie auf unserer Fraktionsseite, siehe www.gruene-bundestag.de Von dort können Sie außerdem zum "Themenspecial Sicherheit" weiterklicken.

Ich danke Ihnen für Ihr Engagement und ermutige Sie, auch weiterhin Ihre Meinung lautstark zu verkünden, denn öffentlicher Druck ist sehr wichtig, um den "Kontrollwahn" in gewissen Ministerien einzuschränken.

Mit freundlichen Grüßen
Monika Lazar
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Frage zum Thema Inneres und Justiz
27.06.2007
Von:

Sehr geehrte Frau Bundestagsabgeordnete Lazar,

ich lese gerade beim Dortmunder Kreisverband der Grünen, daß Sie bundesweit zur Bekämpfung des Rechtsradikalismus herumreisen. An Ihren Bundestagskollegen Kurth richtete ich die Frage, ob zu dieser Auseinandersetzung auch die Mittel der Sachbeschädigung und Umweltverschmutzung gehören. Er antwortete darauf nicht. Da Sie diesbezüglich sehr engagiert sind, stelle ich jetzt die Fragen an Sie.

Ich bin erschüttert, daß die Dortmunder Grünen auf der selben Internetseite auf der Sie mit Argumenten gegen Rechtsradikale kämpfen, mit einer Straftat, Sachbeschädigung und Umweltverschmutzung prahlen. 6000 Liter stinkender Gülle wurde in Dortmund ausgekippt, um die Versammlung Andersdenkender zu verhindern. Diese Aktion sollte eine Demonstration gegen Rechtsradikale sein. Hierzu möchte ich Ihnen deshalb folgende Fragen stellen:

Halten Sie die Gülleaktion auch für eine Straftat, die der Staatsanwalt verfolgen müßte? Soll diese Form der Auseinandersetzung in Zukunft die argumentative ersetzen? Wer bezahlt die Kosten der Stadtreinigung Dortmunds für die Beseitigung dieser Umweltverschmutzung? Wo ziehen Sie die Grenzen bei der Sachbeschädigung und Gewaltanwendung? Helfen Sie als Bundestagsabgeordneter mit, daß sich in Ihrem Verantwortungsbreich solche Vorfälle nicht wiederholen? Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, auch ich bin der Meinung, daß man sich mit rechtsradikalem Gedankengut auseinandersetzen muß. Bei meinen Fragen geht es aber nicht um den Kampf gegen Rechts, sondern um die Einhaltung demokratischer Grundregeln, die man als Beispiel besonders den Feinden unserer Demokratie vorleben muß.

Als Beweis für den Leser füge ich noch den Pfad der Internetseite hinzu
www.gruene-dortmund.de
Antwort von Monika Lazar
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02.07.2007
Monika Lazar
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Ausführungen, zu denen ich gern Stellung nehme. Sie schreiben, dass Sie erschüttert sind von der "Umweltverschmutzung" durch die Dortmunder Grünen. Auch ich bin immer wieder erschüttert - zum Beispiel über Gewalttaten, die Neonazis gegen wehrlose Opfer verüben, nur weil diese anders aussehen als es den Tätern passt. Ich halte es für gefährlich, wenn Neonazis auf Demonstrationen ungehindert volkverhetzende, demagogische Parolen rufen dürfen und so rechtsextreme Gewalt weiter anheizen.

Sie fragen mich nun, wie ich die Aktion der Dortmunder Grünen, eine Neonazi-Demonstration durch Gülle zu stören, bewerte. Zunächst einmal war es zivilgesellschaftlicher Widerstand gegen Rechts, den ich prinzipiell begrüße. Rechtsextremisten dürfen sich mit ihrer Ideologie nicht akzeptiert fühlen, man muss ihnen deutlich machen, dass sie nicht die Mehrheitsmeinung vertreten. Besonders wenn die Verantwortlichen in den Behörden vor Ort Hemmungen haben, Neonazis offensiv in die Schranken zu weisen, müssen engagierte Initiativen sie unterstützen und unmissverständliche Zeichen setzen. Dies ist hier geschehen - so weit ich bisher gehört habe mit positiver Resonanz durch viele Bürgerinnen und Bürger.

Zum Thema "Umweltverschmutzung": Es ist klar, dass eine Aktion wie diese nicht zur Regel in der Auseinandersetzung mit Neonazis werden kann, sondern ein besonderes, einmaliges Signal war. Mit dieser Intention sind die Grünen in Dortmund herangegangen. Selbstverständlich haben sie auch die Verantwortung für die Folgen übernommen und der Stadt die Reinigungskosten erstattet. Rechtliche Schritte gegen die Akteure, wie sie sie in Ihrem Schreiben andeuten, sind weder mir noch den Dortmunder Grünen selbst bekannt. Ich finde auch nicht, dass ein verfolgungswürdiger Straftatbestand vorliegt. Die Folgen sind beseitigt, es kamen keine Personen oder Sachen zu Schaden. Die "Gülle-Aktion" konnte ja (leider) nicht einmal die Demonstration behindern, da zur Zeit der Neonazi-Märsche alles bereits wieder gesäubert war. Die Polizei hatte sogar vor Beginn der Demo die grünen Protestplakate abgehangen - aus Angst vor Unruhe. Ein solcher Mangel an Zivilcourage ist bedauerlich und gibt den Rechtsextremisten das Gefühl, freie Hand zu haben und immer mehr gesellschaftlichen Raum einnehmen zu können. Damit dies nicht passiert, sind manchmal - neben der Auseinandersetzung mit Argumenten - auch andere gewaltfreie Mittel sinnvoll. Und immerhin haben die Grünen die Gülle vom Biobauern geholt...

Mit freundlichen Grüßen
Monika Lazar
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Frage zum Thema Inneres und Justiz
02.07.2007
Von:

Sehr geehrte Frau Bundestagsabgeordnete Lazar,

vielen Dank für Ihre doch offene Antwort. Sie befürworten hiermit zumindest Sachbeschädigung und auch die mögliche Beeinträchtigung Unbeteiligter als legitimes Mittel der politischen Auseinandersetzung. Ja, Sie bezeichnen die Gülle-Aktion, immerhin wurden 6000 Liter besonders stinkender Kloake in einer Wohngegend ausgekippt, so die Selbstdarstellung Ihrer Parteifreunde, als besondere Zivilcourage gegen Rechts.
Ich stelle dazu die abschließende Fragen: Gestehen Sie auch politischen Gegnern eine ähnliche kreative Aktion zu, wenn denen z. B. linke, linksextreme oder grüne Vorstellungen nicht passen? Wenn diese (Sie nennen die Gülleaktion ja gewaltfrei) Mittel auch gegen Sie persönlich angewandt werden, z. B. bei einer Parteiveranstaltung Ihrer Partei in Leipzig? Oder überdenken Sie Ihre Ansicht nochmals mit einem vorherigen Blick auf Kants Kategorischen Imperativ?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Monika Lazar
7Empfehlungen
03.07.2007
Monika Lazar
Sehr geehrter Herr ,

Ihre Antwort legt nahe, dass wir beide die rechtsextremistische Ideologie in ihrer Gefährlichkeit wohl unterschiedlich einschätzen. Ein Vergleich zwischen Neonazis und Grünen, wie Sie ihn ziehen, erscheint mir höchst unangemessen. Kants kategorischer Imperativ ist für das Zusammenleben der Menschen sicher eine gute Regel, muss aber an den Stellen relativiert werden, wo Neonazis die Menschenwürde anderer grundsätzlich missachten. Wenn wir ihnen freie Bahn ließen, würden wir bald in einem Staat leben, in dem viele Gruppen keine Rechte mehr hätten. Ein Blick in die schreckliche Geschichte des Nationalsozialismus zeigt dies.

Deshalb erkläre ich ganz eindeutig: In der Auseinandersetzung mit demokratischen politischen Gegnern sollte die "Gülle-Aktion" kein Mittel der Wahl sein. Als einmaliges Zeichen gegen eine Neonazi-Gruppe, deren Ziel letztlich die Abschaffung der demokratischen Grundrechte ist, fand ich sie akzeptabel, zumal alle Spuren längst beseitigt sind. Sie können mir nun vorwerfen, ich würde mit zweierlei Maß messen. Diesem Vorwurf entgegne ich: Wenn Sie, wie ich, seit Jahren Berichte über schreckliche Neonazi-Gewalttaten und völlig indiskutable rechtsextreme Ideologiekonzepte erhielten, würden Sie meine klare Positionierung nachvollziehen können. Gern bin ich bereit, die Standpunkte anderer wahrzunehmen und darauf einzugehen, wie ich es auch bei Ihnen tue. Aber ein gewisser demokratischer Grundkonsens ist für mich dabei immer Voraussetzung.

Mit freundlichen Grüßen
Monika Lazar
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