Matthi Bolte (GRÜNE)

Matthi Bolte
Geburtstag
28.10.1985
Berufliche Qualifikation
Studium Jura, Politik und Soziologie
Ausgeübte Tätigkeit
Student
Wohnort
Bielefeld
Wahlkreis
Bielefeld I
Ergebnis
18,2%
Landeslistenplatz
14, über Liste eingezogen
Ja, wir GRÜNE haben 2005 der Einführung von Langzeitstudiengebühren zugestimmt. Diese waren in Form des Studienkontenmodells vermutlich besser als die von der SPD und dem damaligen Ministerpräsidenten Peer Steinbrück favorisierten allgemeinen Studiengebühren, aber ich teile Ihre Position absolut, dass es sich hierbei rückblickend um einen Tabubruch und politischen Fehler handelt. (...)
 
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Frage zum Thema Bildung und Forschung
09.04.2010
Von:

Sehr geehrter Herr Bolte,

Ihre Partei hat in der Legislaturperiode 2000-2005 der Einführung von Langzeitstudiengebühren zugestimmt. Für mich war dies der Türoffner, der es schwarz-gelb erst ermöglicht hat, allgemeine Studiengebühren einzuführen.

Studiengebühren (egal ob langzeit oder allgemein) sind ungerecht, weil sie die Möglichkeit einer Hochschulausbildung vom Geldbeutel der Eltern abhängig machen und laut der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks jedes Jahr Tausende junger Menschen am Studium hindern.

Wie ist Ihre Position zu Studiengebühren?

Mit freundlichen Grüßen,
Antwort von Matthi Bolte
2Empfehlungen
10.04.2010
Matthi Bolte
Lieber ,

herzlichen Dank für diese wichtige Frage!

Ja, wir GRÜNE haben 2005 der Einführung von Langzeitstudiengebühren zugestimmt. Diese waren in Form des Studienkontenmodells vermutlich besser als die von der SPD und dem damaligen Ministerpräsidenten Peer Steinbrück favorisierten allgemeinen Studiengebühren, aber ich teile Ihre Position absolut, dass es sich hierbei rückblickend um einen Tabubruch und politischen Fehler handelt.

Ich selbst war zum damaligen Zeitpunkt noch nicht im Landtag, habe die Einführung der Langzeitstudiengebühren entsprechend nicht mitgetragen. Vielmehr habe ich innerhalb der Grünen Partei und durch meine Arbeit bei der GRÜNEN JUGEND mich gegen Studiengebühren eingesetzt. Wir GRÜNE sind in den letzten fünf Jahren in eine intensive und konstruktive Debatte über die Hochschulen der Zukunft eingetreten, die zu verschiedenen Beschlüssen auf Landes- und Bundesparteitagen geführt hat, die ich auch jeweils unterstützt und teilweise mit vorbereitet habe. Ein Beispiel ist der Beschluss "GRÜNE für klares Nein zu Studiengebühren" aus November 2008, den Sie unter www.gruene-partei.de finden.

Für uns ist inzwischen klar: Studiengebühren sind der falsche Weg, vor dem Studium, nach dem Studium und während des Studiums. Deshalb werden wir GRÜNE Studiengebühren nach der Wahl abschaffen. Aber nicht nur das: wir werden die Hochschulen besser ausstatten und die unsäglichen Gesetze wie das "Hochschulfreiheitsgesetz" zurücknehmen, mit denen Schwarz-Gelb die Hochschulen entdemokratisiert und zu Wirtschaftsbetrieben umgebürstet hat.

Ich hoffe, Ihre Frage ausreichend beantwortet zu haben. Falls nicht: Kommen Sie doch einfach bei einem unserer Stände oder den vielen Wahlkampfveranstaltungen vorbei! Ich freue mich, nochmal ausführlich mit Ihnen ins Gespräch zu kommen.

Mit den besten Grüßen
Matthi Bolte
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Frage zum Thema Bildung und Forschung
22.04.2010
Von:

Hallo Herr Bolte,

gerne würde ich einmal erfahren, welchen Werdegang Sie haben und welche beruflichen Ziele Sie abseits der Politik verfolgen. Sehen Sie ein Problem darin, direkt von der Uni in die Position eine Berufspolitikers zu kommen.

Für wen wollen Sie sprechen? Wer soll ihre Vorschläge finanzieren? Etwa ein Arbeitnehmer, der Sie niemals waren. Zum Geld das Sie ausgeben wollen haben Sie noch nichts beigetragen.

Wie wollen Sie sich in jungen Jahren vor opportunistischen und lobbyistischen Angeboten verwähren?

Ich selbst (heute 28) war Student an einer privaten Hochschule, die ich mit Engagement vor der Regelstudienzeit absolvierte. Dank paraller Arbeit konnte ich unter anderem dafür Geld verdienen und Praxis sammeln. Sehen Sie nicht einen leistungssteigernede Funktion der Studiengebühren?

Desweiteren möchte ich gern erfahren wie Sie den Föderalismus betrachten. Macht es ihrer Meinung nach Sinn 16+1 hochbezahlte Parlamente in einem Staat zu führen, das in Bereichen wie Bildung und Polizei auch noch zum Chaos führt?

Über ihre Antworten freue ich mich sehr.
Ihr S.
Antwort von Matthi Bolte
1Empfehlung
26.04.2010
Matthi Bolte
Lieber Herr ,

ich versuche mal, Ihre Fragen abzuarbeiten:

Zu meinem Lebenslauf und meinen beruflichen Plänen: Ich habe Jura, Politologie und Soziologie studiert, den Politik-BA in Regelstudienzeit abgeschlossen und bin auf der Zielgeraden mit dem Soziologie-MA. Ich hatte ursprünglich vor, nach dem Master zu promovieren und eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen, und habe diesen Plan auch weiterhin, nur werde ich diesen Weg - sofern wir GRÜNE über 7% erzielen oder ich das Direktmandat gewinne - durch meine Arbeit im Landtag eben etwas später beginnen.

Nun zu Ihrer Frage: Ich sehe überhaupt kein Problem darin, jetzt in die Politik einzusteigen. Das hindert mich nicht daran, mir meine Unabhängigkeit zu erhalten. Gerade weil ich weiß, dass man politische Ämter nicht für die Ewigkeit hat und es auch nicht gut ist, politische Ämter ewig zu bekleiden, bin ich froh, auch eine andere Perspektive zu haben, sodass ich, sollte ich keine Freude mehr an Politik haben, auch aussteigen kann. Momentan allerdings kann ich mir keine schönere Arbeit vorstellen als die, die vor mir liegt!

Ihre Kritik, ich würde als Politiker über Geld entscheiden, zu dem ich nichts beigetragen habe, ist m.E. unzutreffend. Zum einen, weil ich als Landtagsabgeordneter selbstverständlich wie alle Bürgerinnen und Bürger Steuern zahle. Zum anderen, weil es doch gerade zu unserer Demokratie dazugehört, dass alle Menschen mitbestimmen können. Es ist gut, dass wir die Zeiten des preußischen Dreiklassenwahlrechts überwunden haben, in der politische Mitbestimmung von Einkommen und Vermögen abhängig war.

Ich weiß, für wen ich sprechen kann: Für die junge Generation, die es gerade in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise besonders trifft. Und gerade junge Menschen haben viel zu wenige Vertreter und Vertreterinnen in den Parlamenten, gerade weil sie immer wieder mit Vorwürfen wie den Ihren konfrontiert werden. Aber ist es nicht ungerecht, dass die unter 30-jährigen in den politischen Gremien praktisch nicht vorkommen?

Zu Ihrer Frage nach Studiengebühren: Nein. Ich sehe keine leistungsfördernde Funktion der Studiengebühren. Ich sehe im Gegenteil vor allem eine sozial selektive Wirkung der Gebühren, die die soziale Unausgewogenheit des gegliederten Schulsystems direkt an die Hochschulen fortschreibt. Auch ich habe während des Studiums mit verschiedenen Jobs Geld verdient, hatte aber vor allem das Glück, dass meine Eltern mich im Studium (nicht nur, aber auch finanziell) stark unterstützt haben. Zuviele Menschen haben dieses Glück aber nicht. Die Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks zeigt jedes Jahr aufs Neue, dass Zehntausende vom Studium abgehalten werden. Wir brauchen aber jeden Klugen Kopf für unsere Gesellschaft.

Zu Ihrer Frage nach dem Föderalismus: Ich bin der Ansicht, dass eine föderative Staatsordnung grundsätzlich richtig ist. Föderalismus ist ein staats- und verfassungsrechtlicher Garant für ein System der "Checks and Balances", also für eine vernünftige Balance zwischen den Staatsgewalten. Damit sichert der Föderalismus unsere Demokratie. Sicherlich ist der deutsche Föderalismus in den letzten 60 Jahren unübersichtlich geworden, und insbesondere die Föderalismusreform von SPD und CDU in der Großen Koalition hat das nicht besser gemacht. Ich glaube aber, dass starke Bundesländer (eventuell in einer anderen Gliederung, aber auch dafür gibt es aus gutem Grund hohe Hürden) eine wichtige Säule unseres Gemeinwesens sind. Unabdingbar dafür sind allerdings auch starke und solide ausgestattete Kommunen!

Ich hoffe, Ihre Fragen zu Ihrer Zufriedenheit beantwortet zu haben. Falls nicht, melden Sie sich doch bitte oder besuchen Sie unsere Stände oder Aktionen in den nächsten 13 Tagen.

Mit besten Grüßen
Matthi Bolte
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Ihre Frage an Matthi Bolte
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