Lothar Bisky (DIE LINKE)
Abgeordneter EU

Grunddaten
Lothar Bisky
© Europäisches Parlament
Jahrgang
1941
Berufliche Qualifikation
Diplom Kulturwissenschaftler
Ausgeübte Tätigkeit
MdEP
Wohnort
-
Bundesland
Brandenburg
Bundeslistenplatz
1
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(...) Wir halten die zunehmende Vermarktlichung in der Hochschulsteuerung für ein großes Problem. Hochschulen unterliegen eigenen Regeln und Abläufen, die von denen privater Unternehmen weit entfernt sind. (...)
Parlamentarische Arbeit
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Frage zum Thema Internationales
10.03.2011
Von:
Jan Zeh

Sehr geehrter Herr Bisky,

heute las ich davon, dass sie das militärische Eingreifen der NATO in den Bürgerkrieg in Libyen befürworten würden. Als Abgeordneter einer Partei, die sich eindeutig gegen Kriege positioniert und die NATO als Bündnis ablehnt, erschien mir das verwunderlich. Ich möchte mich dabei aber nicht nur auf einen Zeitungsartikel verlassen und frage deshalb hier.

Ich bin ein absoluter Gegner, der in Deutschland praktizierten Fraktionsdisziplin, allerdings frage ich mich, weshalb sie alternative Ansätze, wie einen Stopp der Kämpfe und Verhandlungen nicht in Betracht zu ziehen scheinen. Bisher scheint es keine gesicherten Informationen zu geben, was genau in Libyen vorgeht und auch wenn die libysche Regierung offenbar die Proteste mit Gewalt niederzuschlagen versuchte, so herrscht doch jetzt offenbar ein richtiger Bürgerkrieg, den man als Zustand kaum mit militärischer Gewalt gegen Unbewaffnete gleichsetzen kann. Schon letzte Woche sah ich in der ARD einen Bericht über die Zustände, in dem ein Rebell offen vor der Kamera sagte, man habe sich an Mitarbeitern des libyschen Geheimdienstes gerächt. In einen internen Konflikt dieser Form von außen einzugreifen, stellt für mich einen Bruch des Völkerrechts dar, auch wenn die UNO darüber noch nicht beraten haben mag. Zudem scheinen Abgeordnete anderer Parteien der Meinung, man könne oder müsse ein Nein des UN Sicherheitsrates sogar ignorieren und ohne Mandat eingreifen. Das halte ich für überaus gefährlich.

Ich denke es ist offensichtlich, dass die Regierung Ghaddafi keine Zukunft mehr hat und es ist um so trauriger, dass der Machthaber selbst das nicht einzusehen scheint. Allerdings sorge ich mich darum, dass die LINKE als einzig konsequente Anti-Kriegspartei im deutschen Bundestag, von dieser Kernposition langsam abrückt, die für mich einer der wichtigsten Gründe ist, sie zu wählen.

Ich hoffe sie können mir persönlich mehr Aufschluss zu dem Thema und ihrer Haltung geben.

Mit freundlichen Grüßen,
Jan Zeh
Antwort von Lothar Bisky
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19.08.2011
Lothar Bisky
Sehr geehrter Herr Zeh,

Vielen Dank für Ihre Frage.

Die GUE/NGL-Fraktion im Europäischen Parlament ist eine konföderale Fraktion, da ist es durchaus normal, dass nicht immer alle Mitglieder gleich abstimmen. Dies nur vorweg.

Bei der Entschließung die Sie ansprechen, haben sich einige von unseren Abgeordneten dafür und andere dagegen ausgesprochen. Wichtig ist, dass sich die Fraktion ganz eindeutig gegen jegliche Militäreinsätze gewandt hat. Dazu würde keiner von uns Ja sagen. Wir haben uns allerdings bei dieser Resolution, die viele Punkte umfasst, darauf verständigt, dass einige durchaus zustimmen können. Das heißt ja nicht, dass sie einem Militäreinsatz zustimmen.

Einen Militäreinsatz hat das Europäische Parlament aber übrigens überhaupt nicht beschlossen. Dazu bedarf es in jedem Fall eines Mandats des UN-Sicherheitsrates.

Ich erlaube mir, Ihnen hier auch eine Erklärung von Abgeordneten der LINKEN im Europäischen Parlament zur Kenntnis zu geben:

"Presseerklärung von Lothar Bisky, Cornelia Ernst, Thomas Händel, Jürgen Klute, Helmut Scholz und Gabi Zimmer, Mitglieder der Delegation DIE LINKE im Europäischen Parlament in der konföderalen Fraktion der GUE/NGL, zur Abstimmung über die Resolution des Europäischen Parlamentes über die Europäische Nachbarschaftspolitik, insbesondere Libyen:

Wir sind Zeugen eines historischen Prozesses, der das Antlitz der Region südlich des Mittelmeeres grundlegend verändern wird. Wie alle Demokraten sehen wir uns in der Verantwortung, den Menschen zu helfen, die den Mut aufgebracht haben, sich gegen die bestehenden Verhältnisse aufzulehnen und ihre Zukunft selbst zu entscheiden.

Die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten haben sich mit ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit diktatorischen und korrupten Regimes in ihrer südlichen Nachbarschaft und mit ihrer so verstandenen "Realpolitik" nicht nur in den Augen der Volksmassen diskreditiert. Die Waffen, mit denen Gaddafi heute gegen die eigene Bevölkerung vorgeht, stammen zu wesentlichen Teilen aus Europa. Über viele Jahre haben sich die europäischen Regierungen den Schutz vor Flüchtlingen aus Afrika mit der massiven finanziellen Unterstützung des Gaddafi-Regimes erkauft. Die massenhafte Verletzung der Menschenrechte hat den Westen nie interessiert. Öl- und Gasimporte zuerst - war und ist die Maxime. Erst am 22. Februar 2011 hat die EU ihre Verhandlungen über ein neues Kooperationsabkommen abgebrochen. Die spätere Läuterung und der Aktionismus der EU, jetzt endlich Demokratisierungsprozesse in den arabischen Ländern - auch in Libyen - zu unterstützen, erwecken den Eindruck, dass erneut versucht wird, die Prozesse im eigenen Interesse zu beeinflussen.

Wir stimmen mit all jenen überein, die ein grundsätzliches Umdenken bei der Gestaltung der Beziehungen der EU zu den südlichen Nachbarländern fordern. Wir fordern nicht erst seit heute die konsequente Umsetzung eines Waffenembargos und unterstützen das sofortige Einfrieren der Konten des Gaddafi-Clans. Wir fordern, dass sich die Kriegsverbrecher vor dem Internationalen Strafgerichtshof verantworten müssen. Wir erwarten von der EU, dass sie ihre Außengrenzen für Asylsuchende aus der Krisenregion öffnet und zugleich die dringend notwendige, massive humanitäre Hilfe für die Bevölkerung vor Ort leistet.

Der Bürgerkrieg und das Töten in Libyen müssen ein Ende finden. Die Ablösung des gegen das eigene Volk vorgehenden Gaddafi-Clans ist unvermeidlich. Wir fordern eine unumkehrbare politische, wirtschaftliche und diplomatische Isolierung des Gaddafi-Regimes. Wir erwarten von der EU und ihren Mitgliedstaaten jegliche Kooperation mit dem Gaddafi-Clan ein für alle Mal zu beenden. Zugleich lehnen wir jede militärische Intervention ab. Wir halten die in der Kompromiss-Resolution des Europäischen Parlaments enthaltene Forderung nach Einrichtung einer Flugverbotszone für falsch, auch wenn sie Forderungen aus Teilen der libyschen Opposition und von Staaten der Arabischen Liga und der Afrikanischen Union aufgreift. Ein Flugverbot birgt immer die Gefahr in sich, militärisch durchgesetzt zu werden. Dies würde die EU- Mitgliedstaaten in eine militärische Auseinandersetzung führen. Diese aber führt sicher nicht zur Stärkung der Demokratiebewegungen von Marokko bis Jemen.

Straßburg, 10. März 2011

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Lothar Bisky"
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
16.08.2011
Von:

Sehr geehrter Herr Bisky

Im März dieses Jahres wurde der "Euro Plus- Pakt" beschlossen. In diesen wird weiterhin von der "Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit vom Wachstum der Wirtschaft. geschrieben.
. Die jeweiligen nationalen Wettbewerbs Schritte sollen unter ständiger Kontrolle der EU Kommission stehen .Hinzu sollen Haushaltspläne der nationalen Parlamente einer Genehmigung der Kommission unterliegen.
Heute vereinbarten Herr Sarkozy und Frau Merkel sich stark zu machen für eine einheitliche EU Wirtschafsregierung Die soziale Lage verschärft sich immer mehr.
Welche Schritte sind Ihrer Meinung nach nötig um die wirtschaftliche,finanzelle und soziale Situation wieder zu Stabilisieren?
Hebelt eine einheitliche EU Wirtschaftregierungsowie das "Euro Plus Pakt" nicht die Rechte des Bundestages und des EU Parlament aus und die Verfassung auch?

Mit freundlichen Grüssen

Antwort von Lothar Bisky
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19.08.2011
Lothar Bisky
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage.

Ich teile Ihre Befürchtung, dass die zunehmend zu beobachtende "Intergouvernementalisierung" der Entscheidungsfindung in der EU, also Vereinbarungen zwischen Regierungen ohne parlamentarische Legitimierung und Kontrolle, ein ernsthaftes Problem für die demokratische Entwicklung des europäischen Integrationsprozesses darstellen. Im Plenum des Europäischen Parlaments habe ich mich dahingehend mehrfach kritisch geäußert.

Vor allem jedoch bin ich, ist meine Partei und Fraktion, der Auffassung, dass die Wirtschaftspolitiken der EU und ihrer Mitgliedstaaten seit Jahren in eine falsche Richtung laufen und so letztlich in die Krise geführt haben. Leider sind aus der Krise nicht die richtigen Lehren gezogen worden, sondern diese Politiken - Liberalisierung der Finanzmärkte, Privatisierungen öffentlicher Dienstleistungen und sozialer Risiken, ´Flexibilisierung´ der Arbeitsmärkte - werden zum Teil sogar noch stärker weiterverfolgt, siehe u. a. die Verschärfung des Stabilitäts- und Wachstumspakts.
Es gibt einige wenige Bemühungen zur gesetzlichen Re-Regulierung der Finanzmärkte auf EU-Ebene, sie kommen jedoch leider nur sehr schleppend voran und sind unzureichend.

DIE LINKE forderte bereits 2009 in ihrem Europawahlprogramm eine europäische Wirtschaftsregierung statt einer Wirtschaft, die Europa regiert. Diese soll die Geld-, Finanz- und Wirtschaftspolitik koordinieren, wirtschaftlichen Nationalismus überwinden, soziale und ökologische Belange vor Profitinteressen stellen. Eine gemeinsame Währung kann nicht ohne wirtschafts-, finanz-, steuer- und sozialpolitische Kooperation und Solidarität funktionieren. Es ist also auch notwendig, dass sich die EU auf verbindliche und hohe Standards in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik verständigt.

Zu den konkreten Maßnahmen, die die LINKE in Deutschland und Europa unterstützt gehören u. a. Eurobonds, die Finanztransaktionssteuer, eine echte Beteiligung der Finanzmarktspekulanten an den Kosten der Krise, die Schaffung öffentlicher Einrichtungen als Gegengewicht zu privaten Rating Agenturen. Hochrisikobehaftete Finanzinstrumente (z. B. Hedgefonds) gehören verboten.
Gesetzliche Schuldenbremsen, massive und umfassende Sparauflagen und ähnliche Vorschriften, die de facto Parlamente und zukünftige Regierungen auf Jahre in ihrer Handlungsfähigkeit einschränken, halten wir für falsch.
Vielmehr wären gerade jetzt Investitionen notwendig, die die Binnennachfrage stärken, dauerhafte Arbeitsplätze zu guten Löhnen schaffen und neue, umweltfreundlich Technologien und Wirtschaftsweisen fördern.

Ich lade Sie herzlich ein, sich auf den Internetseiten der Delegation der LINKEN im Europäischen Parlament www.dielinke-europa.eu umfassender und regelmäßig über unsere Positionen und Aktivitäten in den genannten und vielen anderen Politikbereichen zu informieren.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Lothar Bisky"
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Frage zum Thema Internationales
28.01.2012
Von:

Sehr geehrter Herr Bisky,

gerade komme ich aus Athen zurück, wo ich erstmals von einem Zwangskredit gehört habe, den Nazi-Deutschland von Griechenland gefordert und erhalten hat. Dieser sei bis heute nicht zurückgezahlt und beliefe sich mit Zinsen inzwischen auf etwa 125 Milliarden Euro, also etwa die Summe, die Griechenland heute dringend brauchen würde. Meine Recherche im Internet hat mich zwar eine Bestätigung der Tatsache, aber nur unzureichende Informationen über den Sachverhalt finden lassen. Bitte klären Sie mich darüber auf, denn ich finde dies eine Frage von großer Brisanz, erst recht, wenn ich den Ton und das Auftreten Deutschlands gegenüber Griechenlands in der Krise vor Augen habe.
Darf ich angesichts der Aktualität bald mit einer Antwort rechnen?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Lothar Bisky
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09.02.2012
Lothar Bisky
Sehr geehte Frau ,

was den Sachverhalt Ihrer Frage angeht, muss auch ich mich genau wie Sie öffentlich zugänglicher Informationen bedienen und kann Ihnen zum Beispiel ein auf Spiegel-online kostenlos zugängliches Interview (08/03/2010) mit Dimitris Droutsas weiterempfehlen, damals amtierender Außenminister Griechenlands und inzwischen Europaabgeordneter in der sozialdemokratischen S&D-Fraktion.
Dass die Bundesrepublik Deutschland offenbar bisher nicht bereit gewesen ist, über die Lösung der Frage der von der Nazi-Besatzungsmacht auferlegten Zwangsanleihe offen mit Griechenland zu sprechen, halte ich gelinde gesagt für einen großen Fehler.
Gleichwohl warne ich eindringlich davor, nationale / nationalistische Antipathien zu befeuern - diese Warnung richtet sich nicht nur an die deutsche Boulevard-Presse, sondern auch gegen entsprechende griechische Reaktionen.
Ich bin vielmehr der Auffassung, dass die Politik, die doch eigentlich die Krise und deren Ursachen bekämpfen sollte, leider noch immer keine ausreichenden Maßnahmen ergreift bzw. zum Teil in eine ganz falsche Richtung läuft. Statt extremer Sparpolitik an den völlig falschen Stellen - z. B. bei Löhnen, Sozialleistungen, öffentlichen Investitionen - sollte auf wachstumsfördernde Maßnahmen gesetzt werden, die allen Bürgerinnen und Bürgern zugute kommen. Statt Banken nur immer weiter Geld zur Verfügung zu stellen, müssen die Finanzmärkte wirksam kontrolliert und reguliert werden, eine Finanztransaktionssteuer wäre dazu nur ein hilfreiches Instrument.
Ich erlaube mir den Hinweis auf die Internetseite der LINKEN-Delegation im Europäischen Parlament www.dielinke-europa.eu und dabei insbesondere die Dossiers zu Griechenland sowie zur Finanzkrise, wo Sie unsere Analysen und Forderungen im Einzelnen nachlesen können.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Lothar Bisky
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