Klaus Riegert (CDU)
Kandidat Bundestagswahl 2005
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Grunddaten
Klaus Riegert
Jahrgang
1959
Berufliche Qualifikation
Kriminaloberkommissar
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wohnort
-
Wahlkreis
Göppingen
Ergebnis
48,3%
Landeslistenplatz
14, Baden-Württemberg
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Frage zum Thema Familie
12.09.2005
Von:

Sehr geehrter Herr Riegert,

im Familien- und Freundeskreis wird über folgende Fragen zur Zeit heftig diskutiert.
Vielleicht können Sie mit Ihren Antworten dazu beitragen sich als wählbar darzustellen.

1.Warum werden die Sozialversicherungen nicht von den versicherungsfremden Leistungen ( nicht durch Beiträge gedeckte Leistungen) befreit, zumal der hierzu erforderliche Bundeszuschuß z.B. bei der Rentenversicherung seit Jahren nicht ausreichend ist?

2.Was halten Sie von der Aussage des Sozialexperten Winfried Schmähl von der Uni Bremen, dass die Sozialversicherungsbeiträge um bis zu 8% gesenkt werden können, wenn alle versicherungsfremden Leistungen nicht mehr von den Sozialversicherungen getragen werden.

3.Wie werden sich die Politiker an der Sanierung der Sozialversicherungen beteiligen? Nach einem Artikel im Stern hat z.B. ein Abgeordneter des Bundestages nach 8 Jahren einen Anspruch auf rd. 1.700 € Altersversorgung. Nach ca. 38 Jahren und T€ 220,0 Einzahlung in die gesetzliche RV besteht dagegen lediglich ein Anspruch von ca. 1650 €. Das ist für uns nicht verständlich.

4.Wird bei der geplanten Steuerreform daran gedacht, die bisherige steuerfreie Kostenpauschale der Abgeordneten von über 42.000 € /Jahr – welche noch nicht einmal durch Nachweise zu belegen ist, entsprechend den anderen Vorhaben der geplanten Steuerreform abzuschaffen bzw. auf Nachweisbasis zu stellen?

Ihren Antworten sehen wir mit Interesse entgegen
Antwort von Klaus Riegert
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14.09.2005
Klaus Riegert
Sehr geehrter Herr ,

zunächst eine Vorbemerkung: Dass die Abgrenzung, was versicherungsfremd und was versicherungskonform ist, schwierig ist, macht die Tatsache deutlich, dass es weder in der Wissenschaft noch in der Praxis gelungen ist, konsensual für jeden Zweig der Sozialversicherung einen eindeutig abgrenzbaren Katalog zu bestimmen, mit dem versicherungsfremde Leistungen identifiziert werden können. Der Grund für diese Abgrenzungsschwierigkeiten liegt auch in dem erweiterten Sicherungsauftrag der Sozialversicherung (Sozialer Ausgleich). Die Größenordnung der als versicherungsfremd angesehenen Leistungen beziffert Schmähl für 1995 im Gesamtvolumen auf 135 Mrd. DM. 80 Milliarden Euro an Steuermitteln fließen heute in die gesetzliche Rentenversicherung, übersteigen also die von Schmähl genannte Summe versicherungsfremder Leistungen.

Mit unserer solidarischen Gesundheitsprämie leisten wir einen ersten Schritt zur Entkoppelung der Sozialversicherungsbeiträge von der abhängigen Beschäftigung. Der soziale Ausgleich wird hier steuerfinanziert. Die Frage, ob z. B. die „kostenfreie“ Mitversicherung der Kinder eine versicherungsfremde Leistung ist, erübrigt sich also. Wer will, dass die besten Köpfe im Bundestags sind, darf die Abgeordneten nicht schlechter bezahlen als einen Betriebsrat bei DaimlerChrysler. Diäten anheben, und die Altersversorgung den Abgeordeten selbst überlassen, kann man machen. Die steuerfreie Aufwandspauschale ist ein Instrument, das wir im Steuerrecht nutzen sollten. Wenn Abgeordnete ihre Aufwendungen (Zweitwohnung, Wahlkreisbüro etc.) auf Basis von Einzelnachweisen abrechnen müßten, wäre das ein Beschäftigungsprogramm für eine Heerschar von Mitarbeitern der Steuerverwaltung, käme auch nicht billiger.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Riegert
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Frage zum Thema Wirtschaft
13.09.2005
Von:
-

Guten Tag, Herr Riegert,

Deutschland ist Exportweltmeister, jedoch lahmt der Binnenmarkt. Trotzdem will die CDU die MWSt erhöhen. Kompensiert soll das werden durch die Senkung der Lohnnebenkosten. Glauben Sie nicht, daß der psychologische Effekt der MWSt-Erhöhung schwerer wiegt, als die Entlastung und damit die Binnennachfrage weiter abgewürgt wird?

Die Union will den Kündigungsschutz lockern, manche sogar ganz abschaffen. Es gibt jedoch bereits eine Fülle von betrieblichen Bündnissen und die Möglichkeit, befristet einzustellen. Das hat aber alles nicht zu weniger Arbeitslosigkeit geführt. Können Sie den Beweis antreten, daß weniger Kündigungsschutz mehr Arbeitsplätze bedeutet? Für mich riecht das allzu sehr nach Klientelpolitik. Außerdem gibt es auch hier einen psychologischen Effekt: Wenn man Arbeit hat, jedoch morgens nicht weiß, ob man wieder nach Hause geschickt wird, wird man im Konsum ebenfalls Zurückhaltung üben.

Die Union hat zur vorletzten Hessenwahl Unterschriften gegen die Doppelte Staatsbürgerschaft gesammelt. War das nur purer Populismus, um am rechten Rand zu fischen oder ehrlich gemeint? Wenn es ehrlich gemeint war, wann werden Sie den Doppelpaß abschaffen und den Zustrom von Fremden abstellen? Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert sagte vor laufender Kamera:"Inzwischen leben hier mindestens elf Millionen Zuwanderer, und jedes Jahr kommen 800.000 Fremde hinzu."

Wie hart wird die Union im Nein zum EU-Beitritt der Türkei bleiben? Peter Scholl-Latour äußerte:"Ich habe große Hochachtung vor den Türken. Aber am Ende steht eine islamische Republik. Sie hat heute 70 Millionen Einwohner. Bald wäre sie die größte Nation der EU. 10 Millionen Türken würden nach Deutschland zuwandern. Es gäbe keine deutsche Nation mehr - und kein Europa, wie wir es kennen. Es käme zum Kulturschock - und zur Gewalt."

Mit freundlichen Grüßen

-
Antwort von Klaus Riegert
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14.09.2005
Klaus Riegert
Sehr geehrter Herr ,

wir erhöhen die Mehrwertsteuer, damit die Arbeitslosenversicherung bei den Lohnzusatzkosten um zwei Punkte gesenkt werden kann, so dass am Ende viele private Haushalte mehr im Portemonnaie behalten. Die Senkung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge von 6,5 auf 4,5 Prozent und die Gegenfinanzierung durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 auf 18 Prozent sind zwei Seiten derselben Medaille: sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer sparen dadurch ein Prozent des Bruttolohns. Dies bedeutet, dass der durchschnittliche Arbeitnehmer ab
1. 1. 2006 etwa 1,6 Prozent mehr Netto behalten kann.
Typisches Rechenbeispiel: Ein Alleinverdiener-Ehepaar mit zwei Kindern, Monatsbrutto 4.315 Euro, wendet 22 Euro mehr auf durch die höhere Mehrwertsteuer. Gleichzeitig werden 43 Euro durch die abgesenkten Sozialversicherungsbeiträge eingespart. Unterm Strich bleiben 21 Euro mehr im Portemonnaie.
Entscheidend ist, dass durch die Absenkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung um 2 Prozentpunkte auch die Lohnzusatzkosten sinken. Dadurch werden deutsche Produkte und Dienstleistungen konkurrenzfähiger und deutsche Arbeitsplätze sicherer. Zugleich ergibt sich ein beschäftigungsaufbauender Effekt; in der wissenschaftlichen Literatur geht man davon aus, dass ein Prozentpunkt weniger Sozialversicherungsbeiträge – bei Gegenfinanzierung durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer - rund 100.000 neue Arbeitsplätze entstehen lässt. Dies bedeutet eine deutliche Kaufkraftsteigerung, die auch positive Auswirkungen auf den Mittelstand zeitigen wird.

Die CDU plant, das Kündigungsschutzrecht so zu ändern, dass der gegenwärtig zu beobachtende Trend in den Unternehmen aufgelöst wird, eher Mehrarbeit anzuordnen als Neueinstellungen vorzunehmen: *Wer Arbeit hat, behält seinen bisherigen Kündigungsschutz*. Wer Arbeit sucht, erhält neue Chancen: Für Neueinstellungen wird das Kündigungsschutzgesetz in Betrieben bis zu 20 Beschäftigten ausgesetzt. In anderen Betrieben wird der Kündigungsschutz für Neueinstellungen erst nach zwei Jahren wirksam. Bei Abschluss eines Arbeitsvertrages kann gegen Verzicht auf eine Kündigungsschutzklage eine Abfindung vereinbart werden, deren Mindesthöhe gesetzlich festgelegt wird. Auch hier gilt: Die Lockerung des Kündigungsschutzes für diejenigen, die Arbeit suchen, ist im Zusammenhang mit unseren Vorschlägen zu Arbeit, Wirtschaft und Steuern zu sehen. Isoliert betrachtet, würde ich die Wirkung dieser Lockerung nicht überbewerten.

Seit jeher versucht das deutsche Staatsangehörigkeitsrecht doppelte Staatsangehörigkei­ten zu vermeiden. CDU und CSU werden an diesem Grund­satz festhalten, denn er hat seinen guten Grund: Wer Deutscher sein will, soll und muss sich zu unserem Staat bekennen und dies dadurch dokumentieren, dass er sich für eine, nämlich die deutsche Staatsbürgerschaft entscheidet. Die doppelte Staatsbürgerschaft ist Ausnahme dieses Grundsatzes. Sie anzuschaffen halte ich insbesondere mit Blick auf nach dem neuen Recht erworbene doppelte Staatsbürgerschaften für äußerst problematisch. Deshalb setzen wir woanders an:

CDU und CSU wollen, dass Ausländer, die rechtmäßig und dauerhaft bei uns sind, integriert in unserer Gesellschaft auf der Grundlage unserer Kultur und Rechtsordnung leben. Integration ist aber keine Einbahnstraße. Wir werden die Teilnahme an Integrationskursen von Ausländern konsequent einfordern und das rechtliche Instrumentarium dafür nutzen. Wir wollen, dass nachziehende Ehe­gatten vor der Einreise nach Deutschland ausreichende Deutschkenntnisse er­werben. Wir werden das Kindernachzugsalter senken, damit Ausländerkinder durch Schulbesuch in Deutschland bessere Chancen der Integration in Arbeit und Gesellschaft haben.
Wir wollen keine Zulassung von Zuwanderung aus demographischen Gründen. Alle Wissenschaftler, die sich ernsthaft mit dieser Frage beschäftigt haben, kommen zu dem Ergebnis, dass demographische Probleme nicht durch Zuwanderung gelöst werden.
Bei weiterer Zulassung von Arbeitsmigration über die europäische Ebene müssen die Mitgliedsländer der EU mit erheblicher Zuwanderung von Nicht-EU-Ausländern auf die nationalen Arbeitsmärkte rechnen. Dies verstieße gegen den Geist des Verfassungsvertrages, der es den Mitgliedsstaaten vorbehält, den Zugang zum Arbeitsmarkt auf nationaler Ebene zu regeln. Angesichts der Arbeitslosenzahlen in Deutschland ist eine offensive Förderung der Arbeitsmigration nach Deutschland über die europäische Ebene nicht zu verantworten.

Zu einer glaubwürdigen Zuwanderungspolitik gehört eine glaubwürdige Rückführungspolitik. Der Asylkompromiss von 1993 war von der Grundüberlegung geprägt, dass es für die Integration der in Deutschland lebenden Ausländer nicht gut ist, wenn die Zahl derjenigen Zuwanderer zu groß wird, deren Aufenthalt nicht auf Dauer angelegt ist, die also gar nicht die Absicht haben, sich hier zu integrieren, sondern die vor allem aus wirtschaftlichen Gründen zu uns kommen. Die Zahl der Asylbewerber sinkt auf der einen Seite zwar kontinuierlich - übrigens bei einer gleich bleibend niedrigen Anerkennungsquote -, aber auf der anderen Seite bleibt die Zahl der ausreisepflichtigen Ausländer konstant hoch: 453 000 Ende 2003, davon allein 227 000 geduldete Personen. Das heißt, trotz zurückgehender Asylbewerberzahlen sinkt die Zahl der Ausländer, die kein Recht haben, in Deutschland zu bleiben, gerade nicht. In der Zeit zwischen 2000 und 2003 sind insgesamt 3 777 ablehnende Asylbescheide an Asylbewerber aus Kamerun ergangen. In demselben Zeitraum sind aber nur 267 Personen tatsächlich abgeschoben worden. Das heißt, über 90 Prozent der Asylbewerber aus Kamerun sind hier geblieben, obwohl ihre Asylbegehren abgelehnt worden sind. Um unsere Anstrengungen auf die Integration von Migranten konzentrieren zu können, ist es notwendig, unsere Bemühungen zu verstärken, diejenigen in ihre Heimatländer zurückzuführen, die kein Recht haben, in Deutschland zu leben. Unser Antrag dient gerade auch der Integration derjenigen, die auf Dauer bei uns leben werden. Es geht vor allem um Personen, deren Asylanträge abgelehnt wurden oder die illegal in Deutschland leben und die ihre Lage in vorwerfbarer Weise selbst verschuldet haben, indem sie etwa ihre Ausweisdokumente vernichtet und über ihre Herkunft und Identität getäuscht haben.

Was "leicht" gesagt ist, ist allerdings nicht ganz so leicht zu handhaben, z. Beispiel im Falle von Ausländern, die schwere Straftaten begangen haben. Das Aufenthaltsgesetz sieht detaillierte Vorschriften über Abschiebungshindernisse vor, die durch die Rechtsprechung konkretisiert worden sind. Grundsätzlich ist eine Abschiebung nach dem Aufenthaltsgesetz unzulässig, falls der Ausländer in den Schutzbereich der Genfer Flüchtlingskonvention fällt. Allerdings findet dieses Abschiebungsverbot keine Anwendung, wenn der Ausländer aus schwerwiegenden Gründen eine Gefahr für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland oder eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt, weil er wegen besonders schwerwiegender Straftaten verurteilt wurde. Das Gleiche gilt u. a. auch, wenn aus schwerwiegen­den Gründen die Annahme gerechtfertigt ist, dass der Ausländer ein Verbrechen gegen den Frieden, gegen die Menschlichkeit oder ein Kriegsverbrechen begangen hat. Allerdings darf ein Ausländer nicht in den Staat abgeschoben werden, in dem ihm eine konkrete Foltergefahr droht oder die Gefahr der Todesstrafe besteht. Auch nach Bestimmungen der Europäischen Menschenrechtskonvention kann eine Abschiebung unzulässig sein.

Wie aus dem Regierungsprogramm von CDU und CSU hervorgeht, lehnen wir eine Vollmitgliedschaft der Türkei ab, da dies die Integrationsfähigkeit der EU überfordern würde. Aus diesem Grunde plädieren wir dafür, dass in dem von der Europäischen Kommission vorgelegten Verhandlungsrahmen eine Privilegierte Partnerschaft mit der Türkei als Alternative zu einer Vollmitgliedschaft aufgenommen wird. Dass die Türkei sich weigert, mit der Republik Zypern einen EU-Mitgliedstaat völkerrechtlich anzuerkennen, halten wir für eine starke Belastung in Bezug auf die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen. Gleiches gilt für die völkerrechtswidrige Besetzung des nördlichen Zyperns durch türkische Truppen. Im Übrigen bestehen immer noch erhebliche Probleme bei der Einhaltung und Durchsetzung der Menschenrechte in der Türkei.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Riegert
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Frage zum Thema Föderalismus
13.09.2005
Von:
-

Guten Tag, Herr Riegert,

agenommen, es käme zu einem Patt zwischen schwarz-gelb und rot-rot-grün und angenommen, sowohl die Union, als auch die SPD hielten ihre Versprechen, nämlich daß eine große Koalition nicht in Frage kommt (Union) und eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei ausgeschlossen ist (SPD), was wird dann passieren? Ich hätte hier gerne eine eindeutige Stellungnahme und kein Ausweichmanöver wie die Spitzenkandidaten a la "es wird reichen" oder "die SPD wird ihr Versprechen nicht halten".

Mit freundlichen Grüßen

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Antwort von Klaus Riegert
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14.09.2005
Klaus Riegert
Sehr gehrter Herr ,

Ihre Frage geht doch an der Wirklichkeit und den Erfahrungen vorbei. Die Linkspartei sendet Signale einer Duldung an Rot-Grün. Erinnern Sie sich noch, was die SPD in den Neuen Ländern vor der Wahl zu einer Zusammenarbeit mit der PDS gesagt und nach der Wahl alles ganz schnell wieder vergessen hat. Am Dienstag hat sich der frühere nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer Steinbrück für eine Zusammenarbeit mit der Union nach der Wahl in zentralen politischen Bereichen ausgesprochen. Der SPD-Vize Kurt Beck hatte gegen Festlegungen auf eine bestimmte Koalition nach der Wahl plädiert.
SPD-Vorstandsmitglied Sigmar Gabriel hat bereits früher eine Ampelkoalition mit der FDP nicht ausgeschlossen. Sollte es zu einem Patt kommen, wovon ich nicht ausgehe, werden die Karten neu gemischt. Doch wenn es rechnerisch möglich ist, glaube ich, dass es nach dem 18. September eine rot-rot-grüne Bundesregierung geben wird. Das ist aber gegenwärtig alles Spekulation. Lassen wir erst einmal die Wähler entscheiden.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Riegert
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Frage zum Thema Bildung
15.09.2005
Von:

Guten Tag Herr Riegert!

Erst einmal alles gute für die Wahl.

Ich habe eine wichtige Frage zur Bildungspolitik. Erst kürzlich wurde in einem Bericht der FAZ auf die Misstände der Kindergartenbetreuung hingewiesen (Artikel : www.faz.net )
Darin werden die zum Teil unglaublichen Zustände in den Kindergärten beschrieben.

Haben Sie einen Lösungsansatz für dieses Problem? Wird es überhaupt auf die Tagesordnung kommen? Bildung ist denke ich ein Thema, dass nicht erst in der Schule anfängt.

Mit freundlichen Grüssen!

Antwort von Klaus Riegert
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15.09.2005
Klaus Riegert
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage und den Hinweis auf den Artikel in der FAZ.

Sie haben Recht: Bildung beginnt nicht erst in der Schule. Die Stärkung frühkindlicher Bildung und Erziehung in Familie und Kindertagesstätte ist die Voraussetzung für mehr Gerechtigkeit bei der Verteilung von Bildungschancen.

Eltern müssen dabei selbst entscheiden dürfen, ob und wie sie für die Betreuung und Bildung ihrer Kinder selbst sorgen oder Betreuungsangebote, z.B. von Tagesmüttern, Krippen, Kindergärten oder Horten, nutzen wollen.

Deshalb erhöhen wir bei der Steuer die Grundfreibeträge auf 8.000 Euro je Kind und Erwachsener. Wir stellen damit unter Berücksichtigung aller pauschalen Abzüge eine vierköpfige Familie bis zu einem Einkommen von 38.200 Euro im Jahr einkommensteuerfrei. 5.000 Euro mehr als heute! Wir entlasten Familien bei der Rente ab 2007. Sie bekommen eine monatliche Beitragsermäßigung, für jedes neugeborene Kind von 50 Euro bis zum 12. Lebensjahr ("Kinderbonus"). Wir fördern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wir bauen in den unionsregierten Ländern die Kinderbetreuung, die vorschulische Sprachförderung und bedarfsgerechte Ganztagsangebote aus.

Entscheidend für eine gute und pädagogisch hochwertige Erziehung und frühkindliche Bildung sind motivierte und gut ausgebildete Erzieherinnen. Die Ausbildung der Fachkräfte muss reformiert und ihre Arbeit mit der der Lehrkräfte in Grundschulen verzahnt werden. Schon im Kindergarten müssen sprachliche Defizite von Kindern gezielt behoben werden. Sprachstandstests in ausreichendem zeitlichem Abstand zur Einschulung sind ein geeignetes Mittel, um Förderbedarf zu erkennen; diese Tests müssen verpflichtend sein. Kinder ohne ausreichende Sprachkenntnisse müssen notfalls bis zum Erwerb ausreichender Deutschkenntnisse von der Einschulung zurückgestellt werden. Über Sprachförderung hinaus müssen vorschulische Einrichtungen sich zum Ziel setzen, Kinder grundschulfähig zu machen.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat im Dezember 2001 nach den Ergebnissen von PISA 2000 gemeinsame Anstrengungen zur Modernisierung des deutschen Bildungswesens beschlossen und dafür sieben Handlungsfelder benannt:

1. Maßnahmen zur Verbesserung der Sprachkompetenz bereits im vorschulischen Bereich
2. Maßnahmen zur besseren Verzahnung von vorschulischem Bereich und Grundschule mit dem Ziel einer frühzeitigen Einschulung
3. Maßnahmen zur Verbesserung der Grundschulbildung und durchgängige Verbesserung der Lesekompetenz und des grundlegenden Verständnisses mathematischer und naturwissenschaftlicher Zusammenhänge
4. Maßnahmen zur wirksamen Förderung bildungsbenachteiligter Kinder, insbesondere auch der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
5. Maßnahmen zur konsequenten Weiterentwicklung und Sicherung der Qualität von Unterricht und Schule auf der Grundlage von verbindlichen Standards sowie eine ergebnisorientierte Evaluation
6. Maßnahmen zur Verbesserung der Professionalität der Lehrertätigkeit, insbesondere im Hinblick auf diagnostische und methodische Kompetenz als Bestandteil systematischer Schulentwicklung
7. Maßnahmen zum Ausbau von schulischen und außerschulischen Ganztagsangeboten mit dem Ziel erweiterter Bildungs- und Fördermöglichkeiten, insbesondere für Schülerinnen und Schüler mit Bildungsdefiziten und besonderen Begabungen

Nach Veröffentlichung von PISA 2003 hat die KMK für drei Handlungsfelder Priorität* *angekündigt:

1. Gezielte frühzeitige Förderung von Kindern aus sozial schwierigem Umfeld

2. Verbesserung der Unterrichtsqualität

3. Verbesserung der Lehrerbildung

Sie sehen, Ihre Themen sind auf der Tagesordnung..

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Riegert
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Frage zum Thema Arbeit
17.09.2005
Von:
-

Sehr geehrter Herr Riegert,

der Hauptgeschäftsführer des Bundesverband Druck und Medien (BVDM) beklagt, daß ausgerechnet in einem Wahlkampf, in dem die Arbeitslosigkeit ein bedeutendes Thema ist, CDU, FDP und SPD einen Teil ihrer Plakate im Ausland drucken ließen. "Tag für Tag gehen 1.000 Arbeitsplätze verloren" - so oder so ähnlich lautet Ihr Slogan. Der Zusatz "wir helfen dabei" fehlt. Warum sollte ich Ihre Partei wählen nach diesem Bericht?

Mit freundlichen Grüßen

-

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