Sehr geehrter Herr

,
vielen Dank für Ihre Zuschrift vom 11. Mai 2009, die über die Internetplattform "Abgeordnetenwatch" an mich übermittelt wurde.
Sie schreiben, dass Sie vor kurzem Vater geworden sind. Dazu möchte ich Ihnen erst einmal herzlich gratulieren. Ich wünsche Ihnen, dass es Ihnen und Ihrer Familie doch gelingen wird, Ihr Studium, Jobs und die neue Rolle als Eltern unter einen Hut zu bringen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, welche Herausforderung das ist.
Die Beschreibung Ihrer Studienbedingungen und der Probleme, die sich aus verschultem Curriculum und häufigen Prüfungen ergeben, bestätigen meine Einschätzung, dass sich die Umsetzung der "Bologna-Studienreform" und die Einführung der Studiengänge zum Bachelor und Master nach wie vor schwierig gestalten. Die Studienreform ist in dieser Legislaturperiode sowohl in der Arbeitsgruppe Bildung und Forschung der CDU/CSU-Fraktion als auch im Bundestagsausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgeabschätzung mehrfach z.T. sehr kritisch behandelt worden. In diesem Zusammenhang haben die Parlamentarier meiner Fraktion im Oktober 2008 durchgesetzt, dass eine bereits geplante Erhöhung des Zinssatzes für Studienkredite der Kreditanstalt für Wiederaufbau zurückgenommen wurde. Erfolgreich haben wir uns auch für die Ausweitung der BAföG-Leistungen um 10 Prozent und die Erhöhung der Freibeträge um 8 Prozent eingesetzt.
Ein Zurück zu den Verhältnissen vor der Bologna-Reform wird nicht möglich sein. Dies auch deshalb, weil von den insgesamt rund 12.000 Studiengängen an deutschen Hochschulen im Wintersemester 2008/09 bereits drei Viertel auf Bachelor und Master umgestellt waren. Rund zwei Drittel aller Studienanfänger entschieden sich im WS 20008/09 für einen Bachelor- oder Masterstudiengang.
Allerdings ist fraglich, ob die Ziele, die man mit dem Bologna-Prozess erreichen wollte, mit den jetzigen Ergebnissen übereistimmen. Gegebenenfalls müssen Fehler bzw. Fehlentwicklungen behoben werden. Ausnahmeregelungen für die Ausbildung von Medizinern, Juristen, Lehrern und ev. von Ingenieuren sollten bestehen bleiben. Wo nötig, müssen die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge "entschlackt" werden. Im übrigen steht es den Hochschulen frei, die Studiendauer flexibel zu gestalten. Bachelorstudiengänge könnten statt sechs Semestern beispielsweise auch acht Semester dauern, was den Studierenden mehr Freiraum bringen könnte.
Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass Stipendienprogramme z.T. leider nicht in dem Umfang genutzt werden, wie dies möglich wäre. So hat z.B. die Konrad-Adenauer-Stiftung derzeit nicht genügend qualifizierte Bewerber, um die Mittel, die ihr für Stipendien zur Verfügung stehen, vollständig auszureichen.
Mit freundlichen Grüßen
Katherina Reiche