Karl Schiewerling (CDU)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Karl Schiewerling
Jahrgang
1951
Berufliche Qualifikation
Industrie- und Personalfachkaufmann
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages, Diözesansekretär des Kolpingwerkes in der Diözese Münster
Wahlkreis
Coesfeld - Steinfurt II
Landeslistenplatz
keinen, Nordrhein-Westfalen
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(...) Die Aussage "zu Unrecht erhaltene Leistung" ist juristische Fachsprache.
Sie ist keine Wertung, sondern nur eine Feststellung. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
14.11.2007
Von:

Sehr geehrter Herr Schiewerling,

ganz bewußt habe ich den o.g. Betreff ausgewählt, da diese Begriffe konträr zu den sog. praktizierten 1- Euro-Jobs stehen. Ich erwarte jetzt keine Gardinenpredigten, wie sozial diese Arbeitsgelegenheiten sind, sondern eine konkrete Zahl über die aktuelle Anzahl der b u n d e s w e i t e n sog. Arbeitsgelegenheiten bzw. 1- Euro-Jobs. Diese Prekär-Zwangsdienste verdrängen nach meinem Verständnis versicherungspflichtige Beschäftigung und dienen offensichtlich nur zum beschönigen und frisieren von ALO-Statistiken. Ich bitte um Klartext und konkrete Zahlen und verbleibe mit freundlichem Gruß

E.
Antwort von Karl Schiewerling
bisher keineEmpfehlungen
30.11.2007
Karl Schiewerling
Sehr geehrte Frau ,

haben Sie herzlichen Dank für Ihre Anfrage über abgeordnetenwatch.de.

Zunächst die Antwort auf Ihre Frage, wie viele Ein-Euro-Jobs bzw. Arbeitsgelegnheiten gibt es bundesweit: Die aktuelle Bestandszahl der "Ein-Euro-Jobs" lautet: 321.719.

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden als "Arbeitsgelegenheiten" Maßnahmen zur Beschäftigung Arbeitsloser im Rahmen der Sozialrechtsvariante des § 16 Abs. 3 SGB II verstanden. Charakteristisch ist, dass durch diese Variante kein Arbeitsverhältnis im Sinne des Arbeitsrechts begründet wird. Somit entsteht auch keine Sozialversicherungspflicht. Anstelle eines Lohnes oder Gehaltes bezieht der oder die Beschäftigte weiterhin die gesetzlich vorgesehenen Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts (Arbeitslosengeld II, Leistungen für Unterkunft und Heizung u.a.) Zur Abgeltung des entstehenden Mehraufwandes der Beschäftigten wird ihnen jedoch zusätzlich aus Eingliederungsmitteln ein Entschädigungsbetrag gezahlt. Arbeitsgelegenheiten in der Sozialrechtsvariante müssen sowohl zusätzlich als auch im öffentlichen Interesse sein.

In der Medienöffentlichkeit werden diese Arbeitsgelegenheiten oft als Ein-Euro-Jobs wahrgenommen und der Eindruck vermittelt, dass Arbeitsuchende mit diesen Maßnahmen schikaniert werden sollen. Dem ist nicht so. Ziel dieser Maßnahmen ist die Integration Langzeitarbeitsloser in und durch Arbeit. Dies geschieht in einem Arbeitsprozess, der sich zum Ziel setzt, das Leistungspotenzial des Einzelnen und die Chancen auf eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt zu erhöhen. So ist es vom Gesetzgeber gewollt.

Die Arbeitsuchenden sollen die Möglichkeit erhalten, aktiv an einer Veränderung ihrer Situation und Lebensumstände mitzuwirken und zum Erhalt bzw. zur Herstellung ihrer Beschäftigungsfähigkeit beizutragen. Durch die Schaffung von Arbeitsgelegenheiten werden praktische Fähigkeiten und Fertigkeiten aufgefrischt und erweitert. Darüber hinaus wird die Möglichkeit geboten, Eigenverantwortung zu übernehmen und Sozialkompetenzen zu trainieren. Die Teilnehmer solcher Arbeitsgelegenheiten festigen bzw. beweisen Fähigkeiten, die auf dem ersten Arbeitsmarkt dringend benötigt werden (wie z.B. Fachkompetenz, Zeitplanung etc.) Menschen haben das Gefühl beraucht zu werden, sie leisten etwas und bekommen dafür Anerkennung. Diese Gewissheit gebraucht zu werden, wirkt sich positiv auf die persönliche Zufriedenheit aus. Mit diesen Arbeitsgelegenheiten sollen Langzeitarbeitslose nicht schikaniert werden, ihnen soll ein Weg zurück in die Erwerbsarbeit geebnet werden.

Mit freundlichen Grüßen

Karl Schiewerling
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Frage zum Thema Arbeit
30.11.2007
Von:

Sehr geehrter Herr Schiewerling,

vielen Dank für Ihre Antwort, die mich jedoch aufgrund der ewig gleichen Phrasen nicht zufrieden stellt.
Einem Arbeitsuchenden/er die über Jahrzehnte sowohl ihre Arbeitsleistung und ihre soziale Kompetenz sowohl im Beruf als auch in der Erziehung der Kinder unter Beweis gestellt haben, sollte man mittels dem Zwang eines sog. 1-Euro-Jobs diese bereits erworbenen Fähigkeiten als nicht vorhanden unterstellen. Ich spreche hier aus eigener Erfahrung.
Hier ist dem Missbrauch durch die Beschäftigungsgesellschaften Tür und Tor geöffnet worden. Hier werden reguläre Beschäftigungen verdrängt.
Ganz zu schweigen davon, dass der oder die Job-Aufseher/in ( ich weiß , eine etwas laxe Bezeichnung aber so ist die Realität ) am Monatsende jeweils der Arge schriftlich bescheinigen muss, ob die Tätigkeit gut, zufriedenstellend oder nicht ausreichend erledigt wurde. Ich bitte Sie - soll das etwa das Selbstvertrauen und die Fähigkeiten, die sowieso vorhanden sind, stärken ?
Probieren Sie es doch einfach einmal selber aus - das hebt ungemein die Stimmung - jedenfalls der Bürger die noch bei Verstand sind.
Mit herzlichen Grüßen

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Frage zum Thema Arbeit
30.11.2007
Von:

Sehr geehrter Herr Schiewerling,

sie sagen der 1 Euro Job wäre keine Schikane?Das stimmt nicht ! Ich bin seit 20 Jahren selbstständig (reiner Saisonbetrieb Einmann-Unternehmn) Meine Lebesgefährtin mit der ich seit 25 Jahren zusammen lebe wurde vor 3 Jahren arbeitslos.Dies bedeutete das wir beide in Hartz 4 landeten.Anfang des Jahres erlitt ich 2 Schlaganfälle und kann nur noch wenig arbeiten. Die Arge zwang mich einen 1 Eurojob anzunehmen in einem Bereich den ich seit 20 Jahren als Selbsständiger Gärtner betreibe. Ich mußte eine Erklärung unterschreiben in der es hieß ich solle praktische Erfahrung sammeln und das ist keine Schikane ?? Hochachtungsvoll
Antwort von Karl Schiewerling
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15.02.2008
Karl Schiewerling
Sehr geehrter Herr ,

haben Sie vielen Dank für Ihre Anfrage vom 30.11.2007.

Die sogenannten Ein-Euro-Jobs sind Arbeitsgelegenheiten. Für viele waren und sind sie eine Hilfe, wieder an den regulären Arbeitsmarkt herangeführt zu werden. Die Entscheidung über die Angebote von Arbeitsgelegenheiten liegt bei dem örtlichen Träger der Grundsicherung. In der Praxis ist es teilweise zu Entwicklungen gekommen, die so nicht vorgesehen waren.

Jedoch kann man den Ein-Euro-Jobs nicht vorwerfen, dass sie Arbeitssuchende schikanieren wollen. Wie ich bereits ausführte, ist das vorrangige Ziel, das mit ihrer Einführung verfolgt wurde, Langzeitarbeitslose und solche Arbeitslose, die derzeit auf dem Arbeitsmarkt keine oder nur geringe Chance haben, zu fördern und – vor allem- sie an eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt heranzuführen.

Dafür wurden strenge Kriterien formuliert. So soll der Ein-Euro-Job individuell auf die Förderbedürfnisse des Arbeitslosen zugeschnitten sein. Dass Sie es als unangemessen empfinden, nun in einem Bereich tätig zu sein, den Sie aus langjähriger Tätigkeit als selbständiger Gärtner in- und auswendig kennen, kann ich nachvollziehen. Ich weise aber gleichzeitig darauf hin, dass es auf der anderen Seite sehr viele Menschen in einer ähnlichen Lage gibt, die es begrüßen oder begrüßen würden, eben nicht in einem anderen Gebiet, zu dem sie keinerlei Affinität haben, tätig zu sein. Sie sind froh, zu ihrem erlernten Beruf Kontakt halten zu können, solange sie ihn nicht, z. B. wegen Krankheit, ausüben können. Der Aspekt, dass praktische Erfahrung gesammelt werden soll, fällt natürlich für Sie weg, die haben Sie zur Genüge. Bei einer großen Anzahl von (Langzeit)Arbeitslosen kommt er aber sehr wohl zum Tragen.

Mit freundlichen Grüßen

Karl Schiewerling
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
01.12.2007
Von:

Sehr geehrte Herr Schiewerling,

Da Sie die Fragen des Herrn Stefan Linke aufgrund der Tatsache, dass er nicht in Ihrem Wahlkreis wohnt, nicht beantworten können, stelle ich Ihnen die selbigen Fragen. Und ich wohne in Ihrem Wahlkreis


die Armut in der BRD ist besonders bei Kindern und Jugendlichen auf dem Vormarsch. Ihr Kollege Prof. Karl Lauterbach vertritt in seinem neuen Buch die These, dass sich die Lebensumstände, in denen Kinder aufwachsen, auf den eigenen Lebensweg übertragen.

Deshalb frage ich Sie:

1. Was verstehen Sie im Allgemeinen unter "Armut" in der BRD?
2. Wie stellt sich die Armut in Ihrem Wahlkreis und/oder Heimatort dar.
3. Können Sie (und wenn ja, wie) den Menschen vor Ort helfen.

Für eine Antwort wäre ich dankbar.

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Karl Schiewerling
4Empfehlungen
26.02.2008
Karl Schiewerling
Sehr geehrter Herr ,

haben Sie vielen Dank für Ihre Anfrage über abgeordnetenwatch.

Armut hat viele Erscheinungsformen. Neben der rein materiellen Armut gibt es beispielweise Bildungsarmut, soziale, erlebte, geistig-kulturelle, seelische und gesundheitliche Armut. Auch in meinem Wahlkreis – davor verschließe ich nicht die Augen – wachsen Kinder in Formen von Armut auf. Dennoch glaube ich, dass das Risiko im Kreis Coesfeld und Steinfurt in Armut leben zu müssen geringer ist als in anderen Regionen unserer Republik.

Im Kreis Coesfeld haben wir aktuell eine Arbeitslosenquote von 4 Prozent. Im Vergleich zum Dezember 2006 konnte die Arbeitslosenzahl um fast ein Drittel (30,9 Prozent) reduziert werden. Der Kreis Coesfeld hat erneut den mit Abstand günstigsten NRW-Wert. Ich halte das für beachtlich und beachtenswert. Dass diese Rahmenbedingungen in unserer Region so positiv sind, ist kein Zufall. Die Menschen des Münsterlandes, ihre bodenständige Einstellung, ihre Werte und besonders ihre zupackende Art, haben zusammen mit verantwortungsvoller Politik und verantwortungsvollen Betrieben diesen Erfolg erst möglich gemacht. Wir sind eher eine "reichere" Region: wir haben ein funktionierendes und gutes Schul- und Ausbildungsangebot, wir haben eine hervorragende Infrastruktur für alle Bereiche des Lebens – von der Gesundheitsversorgung über das Vereinswesen bis hin zur Kultur, und wir haben ein hohes Maß an sozialer Verantwortung und sozialer Sicherungseinrichtungen; letzteres häufig nicht-staatlich organisiert sondern z.B. in Trägerschaft der Kirchen.

Und wir im Münsterland (wie auch ganz Deutschland) haben zum Glück keine absolute Armut; ich meine jene Armut, dass Menschen heute nicht wissen, ob und wie sie morgen überleben können, ob sie ein Dach über dem Kopf oder etwas zu Essen haben. Diese Armut kennen wir in Deutschland nicht – diese Armut wird dank der Grundsicherung (im Volksmund besser als "Hartz IV" bekannt) verhindert. Am Rande bemerkt: Hartz IV macht nicht arm, sondern verhindert absolute materielle Armut.

Armut bekämpfen wir am nachhaltigsten mit einer Politik, die die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen durch die -mittelständische- Wirtschaft fördert und ermöglicht. Armut bekämpfen wir am nachhaltigsten, wenn wir in die Bildung unserer Kinder und in die Fortbildung der jetzigen Arbeitnehmer investieren. Bildung und Wissen ist der Schlüssel gegen Armut auch vor dem Hintergrund der Globalisierung. Gerade die Kinder aus Familien mit sozial schwierigem Umfeld bedürfen dabei einer besonderen Förderung. Ein Themenbereich und eine große Aufgabe, mit denen sich just im Januar auf meine persönliche Initiative hin unsere CDU/CDU-Bundestagfraktion initiativ sehr ausführlich befasst hat und intensiv weiter befassen wird!

Gerne können wir auch in einer meiner Bürgersprechstunden diskutieren, ich lade Sie hiermit herzlich ein. Sie können gern einen Termin in meinem Wahlkreisbüro ausmachen.

Mit freundlichen Grüßen

Karl Schiewerling
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Frage zum Thema Wirtschaft
12.12.2007
Von:

Welche Auswirkungen befürchten Sie auf die deutsche Wirtschaft durch die Kreditkrise aus den USA?
Antwort von Karl Schiewerling
2Empfehlungen
20.12.2007
Karl Schiewerling
Sehr geehrte Frau ,

die Fachleute sind sich einig, dass die Finanzkrise in den USA in jedem Falle Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft haben wird. Dies schon deswegen, weil auch deutsche Banken involviert sind. Die Frage ist in welchem Umfang dies sein wird. In Wirtschaftskreisen wurde ein Bild aus der Medizin verwendet: Wenn die USA eine Lungenentzündung hätten, müssten sich kleinere Partner, die mit ihnen verkehrten, sicherlich auf einen Schnupfen einstellen. Wie stark dieser ausfallen wird, hängt von der Bedeutung der USA als „Lokomotive für die Weltwirtschaft“ ab. Man war der Meinung, dass die USA diese Funktion schon länger nicht mehr in der herausragenden Weise wie in der Vergangenheit erfüllten. Diese Stimmen sind in den vergangenen Tagen und Wochen stiller geworden. Man geht jetzt von ernsteren Folgen aus. Doch können sich auch überraschende Wendungen ergeben. Denn in der Krise selbst zeigt sich erst, welche wirtschaftlichen Verflechtungen und Bedeutungen real sind.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie eine schöne Adventszeit und ein frohes Weihnachtsfest.

Mit freundlichen Grüßen

Karl Schiewerling
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