Sehr geehrter Herr

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haben Sie vielen Dank für Ihre Anfrage bei abgeordnetenwatch.de. Sehr gut verstehe ich Ihre darin zum Ausdruck kommenden Sorgen. Die gegenwärtige Finanzkrise um den Euro, um die Stabilität der Währung und damit der wirtschaftlichen Grundlage unseres Landes und damit der Bürgerinnen und Bürger hat auch mich in den letzten Wochen sehr beunruhigt.
Der nun gefundene Weg weist aber nach einer sicher für uns alle langen Zeit der Ungewissheit eine Perspektive für den Euro und den Wirtschaftsraum Europa. Mit der Entscheidung des Sondergipfels ist eine Grundlage geschaffen worden, auf der nun der Konsolidierungsprozess grundlegend aufgebaut werden kann, um Vertrauen unter den Bürgern zurückzugewinnen. Europa darf nicht länger als abstrakt und bedrohlich wahrgenommen werden, Europa ist eine Chance für uns alle. Die beschlossene Einbeziehung von Banken und Fonds, also dem privatwirtschaftlichen Sektor, ist ein dafür ein wichtiges Zeichen, dass es auch in Krisen nicht darum geht, bedenkenlos Steuergelder in "ein Fass ohne Boden zu werfen", wie Sie es in Ihrer Anfrage formuliert haben.
Ich habe in den letzten Wochen die sorgfältige - von Kritikern als zögerlich beschriebene - Politik der Bundesregierung unterstützt, weil es auch mir darum ging, Griechenland und anderen Ländern mit einem zu hohen Staatsdefizit deutlich zu machen, dass es ein "weiter so" nicht länger geben darf. Daher war es jetzt wichtig, eine für den Euroraum langfristig tragfähige Lösung zu finden und dabei möglichst alle denkbaren Konsequenzen zu berücksichtigen. Nach dem nun ausgehandelten Beschluss wird es trotz aller Bemühungen noch lange dauern, bis in Griechenland Erfolge der Reformen spürbar werden. Der Bundeswirtschaftsminister hat bereits angekündigt, auch aus seinem Hause heraus Programme zu unterstützen, die einem nachhaltigen Wachstum der griechischen Wirtschaft förderlich sein werden.
Trotz der nun für Griechenland gefundenen Perspektive bin ich jedoch der festen Überzeugung, dass in Zukunft viel konsequenter auch die Mechanismen der Finanzmärkte in unser aller Augenmerk treten müssen. Es darf nicht sein, dass der Finanzsektor durch eine immer stärkere Entkopplung von der Realwirtschaft Länder an den Rand der Zahlungsunfähigkeit dirigiert bzw. spekuliert. Es darf nicht länger möglich sein, dass immer neue Finanzmarktprodukte entwickelt werden und kreditfinanzierte Spekulationen möglich sind, deren Folgen für den gesamten Euroraum und die Weltwirtschaft unabsehbar sind und am Ende nur noch, da gebe ich Ihnen Recht, durch steuerfinanzierte Rettungsprogramme kompensierbar sind.
Die Regierungen Europas müssen handlungsfähig bleiben und durch politisches Handeln die Idee Europas aktiv gestalten. Europa darf an seiner Faszination nichts einbüßen. Misswirtschaft und Währungsspekulationen haben die Regierenden unter einen immensen Handlungsdruck gesetzt. In der öffentlichen Wahrnehmung sind aber die Urheber dieser Krise nicht gleichermaßen in die Verantwortung genommen worden. Es gilt auch hier, präziser danach zu fragen, wer diese Krise maßgeblich zu verantworten hat, um Schaden von Europa und damit unserer Zukunft abzuwenden.
Mit freundlichen Grüßen
Karl Schiewerling