Kai Voet van Vormizeele (CDU)
Abgeordneter Hamburg 2004-2008
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Grunddaten
Kai Voet van Vormizeele
Jahrgang
1962
Berufliche Qualifikation
Jurist
Ausgeübte Tätigkeit
Angestellter in einem Planungsbüro
Wohnort
-
Bezirk
Hamburg-Nord
Landeslistenplatz
38, über Liste eingezogen
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(...) Zu Ihrer Frage, warum wir die Wahlkreise beibehalten haben. Zunächst mal bin ich ein bekennender Anhänger von Wahlkreisen. (...)
Parlamentarische Arbeit
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
14.11.2007
Von:
Tim

Sehr geehrter Herr van Vormizeele,

ich habe eine Frage betreffend der anstehenden Wahlen in Hamburg und dem Einsatz von Wahlmaschinen, hier der digitalen Wahlstift.

Laut heise.de [1] haben Sie im Hamburger Abendblatt die "Handauszählung der Stimmen als Schreckenszenario dargestellt" und fordern den Einsatz des Wahlstiftes.

Abgesehen von Gefahren oder Sicherheit durch Wahlmaschinen, bin ich über Ihre Aussage doch ein wenig beunruhigt. Wir haben das Glück in einer Demokratie zu leben. In einer sehr guten Demokratie mit einem - meiner Meinung nach - sehr guten Wahlsystem. Und sicherlich sieht eine überwältigende Mehrheit der Deutschen Bundesbürger dies ebenso. Aber was wären wir für eine Demokratie, wenn wir nicht in der Lage wären, sie selbst zu erhalten? Wie können Sie die Stimmenauszählung durch Bürger dieser Demokratie als Schreckenszenario hinstellen? Dies gehört zu den Grundpfleilern einer Demokratie, ohne dies, wäre eine Demokratie nichts wert. Daher rührt auch immer wieder die Abneigung, gegen elektrische Systeme, welche die Auszählung der Stimmen vereinfachen soll.

Wie wichtig ist es Ihrer Meinung nach, daß ein demokratisches Volk selbst in der Lage ist, seine Wahlen auszuzählen? Bitte gehen Sie auf Ihre getätigte Aussage ein. Zu den Sicherheitsbedenken zu elektronischen Wahlen müssen Sie sich nicht weiter äußern.

[1]: www.heise.de

Mit freundlichem Gruße
Tim
Antwort von Kai Voet van Vormizeele
13Empfehlungen
15.11.2007
Kai Voet van Vormizeele
Sehr geehrter Herr !

Auch wenn dies eigentlich ein Forum für den Kontakt zwischen Hamburger Abgeordneten und Hamburgern ist, will ich doch gerne versuchen auf Ihre Frage einzugehen.

Das von mir zitierte "Schreckensszenario" bezieht sich auf das was jetzt wahrscheinlich kommen wird. Zum einen sei hier nochmal deutlich festgestellt, dass es sich bei dem Digitalen Wahlstift nicht um einen Wahlautomaten handelt, zum anderen muss vielleicht noch einmal wieder betont werden, dass nicht die Freude an der "modernen Technik" die Motivation für den Verfassungsausschuss war, sich dieses Systems bedienen zu wollen, sondern die schlichte Notwendigkeit ein in Deutschland einmalig kompliziertes Landtagswahlrecht in eine praktikable Form zu bringen. Tatsache ist jetzt, dass wir bei einer Handauszählung ca. 9,6 Mio Stimmen auszählen müssen. Unterstellt man die gleiche Anzahl von ehrenamtlichen Wahlhelfern wie bisher (ca.11.000) würde dies 4 Tage dauern. Da aber die Wahlräumlichkeiten ab dem Montagmorgen nicht mehr zur Verfügung stehen ( da Schulen, Kindergärten und Sparkassen dann wieder auf machen) müssen wir am Wahlabend ungefähr 5.200 verschlossene Wahlurnen an einen zentralen Ort transportieren um dann ab Montagmorgen hier eine Großauszählung zu beginnen. Die Sicherheitsprobleme für diesen Transport und die zentrale Auswertung sind immens. Ob eine wirkliche Kontrolle der Auszählung der einzelne Wahlbezirke durch die Öffentlichkeit dann tatsächlich noch effektiv erfolgen kann, bezweifel ich ernsthaft. Darüberhinaus sei mir der Hinweis erlaubt, dass wir aktuell eine durchschnittliche Fehlerquote von ca. 0,5 % bei der Handauszählung haben. Wird die stichprobenweise Handauszählung intensiviert (so geschehen im Jahre 1997 in Hamburg aufgrund eines denkbar knappen DVU-Ergebnisses) steigt die festgestellte Fehlerquote bis auf 4 %. Dies alles geschah vor dem Hintergrund eines Ein-Stimmenmodells in Hamburg. Jetzt sind auf den Wahlkreislisten mit ca. 30 Seiten 5 Stimmen zu verteilen, was die Auswertung deutlich komplizierter macht. Insofern betrachte ich dieses jetzt ins Auge gefaßte Verfahren als wahres "Schreckenszenario für die Demokratie"

Abschließend sei mir der Hinweis erlaubt, dass ich eine Auszählung durch Beamte und andere öffentlich Bedienstete als Regel grundsätzlich ablehne. Das Prinzip der Selbstorganisation der Wahlen durch das Wahlvolk ist ein wichtiger Pfeiler unserer Demokratie. Insofern kann ich nur hoffen, das sich wie bisher 11.000 ehrenamtliche Wahlhelfern finden werden, die für 40 € am Tag 4 Tage lang in einer großen Sporthalle 9,6 Mio Stimmen per Hand auszählen. Wenn nicht (was alle in Hamburg erwarten) wird es vielleicht auch 10 - 12 Tage dauern. Ein einmaliger Akt in der bundesdeutschen Demokratie.

Mit freundlichem Gruß

Kai Voet van Vormizeele, MdHB
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Frage zum Thema CDU-Wahlrecht
17.11.2007
Von:

Hallo Herr van Vormizeele,

der NDR berichtet heute, dass die Wahlen am 24.02.08 in Hamburg voraussichtlich mehr als 20 Mio. Euro kosten werden – mehr als das 10-fache der letzten Wahl.
Der umstrittene Wahlstift sei bereits bezahlt (5 Mio. Euro), werde aber auch als Zählhilfe nicht zum Einsatz kommen!
Warum eigentlich nicht, wenn doch die nunmehr beschlossene vollständige Handauszählung das amtliche Endergebnis ermitteln soll?
Kann es sein, dass einige Ihrer Kolleginnen/Kollegen aus der Bürgerschaft Angst davor haben, dass der Wahlstift allen Unkenrufen zum Trotz doch ein richtiges Ergebnis liefern könnte und man somit in Erklärungsnot für die zusätzlichen erheblichen Mehrkosten der vollständigen Handauszählung kommen könnte?

Sehr geehrter Herr van Vormizeele, Sie haben sich bisher unermüdlich für den Einsatz des Wahlstiftes eingesetzt; Sie sollten nicht aufgeben und in der kommenden Sitzung der Bürgerschaft einen letzten Versuch starten und die Bürgerschaft davon überzeugen, den Wahlstift zumindest testweise als Zahlgerät einzusetzen.
Zum einen hätte man dann am Wahlabend zumindest ein schnelles vorläufiges Ergebnis, zum anderen hätte man das Geld für den Wahlstift nicht zum Fenster hinaus geworfen.
Dabei haben Sie und die Befürworter des Wahlstiftes im Gegensatz zu seinen Gegnern sicherlich am wenigsten zu verlieren.

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Kai Voet van Vormizeele
17Empfehlungen
17.11.2007
Kai Voet van Vormizeele
Liebe Frau !

Ich bedanke mich ganz ausdrücklich für die Aufmunterung auch weiterhin für den Einsatz des Digitalen Wahlstiftes zu "kämpfen". Leider sind in den letzten Tagen die Fraktionen von SPD und GAL komplett aus diesem Verfahren ausgestiegen. Ich persönlich, wie aber auch meine Fraktionen, bedauern dies ausdrücklich. Der Versuch, den DWS zumindest bei den Wahlen einzusetzen und dann alles komplett per Hand nachzuzählen, muss wohl leider, ob des Widerstandes insbesondere der GAL, als gescheitert angesehen werden. Die jetzt auf uns zukommenden Folgen sind bisher kaum absehbar. Die finanziellen und zeitlichen Szenarien, die Sie heute der Presse entnehmen konnten, basieren jeweils auf der Annahme, dass wir eine Zahl von 15.500 ehrenamtlichen Wahlhelfern für ca. 3-4 Tage verpflichten können. Dies wären 4.500 Menschen mehr als bisher bei den vergangenen Wahlen, die jeweils nur an einem Tag ausgezählt wurden. Ich überlasse es Ihre Beurteilung, ob dies realistisch ist oder nicht. Jeder Wahlhelfer weniger, bedeutet auch eine weitere zeitliche Verzögerung.

Ich hoffe sehr, dass diejenigen, die nach der Wahl ob dieses Verfahrens "meckern werden", sich dann auch erinnern werden, wer ihnen das "eingebrockt" hat.

Mit freundlichem Gruß

Kai Voet van Vormizeele, MdHB
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
17.11.2007
Von:

ein Bravo für Petra Richert! - Wenn/weil Handauszählung endgültig beschlossen ist, sollte man die immensen Kosten doch in einen praktischen Feldversuch investieren d.h. digital wählen lassen und zur Kontrolle elektronisch auszählen - notfalls mit Geheimhaltung bis zum offiziellen "manuellen" Ergebnis 1. ergäben sich so wichtige Erkenntnisse zum Für und Wider und 2. bekäme man nebenbei Ausssagen über die Höhe der menschlichen Zählfehler (die vermutlich höher liegen werden).

  • Ich bin gespannt auf die weitere Diskussion, die ja wohl vorgesehen ist - oder?
Antwort von Kai Voet van Vormizeele
7Empfehlungen
19.11.2007
Kai Voet van Vormizeele
Sehr geehrter Herr !

Nichts würde mich mehr freuen, als die Anwendung des Digitalen Wahlstiftes versuchsweise in allen(!) Wahllokalen bei gleichzeitiger nachträglicher Auszählung per Hand. Dieses Modell hat die GAL jedoch am Freitagabend im Verfassungsausschuss nachdrücklich abgelehnt. Sie hat sich für einen Versuch in 17 Wahllokalen ausgesprochen, bei dem wir dem Wähler freistellen, ob er den Stift nutzen möchte oder nicht. Ich habe für mich persönlich deutlich gemacht, dass ich den flächendeckenden Test für äußerste sinnvoll halte, aber überhaupt keinen Sinn in ein Kleinsttest in 17 Wahllokalen sehe. Hierbei würden nur noch 85 der 12.000 angeschafften Stifte zum Einsatz kommen. Gleichzeitg wäre die wissenschaftliche Verwertbarkeit der Ergebnisse bei Null, da wir keine Innentäterszenarien realistisch abbilden könnten, noch eine hinreiche flächendeckende Anwendungen des Wahlstiftsystems hätten. Nicht einmal der Effekt einer Anwendung durch den Wähler wäre gegeben, da wir nur wenige Wahlberechtigte in den Konakt mit dem Stift bringen würden. Dies wäre die berühmte "weiße Salbe" ohne jeden Effekt!.

Mit freundlichem Gruß

Kai Voet van Vormizeele, MdHB
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
18.11.2007
Von:

Sehr geehrter Herr van Vormizeele,

ich wundere mich doch sehr über ihre Antwort an Frau Petra Richert. Ihre Frage war doch klar formuliert: "Warum wird der Wahlstift nicht zumindest als Zählhilfe eingesetzt?" Eine Antwort sind Sie schuldig geblieben. Ist es nicht so, dass neben den Zweifeln durch renomierte Experten wie Prof. Brunnstein an Integrität der Ergebnisse des aktuellen DWS ebensolche an der Zuverlässigkeit z.B. der Sicherung des Wahlgeheimnisses bestehen? Es sollte klar sein, dass das Wahlgeheimnis auch nicht durch eine Wahlhilfe gefährdet werden darf.
Und natürlich ist klar, wer den Hamburger Bürgern dieses Wahldesaster eingebröckt hat: Eine CDU-Faktion der Hamburger Bürgerschaft, die noch im Oktober letzten Jahres kurzfristig das Wahlrecht ändert und eine Behörde für Inneres unter Senator Udo Nagel, die anscheinend die Bürgerschaft überzeugte, dass sie ein völlig neues Wahlgerät innerhalb eines Jahres problemlos entwickeln, zertifizieren und testen kann.
Hier abschließend meine Fragen:
  • Mit welcher Begründung wird der Wahlstift 2008 nicht eingesetzt?
  • Ist z.B. die Wahrung des Wahlgeheimnisses nach Expertenmeinung hinreichend sichergestellt?
  • Sind Sie für eine Nutzung des Wahlstift in 2008 auch nach der Kenntnis der o.g. Unsicherheiten durch die Expertenanhörung eingetreten? Nach ihrem Zitat im Hamburger Abendblatt vom 17.11.2007 bzgl. "nicht nachgewiesenen Behauptungen" scheint dies so. Meinen Sie nicht, dass die Behauptung, die nachgewiesen werden musste (und bis jetzt keinesfalls würde) ist: "Der Wahlstift führt keine zusätzlichen Risiken bezüglich der demokratischen Grundrechte insb. auch des Wahlgeheimnisses ein."?

Der digitale Wahlstift ist sicher eine tolle Idee, aber so, wie er in Hamburg eingeführt werden sollte - mit der Brechstange -, hat die Demokratie erheblichen Schaden genommen.

Mit freundlichm Gruß,

Antwort von Kai Voet van Vormizeele
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19.11.2007
Kai Voet van Vormizeele
Sehr geehrter Herr !

Mir scheint Sie gehen bei Ihrer "Frage" doch von einem sehr einseitigen Standpunkt aus. Zunächst einmal: Die Änderungen die, die Bürgerschaft vorgenommen haben stehen in keinem kausalen Zusammenhang mit der Anwendung des Wahlstiftes. Ganz im Gegenteil. Wären wir heute noch bei dem von "Mehr Demokratie" initierten Wahlrecht, wären wir jetzt nicht einmal in der Lage, am Wahlabend ein Listenergebnis zu verkünden, da wir auch dafür eine 5-Stimmen-Wahlrecht hätten. Die Änderungen, die im Herbst vorgenommen wurden, stehen in keinerlei Zusammenhang mit der Einführung des Digitalen Wahlstiftes. Die Bürgerschaft hatte bereits frühzeitig, unter Würdigung diverses Wahlsysteme, sich einstimmig (!!!) dafür entschlossen, den Senat aufzufordern den Digitalen Wahlstift einzuführen. Also nicht der Senat hat darauf gedrängt, sondern die Bürgerschaft, allen voran die GAL. Dies jetzt dem Innensenator vorzuwerfen, mag vielleicht dem Versuch dienen den CCC und vorallen die GAL zu exculpieren, hat jedoch mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun.

Die Kritik von Herrn Brunnstein habe ich bisher so verstanden, dass er eine Reihe von Formalitäten kritisiert, aber den Wahlstift insgesamt für ein sinnvolle Technik hält, die einen größeren Feldversuch verdient hätte. Wir als CDU hätten diesen flächendeckenden Feldversuch begrüßt. Er ist an der Weigerung der anderen Fraktionen in der Hamburgischen Bürgerschaft gescheitert. Dies gilt vorallem für die GAL, die dies am Freitagabend noch einmal bestätigt hat.

Ich möchte noch einmal ausdrücklich festhalten. Keiner der vermeintlichen Fachleute, insbesondere der CCC, konnte irgendeinen realen Angriffspunkt nachweisen. Die bloße Behauptung, ich könnte mir etwas vorstellen, hat glücklicherweise nichts mit der Realität zu tun. Der CCC hat aus einer sehr grundsätzlich Position heraus, Hamburg in einem Lage gebracht, bei der wir die erste Wahl in zu einem bundesdeutschen Landtag durchführen werden, die diverse sicherheitsrelevante Frage nur noch schemenhaft klären kann. In diesem Sinne freue ich mich auf die Diskussion nach der Wahl am 24.Februar. Hoffentlich wird "Mehr Demokratie", die GAL und der CCC, dann nicht abtauchen, sondern sich zu ihrer Verantwortung bekennen.

Mit freundlichem Gruß

Kai Voet van Vormizeele, MdHB
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Frage zum Thema CDU-Wahlrecht
19.11.2007
Von:

Sehr geehrter Herr Vormizeele,

Sie stellen die Sachlage zum Wahlstifts so dar, als hätte der CCC die vorgebrachten Bedenken nur herbeihalluziniert. Soweit ich mich aber selbst überzeugen konnte, ist vom CCC ein sehr grundsätzliches Problem des Wahlstifts, nämlich die Fälschbarkeit des Wahlbogens entdeckt und dokumentiert worden. Das Dementi des (finanziell stark interessierten) Herstellers mit seinem Brummstift fand ich pesönlich nicht sehr überzeugend, da kann ja jeder einen kleinen Knopf drücken, damit der Stift brummt. Die Fälschbarkeit des Wahlzettels haben mir diese engagierten jungen Menschen jedenfalls anschaulich in der Sitzungspause auf dem Flur demonstrieren können.

Die Professoren, die als weitere Experten geladen waren, haben auch durchgehend schwere Bedenken bezüglich der Ausgereiftheit und Sicherheit des Systems geäußert. Das noch nicht einmal alle Gutachten vorlagen hätte ich mir ja an Ihrer Stelle als Verfassungsausschuß nicht bieten lassen. Offenbar wird da ja noch kräftig gemauschelt und geschoben...

Insofern würde ich von Ihnen gerne wissen, ob Sie wirklich meinen, daß eine schnelle Auszählung es wert ist, ein offenbar grundsätzlich unsicheres System einzuführen? Wollen Sie den Hamburger Wähler nun für das verkorkste neue Wahlrechts dadurch abstrafen, das Sie die Einführung eines Wahlsystems befürworten, das ich zum Beispiel nicht mehr verstehen kann?

Mit freundlichen Grüssen,

Antwort von Kai Voet van Vormizeele
7Empfehlungen
20.11.2007
Kai Voet van Vormizeele
Sehr geehrter !

Tatsche ist, dass der CCC jeden praktischen Beweis eines realen Angriffspunktes schuldig geblieben ist. Das vorgetragene "Wahlzettel-Szenario" ist für jeden der auch nur halbwegs die Abläufe in einem Wahllokal kennt, bar jeder Realität. Es hätte nicht nur die die notwendigen Kopien vorgenommen werden müssen. Es hätte darüber hinaus des richtigen Papiers (d.h inklusive aller physikalischer Schutzmaßnahmen) und einer Unmenge von diesen gefälschten Wahlzetteln bedurft. Zum krönenenden Abschluss hätte ein "Wahlfälscher" unbemerkt dieser große Anzahl von Wahlzetteln in ein Wahllokal einschleusen müsse (auch nicht ganz einfach wenn man bedenkt, dass so ein Wahlzettel-Heft ungefähr 30 Seiten umfasst; d.h. also für eine Ergebnisrelevanz von 5 % der Stimmen 1.200 Seiten Papier in das Wahllokal eingeschmuggelt werden müssten).

Das die anwesenden Fachleute das System für grundsätzlich fragwürdig halten, kann ich auch nach nochmaligem Studium des Wortprotokolls nicht nachvollziehen. Vielmehr haben insbesondere Prof. Posegga und Prof. Schmidt vor der "schlagartigen" Einführung des Systems ohne hinreichenden flächendeckenden Test gewarnt. Beide haben sich nach der Anhörung in Schreiben noch einmal ausdrücklich zu der Technik des Digitalen Wahlstiftes bekannt.

Die Frage ist nicht die Schnelligkeit der Auszählung, sondern auch ihre Zuverlässigkeit. Bisher haben wir bei einem Ein-Stimmenwahlrecht ein Fehlerquote von ca. 0,5 %. Bei genaueren Nachzählungen wie z.B. 1997 stieg diese Quote auf 4 %. Ich glaube man muss kein Prophet sein, um zu erwarten, dass die Fehlerquote bei einem 5-Stimmen-Zettel mit ca. 30 Seiten noch einmal deutlich ansteigen wird.

Insofern, ist jetzt ein Auszählvariante nachgeblieben, die wahrscheinlich deutlich unzuverlässiger ist als jeder Digitale Wahlstift. Von den anderen Problemen hinsichtlich der Öffentlichkeit der Auszählung will ich gar nicht reden!

Es ist leicht grundsätzliche Vorbehalte zu machen, es ist aber schwer daraus Lösungen abzuleiten. Das haben die Kritiker bisher eindrucksvoll nachgewiesen.

Mit freundlichem Gruß

Kai Voet van Vormizeele, MdHB
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