Janine Wissler (DIE LINKE)
Abgeordnete Hessen 2009-2014
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich. Besuchen Sie das aktuelle Profil.

Angaben zur Person
Janine Wissler
Geburtstag
23.05.1981
Berufliche Qualifikation
 
Ausgeübte Tätigkeit
MdL, Die.Linke-Fraktionsvorsitzende
Wohnort
-
Wahlkreis
Frankfurt am Main VI
Ergebnis
5,7%
Landeslistenplatz
3, über Liste eingezogen
(...) Er wurde also mit den Stimmen der Regierungsfraktionen abgelehnt, was zeigt, dass CDU und FDP auch 40 Jahre nach dem sogenannten Radikalenerlass zu dieser Form der politischen Verfolgung stehen. SPD und Grüne haben sich von dieser Entscheidung der sozial-liberalen Koalition unter Willy Brandt zwar grundsätzlich distanziert, wollten sich aber der Forderung nach Rehabilitierung und Entschädigung der Opfer nicht anschließen.
Wir werden auch weiterhin an diesem Thema dranbleiben. (...)
Parlamentarische Arbeit
Fragen an Janine Wissler
Nachricht an folgende Adresse schicken, sobald eine Antwort eintrifft:


An diese Adresse den abgeordnetenwatch.de-Newsletter bestellen
Die Datenschutzbestimmungen zur Behandlung meiner Daten habe ich gelesen.
Bitte loggen Sie sich hier ein.
Frage zum Thema Verbraucherschutz
31.03.2011
Von:

Sehr geehrte Frau Wissler,

soeben wird gemeldet, dass RWE dagegen klagen möchte, dass Biblis abgeschaltet ist. Was halten Sie davon? Wer es nicht angebracht, dass die AKW-Betreiber sämtliche Risiken alleine tragen müssten? Ich wohne und arbeite hier, aber wäre es nicht angebracht, ähnlich wie im Alltagsleben auch, evtl. Vorsorge und Szenarien zu üben? Bei Kostenübernahme durch die AKW-Betreiber versteht sich.

Vielen Dank für Ihre Antworten.

Antwort von Janine Wissler
4Empfehlungen
01.04.2011
Janine Wissler
Lieber ,

angesichts der Bilder aus Japan halte ich die Klage von RWE gegen die Stilllegung von Biblis A für beschämend und für eine Provokation.

Wenn RWE und dessen Chef Jürgen Großmann auch nur einen Funken Anstand hätten, würden sie stillschweigend ihre Schrottreaktoren vom Netz nehmen. Jahrelang haben sich die Atomkonzerne an den Stromkunden und auch an den Steuerzahlern bereichert. Schließlich sind die Atomkonzerne weder bei den Kosten für die Endlagerung noch für den Castor-Transport zur Kasse gebeten worden.

Selbst vor dem Hintergrund der Atomkatastrophe in Japan können sie den Hals nicht voll kriegen. Die Klage von RWE ist auch ein Schlag ins Gesicht der Parteien, die mit der Atomlobby geklüngelt und deren Parteispenden angenommen haben.
Statt eine gesetzliche Grundlage für die Stilllegung der AKW zu schaffen, hat Schwarz-Gelb den Atomkonzernen durch das rechtlich fragwürdige Moratorium das Hintertürchen Klage offengelassen. RWE verzeichnet jeden Tag 700.000 Euro Mindereinnahmen durch die Abschaltung von Biblis A. Das heißt: Wenn das Kraftwerk drei Monate vom Netz ist, reden wir von über 60 Millionen Euro. Kommt RWE mit einer Schadenersatzklage durch, dann wird der Steuerzahler für die verlorengegangenen Millionenprofite blechen müssen.

Hier zeigt sich einmal mehr: Demokratie und Energiemonopole – das passt nicht zusammen. Die Macht der Energiekonzerne muss zerschlagen werden und Energieversorgung gehört in öffentliche Hand und unter demokratische Kontrolle.

Wir brauchen einen sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie. Denn das Problem mit dem sogenannten Restrisiko, das Sie ansprechen, ist, dass die Risiken eines Unfalls niemand tragen kann, weil die Folgen unabsehbar und unbezahlbar sind. Kein Energiekonzern und keine Versicherung können dafür haftbar gemacht werden.

Beste Grüße
Janine Wissler
X
Antwort empfehlen
Frage zum Thema Soziales
01.04.2011
Von:

Hallo Frau Wissler,

ich erfuhr eben via Twitter von diesem neuen Hessen-Dienst und möchte ihn nutzen, um auch einmal ein paar Fragen direkt zu stellen. Sie hatten bereits eine Antwort zum bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) verfasst, darauf würde ich mich gern beziehen.
Das BGE hat mich in der letzten Phase meines Politikstudiums sehr gefesselt. Ich habe eine Abschlussarbeit zu dem Thema mit dem Schwerpunkt des Gesundheitssystems geschrieben und auch privat sehr viel Engagement entwickelt. Ich sehe die Bewegung und die Art der Diskussion sehr kritisch. Das eigentliche Ziel erscheint mir richtig, da ich nicht glaube, dass Ungleichheit weiterhin mit Ungleichheit bekämpft werden kann. Leider sind es viel zu viele Ansatzpunkte und Wechselwirkungen, die es zu besprechen gilt. Sie betreffen alle politischen Felder und laufen im radikalsten Fall auf eine massive Verringerung der politischen Entscheidungsdichte und des wirtschaftlichen Einflusses hinaus. Zu ihrer Antwort stellten sich einige Fragen:

Wie viel Geld wird heute dem Wirtschaftskreislauf durch Steuern zur Bewältigung der sozialen und strukturellen Aufgaben entzogen und wie viel würde mit einem Grundeinkommen dem Wirtschaftskreislauf entzogen? Ich beziehe mich auf den Punkt zur erwarteten Preissteigerung - die nach meiner Deutung nur das Ergebnis der bisherigen Ungleichheiten ist und abgebaut werden würde.

Welche Maßnahmen müssten getroffen werden, damit Menschen, die über einen gesicherten Unterhalt verfügen und jeden Lohn fordern könnten, sich nicht ausbeuten lassen?

Was macht für Sie einen Steuerzahler aus?

Welche sonstigen Möglichkeiten sehen Sie zur Beseitigung des Wachstumsdogmas?

Welche Möglichkeiten sehen Sie, um die Widersprüche aufzulösen, die sich in der alltäglichen Politik finden?

Das sind leider viel zu wenige Fragen, aber doch schon wieder viel zu viele. Ich will aber auch nicht wie ein radikaler Verfechter wirken.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Janine Wissler
2Empfehlungen
04.04.2011
Janine Wissler
Lieber ,

vielen Dank für die vielen spannenden Fragen. Ich versuche sie möglichst kurz zu beantworten, was gar nicht so einfach ist.

1.) Wie viel Geld wird heute dem Wirtschaftskreislauf durch Steuern zur Bewältigung der sozialen und strukturellen Aufgaben entzogen und wie viel würde mit einem Grundeinkommen dem Wirtschaftskreislauf entzogen? Ich beziehe mich auf den Punkt zur erwarteten Preissteigerung - die nach meiner Deutung nur das Ergebnis der bisherigen Ungleichheiten ist und abgebaut werden würde.

Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes in seinem Jahrbuch 2009 lagen die Gesamtsteuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden im Jahre 2008 bei 561.182 Millionen Euro, also über einer halben Billion. Die Gesamteinnahmen der Sozialversicherungen berechnet dieselbe Publikation auf 463.410 Millionen Euro für das Jahr 2007. Die beiden Zahlen, die aus technischen Gründen aus zwei aufeinander folgenden Jahren stammen, ergeben addiert eine Summe von etwas über einer Billion Euro, die dem "Wirtschaftskreislauf entzogen" und ihm mehr als vollständig wieder zugeführt werden. In dieser Summe sind die Umsätze der privaten Kranken-, Renten- und anderen Versicherer nicht enthalten, dafür aber sämtliche Einnahmen der öffentlichen Haushalte sowie - zuzüglich der Neuverschuldung - deren sämtliche Ausgaben für alle Politikbereiche. Die summierten Etats der Sozialversicherungen und der zuständigen Ministerien und staatlichen Einrichtungen auf Bundes- und Landesebene belaufen sich auf eine deutlich niedrigere Zahl, die sich unter anderem aus dem Haushalt der Bundesagentur für Arbeit, der gesetzlichen Renten- und Krankenversicherungen sowie der Landesministerien und Senatsverwaltungen für unter anderem Gesundheit, Arbeit und Soziales ergeben.

Wie gesagt, all diese Gelder werden dem "Wirtschaftskreislauf entzogen", aber unmittelbar wieder zugeführt - und sei es nur in Form der Refinanzierung von Verbindlichkeiten. Gleiches erhoffen sich seine Befürworter ja auch vom bedingungslosen Grundeinkommen.

Die gesamte Steuerstruktur, an der Kritik mehr als gerechtfertigt ist, und deren Gesamtaufkommen beziehen sich ebenso wie die Sozialversicherungen auf einen gesellschaftlichen Wirtschafts- und Produktionsapparat, der auf - entlohnter - Arbeit und Kapitalerträgen basiert. Dieses Aufkommen müsste erhalten und erhöht werden, um neben dem Grundeinkommen noch die Finanzierung von zum Beispiel öffentlicher Infrastruktur und Bildungseinrichtungen zu sichern. Sollte dies durch eine Erhöhung der Verbrauchssteuern versucht werden, müsste die Mehrwertsteuer um bis zu 40 Prozent erhöht werden, wobei natürlich auch eine Aufteilung dieses Wertes auf mehrere Verbrauchssteuern möglich wäre. Die Auswirkung auf das Preisniveau im Konsumbereich wäre dieselbe, nämlich unabhängig von anderen Faktoren eine deutliche Verteuerung.

Wenn ich auf einen Artikel mit einem Nettopreis von 1,- Euro Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent erhebe, beträgt der Verkaufspreis 1,19 Euro. Bei einem Mehrwertsteuersatz von 59 Prozent läge er bei 1,59 Euro. "Bisherige Ungleichheiten" verändern hieran erst einmal gar nichts.


2.) Was macht für Sie einen Steuerzahler aus?

Für mich macht eine/n Steuerzahler/in im Kern die Tatsache aus, dass er oder sie Steuern zahlt. Da mittel- oder unmittelbar die gesamte Bevölkerung an Produktion und Konsum, die beide mit Steuern belegt sind, teilhaben, zähle ich auch praktisch die gesamte Bevölkerung zu den Steuerzahler/innen, da auch auf Lebensmittel, Kleidung oder Dienstleistungen Mehrwertsteuer zu entrichten ist. Festzustellen ist aber, dass ein Teil der Steuerzahler in den letzten Jahren immer weiter entlastet wurden - durch die Senkung des Spitzensteuersatzes, die Aussetzung der Vermögenssteuer und die geringere Besteuerung von Unternehmen - während beispielsweise die Mehrwertsteuer erhöht wurde, was Menschen mit geringen Einkommen besonders hart trifft.


3.) Welche sonstigen Möglichkeiten sehen Sie zur Beseitigung des Wachstumsdogmas?

Das "Wachstumsdogma" in politischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Kreisen führe ich auf die Tatsache zurück, dass Triebkraft unseres Wirtschaftssystems die Verwertung investierten Kapitals ist, also dessen Vermehrung. Kapitalismus funktioniert ohne erweiterte Kapitalreproduktion nicht, er kommt in die Krise, deren Anfang gleichbedeutend ist mit Stagnation, also Nullwachstum. Investoren erwarten eine Wertsteigerung ihrer Investitionen, nicht aufgrund eines Dogmas, das sie verinnerlicht haben, sondern aufgrund der Tatsache, dass sie sich in einem scharfen Wettbewerb miteinander befinden und Nullwachstum der Investitionen einen deutlichen Wettbewerbsnachteil bedeutet, der langfristig zum Ausscheiden der betroffenen Marktteilnehmer führt, weil sie bankrott gehen oder von der Konkurrenz geschluckt werden. Ein Ende des Zwangs zum Wachstum erwarte ich daher erst in einer Wirtschaftsordnung, die nicht mehr kapitalistisch-wettbewerbsmäßig strukturiert ist. Ein Ende des technischen Fortschritts zur Verbesserung der Lebensqualität der Menschen halte ich auch und gerade dann aber nicht für wünschenswert oder zu erwarten.
Übrigens bezieht sich der momentane Gebrauch des Begriffs Wachstum rein auf die Summe des Bruttoinlandsprodukts, die eben für die Frage der Kapitalverwertung bedeutend ist. Als Aussage über zum Beispiel Ressourcenverbrauch sowie soziale und ökologische Entwicklungen ist dieser Wert nur bedingt aufschlussreich. Dass an dieser Bemessung der Wirtschaftsleistung festgehalten wird, ist auf das Interesse der Unternehmen und Investoren zurückzuführen.


4.) Welche Möglichkeiten sehen Sie, um die Widersprüche aufzulösen, die sich in der alltäglichen Politik finden?

Die Widersprüche, die sich in der alltäglichen Politik finden, sind so zahlreich und unterschiedlich, dass ich nur exemplarisch einige herausgreifen will.
Ich sehe es als Problem an, dass Abgeordnete aufgrund ihres Einkommens und ihres sozialen und rechtlichen Status von den Auswirkungen der Entscheidungen, die sie treffen, häufig gar nicht oder nur marginal betroffen sind. Anekdotisch sei hier an die Bundestagsabstimmung über Hartz IV erinnert. Damals fragte ein Radiosender Abgeordnete auf dem Weg zum Plenarsaal, ob sie den Regelsatz nicht zu knapp bemessen fänden, worauf einer antwortete: "Wieso denn, 345 Euro in der Woche ist doch nicht schlecht."

Zudem hat die Welle der Privatisierungen und des Kleinschrumpfens des Staates dazu geführt, dass der Einfluss von Parlament und Regierung auf das reale Wirtschaftsgeschehen in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen ist. Mit jedem Verkauf einer öffentlichen Wohnungsbaugesellschaft zum Beispiel ist die Möglichkeit der gewählten Volksvertretung gesunken, Obdachlosigkeit oder dem Mangel an Wohnraum konkret entgegenzuwirken. Die chronische Finanznot der öffentlichen Haushalte macht zuallererst die Kommunen, aber zunehmend auch Land und Bund über den Bereich der vertraglich oder verfassungsmäßig festgelegten Pflichtaufgaben hinaus handlungsunfähig. Und das führt dazu, dass sich zwischen politischen Vorhaben und realen Umsetzungsmöglichkeiten immer häufiger Widersprüche auftun. Letztlich ist die Grundfrage bei politischen Entscheidungen, ob zugunsten der Menschen oder zugunsten des größtmöglichen Profits entschieden wird. Wollen wir die Gesellschaft nach dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Verwertbarkeit im Rahmen des kapitalistischen Wettbewerbs organisieren? Oder im Interesse der Menschen, die sich ein Leben in Sicherheit, Würde und einer gesunden Umwelt wünschen? Das sehen wir aktuell in der Frage der Energiepolitik, der Bildung oder der zunehmend militarisierten Außenpolitik. Um diesen Widerspruch langfristig aufzuheben, bedarf es dessen, was Adorno als "versöhnte Gesellschaft" bezeichnet hat, also einer Gesellschaftsordnung, in der die freie Entfaltung des Einzelnen Bedingung für die Entwicklung des Ganzen ist und umgekehrt.

Mit freundlichen Grüßen

Janine Wissler
X
Antwort empfehlen
Frage zum Thema Frauen
25.06.2011
Von:

Ist es eigentlich nicht beschämend zu sehen, dass immer über Frauenrechte gesprochen wird und wie diese gestärkt werden können und gleichzeitig festzustellen, dass die Innung Katholische Kirche immer noch fungiert. Diese waren es nämlich die die Frauen verfolgt haben und zu Millionen verbrannt haben. Die Kirche behauptet natürlich das war früher einmal, kann man nicht mehr mit heute vergleichen. Ich sehe das anders. Noch heute dürfen Frauen keine Priester werden. Ihre Grundeinstellung hat sich also überhaupt nicht verändert. Wo die Wurzel und der Stamm faul sind, können die Früchte nicht besser sein.
Um den Frauen also Genugtuung und nachträgliche Gerechtigkeit zu verschaffen, muss dieser eltitäre und frauenfeindliche Club von der Landkarte verschwinden. Nur so trauen sich die Frauen auch wieder mehr zu und die Vergangenheit ist bereinigt. Gerade weil die Kirche n i e zur Rechenschaft gezogen wurde, sind ihre Greueltaten an den Frauen immer noch gegenwärtig und lebendig. Bitte helfen Sie mit, die Welt ein wenig frauenfreundlicher zu gestalten und das schaffen wir auch ohne Kirche und Wüstenreligion. Danke.
Antwort von Janine Wissler
bisher keineEmpfehlungen
19.08.2011
Janine Wissler
Sehr geehrter Herr ,

Sie haben recht, dass sich die katholische Kirche in ihrer Geschichte nicht gerade als treibende Kraft des Fortschritts einen Namen gemacht hat. Die Kreuzzüge, die Inquisition, die Verfolgung der Aufklärung sowie religiöser Abweichler und Minderheiten wie der verschiedenen protestantischen Sekten und natürlich der jüdischen Gemeinden besonders in Spanien prägen die Geschichte dieser Religionsgemeinschaft ebenso wie ihre teils offene oder ideologische Unterstützung für Diktaturen. Und in aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen nehmen führende Persönlichkeiten der katholischen Kirche nur allzu oft Positionen ein, die einer offenen, liberalen und modernen gesellschaftlichen Entwicklung hinderlich sind. Die Fragen des Zölibats, der Verhütung, der Ehescheidung und natürlich der Priesterschaft für Frauen will ich hier nur als Beispiele anführen.
Nichtsdestotrotz glaube ich, dass wir vielen Millionen gläubiger Katholiken Unrecht tun, wenn wir ihre Kirche pauschal wegen ihrer Vergehen in der Vergangenheit und ihrer strittigen Positionen in der Gegenwart verurteilen. Die katholische Kirche bedeutet für viele, wahrscheinlich die meisten ihrer Anhänger und Mitglieder vor allem einen Ort, wo sozialer Zusammenhalt auf Grundlage von Werten wie Solidarität und Nächstenliebe, Respekt und Hilfsbereitschaft gelebt wird. Die Kirchen sind vielerorts weiterhin Orte der Begegnung zwischen Jung und Alt, Arm und Reich und vielen anderen Menschen, die im sonstigen Alltag einander nicht begegnen würden und sich hier in einer friedfertigen und geschützten Umgebung kennen lernen können.
Die katholische Kirche engagiert sich wie andere Religionsgemeinschaften in der Entwicklungshilfe, in vielen sozialen Projekten und in der Jugendarbeit. All diese Aspekte gilt es zu würdigen, vor allem weil die Anhänger des Katholizismus wie die jedes anderen Glaubensbekenntnisses ein Recht auf freie Ausübung ihrer Religion haben. Und ich stehe dafür ein, dieses Recht zu verteidigen.
Dies vorausgeschickt unterstütze ich aber selbstverständlich Menschen, denen von Seiten der Kirche Unrecht getan wird wie zum Beispiel die unehelichen und verleugneten Kinder von Priestern oder Menschen, die als Kinder in katholischen (oder anderen) Kinderheimen Misshandlungen erdulden mussten.
Heute wird niemand mehr gezwungen, der katholischen oder irgendeiner anderen Kirche beizutreten. Wer dies trotzdem tut, hat dafür Gründe, die es zu respektieren gilt. Einfluss auf die innere Struktur der katholischen Kirche können und sollten vor allem einmal ihre Mitglieder nehmen, und das tun sie auch. Den Schlüssel zu mehr Rechten für Frauen innerhalb der Kirche sehe ich im Wachstum ihrer Rechte und einer Verbesserung ihrer Position außerhalb der Kirche. Frauen haben verstärkt angefangen, die Männerdominanz in der Kirche in Frage zu stellen, als sich durch die verstärkte Teilnahme von Frauen am Erwerbsleben ihre stärkere ökonomische Unabhängigkeit ergab. Diese Entwicklung gab auch der Auseinandersetzung um den Paragrafen 218 und andere frauendiskriminierende Gesetze neuen Schwung. Und diese Bewegung wiederum färbte auf die innerkatholische Auseinandersetzung um die Ausrichtung der kirchlichen Schwangerschaftsberatung ab. Mit anderen Worten: wer in seiner Alltagserfahrung in Familie, Beruf etc. Diskriminierung als Normalität erlebt, wird sie auch innerhalb der Kirche eher als normal akzeptieren. Umgekehrt hat jede soziale und politische Emanzipation Auswirkungen darauf, was sich Menschen von Institutionen wie der Kirche gefallen lassen.

Mit freundlichen Grüßen
X
Antwort empfehlen
Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
14.03.2012
Von:

Sehr geehrte Frau Wissler,

sie waren ja nun OB-Kandidatitin der Linken in Frankfurt (im ersten Wahlgang). Mit "mageren" 3,8% sind sie ausgeschieden. Ihre Partei gedenkt nun in der endgültogen Stichwahl einen Wahlaufruf gegen Boris Rhein (CDU) und damit implizit für Peter Feldmann (SPD) zu machen.

Dazu meine drei Fragen:
1) Wozu sind sie überhaupt angetreten, wenn sie letzten Endes doch für die SPD stimmen ?
2) Ist damit die Linke nicht überhaupt "überflüssig" ?
3) Glauben sie nicht, daß die Wähler_innen der Linken selbst wissen, für wen sie stimmen sollen ?

gruss

Bisher ist noch keine Antwort eingetroffen.
X
Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
21.03.2012
Von:

Sehr geehrte Frau Wissler,

"Im Hessischen Landtag fordert die Partei "Die Linke" die Verurteilung der Berufsverbote als "juristisches, politisches und menschliches Unrecht", die Rehabilitierung und materielle Entschädigung der Betroffenen sowie ein Ende der Bespitzelung und die Abschaffung der Geheimdienste.

Über diesen Antrag sollte Anfang März debattiert werden."

(aus dem Zwischenbericht der InitiatorInnen der Erklärung

"28.Januar 2012: 40 Jahre Berufsverbot –

Betroffene fordern: endlich Aufarbeitung und Rehabilitierung!"

www.berufsverbote.de ).

Leider ist den InitiatorInnen immer noch nicht gelungen, herauszufinden, was aus dem o.a. Antrag wurde.

Wann und wie wurde er behandelt und entschieden?

Was hat Ihre Fraktion/Partei vor, in dieser Angelegenheit zu unternehmen?

Als selbst von Berufsverbot Betroffene interessiert mich das sehr,

mit freundlichen Grüßen

Antwort von Janine Wissler
1Empfehlung
30.03.2012
Janine Wissler
Liebe ,

unser Antrag wurde am 8. März 2012 im Hessischen Landtag debattiert und zur weiteren Behandlung in den Innenausschuss verwiesen. Dort wurde eine Woche später, am 15. März, wie folgt über ihn abgestimmt:
"A. Beschlussempfehlung
Der Innenausschuss empfiehlt dem Plenum
1. mit den Stimmen von CDU und FDP gegen die Stimmen von SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und DIE LINKE, Nr. 1 des Antrags abzulehnen, 2. mit den Stimmen von CDU und FDP gegen die Stimme der LINKEN bei Enthaltung von SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Nr. 2 des Antrags abzulehnen, und 3. mit den Stimmen von CDU, SPD, FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN gegen die Stimme der LINKEN, Nr. 3 des Antrags abzulehnen.
B. Bericht
1. Der Antrag war dem Innenausschuss in der 101. Plenarsitzung am 8. März 2012 überwiesen worden.
2. Der Innenausschuss hat den Antrag in seiner Sitzung am 15. März 2012 behandelt und die unter A wiedergegebene Beschlussempfehlung an das Plenum ausgesprochen.
Wiesbaden, 15. März 2012"

Der Antrag im Wortlaut ist hier zu finden
starweb.hessen.de

Er wurde also mit den Stimmen der Regierungsfraktionen abgelehnt, was zeigt, dass CDU und FDP auch 40 Jahre nach dem sogenannten Radikalenerlass zu dieser Form der politischen Verfolgung stehen. SPD und Grüne haben sich von dieser Entscheidung der sozial-liberalen Koalition unter Willy Brandt zwar grundsätzlich distanziert, wollten sich aber der Forderung nach Rehabilitierung und Entschädigung der Opfer nicht anschließen.
Wir werden auch weiterhin an diesem Thema dranbleiben. Am 5. Mai wird ein Bündnis verschiedener Organisationen und Betroffener in Frankfurt/Main ein Vernetzungs- und gemeinsames Beratungstreffen veranstalten. Aus unserer Fraktion wird sich Willi van Ooyen daran beteiligen.

Mit freundlichen Grüßen,

Janine Wissler
X
Antwort empfehlen
Ihre Frage an Janine Wissler
Sie befinden sich auf einer Archivseite. Die Fragefunktion wurde inzwischen geschlossen.