Jan van Aken (DIE LINKE)
Abgeordneter Bundestag

Grunddaten
Jan van Aken
© Die LINKE
Geburtstag
01.05.1961
Berufliche Qualifikation
Biologe
Ausgeübte Tätigkeit
MdB
Wohnort
Hamburg
Wahlkreis
Hamburg Altona
Landeslistenplatz
1, Hamburg
(...) Vielen Dank für Ihre Frage. HartzIV ist eine Armuts- und Niedriglohnmaschine, die die Linke seit ihrer Einführung bekämpft. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Arbeit
17.03.2010
Von:

Sehr geehrter Herr van Aken

Wie denken Sie über das Bedingungslose Grundeinkommen, finanziert durch eine reine Konsumsteuer?
Mich interessiert hierbei Ihre persönliche Meinung und nicht die Position Ihrer Partei.

Bund, Länder und Kommunen geben zusammen über 750 Milliarden an Sozialleistungen aus (Sozialbericht 2009). Hinzu kommen mehrere milliarden Verwaltungskosten in den Steuer- und Sozialsystemen. Des weiteren geben wir Geld aus um Menschen zu Arbeiten zu zwingen, die wir zuvor mit noch mehr Geld schaffen oder erhalten müssen. Dies wird sich durch die zunehmend schnellere Entwicklung der Maschinen, die uns vor allem unangenehme Arbeit abnehmen, eher noch verstärken.

Die Konsumsteuer müsste nicht höher sein, als die Gesamtheit der Steuern, die sich jetzt schon auf den Produktpreis auswirken und durch die Konsumsteuer wegfallen würden. Das Produkt wäre also nicht teuerer als jetzt und es hätte keine Steuererhöhung stattgefunden. Die Konsumsteuer würde also auch die sozial schwächer gestellten in der Gesellschaft nicht stärker belasten als die derzeitigen Steuern.

Außerdem sichert ein Grundeinkommen die Gesellschaftliche Teilhabe des Bürgers.

Der Bürokratieabbau würde die Transparenz für den Bürger gewährleisten und die Notwendigkeit der ständigen Gängelung der Arbeitslosen würde wegfallen.

Ein Grundeinkommen müsste also finanzierbar sein, es würde Lebensgrundlage und kulturelle Teilhabe ermöglichen, viele Steuervergüstigungen würden wegfallen und die Soziale Sicherheit wäre gewährleistet.

Ich freue mich auf Ihre Antwort
Antwort von Jan van Aken
2Empfehlungen
24.03.2010
Jan van Aken
Lieber Herr ,

ganz herzlichen Dank für Ihre Frage. Da sie ja explizit nach meiner persönlichen Meinung fragen, weise ich sie jedoch vorab auf die "Gefahr" hin, dass es zwischen meiner persönlichen Meinung und der meiner Partei, DIE LINKE, durchaus Überschneidungen gibt - ich wäre sonst sicher nicht ihr Mitglied ;)
Generell stimme ich Ihren Ausführungen in ganz vielen Punkten zu: Die Gängelung und Entrechtung der Arbeitslosen durch die Argen muss unbedingt aufhören; auch ich kann mich für ein bedingungsloses Grundeinkommen, erwärmen, dass die sozialen, ökologischen oder kulturellen Potentiale der Gesellschaft fördern wird. Die Befriedigung menschlicher Grundbedürfnisse wie Wohnen, Bildung und Gesundheit muss für jeden Menschen unabhängig von seinem Geldbeutel gewährleistet werden. Eine hohe, existenzsichernde und sanktionsfreie Grundversorgung ist auch Voraussetzung dafür, dass endlich Schluss ist mit Armutslöhnen und Lohndumping.

Schließlich: Zur Frage der Finanzierung des bedingungslosen Grundeinkommens habe ich noch viele Fragen - ich glaube zwar, dass das auf jeden Fall machbar ist, aber bislang habe ich noch keine gute Gesamtrechnung gesehen, die die Finanzierung eines bedingungslosen Grundeinkommens in vernünftiger Höhe (!), das heißt wirklich bedarfsdeckend, sauber durchrechnet. Ihren Vorschlag einer Konsumsteuer finde ich da wahrscheinlich nicht so zielführend, wobei es da sicher auf die Details ankommt. Es wären gerade kleine und mittlere Einkommen durch eine solche Besteuerung überproportional betroffen. Ich bin jedoch der Meinung, dass die Unternehmen und Kapitale in Deutschland nach den für sie paradiesischen Zuständen des vergangenen Jahrzehnts ganz entschieden zur Finanzierung des Grundeinkommens beitragen müssen - und nicht wiederum die Angestellten und ArbeiterInnen alleine. Dies würde dazu führen, dass der private Konsum in Deutschland wieder zunehmen könnte - statt als eingestrichener Kapitalgewinn an den Börsen verspielt zu werden.
Die heute erreichte Produktivität der menschlichen Arbeit erlaubt ein Grundeinkommen für alle - statt neuer Konsumsteuern sollten wir diskutieren über Millionärssteuer, Spekulationssteuer und die Reform der Erbschaftssteuer!

Ich bedanke mich für Ihr Interesse und verbleibe mit besten Grüßen

Jan van Aken
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Frage zum Thema Internationales
21.03.2010
Von:

Sehr geehrter Herr van Aken,

da Sie in der Auflistung der Mitglieder des Auswärtigen Ausschusses der erste sind der noch Fragen auf diesem Portal beantwortet, stelle ich Ihnen die gleichen Fragen wie Herrn Polenz, der sich leider durch diese Seiten beleidigt fühlt. Ich hoffe, Ihnen ist öffentliches Interesse noch etwas wert.

1. In den offiziellen Meldungen über den Konflikt in Afghanistan ist fast immer von "Aufständischen" die Rede. In der Annahme, dass diese Bezeichnung nicht zufällig gewählt wird, lässt sich daraus die Bekämpfung eines Aufstands ableiten – unabhängig, ob der medialen Definitionsproblematik (kriegsähnlicher Zustand, andere Situation, etc.). Würden Sie dem zustimmen oder finden Sie die Bezeichnung: Aufständische unpassend?

2. Aufstände wurden in der Vergangenheit gegen bestehende, meist erzwungene politische/ gesellschaftliche Ordnungen geführt. Auf Afghanistan bezogen richtet sich der Aufstand gegen eine Besatzung, die eine nicht gewählte Regierung im Amt sichert. Somit gegen den Versuch der Alliierten eine Ordnung (militärisch) zu etablieren. Weder die Verfassung (2004) noch die jetzige Regierung sind durch das afghanische Volk nachweislich legitimiert. ( www.fr-online.de )
Nehmen die Afghanen damit nicht nur ihr Recht auf Selbstverteidigung (Art. 51, UN-Charta) war?

3. Das die NATO und darüber hinaus die UNO das machen, was die USA erzwingen – ist eine Binsenweisheit. Dafür kann ich in diesem Rahmen keinen Quellennachweis führen.
Können Sie darüber hinaus (alternativ) rechtsstaatlich basierte Legitimationsgründe finden?

Gruß

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Frage zum Thema Internationales
14.04.2010
Von:

Sehr geehrter Herr van Aken,

1) Wie bewerten sie die neue Nuklearstratgie der USA?Ist das nur Abrüstungsgedöns, da nukleare Waffen in unserer heutigen Zeit an Bedeutung verloren und nichtatomare, vor allem nichtmilitärische Bedrohungen zugenommen haben--also eher ein Nebenschauplatz, der überbewertet wird?Bedeutet der neue Passus, dass die USA andere Staaten bei konventionellen, chemischen oder biologischen Angriffen gegen die USA und ihre Verbüdnete nicht atomar zurückschlagen werden, nicht eine gewisse Einladung zu solchen Attacken oder sind die zu erwartenden Reaktionen furchterregend genug, dass es auch keine nukleare Abschreckung mehr braucht?Deutschland scheint blind auf den amerikanischen Atomschirm zu vertrauen und auch in Russland keine potentiellen Gefahren mehr zu sehen. Was aber, wenn ein Schirinowski in Russland an die Macht käme--dann wäre die Nuklearstrategie und amerikanische Atomwaffen wieder sehr zentral, oder?

2) Wie bewerten sie die Bestrebungen Chinas, Japans und Südkoreas eine Ostasiatische Gemeinschaft, eventuell unter Ausschluss der USA gründen zu wollen?Sind die OAG und der neue Asiatische Währungsfonds nicht Zeichen einer verstärkten panasiatischen Kooperation?Wäre dies nützlich für Deutschland/Europa ?

3) Wie verlässlich halten sie die Türkei unter Erdogan noch als NATO-Mitglied?Wäre es für Russland nicht Ziel, die Türkei aus der NATO herauszulösen?Die Neuorientierung der Türkei nach Nahost, der gemeinsame Kooperationsrat mit Syrien, die abgesagten NATO-Manöver Anatolian Eagle, die Äusserungen zu Israel und Sudan, der Vorschlag einen eigen Islamischen Gerichtshof gründen zu wollen--führt dies nicht von der NATO weg? Wie bewerten sie die Gerichtsprozesse gegen die kemalistische Geheimorganistaion Ergenekon in der Türkei--ist dies ein politischer Prozess zur Schwächung des Kemalismus und des Militärs,um einen islamischen Staat zu errichten oder aber ein Schritt hin zu Rechtsstaatlichkeit ?

Mit freundlichen Grüssen

Antwort von Jan van Aken
bisher keineEmpfehlungen
04.05.2010
Jan van Aken
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Fragen.
Die neue amerikanische Atomstrategie bricht an einigen Punkten mit der Bush-Ära und ist ein richtiger Schritt in die richtige Richtung. So wurde beispielsweise ein Einsatz von Atomwaffen gegen nicht-nukleare Staaten ausgeschlossen. Darauf haben diese Staaten Jahrzehnte warten müssen, obwohl sie sich an den Atomwaffensperrvertrag gehalten und selbst keine Atombomben erworben haben. Auch ein Erstschlag mit Atomwaffen wurde (fast) ausgeschlossen – dies gilt auch für den Fall eines Angriffs mit biologischen oder chemischen Waffen. Allerdings wurden Iran und Nordkorea von dieser Garantie ausgenommen, womit diese Garantie stark verwässert wird. Leider bedeutet die neue Atomstrategie keine grundsätzliche Abkehr von Atombomben. Und sie darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die atomare Abrüstung an anderer Stelle mit konventioneller Aufrüstung und neuen Technologien kompensiert wird.
Ich bin davon überzeugt, dass endgültige Sicherheit vor einem Atomkrieg nicht durch die Bedrohung mit Atomwaffen erreicht werden kann, sondern nur durch die Ächtung und vollständige Abschaffung von Atomwaffen. Deshalb trete ich mit meiner Fraktion innerhalb und außerhalb des Bundestages für eine Welt ohne Atomwaffen und für atomare Abrüstung ein. Atombomben bedrohen die Existenz aller Lebewesen auf der Erde. Der Einsatz von Atomwaffen, egal durch wen und mit welcher Begründung, bringt Tod und unendliches Leid über diejenigen, in deren Lebensraum sie eingesetzt werden. Das haben die Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki vor 65 Jahren gezeigt.
Die atomare Abschreckungslogik muss überwunden werden zugunsten eines Konzeptes der Gemeinsamen Sicherheit und Vertrauensbildung. Außerdem heißen die Gefahren für die Menschheit heute u.a. Klimawandel, Hunger und Ressourcenkonflikte. Hier bieten Atomwaffen keine Lösung, verschlingen nur weltweit Milliardenbeträge.
Ich bitte um Ihr Verständnis, dass ich Ihre Fragen 2) und 3) nicht zu beantworten vermag, da sie eingehende Fachkenntnisse erfordern und meine thematischen Schwerpunkte in anderen Bereichen liegen.

Mit besten Grüßen
Jan van Aken
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Frage zum Thema Verzicht auf Mehrwertsteuersenkung für das Hotelgewerbe
05.07.2010
Von:

Hallo Herr van Aken,

warum hat sich die Linke bei der Abstimmung über den "Verzicht auf Mehrwertsteuersenkung für das Hotelgewerbe" enthalten?

Danke für Ihre Mühe und viele Grüße

Antwort von Jan van Aken
1Empfehlung
06.07.2010
Jan van Aken
Lieber ,

vielen Dank für Ihre Frage. Die Senkung der Mehrwertsteuer für das Hotel- und Gaststättengewerbe ist Bestandteil des Bundestagswahlprogramms der Linken und umfasste auch Speisen und Getränke. Allerdings hätten wir auf eine Umsetzung bestanden, die - ähnlich wie in Frankreich - eine verbindliche Weitergabe dieses Preisvorteils an die KundInnen und die Beschäftigten vorgibt. So wie es die CDU/FDP-Koalition im Rahmen des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes umgesetzt hat, wird daraus pure Klientelpolitik - siehe dazu auch die entsprechende Spendenpraxis der Regierungsparteien.
Wie aktuelle Umfragen zeigen, fließt diese Steuersenkung nahezu ausschließlich in die Kassen der großen Hotelkonzerne; sie wird weder an die Gäste, noch an die Beschäftigten im Hotelgewerbe weitergegeben. Wir lehnen daher diese Umsetzung als skandalös ab.
Entsprechend haben wir uns auch bei der namentlichen Abstimmung am 25. März zum Gesetzentwurf der SPD auf Wiedereinführung des normalen Umsatzsteuersatzes für Beherbergungsleistungen verhalten. Es waren 59 Abgeordnete der Fraktion DIE LINKE. im Plenum und sie haben alle für den SPD-Antrag gestimmt.
Generell haben wir die Senkung der Mehrwertsteuer in unserem Programm in einen größeren Zusammenhang gestellt: Wir wollen, dass der ermäßigte Umsatzsteuersatz von 7 Prozent ausgeweitet wird auf Produkte und Dienstleistungen für Kinder,apothekenpflichtige Arzneimittel und arbeitsintensive Dienstleistungen des Handwerks sowie Hotellerie und Gastronomie. Dies ist der Hintergrund, vor dem unsere Haltung zur Mehrwertsteuer für das Hotelgewerbe zu verstehen ist.

Mit besten Grüßen

Jan van Aken
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Frage zum Thema Internationales
09.07.2010
Von:

Sehr geehrter Herr van Aken,

1)wie steht die Linkspartei zu den sogenannten Gazafriedensflotillen, die ja faktisch Blockadebrecher sind und es bewußt auf eine medienwirksame Auseinandersetzung mit Israel ankommen lassen wollen.Machen sich hier westliche Friedensaktivisten inklusive Mitglieder der Linkspartei nicht zu naiven Handlangern islamistischer Gruppen?Zudem sind die Initiatoren zumeist islamistische Gruppen wie die türkische IHH, die wie Hamas oder Iran für einen Gottesstaat in ihren jeweiligen Ländern eintreten.Nun will Iran zum Ende der Fußball-WM eine eigene Gazafoltille schicken, die eventuell mit Militäreskorte bestattet sein soll.
Hat die Linkspartei hier auch so heftig Protest eingelegt, wie bei den Israelis bezüglich der Gazablockade?Unterstützen sie die iransiche Gazaflotille?
Zur selben Zeit versucht Obama direkte Gespräche zwischen Abbas und Netnjahu zu bewerkstelligen--Hamas und Iran scheinen dies torpedieren zu wollen.
Halten sie die Gazablockade der Israelis für falsch?Was sollen die Israelis anstatt gegen Hamas unternehmen--zuschauen und abwarten?Israel hatte zudem den Initiatoren der Gazaflotille vorgeschlagen, ihre Güter beim Hafen von Ashod abzuladen und nach Kontrolle per Landweg in den Gaza zu bringen--das haben die Initiatoren aber bewußt abgelehnt, um ihr Medienspektakel und die Konfrontation zu bekommen?Zuletzt:Befürwortet die Linkspartei auch direkte Gespräche zwischen Hamas und Israelis?

2)Wie beurteilen sie die türkische Außenpolitik. Sollte sich Israel öffentlich entschuldigen?Andernfalls: Was würde der angedrohte Abbruch der diplomatischen Beziehungen wzischen Türkei und Israel bedeuten?Was passiert, wenn NATO-Türkei sich für Irans Gazaflotille als Ausgangsland hergibt`?Es existiert ja scheinbar auch ein Kampf zwischen Türkei und Iran um die Sympathie der Palästinenser und der Hamas--kann die Türkei noch als Vermittler dienen oder ist sie schon zu weit islamistisch gewandert?

Mit freundlichen Grüßen


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