Sehr geehrter Herr

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vielen Dank für Ihre sehr interessante Frage. Selbstverständlich habe ich viele Freunde und Bekannte, die regelmäßig diverse Karten-, Brett- und andere Spiele spielen.
In zwei Angelegenheiten kann ich Sie zunächst beruhigen. Erstens: Glücklicherweise entscheidet nicht der Deutsche Bundestag oder ein anderes politisches Organ, wie ein bestimmtes Spiel - etwa Poker - zu definieren ist. Es ist also keine staatliche Entscheidung, ob Poker - das Spiel an sich - als "Geschicklichkeitsspiel", "Glücksspiel" oder ähnliches qualifiziert wird. Diese Fragen bekommen meist erst dann Relevanz, wenn es um eine gerichtliche Beurteilung eines "Glücksspiels" (nicht bezogen auf die Art des Spiels, sondern darauf, daß öffentlich um Geld gespielt wird) geht.
Zweitens: selbstverständlich und unstrittig ist es völlig legal, mit Ihren Bekannten und Freunden Karten zu spielen - ganz gleich, ob es sich um Poker, Doppelkopf, Skat oder Canasta handelt. Es verhält sich also genauso wie bei anderen Spielen, von "Mensch ärgere Dich nicht" über Backgammon bis zu Schach. Das können Sie so oft und so lange tun, wie Sie es wollen.
Die Frage ist also zunächst nicht, WAS sie spielen, sondern ob um Geld gespielt wird. Bei Spielen, in denen es um Geld geht, kann es schon eher zu Problemen kommen. Auch hier gilt meines Erachtens, daß eine private Pokerrunde bei Ihnen zu Hause, in der um ein paar Cent gespielt wird, nicht von der Polizei überrascht werden wird. Im Grundsatz ist die Handlung, die nicht erlaubt ist, das öffentliche VERANSTALTER von Glücksspielen.
Hier besteht in der Tat ein recht strenger Rechtsrahmen, der auf das staatliche Glücksspiel- und Lotteriemonopol zurückzuführen ist und der kürzlich im Glückspiel-Staatsvertrag novelliert wurde (es dreht sich hierbei demnach um Landesrecht). Aus Sicht der FDP-Bundestagsfraktion ist dieser Rechtsrahmen übrigens zu eng. Es existieren viele seriöse Anbieter etwa von Sportwetten, die aus Deutschland heraus oder in die Illegalität getrieben wurden. Der Staat macht sich dafür mit seinen Monopolangeboten die Taschen voll. Er behauptet dabei, es ginge ihm um die Eindämmung von Spiel- und Wettsucht. Wer sich allerdings einmal z.B. die offensive Werbung des (staatlichen) Lotto anschaut, wird erkennen, daß es primär um hohe Einnahmen für den Landeshaushalt geht.
Wie dem auch sei, solange Sie in privater Runde Poker spielen, machen Sie sich auf keinen Fall strafbar. Veranstalter sollten sich mit den Behörden in Verbindung setzen. Ich persönlich teile übrigens Ihre Einschätzung, daß Poker viel mehr ist, als "Glück" bei den Karten zu haben.
Bei Ihren Spielen wünsche ich Ihnen viel Erfolg und Spaß und allzeit - so sagt man es zumindest beim Skat - "Gut Blatt"!
Mit freundlichen Grüßen
Hans-Joachim Otto