Gudrun Kopp (FDP)
Abgeordnete Bundestag

Grunddaten
Gudrun Kopp
© FDP-Bundestagsfraktion
Geburtstag
18.10.1950
Berufliche Qualifikation
Dolmetscherin, Übersetzerin
Ausgeübte Tätigkeit
MdB; Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Wohnort
Lage
Wahlkreis
Lippe I
Ergebnis
9,4%
Landeslistenplatz
5, Nordrhein-Westfalen
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(...) Wie Sie bereits wissen, setze ich mich seit Jahren für die Erprobung der CCS-Technologie auch in Deutschland ein. Ganz klar ist für mich dabei, dass bereits in der Erprobungsphase strenge Sicherheitskriterien angelegt werden müssen. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
24.05.2012
Verbesserter Rechtsschutz in Wahlsachen (Art. 93 GG)
JA
10.05.2012
Verlängerung des Bundeswehreinsatzes gegen Piraterie (Atalanta)
JA
29.03.2012
Abbau der kalten Progression
JA
29.03.2012
Kürzungen der Solarförderungen
JA
29.03.2012
Pläne für ein Betreuungsgeld aufgeben
NEIN
27.02.2012
Zweites Rettungspaket für Griechenland
JA
26.01.2012
Verlängerung Afghanistan Einsatz (ISAF)
JA
01.12.2011
Verlängerung des Anti-Terror-Einsatzes im Mittelmeer (OAE)
JA
01.12.2011
Verlängerung des Bundeswehreinsatzes gegen Piraterie (Atalanta)
JA
26.10.2011
Ausweitung des Euro-Rettungsschirms (EFSF)
JA
29.09.2011
Euro-Stabilisierungsfonds EFSF
JA
29.09.2011
Reform des Bundestagswahlrechts
JA
29.09.2011
Verlängerung des Bundeswehreinsatzes in Südsudan (UNMISS)
JA
08.07.2011
Deutsche Beteiligung an UN-Aufbaumission in Südsudan
JA
08.07.2011
Keine Panzer an Saudi-Arabien verkaufen
NEIN
08.07.2011
Verlängerung des Darfur-Einsatzes
JA
07.07.2011
Abschiebestopp für syrische Flüchtlinge
NEIN
07.07.2011
Eingeschränkte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik
JA
07.07.2011
Unterirdische Speicherung von CO2
JA
30.06.2011
Atomausstieg bis 2022
JA
09.06.2011
Verlängerung des Libanon-Einsatzes (UNIFIL)
nicht beteiligt
09.06.2011
Verlängerung Kosovo-Einsatz (KFOR)
nicht beteiligt
26.05.2011
Schwarzarbeiterbekämpfungsgesetz
nicht beteiligt
25.03.2011
AWACS-Einsatz in Afghanistan
JA
17.03.2011
Sofortige Abschaltung von Alt-AKW
NEIN
17.03.2011
Unverzügliche Abschaltung aller deutschen AKW
NEIN
17.03.2011
Vorübergehende Aussetzung von AKW-Laufzeiten (Moratorium)
JA
28.01.2011
Verlängerung Afghanistaneinsatz (ISAF)
JA
03.12.2010
Anpassung und Veränderung von Hartz IV
JA
03.12.2010
Vorläufiger Bau- und Vergabestopp bei Stuttgart 21
NEIN
02.12.2010
Kampf gegen Piraten (ATALANTA)
JA
02.12.2010
Verlängerung Bosnien-Einsatz (ALTHEA)
JA
02.12.2010
Verlängerung des Anti-Terror-Einsatzes im Mittelmeer (OAE)
JA
26.11.2010
Haushalt 2011
JA
12.11.2010
Einführung bundesweiter Volksentscheide
NEIN
12.11.2010
Gesundheitsreform
JA
11.11.2010
Neuordnung am Arzneimittelmarkt
JA
28.10.2010
Abschöpfung von Zusatzgewinnen aus AKW-Laufzeitverlängerung
JA
28.10.2010
Brennelementesteuer
JA
28.10.2010
Sparpaket (Haushaltsbegleitgesetz)
JA
28.10.2010
Verlängerung von AKW-Laufzeiten
JA
18.06.2010
Reduzierung der Wehrpflicht
JA
17.06.2010
Bundeswehr ohne Wehrpflicht
NEIN
17.06.2010
Reform der Jobcenter
JA
17.06.2010
Verlängerung des Darfur-Einsatzes (UNAMID)
JA
17.06.2010
Verlängerung des Libanon-Einsatzes (UNFIL)
JA
17.06.2010
Verlängerung des Sudan-Einsatzes (UNMIS)
JA
10.06.2010
Austritt aus der Kernfusion (ITER)
nicht beteiligt
10.06.2010
Verlängerung Kosovo-Einsatz (KFOR)
nicht beteiligt
21.05.2010
Euro-Rettungsschirm
JA
07.05.2010
Notkredit für Griechenland
JA
06.05.2010
Mindestsicherung statt Hartz IV
nicht beteiligt
06.05.2010
Schnellere Absenkung der Einspeisevergütung im EEG
nicht beteiligt
22.04.2010
Beibehaltung der Steuerfreiheit bei Feiertags- und Nachtarbeit
NEIN
25.03.2010
Abschaffung der reduzierten Mehrwertsteuer für Hotels
NEIN
19.03.2010
Bundeshaushalt 2010
nicht beteiligt
26.02.2010
Verlängerung Afghanistaneinsatz (ISAF)
JA
18.12.2009
Bundeswehreinsatz in Bosnien Herzegowina
JA
18.12.2009
Kampf gegen Piraten (ATALANTA)
JA
04.12.2009
Verzicht auf Mehrwertsteuersenkung für das Hotelgewerbe
NEIN
04.12.2009
Wachstumsbeschleunigungsgesetz
JA
03.12.2009
Verlängerung Afghanistaneinsatz (ISAF)
JA
03.12.2009
Verlängerung des Anti-Terror-Kampfes (OEF)
JA
03.12.2009
Verlängerung Libanon-Einsatz (UNFIL)
JA
Fragen an Gudrun Kopp
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Frage zum Thema Gesundheit
12.02.2012
Von:

Sehr geehrte Frau Kopp,

am 30.10.2011 haben Sie in der BaS in der Gastdebatte sich zum Thema: Sollte die Zeitumstellung abgeschafft werden? dafür geäußert.
Ich bin absolut Ihrer Meinung und möchte gern von Ihnen wissen, ob Sie in der Sache aktiv, bzw. was ich als einfache Bürgerin dafür tun kann, diese hirnrissige Entscheidung wieder rückgängig zu machen. Haben Sie eine Idee? Bitte, teilen Sie sie mir mit, ich würde gern aktiv werden, ich bin Rentnerin, 6 Jahre älter als Sie und hätte Zeit.
Mit freundlichen Grüßen


P.S.: Da fällt mir noch was ein, was mich maßlos ärgert: nämlich dass fast alle ausländischen Filme im Fernsehen synchronisiert sind, statt sie mit Untertiteln zu versehen. Könnte man das nicht auch mal ändern?
Antwort von Gudrun Kopp
bisher keineEmpfehlungen
15.02.2012
Gudrun Kopp
Sehr geehrte Frau ,

herzlichen Dank für Ihre Nachricht und Ihre Unterstützung.
In der Frage der Abschaffung der Zeitumstellung ist es wichtig, ein einheitliches europäisches Vorgehen zu gewährleisten. Ansonsten besteht die Gefahr einer "Zeitinsel Deutschland", was wiederum Probleme für die Bürgerinnen und Bürger und die deutsche Wirtschaft mit sich bringen würde. Auf europäischer Ebene setzt sich u.a. Herbert Reul, CDU, als Mitglied des Europäischen Parlament, für die Abschaffung der Zeitumstellung ein. Jedoch steht das Thema derzeit nicht ganz oben auf der Tagesordnung. Noch 2007 kam eine Untersuchung der Europäischen Kommission zu dem Ergebnis, dass "die Sommerzeitregelung, wie sie mit (...) eingeführt wurde, nach wie vor angemessen ist."

Ich habe mich erst kürzlich in einer Umfrage der Zeitung taz deutlich gegen die Zeitumstellung ausgesprochen. Den Artikel kann ich Ihnen gern per Email zusenden. Sie können auf unterschiedlichen Wegen selbst aktiv werden. Es gibt im Internet zahlreiche Initiativen, die sich mit dem Thema beschäftigen (beispielsweise www.sommerzeit-abschaffen.de ). Wenn Sie bei Facebook angemeldet sein sollten, so finden Sie auch dort einige sog. Gruppen, in den das Thema diskutiert wird. Zudem können Sie natürlich auch andere Politiker, beispielweise auf europäischer Ebene anschreiben, oder die Europäische Kommission, bzw. ihre Vertretungen in Deutschland direkt. Anbei finden Sie einige Kontaktinformationen: ec.europa.eu . Auch Leserbriefe an Zeitungen, die sich meistens zwei Mal im Jahr mit dem Thema beschäftigen, können die Öffentlichkeit weiter für das Thema sensibilisieren. Es gibt darüber hinaus zahlreiche wissenschaftliche Einrichtungen, die als Ansprechpartner in Frage kommen. So z.B. das Zentrum für Chronobiologie in München oder der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW.

Zu Ihrer zweiten Frage: In vielen anderen europäischen Staaten - z.B. in Skandinavien - werden Filme so gut wie nie synchronisiert, sondern untertitelt. In größeren Staaten wie Deutschland und Frankreich lohnt sich hingegen eine Synchronisierung der Filme. Über die Vor- und Nachteile der Synchronisierung lässt sich natürlich streiten. Obwohl inzwischen verstärkt über mehr originalsprachige Filme im deutschen Fernsehen diskutiert wird, gibt es derzeit allerdings noch keine gesetzgeberischen Initiativen, den Status quo zu ändern. Die Fernsehsender sind natürlich für ihr Programm selbst verantwortlich. Inzwischen können Sie aber beispielsweise auf ARTE viele Filme oder Sendungen auf Französisch mit deutschen Untertiteln sehen. Manche Filme im deutschen Fernsehen werden auch im Zwei- oder Mehrkanalton angeboten. Zugleich bietet die Vielzahl ausländischer Sender, wie z.B. BBC, CNN oder TV1, die über Satellit zu empfangen sind, die Chance, die Originalsprache zu hören.
Sie können auch außerhalb des normalen Fernsehprogramms Filme im Original sehen. Viele DVDs - die Sie für wenig Geld auch im Internet mieten können - enthalten die Filme im Original und in mehreren Sprachfassungen. Im den Kinosälen vieler Städte werden oftmals aktuelle Filme im Original (OmU) angeboten; auch dies ist eine Möglichkeit, die die synchronisierte Fassung zu umgehen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und stehe Ihnen für Rückfragen gerne zur Verfügung.


Freundliche Grüße

Gudrun Kopp
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Frage zum Thema Internationales
21.03.2012
Von:

Sehr geehrte Frau Gudrun Kopp!

Wissen Sie, dass Sie als Abgeordnete und Staatsekretärin eine besondere Verantwortung auch für Menschen in anderen Ländern haben? Vor wenigen Tagen hat sich die Nuklearkatastrophe von Fukushima gejährt. Die auch von Ihnen mitgetragene Bundesregierung hat daraufhin die Laufzeitverlängerung der deutschen AKWs zurückgenommen und einen Ausstieg bis 2022 beschlossen.

In diesem Monat können Sie, Frau Kopp, als Staatsministerin im Bundesministerium
für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit, daran mitwirken, dass die Bundesrepublik Deutschland den Bau eines neuen Atomkraftwerkes in Brasilien in der Stadt Angra dos Reis durch eine Exportgarantie ("Hermes- Bürgschaft") ermöglicht. Sie können es geschehen lassen oder auch die Möglichkeit nutzen, das zu verhindern. Haben Sie darüber bereits entschieden? Wie werden Sie Ihrer großen Verantwortung in dieser Frage gerecht werden?

Der Bau dieses geplanten neuen Atomkraftwerkes ist aus verschiedenen wissenschaftlich nachgewiesenen Gründen auch für Brasilien unverantwortlich. Ich bitte Sie darum als Abgeordnete meines Wahlkreises und als Staatsministerin im Entwicklungsministerium:
· Helfen Sie dabei, ein neues Atomkraftwerk mit deutschem Geld in Brasilien zu verhindern!
· Widerrufen Sie in Wahrnehmung Ihrer Verantwortung für das Leben und Wohlergehen der Menschen in Brasilien die von Deutschland ausgesprochene Exportbürgschaft für Angra 3!
· Schließen Sie am besten grundsätzlich aus, dass der Export von Atomtechnologie
von Deutschland aus weiter subventioniert wird.

In Lippe haben wir mit dem Atomausstieg bereits gut begonnen. Unsere Stadtwerke in Bad Salzuflen verzichten z.B. seit Jahresbeginn auf die Einspeisung von Strom, der in Atomkraftwerken erzeugt wurde. Unterstützen Sie bitte diese vorbildliche Politik Ihrer Parteifreunde und der örtlichen Stadtwerke in Ihrem Wahlbezirk.

Mit freundlichen Grüßen
, Bad Salzuflen-Schötmar
Antwort von Gudrun Kopp
bisher keineEmpfehlungen
13.04.2012
Gudrun Kopp
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Mail zur Frage einer Exportkreditgarantie für Lieferungen und Leistungen an das Kernkraftwerk Angra 3 in Brasilien.

Das brasilianische Kernkraftprojekt Angra ist bereits seit den 1970er Jahren in Planung. Der Reaktor Angra I ging 1982 ans Netz, Angra 2 folgte im Jahr 2000. Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten Brasiliens wurde Ende der 1980er Jahre der Bau von Angra 3 ausgesetzt. Die Fertigstellung von Angra 3 ist nunmehr für 2015 geplant. Ein in Deutschland ansässiges Unternehmen hat einen Antrag auf Übernahme einer Exportkreditgarantie für Lieferungen und Leistungen zur Fertigstellung des Kernkraftwerks Angra 3 in Brasilien gestellt.

Die Unterstützung deutscher Unternehmen durch Exportkreditgarantien (sog. Hermesdeckungen) ist ein bedeutsames Instrument der Außenwirtschaftsförderung der Bundesregierung. Export¬kreditgarantien sind "Versicherungen" für Exportgeschäfte, mit denen ein Zahlungsausfall aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen abgesichert wird. Das deutsche Unternehmen muss für diese Versicherung eine angemessene Prämie bezahlen.

Die Bundesregierung hat den Antrag auf Übernahme einer Exportkreditgarantie für Lieferungen und Leistungen zum Projekt Angra 3 intensiv geprüft. Nach Unterrichtung des Haushaltsausschusses am 27. Januar 2010 hat der Interministerielle Ausschuss für Exportkreditgarantien (IMA) am 1. Februar 2010 eine Garantieübernahme grundsätzlich gebilligt. Die Grundsatzzusage wurde zunächst zweimal unverändert jeweils um ein halbes Jahr verlängert.

Einen weiteren Antrag auf Verlängerung hat die Bundesregierung - nach Befassung des Haushaltsausschusses am 21. September 2011 - positiv entschieden. Die Entscheidung sieht dabei zusätzliche Auflagen für die Betreiber vor. Eine wichtige Rolle für die Entscheidung hat gespielt, dass der Bau von Angra 3 fest in die Planungen für die brasilianischen Stromversorgung einkalkuliert ist.

Die Grundsatzzusage wurde am 22. März 2012 aufgrund unveränderter Sach- und Rechtslage nochmals verlängert. Die Bundesregierung kann erst über eine endgültige Zusage entscheiden, wenn ein weiteres unabhängiges Gutachten vorgelegt wird. Darin soll festgestellt werden, ob und wie die Erkenntnisse aus der Havarie von Fukushima beim Bau des KKW Angra 3 berücksichtigt werden. Ersteller dieses Gutachtens ist das Institut für Sicherheitstechnologie (ISTec), das auch in anderen Fällen für die Bundesregierung als Gutachter tätig ist.

Die NROs Urgewald und Greenpeace haben bei brasilianischen Nuklearexperten zwei Alternativ-Gutachten in Auftrag gegeben und am 7. März 2012 Mitgliedern des IMA vorgestellt. Die Bundesregierung wird das ISTec-Gutachten - sobald es vorliegt - auch im Lichte der Erkenntnisse aus den Alternativ-Gutachten bewerten.

Während Exportkreditgarantien von grundsätzlich von jedem deutschen Unternehmen in Anspruch genommen werden können, solange bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, unterstützt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit in Entwicklungsländern einzelne Projekte und Programme in ausgewählten Schwerpunkten. Die Kernenergie wird von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit nicht gefördert. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung fördert vielmehr erneuerbare Energien und Energieeffizienz.

Diese Haltung vertrete ich auch mit großem Nachdruck in meiner Position als Gouverneurin, d.h. als ranghöchste deutsche Vertreterin, in den großen Regionalen Entwicklungsbanken, konkret der Asiatischen Entwicklungsbank, der Interamerikanischen Entwicklungsbank und der Afrikanischen Entwicklungsbank. So habe ich zuletzt im Rahmen der Diskussionen der Energiesektor-Strategien der Inter-Amerikanischen Entwicklungsbank und der Afrikanischen Entwicklungsbank deutlich erklärt, dass ein Einstieg der multilateralen Entwicklungsbanken in die Finanzierung oder anderweitige Förderung von Nuklearenergie-Projekten für uns nicht akzeptabel ist.

Es bleibt jedoch die souveräne Entscheidung der brasilianischen Regierung, über den eigenen Energiemix und damit die Fertigstellung von Angra 3 zu bestimmen.

Freundliche Grüße

Gudrun Kopp
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
15.04.2012
Von:

Wie stehen Sie zu der Reform des Rederechts im Bundestags, das von SPD, CDU und FDP quasi abgeschafft werden soll?

Wenn Abweichler der Parteien mundtot gemacht werden sollen - wozu soll der Steuerzahler dann überhaupt noch für über 600 Abgeordnete bezahlen? Eine Minderheitsmeinung können abweichende Abgeordnete ja dann nur noch vertreten, wenn es einer Handvoll Herrschern in den Fraktionen gefällt. Zudem lebt besonders das deutsche Parlament von den Diskussionen, die "Arbeit" (Abstimmung) wird ja weitestgehend in den Ausschüssen vorbereitet und koordiniert.
Meiner Meinung nach zeugt dieser Gedanke von einer undemokratischen und grundgesetzfeindlichen Geisteshaltung, wie ich sie von der NPD erwarte, aber nicht von selbsternannten Volksparteien.
Antwort von Gudrun Kopp
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16.04.2012
Gudrun Kopp
Sehr geehrter Herr ,

herzlichen Dank für Ihre Anfrage.

Die Pläne zur Neuordnung des Rederechtes im Deutschen Bundestag liegen uns Fraktionsmitgliedern im Detail noch gar nicht vor. Sicher ist aber, dass es jedenfalls aus meiner Sicht keine Zustimmung geben wird für einen wie auch immer gearteten "Maulkorb" für diejenigen Abgeordneten, die in Sachfragen von der Mehrheit der Fraktionsmeinung abweichen.

Hier hat es am Wochenende eine eher reißerische Überschriften-Zuspitzung gegeben, die dem demokratischen Recht auf die eigene Meinung und deren Artikulation in keiner Weise entspricht. Alle Aufregungen hierüber sind künstlich und bislang jedenfalls ohne Substanz.

Nach meiner Einschätzung geht es darum, Meinungen von Minderheiten im Deutschen Bundestag gegenüber denen der Fraktionsmehrheit nicht
besser zu stellen. Zudem steht wohl außer Frage, dass die Fraktionen zumindest informiert sein müssen über vorgesehene Redezeiten einzelner Kritiker aus den eigenen Reihen.

Mit freundlichen Grüßen
Gudrun Kopp
Ergänzung vom 19.04.2012
Sehr geehrter Herr ,

herzlichen Dank für Ihre Anfrage.

Die Pläne zur Neuordnung des Rederechtes im Deutschen Bundestag liegen uns Fraktionsmitgliedern im Detail noch gar nicht vor. Sicher ist aber, dass es jedenfalls aus meiner Sicht keine Zustimmung geben wird für einen wie auch immer gearteten "Maulkorb" für diejenigen Abgeordneten, die in Sachfragen von der Mehrheit der Fraktionsmeinung abweichen.

Hier hat es am Wochenende eine eher reißerische Überschriften-Zuspitzung gegeben, die dem demokratischen Recht auf die eigene Meinung und deren Artikulation in keiner Weise entspricht. Alle Aufregungen hierüber sind künstlich und bislang jedenfalls ohne Substanz.

Nach meiner Einschätzung geht es darum, Meinungen von Minderheiten im Deutschen Bundestag gegenüber denen der Fraktionsmehrheit nicht besser zu stellen. Zudem steht wohl außer Frage, dass die Fraktionen zumindest informiert sein müssen über vorgesehene Redezeiten einzelner Kritiker aus den eigenen Reihen.

Mit freundlichen Grüßen
Gudrun Kopp
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
30.04.2012
Von:

Sehr geehrte Frau Kopp,

Sie haben heute gefordet dass nicht nur die Politiker die Fußball-EM in der Ukraine boykottieren sollen, sondern dass es auch einen sportlichen Boykott geben soll.

Mit dem Boykott durch Politiker bin ich vollkommen einverstanden und es ist ja zum Glück hierzu auch eine sehr breiter Konsens vorhanden.

Bei dem sportlichen Boykott bin ich allerdings ganz anderer Meinung.
Denn dann müssten wir sehr viele Sportveranstaltungen in der ganzen Welt boykottieren.

Müssten nicht bei dieser Ansicht nach Ihrer Meinung auch die USA boykottiert werden so lange in Gunatanama neben schuldigen Terrosisten auch unschuldige Menschen ohne Verurteilung inhaftiert und gefoltert werden?

Wo ziehen Sie hier die Grenzen?
Zählen da politische Interessen mehr als humane und Menschenrechtsaspekte?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Gudrun Kopp
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11.05.2012
Gudrun Kopp
Sehr geehrter Herr Baak,

herzlichen Dank für Ihre Nachricht.

Gleich zu Beginn möchte ich unterstreichen, dass ich keineswegs für eine Absage der Spiele der Fußball-EM bin. Ganz im Gegenteil: Die EM soll auf jeden Fall stattfinden! Sportler und Fans haben dies verdient. Jedoch dürfen Menschenrechtsverletzungen dabei nicht ignoriert werden. Vor diesem Hintergrund habe ich mich dafür ausgesprochen, dass rasch über eine Verlegung der EM-Spiele in der Ukraine in ein anderes Land nachgedacht wird. Darauf bezog sich meine Forderung nach einem "sportlichen Boykott".

Wie Sie wissen, haben inzwischen der internationale Protest und die Boykottaufrufe erste Wirkung gezeigt: Die durch ein Rückenleiden und ihren Hungerstreik stark geschwächte ukrainische Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko wurde in ein örtliches Krankenhaus verlegt wird nun von einem Neurologen der Berliner Charité-Klinik betreut. Die ukrainische Regierung hat damit die Minimalforderungen der internationalen Kritiker erfüllt und Julia Timoschenko die dringend benötigte medizinische Behandlung zukommen lassen. Nachdem Frau Timoschenko auch ihren Hungerstreik eingestellt hat, ist sie zunächst einmal außer Lebensgefahr. Zugleich hat ihr Fall aber auch ein Schlaglicht auf viele weitere ungenannte Opfer von zahlreichen Menschenrechtsverletzungen vor allem in den Gefängnissen in dem Land geworfen, deren Schicksal nach wie vor ungewiss ist.

Der Druck auf die ukrainische Regierung sollte daher aufrecht erhalten werden. Der politische Boykott, wie ihn die EU-Kommission, Bundesminister Dirk Niebel und zahlreiche Staatschefs in Form der Absagen von Reisen zu den EM-Spielen bereits erklärt haben, hat seine Wirkung bisher nicht verfehlt. Wir als Deutsche und europäische Staatengemeinschaft müssen die Menschenrechte selbst ernst nehmen, indem wir sie nicht nur einfordern, sondern konkreten Druck machen auf deren Umsetzung, sonst machen wir uns mitverantwortlich für die Folgen. Wir dürfen nicht vergessen: Die Ukraine ist ein europäischer Nachbar; sie ist Vertragsstaat der meisten Menschenrechtsabkommen des Europarates und der Vereinten Nationen und strebt ein EU-Assoziierungsabkommen an, das derzeit auf Eis liegt. Es gibt zwei Voraussetzungen für eine weitere europäische Integration der Ukraine, nämlich Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Die Ukraine muss daher ihrer Verpflichtung zu menschenrechtlichen Mindeststandards nachkommen.

Ein Boykott kann viele Ausprägungen haben und dabei sollte die Option, die Spiele der Fußball-EM in der Ukraine – auch kurzfristig – in ein oder mehrere andere Länder zu verlegen, als letztes Druckmittel nicht zum Tabu erklärt werden. Unter den gegebenen Umständen ist zudem längst nicht gesichert, dass Fans und Sportler bei den EM-Spielen in der Ukraine die Möglichkeit hätten, in den Stadien oder auf der Straße deutlichen Protest gegenüber der dortigen Regierung zu äußern. Niemand weiß, zu welchen einschneidenden Maßnahmen die ukrainische Regierung fähig ist; im dem Land herrscht eben keine Demokratie. Die Regierung in der Ukraine sollte sich daher in der Frage der Menschenrechte noch vor den EM-Spielen weiter bewegen. Nur so kann – im Sinne des Fußball-EM-Mottos - "gemeinsame Geschichte" geschrieben werden. Und nur so können die Spiele für die Bevölkerung vor Ort und für Europa zu einem unbeeinträchtigten Erfolg werden.

Freundliche Grüße

Gudrun Kopp
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