Gabriele Frechen (SPD)
Abgeordnete Bundestag 2005-2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

Grunddaten
Gabriele Frechen
Jahrgang
1956
Berufliche Qualifikation
Steuerberaterin
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Erftkreis I
Landeslistenplatz
39, Nordrhein-Westfalen
weitere Profile
(...) Ich will niemand vorschreiben, wie er sein Geld anlegt. Aber ich kann sehr wohl entscheiden, was steuerlich gefördert wird. Und da steht für mich eben der Risikoschutz ganz oben an. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
Fragen an Gabriele Frechen
Auswahl der Fragen und Antworten
Nachricht an folgende Adresse schicken, sobald eine Antwort eintrifft:


An diese Adresse den abgeordnetenwatch.de-Newsletter bestellen
Bitte loggen Sie sich hier ein.
Frage zum Thema Finanzen
07.04.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Frechen,

seit nunmehr einem Jahr wird die internationale Finanzwelt von einer Krise heimgesucht, deren Ende nicht in Sicht scheint. Es drängt sich mir auf Grund intensivster Beobachtungen die Erkenntnis auf, dass diese Krise unmittelbar mit unserem Finanzsystem und unserer Wirtschaftspolitik zusammenhängt.

Insbesondere eine Plausibilität einer auf exponentiellem Wachstum fußenden Finanzpolitik, bei welcher eine innewohnende Deflation stets durch eine gezielte Inflation der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgeglichen werden muss, scheint mir nicht vorhanden zu sein. Die EZB spricht dabei von Preisniveaustabilität, wenn real eine Inflation von 1-2% angestrebt wird.

Es wäre darüber hinaus ebenso interessant zu erfahren, ob und wie Sie und Ihre politische Bewegung die Schuldenproblematik der Geldentstehung ausschließlich durch Kredit betrachten und welche Gegenmaßnahmen Sie zur kommenden Deflationskrise, der ich sehr besorgt gegenüberstehe, als geeignet erachten.

Desweiteren stellt sich mir konsequenterweise die Frage, wie ein Finanzsystem, das einem Kettenbrief gleichkommt, überhaupt irgendeine rechtliche Legitimation besitzen kann und man sich an einem ständigen Wachstumszwang zur Zinsbedienung orientiert, der auf Grund der menschlichen Eigenschaft, nicht mehr und mehr bis ins Unendliche leisten zu können, vollkommen unmöglich ist und ganz zwangsläufig irgendwann in einer Krise enden muss.

Ich bitte Sie ausdrücklich um eine klare Stellungnahme Ihrerseits, sowie ob meiner dringenden Befürchtung einer nahenden desolaten Wirtschaftskrise einer Klärung der genannten Sachverhältnisse in einem Ausschuss ihrer Fraktion, in der diese Dinge klar und deutlich zur Sprache kommen und diskutiert werden können.

Vielen Dank.


Hochachtungsvoll,
Antwort von Gabriele Frechen
6Empfehlungen
17.04.2008
Gabriele Frechen
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Fragen, die ich gern beantworte.

Ihren Vorwurf, wonach die Finanz- und Wirtschaftspolitik innerhalb der EU auf eine Deflation abzielt, kann ich nicht nachvollziehen. Besonders in Deutschland war es immer schon Tradition, dass die Zentralbank (früher die Deutsche Bundesbank, heute die EZB) und die Finanz- und Wirtschaftspolitik die Preisstabilität als oberstes Ziel definiert. Die Gefahr einer Deflation in Deutschland oder dem Euroraum ist weder heutzutage gegeben, noch war sie dies in den letzten Jahrzehnten. Vielmehr ist es der restriktiven Zinspolitik der Bundesbank sowie der EZB zu verdanken, dass die Preissteigerungsrate auf niedrigstem Niveau gehalten werden konnte. Angesichts einer aktuellen Preissteigerungsrate von mehr als drei Prozent erscheint mir die Deflationsgefahr aktuell übrigens außerordentlich gering.

Sie fragen außerdem, wie ich "die Geldentstehung durch Kredit" betrachte. Ich halte die so genannte multiple Giralgeldschöpfung, also die teilweise Kreditvergabe aus Sichteinlagen, für ein unverzichtbares Element des Finanzmarktes, da sie gleichzeitig Sicherheit für die Einlagen der Kunden (durch die Mindestreserve) bietet und Geld für notwendige Investitionen zur Verfügung stellt. Es handelt sich dabei nicht um eine Geldschöpfung in beliebiger Höhe, sondern um die Reinvestition von gespartem Geld: Die Investitionsquote entspricht innerhalb der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der Sparquote.
Durch die Mindestreservepolitik ist es der Zentralbank außerdem möglich, maßgeblich auf die Entwicklung der Geldmenge innerhalb der Volkswirtschaft Einfluss zu nehmen und somit sowohl einer Inflation als auch einer Deflation entgegenwirken zu können. Ohne dieses finanzpolitische Instrument stünde eine Volkswirtschaft einer drohenden Krise weitaus hilfloser gegenüber.

Ihren Vergleich des internationalen Finanzsystems mit einem "Kettenbrief" halte ich nicht für zutreffend. Der Verkauf von Forderungen und Krediten passiert auf den Finanzmärkten täglich zig-tausendfach und ist ein übliches Marktinstrument, für das klare Regeln zur Risikoabsicherung existieren, welche wiederum von staatlichen Aufsichtsbehörden kontrolliert werden. Es ist jedoch offensichtlich, dass diese Regeln ebenso wenig in der Lage waren die aktuelle Krise zu verhindern, wie die zuständigen Aufsichtsbehörden. Jetzt zeigt sich, dass Peer Steinbrück mit seiner immer wieder geäußerten Forderung nach klaren Spielregeln für die Finanzmärkte Recht hatte. Leider stießen seine Appelle auf taube Ohren. Fakt ist aber auch: Der Grund und Auslöser für die aktuelle Krise war nicht das Finanzsystem oder die Marktaufsicht, sondern der Handel mit Immobilienkrediten aus den USA, die nicht annähernd ausreichend abgesichert waren. Das widerspricht sämtlichen Regeln der Kreditwirtschaft, da eine ausreichende Absicherung die wichtigste Grundlage für die Kreditvergabe und den Handel mit Krediten ist.

Daher muss ganz klar gesagt werden, wer die wahren Schuldigen an dieser Krise sind. Es ist nicht, wie Sie schreiben, das Finanzsystem oder unsere Wirtschaftspolitik. Schuld sind selbsternannte Finanzprofis, die aus Renditegier mit faulen Krediten gehandelt haben und die Risiken entweder nicht gesehen haben - oder schlichtweg nicht sehen wollten. Die Manager der betroffenen Banken haben versagt, und jetzt soll der sonst so ungern eingebundene Staat den Karren aus dem Dreck ziehen.

Die Konsequenzen aus dieser Entwicklung können nicht sein, das Verleihen von Geld gegen Zinsen oder den Handel mit Forderungen vollständig auszusetzen. Vielmehr ist dafür zu sorgen, dass durch geeignete Aufsichtsstrukturen und Regeln nicht ausreichend abgesicherte Kredite gar nicht erst vergeben werden oder in den Handel gelangen. Mit dem so genannten Gesetz "Basel II", das ein klares Bewertungssystem der Bonität von Kreditnehmern und die entsprechenden Kreditkonditionen vorschreibt, ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung getan worden. Und es bedarf einer Antwort auf die Frage, wie man verhindert, dass die Risiken von Finanzprodukten wie im aktuellen Fall verschleiert werden können. Hier ist Transparenz gefordert. Die entsprechenden Maßnahmen werden derzeit in den finanzpolitischen Gremien des Deutschen Bundestages diskutiert.

Es bedarf klarer nationaler und internationaler Grundsätze von Sicherheit und Transparenz, damit sich eine derartige Krise nicht wiederholen kann. Ich bin zuversichtlich, dass dieses Ziel erreicht wird.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen jederzeit zur Verfügung.

Mit freundlichem Gruß

Gabi Frechen
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Soziales
13.04.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Frechen,

ich bitte um Beantwortung zweier Fragen:
o Warum gibt es für die eingezahlten Rentenbeiträge keinen Vertrauensschutz?
o Warum gibt es keine öffentliche Bilanz über die Rentenkasse?

Für die Beantwortung danke ich im Voraus.
Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Gabriele Frechen
6Empfehlungen
16.04.2008
Gabriele Frechen
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage zur Rentenversicherung, die ich gerne beantworten möchte: Unser Rentenversicherungssystem basiert auf dem Generationenvertrag. D.h.: Beiträge, die heute gezahlt werden, werden auch heute an die Rentnerinnen und Rentner ausgezahlt, so wie diese auch während ihrer beruflich aktiven Zeit für die vorherige Generation Beiträge gezahlt haben. Dieses solidarische Prinzip, dass Generationen für Generationen einstehen halte ich in einem Sozialstaat für richtig. Es handelt sich bei den Beitragszahlungen eben nicht um ein Sparbuch, bei dem die Zahlungen angelegt, verzinst und später ausgezahlt werden. Deshalb kann es auch keine Garantie auf die Einlage geben. Den Verrauensdhutz bietet also jede Generation für die nächste.

Auf der Seite www.drv-bund.de finden Sie Ennahmen und Ausgaben der DRV sowie viele weitere Informationen über die gesetzliche Rente. Ich denke, die von Ihnen gewünschten Informationen sind dabei.

Sollten Sie noch Fragen haben oder die Auskunft auf der Seite der DRV-Bund nicht ausführlich genug sein, dürfen Sie sich gerne wieder an mich wenden.

Herzliche Grüße aus dem Rhein-Erftkreis
Ihre
Gabi Frechen
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Soziales
18.04.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Frechen,

zunächst bedanke ich mich für Ihre Antwort zu meinen Fragen v. 13.4.2008

Die Einzahlungen der nachfolgenden Generation sollen Vertrauensschutz sein?
Die Realität ist doch so, dass die Regierungen viele Werktätige in Billigjobs drängt mit keiner oder minimaler Renteneinzahlung und dass die Regierungen gemäß div. Interessen den Retnern Abschlagsfaktoren verordnet. Außerdem weigern sich die Regierungen erfolgreich, Mindestlöhne für alle Branchen zu beschließen.
Die Rentenversicherung heißt doch Versicherung. In der Privatwirtschaft würde man Schmälerung der Bedingungen gerichtlich einklagen.
Ich erbitte dazu nochmals um Ihre Stellungnahme.

Mit meiner zweiten Frage komme ich mit der von Ihnen genannten E-Mail-Adresse nicht weiter. Ich kann dort leider keine Bilanz über die Rentenkasse finden. Können Sie mir weitere Angaben machen, wo diese Bilanzen aufgeführt sind?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Gabriele Frechen
4Empfehlungen
09.05.2008
Gabriele Frechen
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Nachfragen auf die ich gerne noch einmal eingehe.

Zum Stichwort Vertrauensschutz und zum Unterschied der gesetzlichen und privaten Rentenversicherung: Der Generationenvertrag bildet die Grundlage für das Umlageverfahren in unserer gesetzlichen Rentenversicherung. Jedes Mitglied der Rentenversicherung kann darauf vertrauen, dass er entsprechend seiner geleisteten Beiträge eine Rente erhält, die von den Beiträgen der zu dieser Zeit Beschäftigten aufgebracht wird. Das Umlageverfahren hat gegenüber dem Kapitaldeckungsverfahren bei den privaten Rentenversicherungen den Vorteil, dass es gegenüber Schwierigkeiten auf den Finanzmärkten unempfindlicher ist. Während sich der Geldwert der Kapitalrücklage einer privaten Versicherung durch die Inflation verkleinert und dies durch Zuwächse wettgemacht werden muss, bleibt das Umlageverfahren davon unberührt. Bei der Umlagefinanzierung werden schließlich keine Geldwerte sondern zukünftige Versorgungsansprüche erworben.

Zum Stichwort Billigjobs: Sie behaupten pauschal, dass die Regierung Beschäftigte in Billigjobs drängt, die Zahlen auf dem Arbeitsmarkt gehen aber eindeutig in eine andere Richtung: 27,151 Millionen Menschen waren im Februar 2008 sozialversicherungspflichtig beschäftigt; ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 663.000, dieser Zuwachs ist deutlich stärker als in den Vor­monaten, auch die Zahl der Erwerbstätigen (inklusive der Geringbeschäftigten) ist mit 39,928 Millionen Menschen um 687.000 hö­her als im Vorjahr. Dieser Zuwachs ist fast ausschließlich auf voll sozialversicherungs­pflichtige Beschäftigungsverhältnisse zurückzuführen.

Zum Stichwort Mindestlöhne: Sie Vereinnahmen gleich die ganze Regierung, wenn Sie davon sprechen, dass die Regierung sich weigert, Mindestlöhne für alle Branchen zu beschließen. Sie werden sicher wissen, dass gerade die SPD und Bundesminister Olaf sich für die Einführung von Mindestlöhnen einsetzt. Unser Koalitionspartner CDU/CSU hat sich bisher gegen die flächendeckende Einführung von Mindestlöhnen in allen Branchen ausgesprochen. Wir als SPD lassen aber nicht locker: Acht Branchen hatten zum Stichtag 31. März 2008 bei Bundesarbeitsminister die Aufnahme in das Entsendegesetz und damit die Einführung von Mindestlöhnen beantragt. Bislang gelten Mindestlöhne für das Bauhauptgewerbe, das Abbruchgewerbe, das Maler- und Lackiererhandwerk, das Dachdeckerhandwerk, das Elektrohandwerk, das Gebäudereinigerhandwerk und für Briefdienstleister. Rund 1,8 Millionen profitieren davon. Neue Anträge haben die Zeitarbeitsbranche, Pflegedienste, Wach- und Sicherheitsgewerbe, Abfallwirtschaft, Großwäschereien, Weiterbildungsgewerbe, Forstdienste und Bergbau -Spezialarbeitsgewerbe gestellt. Mit diesen Branchen würde sich die Zahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Anspruch auf Mindestlohn nahezu verdoppeln. Auch gegen den Widerstand von CDU/CSU wird die SPD dafür sorgen, dass diese Branchen auch tatsächlich in das Entsendegesetz aufgenommen werden und damit Mindestlöhne eingeführt werden.

Ich halte es für populistisch, wenn sich in NRW ein hochrangiger Politiker hinstellt und eine höhere Rente fordert und gleichzeitig zulässt, dass Menschen für weniger als 5 Euro die Stunde arbeiten gehen. Vielleicht fragen Sie sich mal, wie er sich das vorstellt.
Eine Übersicht über die Einnahmen und Ausgaben der Rentenversicherung finden Sie unter folgendem Link:
www.deutsche-rentenversicherung-bund.de

Falls Sie weitere Nachfragen haben, melden Sie sich einfach wieder.

Mit freundlichen Grüßen

Gabi Frechen MdB
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Gesundheit
19.04.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Frechen,

die Organisatin "foodwatch" setzt sich für eine Ampelkennzeichnung der Nährwerte in Lebensmitteln ein. Sinn und Zeck dieser bereits in Großbritannien mit großem Erfolg eingeführten Kennzeichnung ist es, den Verbrauchern ein leichteres Erkennen von gesunden und weniger gesunden Lebensmitteln "auf den ersten Blick" zu ermöglichen. Verbraucher sind durch eine solche standardisierte Kennzeichnung nicht mehr gezwungen, sich mit den oft verklausulierten und für Laien wenig offensichtlichen Nährwerttabellen von Produkten auseinanderzusetzen.
Der Bundesminister Horst Seehofer setzt hingegen auf ein recht kompliziertes Zahlensystem, welches m.E. wenig geeignet ist, da es individuelle Lebensumstände, Alter sowie Geschlecht des Konsumenten nicht berücksichtigt.
Zudem liegt der Verdacht nahe, dass von einem wenig durchschaubarem System bestimmte Bereiche der Lebensmittelindustrie profitieren. Aus meiner Sicht sollte hier das Wohl der Bürger vor die Interessen der Industrie gestellt werden.
Ich bitte Sie, konkret zu beantworten, wie Sie zu einer Ampelkennzeichnung stehen, da Ihre Entscheidung für mich sehr wohl für eine zukünftige Wahlentscheidung Berücksichtigung findet.

Mit freundlichen Grüßen

R.
Antwort von Gabriele Frechen
3Empfehlungen
23.04.2008
Gabriele Frechen
Sehr geehrter Herr ,

vielen Danke für Ihre Frage, die ich gern beantworte.
Die für die Kennzeichnung von Lebensmitteln zuständige Arbeitsgruppe Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz der SPD-Bundestagsfraktion hat im Februar diesen Jahres beschlossen, die Bundesregierung zu folgender Kennzeichnungspflicht aufzufordern:

  • Die Nährwertkennzeichnung in Deutschland auf der Basis der britischen Ampelkennzeichnung - Fett, gesättigte Fettsäuren, Salz und zugesetzter Zucker, ergänzt um die Angabe der Kalorien und der Ballaststoffe - für verpackte Lebensmittel auf der Verpackungsvorderseite verpflichtend einzuführen und für lose Ware anzustreben sowie die Angabe der "Big Eight" (Brennwert, Eiweiß, Kohlenhydrate, Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren, Ballaststoffe und Salz) in tabellarischer Form auf der Verpackungsrückseite vorzuschreiben,
  • die Einführung der Kennzeichnung durch eine Verbraucherinformationskampagne zu begleiten,
  • die Wirkung der Kennzeichnung durch Verbraucherforschung zu evaluieren und auf deren Weiterentwicklung hinzuarbeiten.

  • die im Rahmen des Aktionsplan Ernährung und Bewegung verabschiedeten Eckpunkte zur Nährwertkennzeichnung dahingehend zu überarbeiten und von der GDA-Kennzeichnung Abstand zu nehmen,
  • sich auf EU-Ebene gegen die GDA-Kennzeichnung und für eine verbraucherfreundliche Nährwertkennzeichnung einzusetzen.

Damit setzt sich die SPD-Bundestagsfraktion klar für die Ampel-Kennzeichnung ein. Ich unterstütze diesen Antrag ausdrücklich. Die Ampelkennzeichnung ist einfach, unmittelbar verständlich, auf einen Blick zu erfassen und zu bewerten. In den kommenden Wochen werden wir mit unserer Position in die Verhandlungen mit unserem Koalitionspartner gehen, um anschließend einen gemeinsamen Entschließungsantrag zu formulieren.

Mit freundlichem Gruß

Gabi Frechen, MdB
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Finanzen
19.04.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Frechen,

danke für ihre Antwort. Es bleiben aber noch einige Fragen offen.

Wenn die Preise für Grundversorgungsmittel (Lebensmittel, Energie) explodieren und die Löhne nicht mitsteigen oder arg hinterherhinken, dann stellt dies doch eine außerordentliche Deflationsgefahr dar? Im Durchschnitt mögen die Preise des gesamten Warenkorbs um 3% gestiegen sein. Aber doch nur, weil Luxusgüter keinen Absatz mehr finden, da die Bürger ihr Geld eben nur einmal ausgeben können. Zur allgemein steigenden Armut brauche ich ja hoffentlich keine Quellen anzugeben.

Desweiteren kann man kaum von Sicherheit reden, wenn die Mindestreserve gerade mal 2% beträgt und die Geschäftsbanken also laut Basel II bis zum gar 50fachen ihrer Einlage an Krediten herausgeben dürfen, was folglich übrigens zu einem gigantischen Betrug an Zins- und Zinseszinseinnahmen führt. Wie darf ich Sie da also verstehen? ( www.oenb.at/de/glossar/glossar_m.jsp#tcm:14-4169 )

Ich sehe die eigentliche Krisenursache an der Geldentstehung durch Schuld (Kredit) und der ausschließlich positiven Guthabenverzinsung, so dass Banken stets mehr fordern als ursprünglich erzeugt. Somit kann ein Individuum sich nur durch Umschuldung entschulden (Kettenbriefproblem), aber die Gesamtheit der Schulden ist einfach nicht tilgbar.

Auch führen stets positive Zinsforderungen zu einem Zwang von ständig höheren Renditeerwartungen und damit zu höherer Risikobereitschaft von Banken & Versicherungen bei Spekulationen, die sich nun in der Finanzkrise äußern. Natürlich sind letztlich die von Ihnen genannten Individuen schuldig. Diese haben sich aber nur dem System angepasst und sind somit nur ein Symptom und nicht die eigentliche Ursache, die in der öffentlichen Diskussion nirgends zu Sprache kommt.

Ich möchte sie abschließend fragen, wieso der Rückgang des Wirtschaftswachstums ein schwerwiegendes Problem darstellt und wie man wirtschaftspolitisch überhaupt von einem unendlichen Wachstum ausgehen kann?

Hochachtungsvoll

Antwort von Gabriele Frechen
4Empfehlungen
06.05.2008
Gabriele Frechen
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Nachfragen.

Wie bereits erwähnt, schätze ich die Deflationsgefahr derzeit als sehr gering ein. Vielmehr zeigen sämtliche Indikatoren derzeit inflationäre Tendenzen. Wie Sie richtig bemerken, steigen die Preise für Energie und Lebensmittel momentan weltweit stark an. Diese Entwicklung betrachte auch ich mit Sorge. Dass jedoch die Löhne nicht in gleichem Maße mitsteigen, zeigt sich bei differenzierter Betrachtung so nicht. Das statistische Bundesamt hat vergangene Woche mitgeteilt, dass die Tariflöhne und –gehälter gegenüber dem Vorjahr um durchschnittlich 3,3 Prozent gestiegen sind. Das ist der höchste Anstieg seit 1996. Die Lohnsteigerung liegt außerdem über der Inflationsrate von derzeit 2,8 Prozent. Ich möchte beispielsweise auf den Tarifabschluss im öffentlichen Dienst hinweisen, der mit ca. 8 Prozent außerordentlich hoch ausgefallen ist, oder auf den Tarifabschluss der IG Metall in Bayern, der mit mehr als 4% ebenfalls deutlich über der Inflationsrate liegt.

Was die Deflationsgefahr betrifft: Eine hohe Lohnsteigerung in Verbindung mit steigenden Preisen birgt eher die Gefahr einer nachfrageinduzierten Inflation. Ein weiteres Indiz für das Ausbleiben einer Deflation ist neben den relativ hohen Tarifabschlüssen die Entwicklung der Nachfrage. Bei einer Deflation sinken die Preise, was die Nachfrager auf weitere Preissenkungen warten lässt und den Konsum abwürgt. Die Gesellschaft für Konsumforschung hat jedoch in der letzten Woche den GfK-Index veröffentlich, der im Mai um 1,1 Punkte auf den Stand von 5,9 Punkten und damit auf den höchsten Stand seit Herbst klettert. Die Nachfrager sind somit bereit zu konsumieren. Das hat nicht zuletzt auch damit zu tun, dass die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen ist. Waren 2005 noch 4,86 Millionen Menschen arbeitslos, sind es mittlerweile noch ca. 3,4 Millionen.

Auch der Index für die Konjunkturerwartungen legte den zweiten Monat in Folge von 15 auf 23,3 Punkte zu. Eine Rezession ist damit in naher Zukunft nicht zu erwarten, wohl aber eine Delle in der Konjunkturentwicklung. Ich bleibe dabei: Meine Sorge gilt momentan eher einer inflationären Entwicklung, nicht aber einer Deflation.

Ich gebe Ihnen jedoch ausdrücklich Recht, was die Entwicklung der Einkommensverteilung angeht. Sie sprechen die steigende Armut an. Tatsächlich wird die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland stetig größer. Während die Einkommen an der Obergrenze immer größer werden, stagnieren die kleinen Einkommen. Dem gilt es entgegen zu steuern. Ich möchte Sie jedoch darauf hinweisen, dass gerade in diesem Punkt die SPD handelt. So haben wir die so genannte "Reichensteuer", also den Aufschlag um 3 Prozentpunkte bei der Einkommensteuer auf hohe Einkommen, durchgesetzt. Während der letzten Jahre habe ich als zuständige Berichterstatterin gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen die Streichung diverser Steuerausnahmebestände und Steuerschlupflöcher wie z. B. Schiffsfonds durchgesetzt (ich empfehle Ihnen dazu die Lektüre meiner Plenarreden auf www.gabi-frechen.de). Aktuell beraten wir im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages auf Initiative der SPD hin die Einschränkung des Steuerabzuges von Manager-Abfindungen sowie die Reform der Erbschaftsteuer, welche unser Koalitionspartner noch vor kurzem am liebsten ganz abschaffen wollte. Außerdem gibt es derzeit den Vorschlag der SPD, die steuerliche Abziehbarkeit von Managereinkommen von mehr als 1 Mio. € zu begrenzen. Sie sehen also, dass wir als SPD-Bundestagsfraktion das Problem der ungleichen Einkommens- und Vermögensverteilung durchaus erkannt haben und entsprechende Maßnahmen anstreben. Allerdings muss dazu auch der Koalitionspartner mitspielen.

Zu Ihrer Frage zur Absicherung von Kreditrisiken:
Tatsächlich ist der Mindestreservesatz derzeit bei 2%. Auch ist es so, dass die multiple Giralgeldschöpfung eine vielfache Neuvergabe von Sichteinlagen ermöglicht. Dieses System funktioniert seit Jahrzehnten sehr gut, und es wird auch die aktuelle Finanzmarktkrise überstehen. Wenn Sie die hundertprozentige Absicherung von Kreditrisiken bei gleichzeitiger Abschaffung der multiplen Giralgeldschöpfung fordern, fordern Sie nichts anderes als die Abschaffung von Zins und Kredit. Meinen Standpunkt dazu habe ich Ihnen bereits einmal erläutert. Ich möchte hinzufügen, dass die Kreditvergabe von Banken dadurch funktioniert, dass nicht alle Kreditgeber (also Sparer) ihre Einlagen gleichzeitig von allen Banken zurückverlangen. Würde dies geschehen, würde das Finanzsystem kollabieren. Sie werden mir jedoch zustimmen wenn ich sage, dass dieser Fall völlig utopisch ist. Außerdem würden andere Akteure des Wirtschaftssystems, beispielsweise die Zentralbanken oder der IMF, umgehend intervenieren. Mit den derzeitigen Regeln gemäß Basel II und Mindestreservepolitik ist dafür gesorgt, dass die Banken einen ausreichenden Kapitalstock vorhalten, um jederzeit die Rückzahlungsrisiken bedienen zu können. Nur weil Geld durch Giralgeldschöpfung entsteht, ist es schließlich kein nichtexistentes Geld. Und schließlich ist bei der Giralgeldschöpfung, anders als bei einem Kettenbrief, eine Grenze eingezogen: Statt unendlich weiter Giralgeld zu schöpfen, ist durch die Mindestreserve begrenzt – im Fall des Mindestreservesatz von 2% ist dies exakt der Faktor 50. Übrigens auch im umgekehrten Fall: Verkauft eine Zentralbank eine Anleihe, welche der Käufer vom Girokonto bezahlt, entzieht dies dem System Giralgeld in Höhe des 50-fachen.

Was Ihre Einschätzung der Krisenursache und des "Kettenbriefphänomens" betrifft, so habe ich in meiner letzten Antwort bereits ausführlich Stellung bezogen. Noch einmal: Das System der Giralgeldschöpfung und des Kredithandels funktioniert seit Jahrzehnten und trägt einen großen Beitrag zur Wirtschaftsleistung bei. Eine Abschaffung von Zins und Kredit halte ich für unnötig und unrealistisch. Auch möchte Ich sie darauf hinweisen, dass Deutschland die internationale Krise bisher weitaus besser überstanden hat als andere Länder, das liegt nicht zuletzt daran, dass das Verhältnis von Realwirtschaft zu Finanzwirtschaft deutlich ausgeglichener ist als anderswo. Während sich andere Volkswirtschaften wie etwa Großbritannien stark auf den Handel mit Finanzprodukten und –dienstleistungen konzentriert hat, ist eine stark industriell geprägte Wirtschaft wie die deutsche wesentlich stabiler und krisenfester.

Zu Ihrer abschließenden Frage:
Der Rückgang des Wirtschaftswachstums führt zum Verlust von Volkseinkommen und somit zu Armut. Wenn die Wirtschaftsleistung immer weiter sinkt, sinkt der Wohlstand der Bürgerinnen und Bürger. Die Wirtschaftswissenschaft geht von einem stetigen Wachstum aus. Dies ist darin begründet, dass aufgrund des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts die Produktivität einer Volkswirtschaft und damit der Wohlstand der Bürgerinnen und Bürger stetig wachsen. Wenn Sie sich die Entwicklung der OECD-Staaten ansehen werden Sie feststellen, dass dieses Phänomen in der Praxis bestätigt wird.

Ich fürchte somit weder eine Deflation, noch halte ich das internationale Finanzsystem für einen "Kettenbrief". Auch halte ich unser System einer sozialen Marktwirtschaft nicht nur für zukunftsfähig und stabil, sondern für die beste Wirtschaftsform zur Versorgung der Menschen mit Wohlstand und Sicherheit. Sollten Sie über meine Antworten heraus gutachtliche Stellungnahmen wünschen, empfehle ich Ihnen den Kontakt zu Volkswirten oder den verschiedenen Wirtschaftsforschungsinstituten aufzunehmen.

Mit freundlichem Gruß

Gabi Frechen, MdB
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Ihre Frage an Gabriele Frechen
Die Fragefunktion wurde inzwischen geschlossen.