Farid Müller (GRÜNE)
Kandidat Bürgerschaftswahl Hamburg 2008
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich. Besuchen Sie das aktuelle Profil.

Farid Müller
Jahrgang
1962
Berufliche Qualifikation
Kommunikationswirt
Ausgeübte Tätigkeit
-
Wohnort
-
Wahlkreis
Hamburg - Mitte , Listenplatz 1, Stimmen (Wahlkreis): 7.520, 8,2%
Landeslistenplatz
keinen
(...) Die Antwort auf die U4 ist: So nicht! Die U4 ist zu teuer und bringt zu wenig Nutzen. Die Alternative der GAL ist eine moderne, leistungsfähige Stadtbahn - also eine oberirdische, weitgehend auf eigenen Gleiskörpern verkehrende Bahn. (...)
 
weitere Profile auf abgeordnetenwatch.de
Persönliche Website
www.farid-mueller.de
Fragen an Farid Müller
Auswahl der Fragen und Antworten
Nachricht an folgende Adresse schicken, sobald eine Antwort eintrifft:


An diese Adresse den abgeordnetenwatch.de-Newsletter bestellen
Bitte loggen Sie sich hier ein.
Frage zum Thema Soziales
19.02.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Müller,

wie stellen Sie sich die weitere Entwicklung der Brennpunkte-St. Georgs rund um den Hauptbahnhof vor? (Drop-In, offener Drogenkonsum und Prostitution). Man erwartet in Zukunft eine vermehrte Gentrifizierung des Stadtteils, wie kann diese mit der bisher dort lebenden Bevölkerung vereinbart werden?

MfG,
Antwort von Farid Müller
1Empfehlung
21.02.2008
Farid Müller
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Fragen. St. Georg ist schon immer ein Stadtteil der Widersprüche gewesen. Während auf der einen Seite Menschen wegen der Verteuerung des Wohnraums verdrängt werden, sind dennoch viele Brennpunkte vorhanden.

Dazu möchte ich Ihnen eine generelle und mehrere detaillierte Antworten geben.

Die generelle lautet: Wir Grüne möchten Gegensätze in Einklang bringen. Für uns ist ein Drogenhilfsprojekt ebenso wenig von vornherein Stadtteilunverträglich wie Prostitution. Es ist immer die Frage des Wie und des Wo. Bei Kriminalität, also etwa Drogenhandel oder der Prostitution blutjunger Minderjähriger, hört natürlich auch für uns der Spaß auf.

Das bedeutet: Ich stelle mir für St. Georg unter dem Grundgedanken gegenseitigen Respekts ein Miteinander vor, wie es die meisten der Bewohnerinnen und Bewohner seit Jahren praktizieren.

Zu Ihren Fragen im Einzelnen:

Drop-In
Wir Grüne halten die Einrichtung für notwendig, halten aber die Konzentration an einem einzigen Standort für falsch. Auch andere Stadtteile wären in der Lage, die gemeinsame Verantwortung mit zu tragen.

Offener Drogenkonsum
Wir Grüne haben uns immer für Substitution, also die kontrollierte Abgabe von Suchtersatzstoffen, stark gemacht und die Einrichtung von Fixerstuben gefordert. Offener Drogenkonsum ist besonders aus zwei Gründen nachteilig: Er regt zum Nachahmen an und kann, wenn z. B. Spritzenbestecke liegengelassen werden auch eine potenzielle Gefahrenquelle für Dritte darstellen.

Prostitution
Hier ist zu unterscheiden zwischen gewerbsmäßiger und wilder Prostitution. Letztere lehnen wir wegen des Missbrauchs der Frauen und der damit verbundenen erheblichen Gesundheitsgefahren ab.

Gentrifizierung
Unsere Gesellschaft wird generell älter - deswegen sehe ich darin keine Gefahr für den Stadtteil, wohl aber Aufgaben. Wir Grüne haben für den Bezirk Mitte ein Seniorenleitbild angeregt

fhh.hamburg.de

in dem wir die verschiedenen Aufgaben wie Erhalt der Eigenständigkeit, Integration und Beteiligung erläutern.

Meine Antworten sind etwas Allgemein, weil auch Ihre Frage sehr kurz war. Wenn Sie sich noch mehr wissen möchten, freue ich mich auf eine weitere Frage von Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen
Farid Müller
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Soziales
21.02.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Müller,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort.
Ich finde es sehr sympathisch, dass die Grünen Gegensätze in Einklang bringen möchten und kann mich damit sehr gut identifizieren.

Ich möchte lediglich ein paar kleine Anmerkungen machen:

Drogenkonsum:
Es wird in meiner Wohngegend auf der Straße vornehmlich Crack geraucht. Spritzen findet man i.d.R. nie, also würde ich der Drogenpolitik in Bezug auf Heroin ein Lob aussprechen.
Was würden Sie in Punkto Crackjunkies für einen Lösungsweg vorschlagen?

Ich stimme Ihnen zu, dass definitiv mehr Fixerstuben gebraucht werden um die Szene zu entzerren/zu verteilen.

Gentrifizierung:

Hierzu möchte ich Ihnen diesen Artikel nahe legen, bevor Sie auf meine Frage antworten, denn ich vermute, dass dort ein Mißverständnis vorliegt.
de.wikipedia.org

Meine Frage lautete:
Man erwartet in Zukunft eine vermehrte Gentrifizierung des Stadtteils, wie kann diese mit der bisher dort lebenden Bevölkerung vereinbart werden?

Danke für Ihre Mühe, ich erwarte gespannt Ihre Antworten.

Mfg,
Antwort von Farid Müller
1Empfehlung
22.02.2008
Farid Müller
Sehr geehrter Herr ,

Danke für die schnelle Nachfrage : -). Mich erschüttert die Mitteilung, dass in Ihrer Straße vornehmlich Crack geraucht wird. Vielleicht macht es Sinn, dass wir uns direkt austauschen (BueroFarid.Mueller@gal-fraktion.de), damit Sie mir die ganze Situation schildern können.

Crack gehört ja zu den wirklich ganz üblen Drogen - es hat das höchste Abhängigkeitspotenzial aller Drogen, ist stark psychogen und hat enorme Gesundheitsrisiken. Deswegen muss der Handel mit Crack energisch bekämpft werden. Für Süchtige hingegen brauchen wir mehr Betreuung und medizinische Angebote. Ich weiß, dass das nicht populär ist und Geld kostet, aber es ist immer noch besser, den Drogenkonsum im kontrollierten als im unkontrollierten Bereich zu haben. Meines Wissens gibt es bis heute keinen Stoff, der den Crack-Konsum ersetzen könnte - so wie das bei Heroin und Methadon der Fall ist. Zu klären bliebe, inwieweit hier Forschungsprogramm laufen und ob diese stärker gefördert werden können.

Kurz & bündig: Mehr Straßensozialarbeit, mehr direkte Ansprache von Konsumentinnen und Konsumenten, gezielte Bekämpfung von Großhändlern, Verlagerung des Konsums von der Straße in kontrollierte Bereiche, ggf. mehr Forschung nach Ersatzstoffen, verbesserte Präventionsanstrengungen.

Gentrifizierung:
Wikipedia definiert den Begriff im Sinne eines sozialen Umstrukturierungsprozesses eines Stadtteils - und darauf passte meine Antwort zu unserem Seniorenleitbild wirklich nicht.

Mit den Umstrukturierungsprozessen in St. Georg, St. Pauli, aber auch in anderen Stadtteilen beschäftigen wir Grüne uns intensiv. Es gibt ja zwei grundsätzlich verschiedene Lösungsansätze: Man begrüßt, wie die CDU, die Umstrukturierung als "Aufwertung" und fördert diese, indem man etwa die Koppel als bessere Wohnlage ausweist und auch von SAGA/GWG die jeweils zulässigen Höchstmieten kassieren lässt. Diesen Weg halte ich für falsch.

Der andere Lösungsansatz ist, eine Win-Win-Situation zu schaffen. Wir haben in St. Georg mittlerweile genügend attraktiven und teuren Wohnraum. Deshalb sollten wir mit einer sozialen Erhaltensverordnung die Mietstruktur erhalten, mit einer Umwandlungsverordnung die Umwandlung von Mietwohnungen in teure Eigentumswohnungen stoppen und mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen. Außerdem muss die SAGA/GWG, die ja zu 100 % der Stadt gehört, ihre Mietforderungen nicht am wirtschaftlichen Maximum, sondern am sozial vertretbaren Schnitt orientieren.

Eine soziale Erhaltensverordnung war ja vom Rot-Grünen Senat 2001 für St. Georg bereits vorbereitet, wurde dann aber vom CDU/Schill/FDP-Senat nicht verabschiedet. Die Folgen mussten wir in St. Georg in den letzten sieben Jahren ertragen. In der Neustadt, wo eine solche Verordnung in Kraft ist, sind die Folgen der Gentrifizierung bei weitem nicht so stark.

Zusammengefasst lautet meine Antwort: Die zunehmende (und bereits stattfindende) Gentrifizierung in den Szenestadtteilen muss durch ein Maßnahmepaket zur Sicherung bezahlbaren Wohnraums aus Erhaltens- und Umwandlungsverordnungen, und sozialer Wohnungspolitik begleitet werden, um die soziale Vielfalt zu fördern und jegliche Verdrängung zu verhindern.

Das alles können Sie auch auf meiner Website www.farid-mueller.de / Müllers Wahlkreis / St. Georg nachlesen.

Herzliche Grüße
Farid Müller
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Integration
22.02.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Müller,

auf Ihrer Homepage war diese Woche noch ein Wahlaufruf in türkischer Sprache verfasst. Ich kann ihn nicht mehr finden. Warum haben Sie ihn entfernt und warum muss man überhaupt in Deutschland auf Türkisch Wahlwerbung machen?

Viele Grüße,

Antwort von Farid Müller
1Empfehlung
23.02.2008
Farid Müller
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage. Zuerst: Der Wahlaufruf ist kein Wahlaufruf, sondern die Erläuterung des Wahlrechts. Er ist auch immer noch, über die Startseite, kurz vor den Pressemitteilungen, auf der Website enthalten.

Eigentlich würde ich gerne Informationen zum Wahlrecht nur in unserer Amtssprache veröffentlichen. Ich weiß aber aus meiner Arbeit im Wahlkreis, in dem sehr viele türkischstämmige Wahlberechtigte leben, dass wegen der jahrzehntelangen Versäumnisse in der Integrationspolitik die deutschen Sprachkenntnisse nicht immer perfekt sind. Wir Grüne setzen uns deswegen ja auch für entsprechende Sprach- und Lehrangebote ein.

Da das neue, von der CDU veränderte Wahlrecht aber sehr kompliziert ist, will ich ergänzend zu den Informationen in deutscher Sprache auch auf türkisch informieren, um so zu gewährleisten, dass alle deutschen Staatsangehörigkeiten alle Einzelheiten des Wahlrechts verstehen - auch, wenn sie dafür auf ihre Muttersprache zurückgreifen.

Mir geht es also schlicht um eine pragmatische Lösung für ein bestehendes Problem. Nach meiner Erfahrung ist Pragmatismus ohnehin die beste Grundeinstellung zur Lösung der mit Integration zusammenhängenden Fragen.

Mit freundlichen Grüßen
Farid Müller
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Ihre Frage an Farid Müller
Die Fragefunktion wurde inzwischen geschlossen.