Dr. Rainer Stinner (FDP)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Dr. Rainer Stinner
Jahrgang
1947
Berufliche Qualifikation
Diplomkaufmann, Dr. rer. pol.
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages, Unternehmensberater
Wahlkreis
München-Ost
Landeslistenplatz
4, über Liste eingezogen, Bayern
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(...) Normalerweise ist die Krankenversicherung mir der Pflegeversicherung gekoppelt, so dass es mich sehr wundert, dass Sie dieses spezielle Problem mit der Pflegeversicherung haben. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Inneres und Justiz
24.01.2008
Von:
Ruf

Sehr geehrter Herr Dr. Stinner,

ich wende mich an Sie aufgrund Ihrer Tätigkeit im Ausschuss Verteidigung. Im Rahmen der Truppenerprobung ist nun seit vielen Jahren das Projekt IDZ im Gange. Ziel ist, den Infanteristen das nötige Handwerkszeug für das Einsatzspektrum auf aktuellen Krisenschauplätzen zu wappnen. Die Erkenntnisse die daraus gezogen wurden / die Ausrüstung die für die Truppe beschafft wurde ist dem gegenüber eher mau. Die Brillen sind nicht für die Tropen geeignet, die Schutzweste zu starr und überholt, das Navipad störanfällig und mit zu schwachen Akkus ausgestattet, etc. Dies ist nun nicht das erste mal, das Ausrüstung am Bedarf vorbei beschafft wird, siehe SPz HS30, der Tragesatz zum Feldanzug 90 (von den Kanadiern übernommen als es selbige bereits wieder ausmusterten), das ASK, um nur 3 Beispiele zu nennen. Diesmal ist es aber das das erste mal, dass dies trotz ausgedehnten Truppenversuches, unter anderem an der Schule Hammelburg, geschieht.

Daher meine Frage: Warum muss die Bundeswehr bei der Beschaffung der Ausrüstung immer einen Sonderweg gehen? Warum können nicht auf dem Markt verfügbare, bewährte Systeme (Beispiel: Schutzweste CIRAS von Eagle Industries) eingeführt/adaptiert werden?
Wäre dies nicht auch aus Sicht der modernen Wirtschaft sinnvoller?

Mit freundlichem Gruß.
Ruf
Antwort von Dr. Rainer Stinner
4Empfehlungen
06.02.2008
Dr. Rainer Stinner
Sehr geehrter Herr Ruf,

vielen Dank für ihre Frage vom 24.01.08.

Auch mir sind die Probleme bei der Einführung des Infanteristen der Zukunft bekannt. Das System IdZ ist ein sehr gutes Beispiel, warum marktverfügbare Systeme nicht gekauft werden konnten: Es gab und gibt weltweit kein vergleichbares System. Das soll nicht heißen, daß das System perfekt ist, aber ein besseres System hat auch die US-Armee nach Entwicklungskosten von mehr als 500 Mio. US-Dollar nicht.

Gleichwohl stimme ich Ihnen jedoch zu, daß die Bundeswehr und die deutsche Industrie in manchen Bereichen das Rad neu erfinden will, anstatt auf die Erfahrungen von Verbündeten zurückzugreifen.

Man sollte sich jedoch nicht nur auf die "Weisheit" unserer Verbündeten verlassen. Vor wenigen Jahren beendeten z.B. Großbritannien die Teilnahme am GTK/ Boxer und plante die Entwicklung und Beschaffung eines leichteren Fahrzeugs (FRES). Aufgrund der Erfahrungen im Irak und Afghanistan sucht die britische Armee nun ein besser geschütztes Fahrzeug. In der engeren Auswahl ist der Boxer. Das heißt wenn man stets den Verbündeten folgen würde kann dies auch in einer Sackgasse enden. Daher ist ein vermeintlicher Sonderweg, zumindest in diesem Fall, der richtige Weg.

Es ist also immer eine Gratwanderung zwischen Erfahrungen der Verbündeten und den eigenen Vorstellungen und Prioritäten.

Mit freundlichen Grüßen

Rainer Stinner
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Frage zum Thema Inneres und Justiz
06.02.2008
Von:
Ruf

Sehr geehrter Herr Stinner,

danke für Ihre kompetente Antwort! Es ist schön zu hören, dass der letzte Stein noch nicht gelegt ist und im Bereich des IDZ weiter gedacht wird. Ich stimme Ihnen darüber hinaus auch zu, dass IDZ bei weitem mehr "Benutzbarkeit" auf den Weg gebracht hat, wie das amerik. Landwarrior oder AWF Projekt.
Auch im Bezug auf die Einzigartigkeit gebe ich Ihnen im gesamten Recht, nicht jedoch was die Einzelkomponenten angeht. Gerde im Bereich der pers. Ausrüstung wurde viel "gebraut" was anderweitig schon lange im Einsatz (Tragesystem, PALS, etc) ist und sich bewährt hat. Beispiele hierfür die sog. Chassis Armor von Crye Precision. Aber um mal auf den Punkt zu kommen, meine Fragen die sich aus Ihrer Antwort ergeben haben:

Wird es einen Neustart des Systems geben, um auf die veränderten Bedingungen einzugehen, oder wird das vorhandene "geflickt"?
Sind bereits Ersatzprojekte, explizit für Schutzweste und Brille ins Auge gefasst, oder muss sich der Soldat bis auf weiteres arrangieren?
Und wird es, gerade im Bereich der Bekleidung ebenfalls in absehbarer Zeit Neuerungen geben?

Zur Info über meine Motivation dieser Fragen: Zum einen bin ich beruflich in diesem Sektor aktiv, zum anderen sind einige Verwandte von mir aktiv mit der Ausrüstung zugange, momentan u.a. in Afghanistan, last but not least habe ich mich, aus oben genannter Motivation und aufgrund meines berufl. Werdegangs selbst mit Entwürfen/Prototypen sowie der Zusammenstellung eines Systems ähnlich des EADS Navipads beschäftigt, daher mein reges Interesse. Ich hoffe Ihnen mit den Fragen nicht zu sehr auf den Nerv gefallen zu sein und verbleibe mit freundlichen Grüßen,
Ruf
Antwort von Dr. Rainer Stinner
1Empfehlung
13.02.2008
Dr. Rainer Stinner
Sehr geehrter Herr Ruf,

zunächst die Klarstellung: Ich freue mich stets über solch sachliches und kenntnisreiches Interesse an unseren Streitkräften.

Zu ihren Fragen:

Ein Neustart des IdZ ist nicht geplant. Vielmehr soll das der Infanterist der Zukunft im Rahmen des Vorhabens "Infanterist der Zukunft Erweiteres System (IdZ ES)" weiterentwickelt werden. Die Bereitstellung der QRF für Nord-Afghanistan hat die FDP-Bundestagsfraktion zu Anlaß genommen, die Probleme des IdZ (u.a. die Schutzbrille) im Rahmen einer kleinen Anfrage nochmals zu thematisieren. Mit einer Antwort ist in den nächsten Wochen zu rechnen.

Im Bereich der Bekleidung gibt es derzeit- aufgrund der Erfahrungen im Einsatz - Überlegungen an den IdZ angepasste Bekleidungstücke zu beschaffen.(siehe weiteres: www.ofratex.de ). Diese Dinge stehen jedoch nicht unmittelbar zur Einführung an. Somit ist eine Anpassung nicht "absehbar".

Wir haben generell das Problem, dass die Beschaffung der Bundeswehr sich zu wenig an den aktuellen Erfordernissen orientiert, sondern noch viel zu sehr auf veralteten Strukturentscheidungen beruht. Die immer noch zu hohe geplante Stückzahl des Eurofighters ist dabei nur ein Beispiel.

Mit besten Grüßen

Rainer Stinner
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Frage zum Thema Verbraucherschutz
09.04.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Stinner,

die Organisation foodwatch plädiert für die Einführung der "Ampel" für Lebensmittel-Kennzeichnung. Dieses hat sich in England bewährt. Es würde mich freuen, wenn auch Sie zustimmen würden.
Ihre Stellungnahme interessiert in jedem Falle. Danke im voraus.

Freundliche Grüße

Helmut Rohmann
Antwort von Dr. Rainer Stinner
1Empfehlung
10.04.2008
Dr. Rainer Stinner
Sehr geehrter Herr Rohmann,

herzlichen Dank für Ihre Frage. Ich lehne die Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln eindeutig ab, weil dieses System den Verbraucher eher verwirrt als aufklärt. Deshalb teile ich auch nicht Ihre Bewertung, dass System habe sich in England bewährt, im Gegenteil:
In Großbritannien wurde die Ampelkennzeichnung ausprobiert – bei verschiedenen Herstellern und Lebensmittelketten. Die Kette "Tesco" hat die Ampel im April 2004 getestet (www.tesco.uk.com). Eines der Ergebnisse dort war, dass die Verbraucher die Farbe rot gleich einem Verbot setzten. Verwirrung gab es aber auch bei anderen Produkten: und zwar in den Fällen, in denen gleichzeitig ein grüner, gelber und ein roter Punkt drauf ist. Beispielsweise bei aktuellen Knabberprodukten. Fett bekommt da vielfach rot, was auch jeder weiß, der eine Tüte Chips isst. Zucker hingegen ist da aber nicht drin: dafür gibt´s einen grünen Punkt. Und für Salz einen gelben Punkt. Das ist dann leider nicht das, was die Ampel-Befürworter eine klare und verbrauchernahe Kennzeichnung nennen. Setzen wir die Analogie bei der Nährwertampel zu einer Ampel aus dem Straßenverkehr spielerich fort, dann wird klar: in keinem Land der Erde gibt es eine Ampel, die gleichzeitig grün, gelb und rot angezeigt hat (außer sie ist defekt). Bei der Ernährung und ähnlich im Straßenverkehr führt aber genau das zum Chaos - genauer zum Verzehrschaos. Auch aus diesem Grund hat diese Lebensmittelkette nach der Probephase die Ampelkennzeichnung nicht fortgeführt, sondern setzt nun auf Nährwertangaben für den Tagesverbrauch.

Aber auch mit einem anderen System wäre die Bewertung einzelner Lebensmittel kritisch: Es kommt doch auf die ausgewogene Ernährung insgesamt an. Und als letztes: nach Aussage einer ganzen Reihe von Medizinern ist das Problem Übergewicht nicht in erster Linie durch falsche Ernährung entstanden, sondern durch zu wenig Bewegung. Und daran eine noch so gute Lebensmittelkennzeichnung nichts.

Mit besten Grüßen

Rainer Stinner
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
11.04.2008
Von:

Hallo Herr Stinner,

in Deutschland liegt die Bildung der Kinder komplett in Staates Hand (das gilt auch für Privatschulen und deren Curricula, dort teilweise sogar verschärft).
Ich finde das sehr bedenklich, dass die Politik auch die Schulen betreibt und sozusagen ihre späteren Wähler selber ausbildet.

Wieso lässt Bayern die international anerkannte Option des Homeschooling nicht zu ? Nicht einmal unter strengen Auflagen, wie sie zum Beispiel in der Schweiz oder in Frankreich gelten, ist es hier möglich. Ich finde das Schade, zudem ich mittlerweile viele Eltern kenne, die sich deswegen (hier in Deutschland) komplett vom Staat abschotten und sich sozusagen in den "Untergrund" begeben. Der Staat hat dann keine Möglichkeit das Potential dieser tollen Alternative zu nutzen. Als Argument werden oft Parallelgesellschaftsbildung, Al-Kaida-Homeschooler-Gefahr, verblendete und neurotische Eltern (gibt es bestimmt auch) genannt. Umso wichtiger wäre es das zu legalisieren. Durch intelligente Gesetzgebung könnte man hier Gefahren beseitigen und Chancen nutzen. Aus pädagogischen Gründen gibt es nichts, das gegen Homeschooling spricht - im Gegenteil, richtig gemacht garantiert es optimale Passung und große Sozialkompetenz.

Fast ausnahmslos alle Homeschool-Eltern, die ich kenne, würden eher ins Ausland gehen, wenn sie entdeckt werden, als ihr Kind zur Schule zu zwingen. Denn ihre Kinder machen außerhalb der Schule unglaubliche Fortschritte und das wollen sie nicht niederringen, bloß, weil es ein Gesetz will. Das eigene Kind ist den meisten Menschen mittlerweile näher als das geschriebene Gesetz. Ich würde mich freuen, wenn Sie sich näher mit der Materie befassen könnten, denn es ist (bei dem ersten Kontakt damit) unvorstellbar, dass ein Leben ohne Schule erfolgreich und erfüllt ist.

Besonders zähle ich auf Sie, da Sie zu einer Partei gehören, die Eigenverantwortung fördern will.

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Dr. Rainer Stinner
bisher keineEmpfehlungen
21.04.2008
Dr. Rainer Stinner
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Mit dem Thema Homeschooling befasst sich derzeit die bayrische FDP ebenfalls, bisher ist aber noch kein Beschluss dazu gefasst.
Ich halte den Schulbesuch von Kindern für sehr wichtig für die Entwicklung ihrer sozialen Kompetenzen und für die pädagogische und altersgerechte Wissensvermittlung durch gut ausgebildete Lehrkräfte. Der Schulbesuch ist eine wichtige Erfahrung im Leben jedes jungen Menschen. Eltern sollten ihn durch eine enge Zusammenarbeit mit der Schule positiv unterstützen. Wir setzen sich dafür ein, dass sich die Qualität der Schulen verbessert und dass die Vielfalt im deutschen Schulsystem erhalten bleibt, sodass Eltern die Wahlfreiheit haben, eine geeignete Schule für ihr Kind zu finden. Schule soll zu einem Ort werden, wo Kinder gerne hingehen und wo sie sich frei entfalten können. Deshalb setzt sich die FDP auch dafür ein, dass Schulen in Zukunft eigenverantwortlich arbeiten können und ihre Unterrichtskonzepte besser auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Schülerinnen und Schüler abstimmen. Homeschooling stehe ich vor diesem Hintergrund eher skeptisch gegenüber.

Mit freundlichen Grüßen

Rainer Stinner
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Frage zum Thema Arbeit
30.04.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Abgeordneter Dr. Stinner,

wegen einer offensichtlichen Gerechtigkeitslücke wird das Bundesverfassungsgericht die derzeitige Regelung der Pendlerpauschale höchst wahrscheinlich für ungültig erklären. Auch mir als Nicht-Auto-Besitzer leuchtet nicht ein, warum Berufspendler, die in der Nähe ihres Arbeitsortes ( Entfernung 0 bis 19 Kilometer ) leben, wohnen und einkaufen steuerlich anders behandelt werden, als Arbeitnehmer, die täglich 100 Kilometer unterwegs sind.

Da ich in der aktuellen Pendlerpauschale weder ein verkehrspolitisches noch umweltpollitisches Steuerungselement erkennen kann, bitte ich Sie um eine Einschätzung nachfolgender Idee (die Sie natürlich gern übernehmen dürfen):

A) Rückkehr zur "alten" Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer, bei reduziertem "Pro-Kilometer-Satz" - somit Kostenneutralität (da dürfte auch Finanzminister Peer Steinbrück nichts dagegen haben).

oder

B) Ein an den derzeitigen Ausgaben für die Pendlerpauschale sich orientierender "Pendlerfreibetrag" für alle Einkommenssteuerpflichtigen. Neben der Kostenneutralität ergäbe sich ein erfreulicher Zusatznutzen: eine Vereinfachung der Einkommenssteuererklärung.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Dr. Rainer Stinner
1Empfehlung
05.05.2008
Dr. Rainer Stinner
Sehr geehrter Herr ,

herzlichen Dank für Ihre Frage.

Die heutige Regelung der Pendlerpauschale ist in der Tat in sich widersprüchlich, ungerecht und aller Wahrscheinlichkeit nach auch verfassungswidrig.

Die FDP schlägt einen völlig anderen Weg vor, nämlich Abschaffung nahezu aller Sondertatbestände und statt dessen eine deutliche Reduzierung der Steuersätze für alle, in diesem Zusammenhang sehen wir auch die Abschaffung der Pendlerpauschale vor, das würde im Kern Ihrem Vorschlag B entsprechen. Was wir allerdings nicht mittragen, ist die Abschaffung der Pendlerpauschale ohne jede sonstige Strukturänderung, denn das würde lediglich die Belastung für einzelne erhöhen.

Es gibt in der Steuerpolitik ein grundsätzliches und nicht auflösbares Problem: Entweder will man in jedem Einzelfall eine gerechte Lösung erreichen, dann wird das Steuerrecht so überbordend kompliziert wie es heute ist, und damit auch wieder ungerecht, weil es niemand mehr versteht, oder wir führen Pauschallösungen ein, dann erfassen wir nicht jeden Einzelfall hundertprozentig korrekt, aber das Gesamtsystem bleibt nachvollziehbar. Wir Liberale haben uns für den zweiten Weg entschieden: runter mit den Steuersätzen und weg mit den Ausnahmetatbeständen. Beides gehört zusammen und eines geht nicht ohne das andere.

Dr. Rainer Stinner MdB
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