Dr. Hans-Peter Uhl (CSU)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Dr. Hans-Peter Uhl
Jahrgang
1944
Berufliche Qualifikation
Kreisverwaltungsreferent a. D., Rechtsanwalt
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
München West/Mitte
Landeslistenplatz
22, Bayern
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(...) Mitglieder einer offenen Gesellschaft müssen von Muslimen selbstbewusst erwarten, dass sie in Theorie und Praxis ihre religiösen Pflichten auf Höhe der Zeit auslegen. Dies darf dem Kern unserer Rechts- und Sozialordnung – wie sie sich auf dem Weg der Geschichte kulturell formiert hat – nicht zuwiderlaufen. Dazu müssen wir ermutigen und dies auch nachdrücklich einfordern. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Inneres und Justiz
03.06.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Uhl,

zunächst vielen Dank, dass Sie klare Worte finden in diesem Forum, auch wenn ich oftmals anderer Meinung bin als Sie!

Vor einigen Tagen haben Sie im Zusammenhang mit der Telekom-Affäre einen mittelalterlichen Pranger für die Verantwortlichen gefordert. www.tagesschau.de
Ein solches Instrument kommt sicher gut an in der Öffentlichkeit, aber ich möchte daran erinnern, dass die Union beim Informationsfreiheitsgesetz in Sachen Transparenz nicht gerade aufs Gaspedal getreten hat, sondern zu den Bremsern gehörte. Wieso fordern Sie jetzt auf einmal Transparenz gegenüber Unternehmen?

Zeigt nicht der Telekomskandal, dass die im Rahmen der Vorratsdatenspeicherung erfassten Daten bei den Telekommunikationsanbietern in falschen Händen sind? Möglich, dass es sich um Verfehlungen Einzelner gehandelt hat, aber was bringen schärfere Gesetze? Die Verantwortlichen werden wissen, dass sie etwas Illegales getan haben. Ein Mörder weiß auch, dass er für seine Tat bestraft wird, aber er lässt sich davon ja nicht abhalten.

Das Problem scheint mir eher in dem überzogenen Datensammelwahn der Regierung zu liegen.

Über eine Antwort würde ich mich freuen
Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Dr. Hans-Peter Uhl
10Empfehlungen
05.06.2008
Dr. Hans-Peter Uhl
Sehr geehrter Herr ,

Ihren Vergleich mit dem Informationsfreiheitsgesetz halte ich für unpassend: Das IFG hat die Auskunftspflichten von Behörden und damit die Weitergabe gespeicherter Daten ausgeweitet. Dies hat einen Zuwachs an "Transparenz" gebracht, der potentiell kollidiert mit Datenschutzinteressen.

Mir geht es im Rahmen des Telekom-Datenschutzaffäre um eine andere Form der Transparenz: Verstöße gegen Datenschutzauflagen könnten von den Vorständen betroffener Firmen unabhängig von behördlichen Ermittlungen veröffentlicht werden. Ich meine, eine dahingehende Verpflichtung könnte die Anstrengungen unterstützen, Verstößen gegen Datenschutzvorschriften intern vorzubeugen. Das hätte auch nichts mit einem "mittelalterlichen Pranger" zu tun.

Was das Pro&Contra über weitergehende strafrechtliche Sanktionen anlangt, so werden die Ergebnisse der staatsanwaltlichen Ermittlungen weitere Erkenntnisse liefern. Womöglich stellen sich Regelungslücken heraus. Sollte dies nicht der Fall sein, brauchen wir sicherlich keinen symbolischen Gesetzgebungs-Aktionismus.

Die Vorfälle bei der Telekom haben weder von der Sache, noch vom politischen Zusammenhang her etwas mit den gesetzlichen Neuregelungen zur Vorratsdatenspeicherung von Verbindungsdaten zu tun. Letztere sind erst seit 1. Januar 2008 in Kraft, während die Sachverhalte bei der Deutschen Telekom AG die vergangenen Jahre betreffen. Von den Vorgängen betroffen sind daher nur Daten, welche die Kommunikationsunternehmen immer schon speichern und zu Abrechnungszwecken selbst nutzen durften. Auf die Telekomunikationsdaten, die zur Verfolgung schwerer und schwerster Straftaten für ein halbes Jahr gespeichert werden müssen, darf hingegen allein von Sicherheitsbehörden aufgrund eines richterlichen Beschlusses zugegriffen werden.

Jetzt können Sie natürlich sagen: Der Missbrauch (von privater Seite) an den einen Daten wird sich auch an den anderen Daten wiederholen. Doch wenn ein Mitarbeiter unbedingt Missbrauch treiben will, bedient er sich der ohnehin gespeicherten, "frischen" Daten für die Rechnungsstellung. Es macht keinen Sinn auf dieselben Daten, die in einem anderen Topf, dem Staat vorbehalten, gespeichert sind, zuzugreifen. Ähnlich einem Mitarbeiter, der Geld unterschlagen will: Warum sollte er den Tresor knacken, wenn das Geld auch in der unverschlossenen Schublade liegt?

Außerdem sollte nicht eine ganze Branche wegen den Verfehlungen in einer Firma mit Misstrauen gestraft werden. Es gibt auch auch wegen schlimmer Verfehlungen einzelner keinen Grund, die Telekom ein für allemal als unzuverlässig abzuschreiben. Es liegt in der Verantwortung des Vorstandes, in Kooperation mit staatlichen Behörden organisatorische Vorkehrungen zum Ausschluss von Datenschutzverstößen zu treffen. Die dazu erforderliche Kraft traue ich ihm - und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Konzerns - zu, weil die Datensicherheit im ureigensten Geschäftsinteresse der Firma liegt.

Im Übrigen verweise ich auf meine Plenarrede vom gestrigen Tag: www.uhl-csu.de Darin habe ich ausgeführt, dass der Datenschutz ernster zu nehmen ist:
1) Bürger, die freiwillig zu viele Daten preisgeben, müssen vor sich selbst geschützt werden.
2) Bürger müssen vor privatem Datenmissbrauch geschützt werden.
3) Bürger müssen zuletzt auch vor Datenmissbrauch des Staates geschützt werden.

Ich finde es jedenfalls unerträglich, wenn die Datenschutz-Problematik allein auf staatliche Behörden reduziert wird und damit Tausenden von Beamten, die den Eid auf Recht und Gesetz abgelegt haben, unterstellt wird, das Recht bei jeder sich bietenden Gelegenheit brechen zu wollen. Wenn es einen Generalverdacht in der Debatte um die Vorratsdatenspeicherung gibt, dann ist es der gegen den Staat und die Staatsdiener. Und das finde ich absurd und lächerlich.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Hans-Peter Uhl
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Frage zum Thema Inneres und Justiz
05.06.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Uhl,

ich schreibe Ihnen aus dem Saarland. Und das aus gutem Grund.

Ich finde es nicht in Ordnung, wie Ihre Partei mit Herrn Lafontaine umgeht. Er genießt hier an der Saar sehr viel Respekt. Auch mir ging es in seiner Regierungszeit finanziell gut. Heute versinkt das Saarland m.E. in Billigjobs- von denen man nur sehr schwer leben kann.

Ich senden Ihnen einen Link mit: www.bild.de

In diesem sehen Sie, dass Herr Pflüger und andere Unionspolitiker eine Absetzung der Sendung fordern.
Warum fordern viele Unionspolitiker das? Eine Woche zuvor, hat eine Frau über die ALG II Bezieher auch falsche Fakten genannt. Zum Beispiel, dass man zu den 347 Euro noch Stromgeld erhalte. Das ist falsch, da das im ALG II Satz bereits inbegriffen ist.
Das ist nur ein Beispiel von mehreren Dingen, die in diversen Sendungen ständig falsch wiedergegeben werden.

Die "Bild" hat nur den Auftritt von Herrn Lafintaine kritisiert. Nicht aber den Auftritt von Herrn Beckstein. Herr Lafontaine kam anfangs gar nicht zu Wort.
Herr Beckstein meinte als Erster: " Reden Sie nicht so ein saudummes Zeug". Ich habe mir die Wiederholung auf Phoenix genau angesehen.

Kann der Umgang nicht etwas normaler werden? Es nützt den BürgerInnen gar nichts, wenn sich Politiker nur zanken und gegenseitig ihre Vergangenheit vorwerfen. Ich kann Sätze wie Herr Lafontaine habe sich vor der Verantwortung gedrückt nicht mehr hören. Ist es nicht so, dass Herr Stoiber trotz anders lautender Mitteilungen vor dem Wahlkampf, sich nach der Wahl der Verantwortung entzogen hat, indem er nicht bereit war in das Kabinett Merkel einzutreten?

Ich denke, von solchen Streitereien haben die BürgerInnen die Nase voll. Wer nur einen 400 Euro-Job hat wie ich,der kann mich ev. verstehen.


Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Dr. Hans-Peter Uhl
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06.06.2008
Dr. Hans-Peter Uhl
Sehr geehrte Frau ,

die Diskussion um die "Anne-Will"-Sendung kann ich nicht kommentieren, weil ich die Sendung nicht gesehen habe.

Wenn Sie den Verantwortungs-Vergleich zwischen Lafontaine und Stoiber aufmachen wollen, wird Stoiber haushoch gewinnen. Unter Ministerpräsident Stoiber (1993-2007) hat Bayern seine Entwicklung zum führenden Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort erfolgreich fortsetzen können. Die Neuverschuldung des Staatshaushalts wurde beendet. Hinzu kommen die vergleichweise besten Ergebnisse in der Bildungspolitik. All das hat Bayern zu einem besonders sozialen Land gemacht, wo die Menschen vergleichsweise gute Chancen haben, eine Beschäftigung zu finden, die auskömmlichen Lohn bringt.

Was hat Lafontaine (Ministerpräsident 1985-1998) dem Saarland hinterlassen: Schulden aufgehäuft, reichlich Geld aus dem Länderfinanzausgleich abgezapft ohne die Weichen für eine neue, zukunftsträchtige Wirtschaftsstruktur zu stellen.

Insofern sagt die Vergangenheit eines Politikers manchmal schon etwas über seine Glaubwürdigkeit aus. Wenn z.B. Lafontaine oft die Worte "sozial" und "gerecht" verwendet, macht ihn das noch lange nicht zu einem kompetenten Politiker für soziale Verbesserungen.

Zu seinen mangelnden Regierungserfolgen passen seine untauglichen Rezepte: Höhere Sozialleistungen, früherer Bezug höherer Renten, ein staatliches Ausgabenprogramm in Höhe von 50 Mrd. Euro etc. All das ist angeblich "sozial"; in Wahrheit würde dies jedoch zu einer steigenden Belastung durch Steuern und Abgaben und zu einer verschärften Staatsverschuldung führen. Beides ist unproduktiv und sozial höchst ungerecht.

Dass zahlreiche "Linke"-Politiker bis 1990 den "real existierenden Sozialismus" der DDR überzeugt, unkritisch oder begeistert mitgetragen haben, erhöht die Glaubwürdigkeit in meinen Augen auch nicht. Die DDR hat zu Unfreiheit und einer ruinierten Wirtschaft geführt; nicht gerade gute Voraussetzungen, um heute wahrheitswidrig über einen angeblichen "Überwachungsstaat" zu klagen oder ständig neue Forderungen nach staatlicher, marktunverträglicher Wirtschaftssteuerung und Umverteilung zu erheben.

Der Sozialismus, auch wenn sich seine Anhänger gelegentlich zum Sprachrohr berechtigter Kritik an tatsächlichen Problemen gemacht haben, ist und bleibt eine untaugliche Idee, wirtschaftliches Gemeinwohl für eine freie Gesellschaft zu realisieren.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Hans-Peter Uhl
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Frage zum Thema Arbeit
07.06.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Uhl,

Wann wird das ALG II angepasst? Es sind auch viele Aufstocker davon betroffen. Gestern hat der Bundestag das Klimaschutzpaket verabschiedet. In den Nachrichten kam, dass Energie deshalb noch teurer würde. Die Koalition hat den MWST-Satz um 3% angehoben, die Nahrungsmittel-und Energiepreise explodieren. Alles ohne jeden Ausgleich für ALG II Empfänger.

Wann also wird der ALG II Satz mal angepasst? Schließlich nimmt der Staat ja von den Arbeitslosengeld II Empfängern Geld weg, z.B. durch die MWST-Erhöhung. Wenn ein Preis steigt, dann steigen auch die MWST-Einnahmen für den Staat. Warum wird nichtmal dieses Geld zurück gegeben???
Die 5 Euro mehr ab Juli bzw. die Koppelung an die Renten halte ich für absurd.

Wenn nächstes Jahr das Kindergeld erhöht wird, steigt dann auch das ALG II für Kinder bzw. für die Eltern die auch für ein o. mehrere Kind(er) ALG II beziehen? Denn sonst zieht man die Kindergelderhöhung wieder vom ALG II Satz ab.

Warum müssen ALG II Bezieher Praxisgebühren bezahlen? Das Geld ist doch für andere Positionen vorgesehen bzw. für die Praxisgebühren ist kein Geld beim ALG II vorgesehen.


Wie wollen Sie, wenn die vollständige Freizügigkeit für osteuropäische EU-Bürger kommt , verhindern, dass noch mehr Arbeiter hier arbeitslos werden?

Da werden lieber Polen und Ungarn in der Gastronomie eingestellt. Und ich musste deshalb zum Amt gehen, bis der nächtste Job kam. Für ganze 2 Monate.
Kann man so ein Leben planen, wenn man nur immer ein paar Monate einen Job hat?
Ich sehe jedenfalls die Gefahr, dass die Politiker nur das Gute an der EU sehen und die kleinen Arbeiter das Nachsehen haben werden( Lohndumping , Arbeitslosigkeit)
Antwort von Dr. Hans-Peter Uhl
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16.06.2008
Dr. Hans-Peter Uhl
Sehr geehrte Frau ,

der Sozialstaat Deutschland verteilt jährlich etwa 700 Mrd. Euro zugunsten von Transferempfängern um. Allein der Bund gibt für Hartz IV (ohne Arbeitsfördermaßnahmen) 35 Mrd. Euro im Jahr aus. Das ist nach dem Rentenzuschuss (78 Mrd. Euro) und dem Schuldendienst (43 Mrd. Euro) der drittgrößte Posten im Bundeshaushalt (gesamt: 283 Mrd. Euro). Dieses Geld wird von den Steuerzahlern mühevoll aufgebracht. Eine Erhöhung der Steuerlast erscheint mir nicht zumutbar, eine Fortsetzung der Staatsverschuldung auch nicht.

Abgesehen von der jährlichen Koppelung an die Renten ist erst fünf Jahre nach der Einführung von Hartz IV eine grundsätzliche Neubewertung der Regelsätze vorgesehen.

Im Übrigen werden die Heizkosten (als Teil der Warmmiete) von den Sozialleistungsträgern übernommen.

Die Kosten für Zuzahlungen im Gesundheitsbereich (inkl. Praxisgebühren) sind für SGBII-Empfänger auf ca. 83 Euro im Jahr begrenzt. Bei Mehrausgaben erstellt die Krankenkasse eine Freistellungskarte.

Ich habe mich immer nachdrücklich dafür eingesetzt, dass die Freizügigkeit für Arbeitnehmer aus den neuen EU-Ländern erst nach 7 Jahren (und nicht vorher) hergestellt wird. Dabei bleibt es.

Im Übrigen ist der gemeinsame EU-Raum insgesamt ein Vorteil für das Wirtschaftswachstum und die Beschäftigung in Deutschland. Deutschland exportiert sehr viele Waren und Dienstleistungen nach Osteuropa. Umgekehrt können sich immer mehr Menschen aus Osteuropa inzwischen Reisen in die Alt-EU (z.B. zur Zeit Österreich und Schweiz) leisten.

Nicht die EU führt zu Arbeitslosigkeit. Das Problem ist aufs Ganze gesehen eher die relativ hohe Zahl gering Qualifizierter. Problematisch ist insbesondere, dass heute 8,5% der deutschen und 17% der ausländischen Jugendlichen eines Jahrgangs die Schule ohne Abschluss verlassen.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Hans-Peter Uhl
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Frage zum Thema Arbeit
16.06.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Uhl,

danke für Ihre Antwort.

Wenn ich aber entlassen wurde und dann günstigere Arbeitnehmer aus dem Osten( geht jetzt schon über das Niederlassungsgesetz/ Scheinfirma im Heimatland) meine Arbeit erledigen, nützen mir Ihre Hinweise nichts. Wenn ich mich recht entsinne, sagte Edmund Stoiber 2007, dass noch ca. 160.000 Akademiker in Deutschland arbeitslos wären. Wird mit dem Begriff "Niedrig-und Geringqualifizierte" nicht zu lasch umgegangen???

Wenn das Handwerk z.B. mehr ausbildet, als es später beschäftigen kann, so sind diese Leute geringqualifiziert?

Meine konkrete Frage: Wie verhindert Ihre Partei in Zukunft, dass osteuropäische Billigkräfte bevorzugt werden?

Und selbst wenn jemand geringqualifiziert ist, warum schützt der Staat ihn dann nicht?
Es kann m.E. nicht sein, dass der Staat zusätzliche Konkurrenz schafft, über zig Liberalisierungen ( Dienstleistungsrichtlinie, Freizügigkeit), zeitgleich aber Mindeststandards wie Mindestlöhne ablehnt. Sehen Sie das anders?

Ich sehe mich als Opfer einer Lohndumpingpolitik, die m.E. vom EuGH noch verschäft wird. Deshalb sind viele Menschen m.E. so europaskeptisch. Weil eine Sozialcharta fehlt.
Können Sie meine konkrete Einwände nicht etwas verstehen?
Schließlich bekommen Anwälte usw. auch nicht soviel Konkurrenz und sind über einen Gebührenverordnung quasi mindestlohnabgesichert.
Mir nützen Ihre Hinweise bezüglich Tourismus usw. nichts. Außerdem fließt auch viel Kapital weg. Ist es nicht so, dass der deutsche Arbeitnehmer die Verlagerung seines Arbeitsplatzes über die Steuern die zur EU gehen mitfinanziert? Wann hat es ein Ende, dass sich die Staaten der EU im Steuer senken gegenseitig das Leben schwer machen? Ist es nicht so, dass dieses Steuerdumping zwangsläufig zu Sozialdumping führen muss?

Wenn das Baltikum z.B. kaum Steuern erhebt, sollte es m.E. auch keine Gelder für Ansiedlungen von Firmen bekommen. Ist die EU-Politik nicht völlig ab absurdum in diesen Fragen?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Dr. Hans-Peter Uhl
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20.06.2008
Dr. Hans-Peter Uhl
Sehr geehrte Frau ,

Ihre Fragen sind so weitreichend, dass ich zu einer etwas längeren Antwort ausholen muss.

Natürlich kann ich Ihre Sorgen verstehen. Auch möchte ich individuelle Schicksale nicht wegdiskutieren. Ich bitte nur um Verständnis, dass zur Sachlichkeit auch der Blick aufs Ganze gehört.

So wollte ich keineswegs sagen, dass alle Arbeitslosen gering qualifiziert seien. In der Tat gibt es leider gut qualifizierte Arbeitslose, auch arbeitslose Akademiker. Aufs Ganze gesehen ist das Risiko arbeitslos zu werden und vor allem Langzeitarbeitsloser zu sein bei den "geringer Qualifizierten" (im Sinne der Arbeitsmarktanforderungen) jedoch wesentlich höher. Der Anteil der arbeitslosen Akademiker liegt bei 4-5% aller Arbeitslosen, also relativ niedrig.

Ihrem Eindruck, die EU sei Schuld an den Problemen des Arbeitsmarktes, möchte ich widersprechen. Erstens scheint mir in Ihrer Darstellung ein Widerspruch enthalten zu sein: Lassen die osteuropäischen Staaten zu, dass ihre Bürger in Deutschland Dienstleistungen erbringen, handelt es sich um "Lohndumping". Versuchen dieselben Staaten hingegen, ihre Arbeitnehmer durch attraktive Unternehmensbedingungen bei sich zu halten, betreiben sie "Steuerdumping" und "missbrauchen" EU-Gelder. Ganz so einfach ist es wohl nicht.

Zweitens hat sich ein negativer Beschäftigungseffekt (insgesamt, im Saldo!) in Folge der EU-Osterweiterung bislang nicht nachweisen lassen – im Gegenteil. Dazu möchte ich aus einer Studie zitieren, die 2007 Im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellt wurde zum Thema "AUSWIRKUNG DER EU-ERWEITERUNG AUF WACHSTUM UND BESCHÄFTIGUNG IN DEUTSCHLAND UND AUSGEWÄHLTEN EU-MITGLIEDSSTAATEN". Sie finden die Zusammenfassung der Studie hier:
www.bmwi.de

(Hinweis: Mit NMS-8 sind die mittel- und osteuropäischen Beitrittsländer gemeint: Lettland, Litauen, Estland, Polen, Slowakei, Tschechien, Ungarn, Slowenien gemeint.)

"Der deutsche Außenhandel mit den NMS-8 und Bulgarien und Rumänien hat sich bereits seit Anfang der 90er Jahre dynamischer entwickelt als der deutsche Außenhandel insgesamt oder der mit den alten EU-Mitgliedsländern. Auch nach der Erweiterung hat sich diese Dynamik fortgesetzt: Die Exporte in die NMS-8 sind von gut 56 Mrd. € im Jahr 2003 auf 83 Mrd. € im Jahr 2006 angestiegen und die Importe sind von 55,3 Mrd. € auf gut 70 Mrd. € gewachsen. Ähnlich hat sich die Entwicklung für Rumänien und Bulgarien vollzogen, die Exporte stiegen von 4,6 Mrd. € (2003) auf 9,3 Mrd. € (2006) und die Importe haben von gut 3,2 Mrd. € auf 5,8 Mrd. € zugenommen. Insgesamt verzeichnet Deutschland seit der Erweiterung mit den NMS-8 und mit Bulgarien und Rumänien hohe Handels- und Leistungsbilanzüberschüsse, d.h. die Wertschöpfung der von Deutschland in die NMS-8 ausgeführten Güter und Dienstleistungen übersteigt deutlich die Wertschöpfung der eingeführten Güter und Dienstleistungen. (...)

Auch wenn es in Einzelfällen zu Verlagerungen von Produktionsstätten in die neuen Mitgliedsstaaten kommt, so lässt sich daraus doch keine allgemeine Tendenz zum Abbau von Beschäftigung in Deutschland durch die EU-Erweiterung ableiten. Dazu ist auch gesamtwirtschaftlich das Volumen der Direktinvestitionen in die NMS-10 zu gering. Im Jahr 2004 betrug das Volumen an Direktinvestitionen in den neuen Mitgliedsstaaten ungefähr 0,3% des deutschen Bruttoinlandprodukts."

Ich bin überzeugt, dass freiheitliche Regeln im einheitlichen Binnenmarkt in der Europäischen Union und gemeinsame Standards uns ein Mehr an Beschäftigung und Wohlstand bringen. Deshalb macht sich die CSU auf allen Ebenen (Landtag - Bayerische Staatsregierung; Bundestag - Bundesregierung; Europäisches Parlament) für die Weiterentwicklung des europäischen Wirtschafts- und Sozialmodells stark. Das heißt: Ziel ist ein barrierefreier, gemeinsamer Wirtschaftsraum, der zugleich (!) im Sinne gemeinwohlorientierter Regelungen demokratisch kontrolliert und geordnet wird: Faire Standards zum Umwelt-, Arbeits- Verbraucherschutz etc. Beides muss zusammenkommen.

Freilich müssen auch Bereiche bleiben, die die einzelnen Mitgliedstaaten eigenständig (also auch bewusst anders wie andere EU-Länder) regeln können. Dazu gehört nach meiner Auffassung die Zuwanderung. Deshalb setzen wir uns zur Wehr gegen Absichten der EU-Kommission, die uns zu einer Änderung unserer Politik im Bereich der Arbeitsmigration zwingen würden. Die Mitgliedstaaten müssen über den Zugang von ausländischen Arbeitnehmern (aus Nicht-EU-Staaten) selbst entscheiden können. Wichtig ist es für uns, flexibel auf Änderungen auf unserem Arbeitsmarkt reagieren zu können. Auch die Entscheidungshoheit über die Festlegung von Einwanderungsquoten gehört in die Zuständigkeit der Mitgliedsländer. Zur Zuwanderungspolitik will ich Ihnen auch die Lektüre der Plenarrede meines Kollegen Reinhard Grindel (CDU) empfehlen: www.cducsu.de Daraus können Sie ersehen, dass die Union die einzige Kraft im Bundestag ist, die zum Schutz des Arbeitsmarktes keine weitere Zuwanderung – außer der, die schon möglich ist – zulassen will.

Zuletzt zum Thema Mindestlohn: Meine Partei lehnt gesetzliche Mindestlöhne ja nicht deshalb ab, weil wir den Menschen nicht einen ordentlichen, auskömmlichen Lohn gönnen würden. Wir befürchten nur – so sagen es die Wissenschaftler voraus, entsprechende Erkenntnisse gibt es aus Frankreich – dass ein gesetzlicher Mindestlohn viele Arbeitsplätze vernichten würde: Vgl. www.cesifo-group.de Daher sind wir der Meinung, dass ein niedriger Lohn plus ergänzende Sozialleistung für den Beschäftigten immer noch besser und für den Steuerzahler billiger ist als der Bezug von Hartz-IV komplett. CDU und CSU sind jedoch bereit, das Arbeitnehmerentsendegesetz zu seinem ursprünglichen Zweck auszuweiten: Dem Schutz vor übermäßigem grenzüberschreitenden Lohnwettbewerb. Eine dementsprechende Einbeziehung weiterer Branchen ("branchenspezifische Mindestlöhne") ist für uns akzeptabel, sofern bestehende Tarifverträge hinreichend geschützt werden. Im Koalitionsvertrag haben wir interessierten Branchen das Zieldatum Ende März 2008 angeboten, um eine Aufnahme in das Entsendegesetz zu beantragen. Das geringe Echo bestätigt unsere Position, wonach die bewährte deutsche Tarifautonomie Vorrang haben muss.

Mein Standpunkt in der Zusammenfassung: (Annähernde) Vollbeschäftigung bei guten Löhnen können wir nicht durch diverse Zwänge und Fesseln für die Wirtschaft erreichen, sondern durch gute Bildung und Ausbildung (Aufgabe der Politik, der Unternehmen und von jedermann selbst), möglichst viel Wirtschaftsfreiheit bei möglichst intelligenten Standards und Rahmengesetzen (teils national, teils europäisch), einer Begrenzung der Zuwanderung und einer nachholenden Integrationsarbeit und durch ein Steuer- und Sozialsystem, das Anreize zu mehr Beschäftigung bietet und Normalverdiener und mittelständische Unternehmer nicht übermäßig belastet.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Hans-Peter Uhl
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Frage zum Thema Arbeit
17.06.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Uhl,

seit August 2007 beziehe ich das ALG II, bin aber keinesfalls gering qualifiziert. Zwar bin ich nicht wie Sie promovierter Akademiker, aber dennoch eine Fachkraft mit dualer Ausbildung (Abitur, gel. Industriekaufmann, vielfach weitergebildet in Business English, Personalrecht, BWL). Eben jemand aus der Praxis.Ich setze alles daran, um wieder in eine Beschäftigung zu kommen. Eine Arbeitsgelegenheit habe ich auch schon hinter mir. Leider kann ich mir kein zusätzliches Studium leisten und sollte in den Augen der ARGEN lieber eine Hilfsarbeitertätigkeit annehmen. Wozu dann noch Bildung? So ergeht es vielen ALG-II-Empfängern!! Die meisten sind willig, fleißig und nicht dumm. Nicht jeder Bürger kann Akademiker sein. Dann wäre unsere Vollkswirtschaft nicht mehr leistungsfähig, da niemand mehr aktiv zur Mehrung des Bruttosozialproduktes beiträgt. Wir brauchen die gesunde Mischung. Ein Uni-Professor leistet meines Erachtens keine produktive Arbeit. Er sollte aber in unserer Gesellschaft den gleichen Stellenwert haben wie ein Facharbeiter oder ein Industriekaufmann, der schon ein kleiner BWLer ist.
Wann beenden Sie endlich diesen unmenschlichen Druck auf die Arbeitslosen, der in der Forderung nach "Workfare" gipfelt? Für die Leser erklärt: "Workfare" bedeutet Arbeitszwang ohne extra Leistung. Wer sie ablehnt, erhält weniger ALG II? Wollen Sie wirklich den § 1 des GG außer Acht lassen, in dem Arbeitszwang untersagt wird? Die Bürger sollten endlich aufstehen und für ihre Rechte auf die Straße gehen. Bitte bedenken Sie stets: die Volksvertreter werden vom Volke (gr.: demos) gewählt, können aber auch abgewählt werden. Heißt das nicht Demokratie:=))?
Warum gerade wir Arbeitslosen (derzeit in Weiterbildung, also gar nicht erfasst) uns alles von "da oben" gefallen lassen? Es reicht, das Maß ist voll! Ganz zu schweigen von den depressiven Phasen, die man zwangsweise durchlebt.

Mit freundlichem Gruß

Antwort von Dr. Hans-Peter Uhl
3Empfehlungen
20.06.2008
Dr. Hans-Peter Uhl
Sehr geehrter Herr ,

selbstverständlich sind nicht alle Arbeitslosen unwillig oder schlecht qualifiziert. Der Großteil ist in der Tat "willig, fleißig und nicht dumm". Die unionsgeführte Bundesregierung weiß das und bemüht sich entsprechend – als politische Schwerpunktaufgabe – um eine Wirtschaftspolitik, die die Wachstumskräfte stärkt und den Beschäftigungsaufbau voranbringt.

Wir sind noch lange nicht am Ziel. Dennoch lassen sich die Erfolge messen: Die Arbeitslosenzahl wird in dieser Legislaturperiode von fünf auf voraussichtlich drei Millionen sinken. Die Zahl der Erwerbstätigen ist im letzten Jahr um 650.000 gestiegen, die meisten davon sind sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (630.000).

Zudem sind über 400.000 offene Stellen gemeldet. Der Arbeitsmarkt ist noch nicht aufnahmefähig genug. Wir führen das u.a. auf immer noch zu hohe Lohnzusatzkosten und Qualifikationslücken zurück. Die wichtigste Maßnahme ist die kräftige Absenkung des paritätisch getragenen Beitrages zur Arbeitslosenversicherung. Sobald dauerhafte Spielräume zur Senkung des aktuellen Beitrags von 3,3% (2005: noch 6,5%!) auftreten, müssen diese genutzt werden. Die Arbeitnehmer erhalten höhere Nettoeinkommen und Neueinstellungen werden erleichtert. Beide Effekte stärken die Binnennachfrage.

Erfolgreiche Wachstums- und Beschäftigungspolitik muss insbesondere auf Belange der mittelständischen Wirtschaft eingehen. Mittelständische Unternehmen stellen in Deutschland rund 70% der Arbeitsplätze und 82% der Ausbildungsplätze. Bundeswirtschaftsminister Glos hat dazu u.a. eine Initiative zur Verbesserung der Kreditversorgung des Mittelstandes angestoßen. Ebenso stehen wir dafür, dass durch die Erbschaftsteuerreform der Betriebsübergang nicht erschwert und praxistauglich gestaltet wird. Dies ist für uns im nun anstehenden Gesetzgebungsverfahren unverrückbar.

Der steigende Bedarf an Fachkräften muss vor allem durch bessere Qualifizierung und Ausbildung inländischer Arbeitskräfte gedeckt werden. Die Bundesregierung muss konsequent die nationale Bildungsoffensive umsetzen. Die Unternehmer müssen ihrer Mitverantwortung gerecht werden. Besonders notwendig ist Nachwuchs in technischen und naturwissenschaftlichen Fächern.

Ich stimme Ihnen zu, dass nicht jeder Bürger Akademiker sein kann und soll. Die Unterscheidung zwischen Menschen mit beruflicher Bildung, die produktiv arbeiten, und Akademikern, die gewissermaßen inaktiv sind, stimmt jedoch so nicht. Z.B. die (dringend gesuchten) diplomierten Informatiker, Elektrotechniker und Maschinenbauer dürften sehr wohl zum produktiven Kern unserer Wirtschaftsordnung gehören.

Zum Thema "Arbeitsgelegenheit" verweise ich auf meine Antwort vom 6.6.08 an Frau Engel.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Hans-Peter Uhl
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