Dr. Dieter Wiefelspütz (SPD)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Dr. Dieter Wiefelspütz
Jahrgang
1946
Berufliche Qualifikation
Jurist, Richter a. D.
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages, selbst. Rechtsanwalt in Lünen
Wahlkreis
Hamm - Unna II
Landeslistenplatz
31, Nordrhein-Westfalen
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Ich bevorzuge eine Welt ohne Atomwaffen.
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
20.01.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Wiefelspütz,

Sie antworten mir:

"Oder meinen Sie ernsthaft, das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung umfasse das Recht auf Kommunikation zu verbrecherischen Zwecken? "

Ja genau, das meine ich, denn verbrecherische Kommunikation entdecken Sie leider nur, indem Sie auch nichtverbrecherische Kommunikation überwachen. Da Sie also nicht wissen können, wer wann und wo zu verbrecherischen Zwecken kommuniziert, kann dieses Recht leider auch zu verbrecherischen Zwecken mißbraucht werden. Und die einzige Abhilfe wäre es, dieses Recht komplett abzuschaffen. Auch für die absolute Mehrzahl jener Bürger, die dieses Recht nicht zu verbrecherischen Zwecken mißbrauchen. Meine Frage: Möchten Sie das wirklich?

Ein anderer Ansatz: Was verstehen Sie unter verbrecherischer Kommunikation? Ist Ihrer Meinung nach bereits die Planung eines Banküberfalls schon das Verbrechen, welches es zu entdecken und zu verhindern gilt? Falls ja: Was ist, wenn der technolgische Fortschritt irgendwann das Gedankenlesen gestattet. Gelten dann bereits verbrecherische Gedanken, die ja eigentlich auch nichts anderes als Planungen sind, als
Rechtfertigung für Gedankenkontrollen? Bemerken Sie die besondere Problematik der Prävention im Gegensatz zur Strafverfolgung? Wo sehen Sie die Grenzen? Stimmen Sie in zwanzig Jahren mit derselben Argumentation für heimliche Gedankenkontrollen, weil es ja keine verbrecherischen Gedanken geben darf?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Dr. Dieter Wiefelspütz
1Empfehlung
24.01.2008
Dr. Dieter Wiefelspütz
Sehr geehrter Herr ,

ich bin der Auffassung, daß Ihre Sicht der Dinge reichlich weltfremd und leider nicht sehr informiert ist.

Die Bundesrepublik Deutschland ist ein hochentwickelter Rechtsstaat. Unsere Polizeibeamten, Staatsanwälte und Richter sind sehr qualifiziert, rechtstreu und nicht korrupt. Das ist in vielen Ländern der Welt ganz anders.

Selbstverständlich benötigen die Sicherheitsbehörden im Rechtsstaat konkrete und handfeste Anhaltspunkte, wenn ein Telefon abgehört, ein Computer beschlagnahmt oder eine Wohnung durchsucht werden soll. Bei gravierenden Zwangsmaßnahmen entscheidet ein Richter, ob der Zugriff erlaubt wird. Auch die Prävention von Straftaten erfolgt im Rahmen und nach den Regeln des Rechtsstaats.

Freiheit ist immer begrenzt. Ich halte die Vorstellung, es gebe ein Grundrecht auf das Begehen von Straftaten, für komplett absurd. Ich empfehle Ihnen ganz einfach die Lektüre der Artikel 1 - 19 unseres wunderbaren Grundgesetzes.

Wenn zwei Menschen sich verabreden, einen Bankraub zu begehen und mit den Vorbereitungen der Tat beginnen, ist bereits die Verabredung strafbar.

Ich halte Ihre Vorstellung, irgendjemand wolle Gedanken kontrollieren, für irreal. Ich kenne in Deutschland niemanden, der das erwägt. Ein Student der Rechtswissenschaften lernt im ersten Semester, daß Gedankenkontrolle, wenn sie denn technisch möglich wäre, eine grobe und evidente Verletzung der Menschenwürde wäre.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Dieter Wiefelspütz
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
20.01.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Wiefelspütz,

Sie sind für eine verschärfte Überwachung von Kommunikation und gespeicherten Daten und wollen dafür Grundrechte einschränken. Ihre Begründung ist, es gebe kein Recht auf das ungehinderte Begehen von Verbrechen.

Gab es je ein Recht auf das ungehinderte Begehen von Verbrechen?

Viele Verbrechen werden in Privatwohungen begangen. Wie lange halten Sie das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung noch für tragbar? Wie lange halten Sie es überhaupt noch für tragbar, dass Bürger unbeobachtet ihren privaten und beruflichen Geschäften nachgehen - sie könnten schließlich jederzeit ein Verbrechen begehen oder vorbereiten?

Können Sie sich vorstellen, dass Grundrechte die Bürger auch vor einem Staat schützen, der bei zu großer Macht dazu neigt, willkürlich zu definieren, was Verbrechen ist? Etwa, einer bestimmten ethnischen Gruppe anzugehören, das Land verlassen zu wollen oder gegen die Regierung zu protestieren? Glauben Sie wirklich, auf die Grundrechte verzichten zu können? Glauben Sie, dass der deutsche Staat vertrauenswürdig und ein "good guy" bleibt? Ist jemand, der das "Vertrauen" (Preisgabe von Geheimnissen) seiner Bürger erzwingen will, überhaupt noch vertrauenswürdig?
Antwort von Dr. Dieter Wiefelspütz
1Empfehlung
26.01.2008
Dr. Dieter Wiefelspütz
Sehr geerter Herr ,

Sie leben offenbar in einem völlig anderen Land als ich. Ich lebe in dem entwickeltsten Rechtstaat der Welt. Ich kenne kein Land, in dem der Schutz der Grundrechte der Bürger einen höheren Stellenwert als in Deutschland hat. Sicherheit ist wichtig. Freiheit und Menschenwürde sind noch wichtiger. Das ist meine Überzeugung. Die Freiheit der Bürger ist in den letzten Jahren gewachsen, nicht geschmälert worden. Das gilt nicht nur für die Bürger der neuen Bundesländer. Wie wäre es, wenn Sie Ihre Vorurteile und Feindbilder überprüfen?!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Dieter Wiefelspütz
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Frage zum Thema Sicherheit
20.01.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Dr. Wiefelspütz,

Telefonüberwachung, Online- Überwachung, Duftproben von Regierungskritikern

und auf der anderen Seite wird die Buback Akte unter Verschluss gehalten. Und das schärfste Terroristen sollen in Beugehaft obwohl wahrscheinlich schon alles seit 20 Jahren in diesen Akten steht.

Wie passt die Generalüberwachung des Volkes und diese Verschleierung zusammen?
Antwort von Dr. Dieter Wiefelspütz
1Empfehlung
24.01.2008
Dr. Dieter Wiefelspütz
Sehr geehrter Herr ,

nach meiner festen Überzeugung ist die Bundesrepublik Deutschland der weltweit entwickeltste Rechtsstaat. Nirgendwo haben die Verfassung sowie Richter und Gerichte eine so große Bedeutung wie in unserem Land.

Generalüberwachung des Volkes? Ich lebe in einem Rechtsstaat, nicht in Nirwana.

Ich setze mich für die Freigabe der Buback-Akten des Verfassungsschutzes ein und habe die Aufbewahrung von Duftproben kritisiert.

Die Anordnung von Beugehaft für Zeugen, die die Aussage verweigern, halte ich für sachgerecht. Oder wollen Sie ein Sonderrecht für Terroristen?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Dieter Wiefelspütz
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Frage zum Thema Bildung und Forschung
20.01.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Dokter Wiefelspütz,

unsere Politiklehrerin brachte mich indirekt auf die Idee, einen Abgeordneten selbst zu fragen. Da meine Eltern über die SPD recht heftig verärgert sind, halte ich gerade diese Partei für meinen Ansprechpartner in Hamm. Ich und viele meiner Klassenfreunde wollen nicht wählen gehen. Wir halten die aktuelle Politik für untauglich. Sie wird wesentlich durch das Zinssystem massgeblich gelenkt.
Bürgerbegehren werden nicht gewünscht. Elementare Entscheidungen wie eigenen Verfassung, eigene Währung, ja überhaupt die Frage nach dem System einer Volksgemeinschaft werden verhindert. Zum Wohle des Geldes. Dabei ist es doch mal interessant zu hinterfragen, wer denn das Sagen in der Welt hat. Bitte tragen Sie es mir nicht nach, ich krieg schon zuviel, wenn politische Endloslabereien und Profilierungsgespräche den Rahmen der Berichterstattung vereinnahmen.
Insgeheim drängt sich der Verdacht auf, wir jungen Menschen werden zeitlebens konditioniert. Wenn wir konform leben, BRAVO, wenn nicht, macht nix.
Wir jungen Leute werden in einer Welt der direkten und indirekten Überwachung groß, doch durch Wahlen etwas ändern, dass halte nicht nur ich für witzlos. Und mir dem Blick einer politisch orientierten Schülerin sehe ich da keine Besserung der durch alte Bastionen der Politik festzementierten Richtung in diesem Land.

Darum macht Wählengehen keinen Sinn. Und die entscheidende Frage an Sie: Angenommen, Sie wären noch einmal 16 Jahre jung, wie würden Sie vorgehen, damit der Reichtum in Deutschland sozial verteilt wird, damit Firmen nicht Gewinne in das Ausland transferieren, damit Politiker für Fehlentscheidungen persönlich haften und die Leute ganz unten was zum sagen haben? Solange die Politik die Jugend als spätere Vollmitglieder dieser Gesellschaft ignoriert, solange geht uns die Politik nur noch ganz wenig an, leider.

Antwort von Dr. Dieter Wiefelspütz
2Empfehlungen
26.01.2008
Dr. Dieter Wiefelspütz
Sehr geehrte ,

vorab: Wenn Sie in Hamm leben, ist nicht der Umweg über abgeordnetenwatch notwendig, um sich mit mir auszutauschen. Ich bin häufig in Hamm. Ein Anruf im Büro der SPD Hamm genügt, um einen Termin mit mit mir für ein persönliches Gespräch zu verabreden.
Nun zu Ihrer mail: Ich habe bei abgeordnetenwatch inzwischen über 400 Fragen beantwortet. Ich beantworte jede Frage selber. Mit keiner Anfrage tue ich mich so schwer wie mit Ihrer Anfrage. Ich kenne Sie nicht. Offenbar sind Sie sehr jung. Wären Sie 10 Jahre älter, müßten Sie mit einer knallharten und kompromißlosen Antwort von mir rechnen. Aus Gründen Ihres persönlichen Schutzes möchte ich in einer öffenlich zugänglichen Internetplattform nicht auf den Inhalt Ihrer mail eingehen. Ich bin aber bereit, mit Ihnen, Ihren Eltern und Ihrer Lehrerin zu reden. Nicht nur die unkritische Verwendung des Wortes "Volksgemeinschaft", auch andere "Inhalte" Ihrer mail machen mir große Sorgen.

Mit gleichwohl freundlichen Grüßen
Dr. Dieter Wiefelspütz
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Frage zum Thema Inneres und Justiz
20.01.2008
Von:
jan

Im Interview mit der Taz vom 20.1.2008 erklären sie, dass alle maßgeblichen Sicherheitsexperten die heimliche Online-Durchsuchung für notwendig erklären.

Ich habe mich mit der Thematik intensiv beschäftigt, kann mir aber nur denken, wieso Online-Durchsuchungen unsinnig oder zum Teil sogar kontraproduktiv in der Verbrechensaufklärung/Gefahrenabwehr sein können. Deswegen würde mich interessieren wer und wieso die Online-Durchsuchung für notwendig hält, und warum diese Meinungen für Sie maßgeblich sind.

Gruß aus der Universitätsstadt Würzburg,
Jan
Antwort von Dr. Dieter Wiefelspütz
3Empfehlungen
22.01.2008
Dr. Dieter Wiefelspütz
Sehr geehrter Herr ,

die Generalbundesanwältin ist für die Einführung der Online-Durchsuchung, ebenso die Präsidenten des Bundeskriminalamtes, des Bundesnachrichtendienstes und des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Hinzu kommen nahezu alle Innen- und Justizminister, quer durch die Parteien.

Bei allem Respekt vor Experten, mit deren Auffassungen ich mich gerne und intensiv auseinandersetze, für mein Verhalten im Parlament ist letztlich meine eigene Überzeugung entscheidend.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Dieter Wiefelspütz
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