Von:


Sehr geehrter Herr Wiefelspütz,
zunächst möchte ich sagen, dass ich Irland in höchstem Maße dankbar bin. Dann möchte ich Ihnen die Frage stellen, welches Verständnis Sie von unserer Demokratie haben. Auch hierzulande gab es nämlich überaus deutliche - und eigentlich nur mit Mühe und Absicht zu übersehende Hinweise darauf, dass die Deutschen mehrheitlich ebenfalls gegen den EU-Reformvertrag sind.
Wenn ich in der Schule richtig aufgepasst habe, ist das Volk der eigentliche Souverän. Nun frage ich Sie ganz ernsthaft, weshalb in Deutschland unentwegt Politik gegen den Willen der Menschen gemacht wird. Finden Sie nicht auch, dass Politiker ihre persönliche Meinung zurückstellen sollten, wenn Sie - auf welche Weise auch immer - Kenntnis davon erlangen, dass die Mehrheit des Volkes anderer Meinung ist? Und eine persönliche Frage: Nach Ihrem eigenen Bekunden setzen Sie sich für mehr plebiszitäre Elemente in unserer Demokratie ein. Völlig im Widerspruch dazu, stellen jedoch gerade Sie niemals Ihre eigene Meinung hinter dem Volkeswillen zurück, sondern fallen im Gegenteil mitunter sehr unangenehm dadurch auf, dass Sie auf Ihrem Standpunkt beharren. Das macht Sie in meinen Augen unglaubwürdig und ist sicher einer der Gründe dafür, weshalb Sie auf Abgeordnetenwatch dermassen im Rampenlicht stehen.
Wenn das deutsche Volk in wichtigen Belangen schon nicht abstimmen darf, wäre es dann nicht die Pflicht aller Politiker, Meinungsumfragen und andere Hinweise sehr viel ernster zu nehmen und sie wenigstens zum Anlass zu nehmen, um den eigenen Standpunkt kritisch zu überdenken?
Zum Schluss eine konkrete Frage: Irland war das einzige Land, in dem das Volk überhaupt befragt wurde und es war auch das einzige Land, welches gegen den EU-Vetrag gestimmt hat. Glauben Sie, dass die Mehrheit aller EU-Länder für oder gegen den EU-Vertrag gestimmt hätte, wenn man die Bevölkerung hätte abstimmen lassen? Und welche Konsequenzen ziehen Sie aus dieser Erkentnis?
mfg
