Dr. Christel Happach-Kasan (FDP)
Abgeordnete Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Dr. Christel Happach-Kasan
Jahrgang
1950
Berufliche Qualifikation
Biologin
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Herzogtum Lauenburg - Stormarn-Süd
Landeslistenplatz
2, über Liste eingezogen, Schleswig-Holstein
weitere Profile
Ich meine, dass es nicht Aufgabe des Staates ist, die Zusammensetzung von Nahrungsmitteln und deren bestimmungsgemäßen Verzehr festzulegen, so dass für jedermann eine vegane Ernährung ohne die Gefahr der Mangelernährung möglich wird. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Verbraucherschutz
30.06.2009
Von:
Kaj -

Sehr geehrte Frau Happach-Kasan,

Sie sind eine leidenschaftliche Vertreterin der Grünen Gentechnik, daher wende ich mich an Sie mit meinen Fragen zum Thema zu denen ich jeweils eine Quellenangabe unten angefügt habe.

  • Gibt es ein Konzept für die Rückführung von technischen Genen aus der Natur, wenn sich herausstellt, dass sie zu dominant sind, wie es bspw. in Argentinien und Kanada seit Jahren beobachtet wird?

Man rechnet momentan mit ca. 16 Jahren gentechnikfreiem Anbau, um eine Region wieder konventionell betreiben zu können. Soviel ich weiß, muss derjenige für den Schaden aufkommen, der das Material ausgebracht hat. Möglicherweise kann ein einzelner Landwirt einen Schaden in dieser Höhe aber garnicht tragen, wenn er mehrere umliegende Ländereien kontaminiert hat. Daher meine nächste Frage:

  • Gibt es einen Plan für die Versicherung eines solchen etwaigen Schadens, der entstehen würde, wenn landwirtschaftliche Flächen über 16 Jahre lang nicht für den Nahrungsmittelanbau betrieben werden können?

Quellen:
Stand der Dinge in Sachen Gentechnik allgemein:
umweltinstitut.org

Information zur Technologie:
www.umwelt.sachsen.de
www.transgen.de

Ausbreitung von gentechnisch verändertem Saatgut:
www.safe2use.com
www.greenpeace.de

Rückführung eines Gentechfeldes in ein konventionelles Feld dauert 16 Jahre:
www.blauen-institut.ch


Mit freundlichen Grüßen,

Kaj -
Antwort von Dr. Christel Happach-Kasan
12Empfehlungen
08.07.2009
Dr. Christel Happach-Kasan
Sehr geehrter Herr -,
vielen Dank für Ihre beiden Fragen.

Ich engagiere mich in verschiedenen Fragen der ländlichen Räume und des Natur- und Umweltschutzes. Die Grüne Gentechnik ist für mich ein Thema unter mehreren. In ähnlicher Weise bin ich in folgenden weiteren Themen engagiert: Ländlicher Raum, Wald, Fischerei, Biodiversität, Pflanzenschutz, Gartenbau. Bei allen Fragen, mit denen ich mich beschäftige, ist es mein Anliegen, politische Positionen und Lösungsvorschläge zu erarbeiten, die wissenschaftlich begründet und der Nachhaltigkeit verpflichtet sind.

Von den von Ihnen genannten Internetseiten sind die beiden, die Sie unter dem Stichwort "Informationen zur Technologie" aufführen, sehr sorgfältig gearbeitete Seiten, die verlässlich über die Grüne Gentechnik informieren.

Die Internetseiten des Umweltinstituts München und von Greenpeace sind für eine objektive Information über die Gentechnik nicht geeignet. Das Umweltinstitut München ist ein Verein, der unter anderem einen Agraringenieur beschäftigt, keinen Biologen. Beide Internetseiten verstehen sich als Kampagnenseiten gegen die Nutzung der Gentechnik, ihr Ziel ist nicht die Information. Die beiden weiteren genannten Seiten sind mir nicht bekannt.
Mir war zunächst nicht klar, was Sie mit dem Begriff "technische Gene" meinen. Ich habe gegoogelt und unter dem Stichwort ganz oben eine Geburtsanzeige gefunden sowie die Aussage, dass es technische Gene nicht gebe und Frauen und Männer prinzipiell in gleicher Weise für technische Aufgaben qualifiziert seien.

Auf Grund der von Ihnen genannten Internetseiten vermute ich nun, dass Sie natürliche Gene meinen, die mit gentechnischen Methoden in Pflanzengenome eingefügt werden. Auf der Internetseite des Umweltministeriums in Sachsen wird dies sehr gut beschrieben.

1. Bt-Mais
Natürliche Gene mit für die Züchtung interessanten Eigenschaften werden in der Pflanzenzüchtung zur gentechnischen Verbesserung von Pflanzensorten genutzt. Ein Beispiel ist das Gen des Bakterium Bazillus thuringiensis, mit dem das Bakterium einen Wirkstoff produziert, der für verschiedene Insektenarten giftig ist. Pflanzen, die mit gentechnischen Methoden dieses Gen erhalten haben, sind dann ebenfalls für die entsprechenden Insektenarten giftig.

Gene vagabundieren nicht frei herum. Nur eingebunden in das Genom eines Organismus, z. B. einer Pflanze oder eines Bakteriums, bleiben Gene zumindest über einen gewissen Zeitraum erhalten und funktionstüchtig. Da das Bakterium Bazillus thuringiensis nahezu überall in den Böden vorkommt, nicht nur in Thüringen, wo es erstmalig entdeckt wurde, ist dieses Gen, das den für Insekten giftigen Wirkstoff produziert, auch überall vorhanden, wo das Bakterium präsent ist.

Zu Frage 1:
Es ist völlig unmöglich und auch absolut unsinnig, alle Organismen, das heißt insbesondere alle Bakterien zu vernichten, die das Gen enthalten, das in Kopie in Bt-Pflanzen eingeführt wurde.

Beim Anbau von gentechnisch verändertem Bt-Mais in Deutschland bleibt das Gen auf Maispflanzen beschränkt, denn Mais hat in Deutschland keine in der Natur vorkommenden Kreuzungspartner. Mais kreuzt nicht in die Natur aus.
Auf Grund der klimatischen Gegebenheiten in Deutschland, Frost im Winter, überdauern Maiskörner in der Natur den Winter nicht. Die Verordnung über die gute fachliche Praxis bestimmt, dass im Jahr nach dem Anbau von Bt-Mais nur Bt-Mais oder eine andere Kulturpflanze angebaut werden darf. Im zweiten Jahr hat der Landwirt dann wieder alle Optionen.

Der Maiszünsler ist die einzige bei uns auf Mais lebende Insektenart. Unter anderem deshalb war die von der Bundesregierung für das Verbot von MON810 herangezogene Arbeit, in der Marienkäferlarven mit Blattläusen, die mit Maispollen bestäubt waren, im Labor zwangsgefüttert worden waren, nicht geeignet, eine Wirkung des Anbaus der Maissorte auf Nichtzielorganismen zu beweisen. Es gibt keine Blattläuse, die an Mais saugen. Daher kommen Marienkäferlarven, die Blattläuse fressen, auch nicht auf Mais vor. Französische Wissenschaftler haben die Bundesregierung zu Recht wegen dieser Entscheidung kritisiert. Allerdings müsste sich diese Kritik auch an die Adresse der eigenen Regierung richten, die ebenfalls ein rein politisch motiviertes Verbot ausgesprochen hat.

2. Herbizidtoleranter Raps in Kanada
In Kanada wird auf 95% der Rapsanbaufläche herbizidtoleranter Raps angebaut. Kanada hat den Ertrag von 4,5 Mio. t in 1996 auf 9,1 Mio. t in 2006 steigern können. In Kanada werden sowohl herbizidtolerante gv-Sorten wie auch herbizidtolerante herkömmlich gezüchtete Sorten angebaut. Die Rapssorten besitzen unterschiedliche Herbizidtoleranzen: Nach Angaben aus 2005: Etwa 50 % haben eine Glyphosat-Toleranz, etwa 35 % eine Glufosinat –Toleranz, etwa 15% eine Imidazolinon-Toleranz (Clearfield) und etwa 5% eine Bromoxynil-Toleranz. Die beiden zuletzt genannten Sortengruppen wurden herkömmlich gezüchtet. In Kanada gibt es seit 1981 Anstrengungen – zunächst mit herkömmlichen Zuchtverfahren – herbizidtolerante Sorten zu züchten. Inzwischen haben sich die gv-Sorten weitgehend durchgesetzt. Es gibt in Kanada keine Kennzeichnungsvorschriften, gv- und Nicht-gv-Raps werden gemeinsam vermarktet.

Raps verliert bei der Ernte bis zu 10% seiner Samenkörner auf dem Feld. Es gehört zur guten fachlichen Praxis in der Landwirtschaft, dass das Entstehen von Durchwuchsraps im darauf folgenden Jahr verhindert wird. Dafür gibt es verschiedene Methoden: 1. Bodenbearbeitung direkt nach der Rapsernte, 2. die Bekämpfung von gekeimtem Raps z. B. mit Hilfe von Herbiziden, 3. die Wahl einer geeigneten Fruchtfolge.

In Norddeutschland wird Raps vielfach in der Fruchtfolge Raps, Weizen, Gerste angebaut. In den Weizen- und Gerstenfeldern ist in aller Regel kein Raps-Durchwuchs zu finden. Das heißt, die gute fachliche Praxis in der Landwirtschaft verhindert den Durchwuchs wirksam.

Für die landwirtschaftliche Praxis ist es somit ohne Bedeutung, dass noch nach 15 Jahren Raps noch keimfähig sein kann. Das bedeutet jedoch nicht, dass jedes Samenkorn keimfähig ist. In Kanada wird aus gv-Raps Speiseöl hergestellt, der dortige gv-Raps ist als Nahrungsmittel geeignet und zugelassen.

In Deutschland wurde die Auskreuzung von Raps in Sareptasenf nachgewiesen. Die Eigenschaft Herbizidtoleranz verschafft Unkräutern keine Vorteile, da außerhalb von Feldern keine Herbizide angewandt werden. Dies kann aus Gründen des Artenschutzes auch niemand wollen. In Kanada wurden bisher keine herbizidtoleranten (gegenüber Glyphosat bzw. Glufosinat) Wildkräuter gefunden.

Im Übrigen können Sie bei uns in Deutschland sehen, dass Raps, der in einigen Jahren auf einer Fläche von über einer Million Hektar angebaut worden ist, gleichwohl nicht in der Natur dominiert. Er kann sich gegenüber den in der Natur vorkommenden Pflanzen nicht durchsetzen. Das zeigt: Kulturpflanzen sind auf die Pflege durch den Landwirt angewiesen.

Probleme haben wir in der Natur mit der ungewollten Verbreitung von züchterisch nicht bearbeiteten Pflanzen. Es gibt zahlreiche Beispiele: Die beifußblättrige Ambrosie hat sich insbesondere in Süddeutschland über Vogelfutter verbreitet. Die Verbreitung ist ein ernstes Problem, weil viele Menschen allergisch auf die Pflanzen reagieren. Aber auch einheimische Pflanzen können Probleme bereiten. Das Jakobskreuzkraut breitet sich in den letzten Jahren auf extensiv bewirtschafteten Flächen aus. Es enthält das für Mensch und Tier giftig wirkende Pyrrolizidin-Alkaloid.

3. Herbizidtolerante Sojabohnen
In Argentinien wird inzwischen auf 98% der Sojaanbaufläche gv-Soja angebaut, in den USA zu 92%, in Brasilien zu 64%. Die wesentlichen Sojaanbauländer haben in der Vergangenheit von Jahr zu Jahr den Anbau von gv-Soja gesteigert. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass in diesen Ländern der Anbau von gv-Soja gesteigert wurde, obwohl er Probleme bereitet.

Landwirte aus den USA haben berichtet, dass der Anbau von gv-Soja einen Kostenvorteil von etwa 40 US $ pro Hektar bietet.

Zu Frage 2:
Auf einer Fläche, auf der gv-Pflanzen angebaut wurden, können anschließend problemlos herkömmlich gezüchtete Pflanzen entsprechend den Regeln der Fruchtfolge angebaut werden. Durchwuchs lässt sich durch entsprechende Bodenbearbeitung verhindern. Wie lange Samen im Boden überdauern, ist kulturartspezifisch.

Es entsteht ein finanzieller Schaden, wenn ein Landwirt seine Ernte als "gentechnisch verändert" kennzeichnen muss und dies zu einem geringeren Erlös führt, sofern dies auf das Auskreuzen von gv-Pflanzen von einer benachbarten Fläche zurückzuführen ist. Der im vergangenen Jahr erstellte Gentechnik-Bericht der Bundesregierung führt aus, dass dieser Fall bisher in Deutschland noch nicht eingetreten ist.

Mit freundlichen Grüßen
Christel Happach-Kasan
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Frage zum Thema Umwelt
06.07.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Happach-Kasan,

ich wohne nicht weit weg vom Atomkraftwerk Krümmel. Erneut hat da etwas
nicht funktioniert. Ich habe im Internet nachgeguckt, und jede Zeitung
schreibt etwas anderes. Ich möchte von Ihnen wissen: Was ist da los in
Krümmel? Setzen Sie sich immer noch für den Weiterbetrieb des Kraftwerks
ein, und warum gibt es dort soviele Störfälle. Ich weiss langsam nicht
mehr, wem ich glauben soll.
Antwort von Dr. Christel Happach-Kasan
7Empfehlungen
10.08.2009
Dr. Christel Happach-Kasan
Sehr geehrte Frau ,

die Nutzung der Elektrizität ist in unserem Alltag unverzichtbar. Das Kernkraftwerk Krümmel produziert seit 1984 elektrischen Strom. Es gehört zur mittleren Generation der Kernkraftwerke in Deutschland. Sieben Kernkraftwerke sind länger in Betrieb, sieben Kernkraftwerke wurden später in Betrieb genommen. Die Fakten und Vorgänge der letzten Wochen beim Kernkraftwerk Krümmel sind in der Tat von verschiedenen Medien sehr unterschiedlich wiedergegeben worden. Ich bin davon überzeugt, dass die Sicherheit der Menschen in der Umgebung des Kernkraftwerks zu keiner Zeit gefährdet gewesen ist.

Es gibt eine Internationale Atomenergiebehörde, die weltweit Ereignisse in Kernkraftwerken bewertet. Die Bewertungsskala der Internationalen Atomenergiebehörde, "International Nuclear Event Scale” (INES), ist siebenstufig. Die unterste Stufe wird als Störung bezeichnet und ist charakterisiert durch die "Abweichung von den zulässigen Bereichen für den sicheren Betrieb der Anlage". Weder der Transformatorbrand im Sommer 2007 noch weitere nach deutschem Recht meldepflichtige Ereignisse sind von der Internationalen Atomenergiebehörde überhaupt als "Störung" bewertet worden. Alle Ereignisse lagen unterhalb der untersten Bewertungsstufe. Also auch nach internationalen Maßstäben hat es keine Gefährdung der Bevölkerung durch den Betrieb des Kernkraftwerks gegeben.

Das Auftreten von Ereignissen im Betriebsablauf, die für die Sicherheit nicht relevant sind, ist angesichts der Größe der Anlage und der Menge der produzierten elektrischen Leistung normal. Entscheidend für den sicheren Betrieb des Kraftwerks ist, dass solche Ereignisse sicher beherrscht werden. Die Meldepflicht – die nur für Kernkraftwerke gilt - stellt sicher, dass die Aufsichtsbehörden über alle solche Ereignisse informiert sind und die Aufgabe der Kontrolle fachgerecht wahrnehmen können. Vor zwei Jahren hat einer der beiden Maschinentransformatoren des Kernkraftwerks Krümmel gebrannt, die den vom Kernkraftwerk produzierten elektrischen Strom in einen Strom mit hoher Spannung (380 Kilovolt (kV)) umwandeln (transformieren).

Auf Glühlampen ist angegeben, für welche Spannung (bei uns 220 Volt) und welche Leistung (Watt) die Glühlampe ausgelegt ist. Die Überlandleitungen unseres Elektrizitätsnetzes transportieren Strom mit einer Spannung von 110 000 oder 380 000 Volt. Der im Kernkraftwerk produzierte Strom hat eine geringere Spannung. Deshalb muss er für den Transport hoch transformiert werden. Dies ist erforderlich, um beim Transport über weite Strecken die unvermeidlichen Leitungsverluste gering zu halten. Für den Verbrauch muss der Strom wieder herunter transformiert werden. Das bedeutet, dass zahlreiche Transformatoren in unseren Elektrizitätsnetzen installiert sind: Im Anschluss an Kraftwerke, um Strom für den Transport in eine hohe Spannung zu transformieren, in Umspannstationen in den Wohngebieten, um ihn auf eine geringere Spannung zu transformieren. Transformatoren sind Teil des Stromnetzes.

Für die Sicherheit des Betriebs des Kernkraftwerks ist es entscheidend, dass immer dann, wenn das Stromnetz den produzierten Strom nicht abnimmt, weil z. B. ein Transformator defekt ist, das Kernkraftwerk sich selbstständig abschaltet. Das wird Reaktorschnellabschaltung genannt. Dieses ist vor zwei Jahren geschehen und auch jetzt bei dem Kurzschluss im Maschinentransformator ist ebenfalls eine automatische Reaktorschnellabschaltung erfolgt. Nach dem Transformatorbrand 2007 ist das Kernkraftwerk gründlich gewartet worden. Unter anderem wurden etwa 600 große Stahldübel von über 10 000 Dübeln ausgewechselt.

Am 19. Juni wurde mit dem Wiederanfahren des Kernkraftwerks nach fast zwei Jahren Stillstand begonnen. Dieser Prozess dauert mehrere Tage. Nach so langer Pause ist damit zu rechnen, dass im Verlauf des Anfahrvorgangs und des folgenden Leistungsbetriebs Abweichungen vom normalen Betrieb auftreten können. Am 1. Juli wurde ein Eigenbedarfstransformator abgeschaltet. Dieser Transformator transformiert Strom aus dem Netz für den Eigenbedarf des Kernkraftwerks. Die Abschaltung erfolgte, weil in einer Handarmatur ein Ventil fehlerhaft geschlossen war. Für den Betrieb des Transformators muss es geöffnet sein. Nach Darstellung von Vattenfall, des Betreibers des Kernkraftwerks Krümmel, muss die fehlerhafte Ventilstellung während der Arbeiten zur Vorbereitung des Wiederanfahrens erfolgt sein. Um eine Wiederholung eines solchen Fehlers zu vermeiden, wird künftig die Ventilstellung vor Inbetriebnahme des Transformators überprüft. (Die Meldung der Geesthachter Zeitung zu diesem Ereignis trug die Überschrift "Turbine defekt – Krümmel schon wieder vom Netz". Diese Meldung war somit technisch falsch!)

Am 4. Juli kam es zu einem Kurzschluss in einem der beiden Maschinentransformatoren. Es wurde automatisch eine Reaktorschnellabschaltung ausgelöst. Die beiden Maschinentransformatoren, sowohl der im Jahr 2007 ausgefallene Maschinentransformator als auch der am 4. Juli durch Kurzschluss ebenfalls ausgefallene Maschinentransformator stammen aus derselben Baureihe. Es sollen durch Untersuchung des Transformators weitere Erkenntnisse gewonnen werden, weshalb der erste gebrannt hat und der zweite durch einen Kurzschluss ausgefallen ist.

Es sollen zwei neue Maschinentransformatoren eingebaut werden. Am 4. Juli wurde im Reaktorwasser ein leichter Anstieg der Freisetzung von Spaltprodukten gemessen. Dies ist ein Hinweis darauf, dass einzelne Brennstäbe in den Brennelementen defekt sind. Bei der nachfolgenden Untersuchung ist ein defekter Brennstab gefunden worden. Der Brennstabschaden ist möglicherweise während der Instandsetzungsarbeiten durch Eintrag von Metallspänen verursacht worden. Diese Frage wird geklärt.

Der Betreiber des Kernkraftwerks hat sich verpflichtet, in Zukunft mehr für die Vermeidung des Eintrags von Metallteilen zu unternehmen. Im Reaktor des Kernkraftwerks Krümmel befinden sich 840 Brennelemente, jedes Brennelement besteht aus etwa 75 bis 90 Brennstäben. Im Brennstab befindet sich das Uran, das von einer gasdichten Ummantelung umschlossen ist. Wenn diese Ummantelung defekt ist, dringen Spaltprodukte in das Reaktorwasser. Eine Freisetzung von Radioaktivität in die Umwelt ist damit nicht verbunden.

Daher ist der Defekt eines Brennstabes ist für den laufenden Betrieb eines Kernkraftwerks nicht von Bedeutung. Defekte Brennstäbe werden gewöhnlich im Rahmen der Revision ersetzt. Der sichere Betrieb eines Kernkraftwerks ist in großem Maß abhängig von der Sorgfalt des Betreibers, der Ausbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Betreiber eines Kernkraftwerks hat die alleinige Verantwortung. In zweiter Linie ist auch die fachgerechte Aufsicht der Kontrollbehörde von Bedeutung. Der in Schleswig-Holstein über lange Jahre betriebene so genannte "ausstiegsorientierte Gesetzesvollzug" hat die Sicherheit des Betriebs der Kernkraftwerke nicht erhöht.

In Deutschland wird der Strom zu mehr als der Hälfte aus fossilen Energieträgern gedeckt (Steinkohle, Braunkohle, Erdgas). Der Kernenergieanteil an der Stromerzeugung in unserem Land betrug im Jahr 2008 23.3%. Der Primärenergieverbrauch: Stromproduktion, Wärmeproduktion, Kraftstoffe wird zu 80% mit fossilen Energieträgern gedeckt. Das heißt bei 80% des Energieverbrauchs entstehen Kohlendioxidemissionen. Deutschland hat sich verpflichtet bis 2020 die Abgabe von Kohlendioxid um 40% zu verringern. Dies kann nur geschehen, wenn die fossilen Energieträger durch erneuerbare Energien ersetzt werden oder durch Abscheidung und Lagerung das Kohlendioxid entfernt wird. Die Große Koalition hat den entsprechenden Gesetzentwurf zur Kohlendioxid-Einlagerung vor kurzem zurückgezogen. Deshalb kann die Minderung der Kohlendioxidemissionen nur über den Ersatz fossiler Energieträger durch erneuerbare Energien erfolgen. Derzeit beträgt der Anteil erneuerbarer Energien an der Primärenergie knapp 7,5%. Der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien muss also genutzt werden, um fossile Energieträger zu ersetzen. Kernenergie und erneuerbare Energien dienen daher beide dem Klimaschutz.

Zu Ihrer Frage nach dem Weiterbetrieb des Kernkraftwerks Krümmel: Ich bin der Überzeugung, dass bei Erfüllung der sicherheitstechnischen Voraussetzungen das Kernkraftwerks Krümmel weiter betrieben werden kann. Über den Betrieb von Kernkraftwerken darf nicht parteipolitisch, sondern es muss fachlich entschieden werden.

Der Betreiber des Kernkraftwerks muss sich zu hoher Sorgfalt verpflichten und dies muss kontrolliert werden: Die falsche Ventileinstellung, die Metallteile im Reaktor sind vermeidbare Fehler. Die Informationskultur kann verbessert werden. Die Berichte, die der Kraftwerksbetreiber der Aufsichtsbehörde mitzuteilen hat, sind auf der Internetseite einzusehen. Dies ist zwar ein erster richtiger Schritt. Aber das allein reicht nicht, weil die technischen Einzelheiten nur den Fachleuten geläufig sind. Wenn die interessierte Bürgerin und der interessierte Bürger aus den Medien aber keine fachlich fundierte, sachlich richtige Information erhalten, brauchen sie ergänzende Erläuterungen.

Insgesamt ist die Bilanz der Nutzung der Kernenergie zur Stromproduktion in Deutschland deutlich besser als die einiger anderer Energieträger:

Im vergangenen Jahr sind in deutschen Kernkraftwerken 148 Milliarden KWh Strom produziert worden. Zum Vergleich: Der Drei-Schluchten-Staudamm in China, prognostizierte Energieproduktion von 84 Milliarden KWh, führt dazu, dass knapp 3000 Pflanzenarten und 300 Tierarten vom Aussterben bedroht sind. (Wikipedia) (Über die Zahl möglicher menschlicher Opfer im Falle eines z. B. durch Erdbeben ausgelösten Dammbruchs gibt es keine Angaben)

Kohlebergbau in Deutschland:

1900 – 1950: 2900 Tote,
1951 – 2000 über 600 Tote,
in China jedes Jahr 6000 Tote.

Zusätzlich zu den unfallbedingten Todesfällen im Kohlebergbau kommt hinzu, dass viele Bergleute eine Staublunge entwickelt haben. Dies ist eine anerkannte Berufskrankheit, die tödlich endet.

Erdrutsch in Nachterstedt, Juli 2008, Spätfolge des Braunkohlebergbaus, 3 Tote.

Biogasanlagen, Unfall Zeven, 4 Tote, verschiedene ökologische Auswirkungen.

Wasserkraft in Deutschland: EU-Ziel: 40% der hinabsteigenden Blankaale sollen das Meer erreichen. Dies Ziel wird in Deutschland auf Grund der Wasserkraftnutzung nicht erreicht. (Pumpspeicherwerk Geesthacht, Juni 2009, 1 Toter bei Reparaturarbeiten)

Kernenergie:

In der Geschichte der Kernenergie gab es zwei größere Unfälle: 1979 in Harrisburg in den USA und 1986 in Tschernobyl (damalige UdSSR, heutige Ukraine). Beide Unfälle geschahen in Reaktoren, die nicht unseren Sicherheitsstandards genügt haben. Der Unfall in Tschernobyl ist zurückzuführen auf die Versuche, die am Reaktor durchgeführt wurden und bei denen die Sicherungssysteme ausgeschaltet worden waren. Kein Kernkraftwerk in Deutschland wird in dieser Weise genutzt.

Fazit: Stromproduktion kann bei allen Produktionsarten zu Unfällen führen. Jedoch ist Kernenergie weniger risikoreich als andere Arten der Stromproduktion.

Aber auch die Nutzung von elektrischem Strom birgt Gefahren, hat ein gewisses Risiko. Es wurden Anstrengungen unternommen, diese Risiken zu minimieren. Dennoch gibt es in jedem Jahr tödliche Unfälle, alleine 53 im privaten Bereich in Deutschland im Jahr 2006. Die Unfallhäufigkeit ist in Deutschland im Vergleich zu Großbritannien doppelt so hoch.

Ich halte die Risiken der Nutzung der Kernenergie für beherrschbar. Die Geschichte des Betriebs von Kernkraftwerken zeigt, dass in Deutschland die damit verbundenen Risiken beherrscht werden. Sie sind im Übrigen für Mensch und Umwelt tendenziell geringer als bei anderen Formen der Stromproduktion.

Mit freundlichen Grüßen

Christel Happach-Kasan

Basisliteratur zur Kernenergie:
Forschungszentrum Karlsruhe, Lexikon zur Kernenergie: W. Koelzer 2009:
www.kernenergie.de
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Frage zum Thema Verbraucherschutz
20.07.2009
Von:
Kaj -

Sehr geehrte Frau Happach-Kasan,

vielen Dank für Ihre ausführlichen und umfangreichen Erläuterungen. Ich wäre sehr an Ihren Quellen interessiert, insbesondere an der für die Information, dass gentechnisch verändertes Soja-Saatgut den Landwirten einen Kostenvorteil von 40 US $ pro Hektar biete, denn ich würde gerne wissen, ob es sich dabei um einen Durchschnittswert handelt und ob dieser Vorteil auch nach mehreren Jahren noch erwirtschaftet werden kann. Aber ich wäre sehr dankbar, wenn Sie mir auch ihre anderen Quellen nennen könnten.

Erlauben Sie mir aber eine Rückfrage:
Ich erkenne, dass für jedes Saatgut unterschiedliche Aspekte eine Rolle spielen, ob es sich in Deutschland auskreuzen kann oder nicht und dass die Entscheidungen für oder gegen eine Freigabe daher für jede Sorte einzeln gefällt werden müssen.

Aus den von Ihnen dargestellten Zusammenhängen schließe ich, dass es bei Getreide wie Weizen größere Chancen geben könnte, dass sich eine gentechnisch veränderte Art ausbreitet.

Meine Frage:
  • Sehe ich das richtig und wenn ja, gibt es in der FDP bereits Festlegungen, wie bei etwaigen Einfuhrversuchen von gentechnisch verändertem Weizen vorgegangen werden soll?

Vielen Dank für eine kurze Information dazu.

Mit freundlichen Grüßen,
Kaj -
Antwort von Dr. Christel Happach-Kasan
4Empfehlungen
28.08.2009
Dr. Christel Happach-Kasan
Sehr geehrter Herr -,

ich freue mich über Ihre Nachfrage.

Aus meinen Ausführungen geht nicht hervor und es trifft auch nicht zu, dass es bei Weizen "größere Chancen" gibt, dass eine gentechnisch veränderte Sorte sich ausbreitet.

Wie ich bereits in meiner letzten Antwort auf eine Ihrer Fragen ausgeführt habe, haben wir in der Natur Probleme mit der Ausbreitung von Wildpflanzen, die auf irgendeinem Weg nach Deutschland eingeführt wurden. Dazu gehört die beifußblättrige Ambrosie, die über Vogelfutter eingeführt wurde und gegen die viele Menschen allergisch sind, die Herkulesstaude, die aus Gärten verwildert ist und an Flussläufen vorkommt, aber auch die Goldrute, die ebenfalls aus Gärten stammt. Das Umweltbundesamt hat eine umfangreiche Zusammenstellung der Neophyten erarbeitet, die in Deutschland Probleme bereiten und eine Kostenschätzung vorgenommen. Wir haben jedoch keine Probleme mit der ungewollten Ausbreitung von Kulturpflanzen, obwohl sie teilweise auf mehreren Millionen Hektar angebaut werden. Kulturpflanzen, die alle züchterisch bearbeitet wurden, sind auf die Pflege durch den Landwirt angewiesen, Wildpflanzen nicht. Ihre Edelrosen vor dem Haus werden Sie nicht nach ein paar Jahren am Wegesrand wieder finden. Die Rosen brauchen Ihre Pflege.

Weizen ist ein so genannter Selbstbefruchter. Das heißt, innerhalb der noch geschlossenen Blüte befruchtet sich der Weizen mit dem eigenen Pollen. Das Auskreuzen ist somit ein sehr seltenes Ereignis. Der Ursprungsweizen stammt aus dem vorderen Orient, der Region des fruchtbaren Halbmondes. Weizen hat in der Wildflora in Deutschland keine heimischen Kreuzungspartner.

In der Genbank des Leibnitz-Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben werden etwa 150.000 Muster von 3.000 Pflanzenarten aufbewahrt, darunter auch verschiedene Weizensorten. Diese Sorten müssen regelmäßig vermehrt werden, da die Samen nicht ewig ihre Keimfähigkeit behalten. Auch nach 20 Vermehrungsschritten zeigte der dort vermehrte Weizen keine Unterschiede zu dem Ausgangsmaterial. Dies ist eine weitere indirekte Bestätigung, dass die Auskreuzung ein seltenes Ereignis ist. Eine Auskreuzung kann sicher vermieden werden www.biosicherheit.de ).

Bei der Ernte fallen immer einige Weizenkörner auf den Boden. Der Durchwuchs von Weizen ist bei guter fachlicher Praxis kein Problem. Wenn nach Weizen (Weizen gehört wie alle Getreidearten zu der Gruppe der einkeimblättrigen Pflanzen, sog. Monokotyledonen) zweikeimblättrige Pflanzen (Dikotyledonen) angebaut werden (z. B. Raps oder Zuckerrüben), kann der Durchwuchs des vorjährigen Weizen mit spezifisch auf Monokotyledonen wirkenden Herbiziden leicht bekämpft werden. Es gibt Herbizide, die nur auf einkeimblättrige Pflanzen wirken, sowie solche, die nur auf zweikeimblättrige Pflanzen wirken.

Weizen behält bei richtiger Lagerung sehr lange seine Keimfähigkeit, nicht jedoch im Boden. Auch wenn Weizen nicht so auffällig ist wie Raps, er ist höher und würde in der Natur auffallen. Eine Ausbreitung von Weizen in die Natur findet nicht statt. Das wäre mit transgenem Weizen nicht grundsätzlich anders.

Nach Mais und Reis ist weltweit gesehen Weizen die drittwichtigste Getreideart. Daher gibt es viele züchterische Anstrengungen, die Eigenschaften von Weizen als Nahrungs- und als Futtermittel zu verbessern. Während um 1800 7 dt (700 kg) pro Hektar geerntet wurden, werden auf guten Standorten heute bis zu 110 dt (11.000 kg) pro Hektar geerntet.

In der Weizenzüchtung werden heute neben der Steigerung der Erträge folgende Ziele verfolgt:
Trockenheitsresistenz: um Weizenanbau auch in trockeneren Regionen zu ermöglichen, dem Klimawandel entgegenzuwirken;
Erhöhung des Proteingehalts: Ein erhöhter Proteingehalt in Weizen könnte dem Eiweißmangel in Nahrungs- und Futtermitteln entgegenwirken;
Pilzresistenz: zur Ertragssicherung und um die Belastung der Ernte mit hochgiftigen Pilzgiften (Mykotoxinen) zu vermeiden. Unter bestimmten Witterungsbedingungen kommt es regelmäßig zu Pilzbefall bei Weizen, der die Verwertung der Ernte als Nahrungs- oder Futtermittel unmöglich macht dip21.bundestag.de

Zum Erreichen der oben genannten Zuchtziele bietet die biotechnologische Pflanzenzüchtung Vorteile. Unabhängig davon, mit welcher Methode die Ziele erreicht werden, das Verhalten solcher Sorten im Freiland müsste vor der Zulassung in Freisetzungsversuchen überprüft werden.

Es gibt zurzeit keine in der EU für den Anbau oder den Import zugelassene transgene Weizensorten. Gegebenenfalls erforderlich werdende Regulierungen entscheiden sich an den konkreten Eigenschaften der zugelassenen Sorten. Sie wären Teil der Zulassung.

Transgene Sorten haben verschiedene Vorteile für die Natur, z. B. geringerer Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, insbesondere für Bt-Sorten nachgewiesen, für die Verbraucherinnen und Verbraucher durch geringeren Gehalt an Pilzgiften, ebenfalls für Bt-Sorten nachgewiesen sowie Kostenvorteile für die Landwirte. Dazu gibt es umfangreiche Untersuchungen.

Die Kostenvorteile des Anbaus transgener Sorten sind zunächst einmal sehr plausibel. Anders ließe sich nämlich nicht erklären, dass sich in jedem Jahr mehr Landwirte in Nord- und Südamerika sowie in Asien für den Anbau transgener Sorten entscheiden. Bei der Sojabohne ist weltweit seit 1996 ein Anteil von 70% erreicht worden. Die gv-Zuckerrübe hat in den USA bereits im dritten Anbaujahr einen Anteil von 90% erreicht. Besonders auffällig ist die Steigerung des Anbaus von Bt-Baumwolle in Indien. Die Studie des IFPRI (International Food Policy Research Institute) zeigt auf, dass mit dem Anbau von Bt-Baumwolle in Indien der Pflanzenschutzmitteleinsatz halbiert werden konnte, die Zahl der Landwirte, die sich selbst getötet haben, gemindert wurde www.ifpri.cgiar.org ).

Aus Informationen des Bundesverbandes der Pflanzenzüchter geht hervor, dass der Mehrertrag von gv-Zuckerrüben (Herbizidtoleranz) pro Jahr bei 350 US$ pro Jahr liegt (Quelle: "Zuckerrübe" 4/2009, 58. Jahrgang, S. 208). Langfristige Untersuchungen gibt es in diesem Fall nicht, da gv-Zuckerrüben erst seit zwei Jahren im Anbau sind.

Die Umweltvorteile und die Kostenvorteile für indische Bauern sind in der oben zitierten IFPRI-Studie aufgeführt. Weitere Informationen zu den Kostenvorteilen gibt es bei Graham Brooke, allerdings nur in Englisch und sehr summarisch. Er bearbeitet den Zeitraum 1996 bis 2007. www.pgeconomics.co.uk Prof. Matin Qaim, Lehrstuhl für Welternährungswirtschaft und Rurale Entwicklung der Universität Göttingen www.uni-goettingen.de hat sich in zahlreichen Veröffentlichungen mit den Kostenvorteilen des Anbaus transgener Sorten insbesondere in Schwellenländern beschäftigt. Auf der Seite der Uni Göttingen werden zahlreiche Veröffentlichungen genannt.

Die Kostenvorteile der gentechnisch veränderten Sorten ergeben sich bei Bt-Sorten insbesondere aus dem verringerten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sowie einer besseren Erntequalität. Bei herbizidtoleranten Sorten führen die Möglichkeit der pfluglosen Bodenbearbeitung sowie die geringere Anzahl der Ausbringungen von Pflanzenschutzmitteln zu Einsparungen an Diesel und damit an Kosten. Die Kosteneinsparungen sind somit gleichzeitig ein Maß für die geringere Belastung der Umwelt durch den Anbau gentechnisch veränderter Sorten.

Insgesamt wird deutlich, dass der politisch erzwungene Verzicht auf den Anbau transgener Pflanzen in Europa für unsere Landwirte Kostennachteile hat und damit ein Wettbewerbsnachteil gegenüber Landwirten in außereuropäischen Ländern ist. Der Versuch über die Nachfrage, den nach Europa exportierenden Ländern die europäische Sicht aufzuzwingen, war bis jetzt weitgehend erfolglos. Die erhöhten Kosten, die sich daraus ergeben, dass geringfügige Beimengungen von in Europa noch nicht zugelassenen Sorten, dazu führen, dass solche Importe wieder zurückgeschickt werden, haben die Verbraucherinnen und Verbraucher in Europa zu tragen. Diesen Kosten steht kein Vorteil gegenüber. Deswegen fordert die FDP seit langem, dass die bisher geltende so genannte Nulltoleranz ersetzt wird durch einen technischen Grenzwert, wie er bereits in der Schweiz eingeführt wurde. Wir fordern ebenfalls Saatgutschwellenwerte www.happach-kasan.de

Die Bundesregierung handelt unverantwortlich. Sie verbietet den Anbau von MON810, obwohl die Gesundheit der gefütterten Tiere und die Natur nicht gefährdet werden, sie tut nichts gegen Beimischungen giftiger Kreuzkräuter in Salaten www.happach-kasan.de obwohl die Gesundheit von Menschen dadurch konkret gefährdet wird, sie tut nichts gegen Analogkäse und Schinkenimitate, obwohl die Verbraucherinnen und Verbraucher damit getäuscht werden.

Mit freundlichen Grüßen
Christel Happach-Kasan
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Frage zum Thema Frauen
23.07.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Happach-Kasan,

Ich habe vor einiger Zeit ein paar Texte gelesen, die besagen, dass weibliche Politiker, wenn sie keine solche Spitzenposition, wie z.B. Angela Merkel haben, in den Medien seltener als Männer und zum Teil sehr einseitig dargestellt werden.

Mich würde interessieren, ob sie der Aussage zustimmen, dass Politikerinnen in den Medien unterrepräsentiert sind und wenn ja, worin sie die Ursachen dafür sehen.

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Dr. Christel Happach-Kasan
7Empfehlungen
13.08.2009
Dr. Christel Happach-Kasan
Sehr geehrte Frau ,

ich danke Ihnen für Ihre interessante Frage. Leider steht diese Frage nicht im Mittelpunkt des öffentlichen und auch des wissenschaftlichen Interesses. Das hat zur Folge, dass darüber nur wenig geforscht wurde.

Der Journalistinnenbund hat 2005 zu diesem Thema eine Untersuchung in Auftrag gegeben ("Global Media Monitoring Projects"), die sehr interessante Ergebnisse erbracht hat (1). Das Projekt wurde durchgeführt von Frau Prof. Dr. Röser von der Leuphana–Universität in Lüneburg. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Europäische Sozialfond haben es gefördert.

Der Anteil der Politikerinnen in Pressemedien beträgt 18%. Auf den Titelseiten der Zeitungen beträgt der Anteil der Politikerinnen nur 13%. Es gibt somit eine deutliche Unterrepräsentation der Spitzenpolitikerinnen in den Medien.

Frau Merkel ist als Bundeskanzlerin überdurchschnittlich in den Medien präsent, aber selbst die Bundesministerinnen sind -wie andere Politikerinnen- nach wie vor in den Medien unterrepräsentiert.

Unter den zehn mächtigsten Frauen der Welt ist 2005 (vor Regierungsantritt von Frau Merkel) keine Deutsche, obwohl Deutschland zu der Zeit die dritt-wichtigste Exportnation war.

In dem Bericht heißt es: "Gemessen an ihrer Vielfalt und ihrer gesellschaftlichen Bedeutung werden Frauen medial unzureichend abgebildet."

Es wäre spannend zu erfahren, woran das liegt. Finden Frauen weniger Gehör bei den Medien, herrscht bei Journalisten das unterschwellige Vorurteil vor, nur Männer hätten etwas Wichtiges zu sagen oder liegt es an einem möglicherweise andersartigen Politikstil von Frauen und ihrer Kommunikation mit den Medien? Ich kann Ihnen auf diesen Teil Ihrer Frage keine Antwort geben.

Die politischen Handlungsmöglichkeiten, um dieses Ungleichgewicht in der Berichterstattung zu beseitigen, sind sehr gering. In der Gesellschaft sind wir Frauen gefordert, weiterhin für unsere gesellschaftliche Gleichstellung zu streiten und dabei möglichst auch männliche Bündnispartner zu finden. Wir müssen uns gegenseitig unterstützen. Männer tun dies auch.

Mit freundlichen Grüßen
Christel Happach-Kasan

("Quelle: (1) www.journalistinnen.de
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Frage zum Thema Umwelt
24.07.2009
Von:

Sehr geehrte Frau MDB Happach-Kasan ,

ich habe heute auf meiner Carolinen-Brunnen-Flasche ein Logo entdeckt, welches mir nicht bekannt war. Es handelt sich dabei um PETCYCLE. Nach ein wenig Recherche habe ich herausgefunden, dass es sich bei PETCYCLE um ein System handelt, bei welchem 50% der Flaschen tatsächlich wieder zurück zu Flaschen recycled wird. Ist dies nicht eine ökologisch ziemlich elegante und vorteilhafte Methode zum Recycling und zum PET-Einweg?

Muss man demnach zwischen PET-Einweg, PET-Mehrweg und PET-Cycle unterscheiden? Und warum bezahle ich für PET-Cycle 25 Cent Pfand und nicht weniger? Immerhin handelt es sich hier offenbar um einen Zwitter zwischen Mehr- und Einweg?

Mit freundlichen Grüßen,
Antwort von Dr. Christel Happach-Kasan
2Empfehlungen
14.08.2009
Dr. Christel Happach-Kasan
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage.

Die Situation ist einigermaßen unübersichtlich. 2003 wurde das Pfand für Einwegflaschen eingeführt, seit 1.5.2006 ist die neue Verordnung in Kraft. Ziel des Pfands auf Einwegflaschen war es, die Mehrwegsysteme zu stärken. Das ist nicht gelungen. Der Mehrweganteil ist kontinuierlich zurückgegangen. Nur der Mehrweganteil von Bier in Glasflaschen ist gestiegen. PET-Flaschen (der Kunststoff PET gehört zur Gruppe der Polyester) können etwa 25mal wiederbefüllt werden, Glasflaschen etwa 50mal.

Nach meiner Information werden bei Petcycle (siehe Internetseite www.petcycle.de ) die zurückgebrachten Flaschen geschreddert und der Werkstoff wird erneut genutzt, nur die Flaschenkästen werden mehrfach verwendet. Die Logistik entspricht einem Mehrwegsystem. Sie haben also Recht, Petcycle ist eine Art Zwitter. Da die Flaschen nicht wiederbefüllt werden, sind es Einwegflaschen. Für diese gilt ein Einwegpfand von 0,25 €, gegenüber einem Pfand von 0,08 € für Mehrweg-Bierflaschen und 0,15 € für Mehrweg-Wasser- und Fruchtsaftflaschen.

Auf Grund der vielen unterschiedlichen Pfandsysteme fordern wir in der FDP eine transparente und eindeutige Kennzeichnung der Getränkeflaschen. Bislang sind die Hersteller und Vertreiber von Einweggetränkeverpackungen nicht verpflichtet, eine einheitliche Kennzeichnung zu verwenden. Und auch die Kennzeichnung von Mehrweggetränkeverpackungen erfolgt nicht einheitlich, sie ist noch nicht einmal zwingend. Zwischen 10 und 24 % der pfandpflichtigen Einwegflaschen werden nicht zurückgebracht. Etwa 1,4 Mill. € verbleiben damit beim Handel.

Die Ökobilanzen des Umweltbundesamtes zeigen, dass Mehrwegsysteme Vorteile gegenüber Einwegsystemen haben, Getränkekartons gleichwertig sind. Auf Grund des geringeren Gewichts sind PET-Flaschen ökologisch besser als Glasflaschen.

Mit freundlichen Grüßen

Christel Happach-Kasan
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Ihre Frage an Dr. Christel Happach-Kasan
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