Dr. Barbara Hendricks (SPD)
Abgeordnete Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Dr. Barbara Hendricks
Jahrgang
1952
Berufliche Qualifikation
Staatsexamen, Lehramt an Gymnasien in Geschichte und Sozialwissenschaften, Parlamentarische Staatssekretärin beim BMin der Finanzen a.D.
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Kleve
Landeslistenplatz
5, Nordrhein-Westfalen
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Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Finanzen
13.05.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Dr. Hendricks,

seit nunmehr einem Jahr wird die internationale Finanzwelt von einer Krise heimgesucht, deren Ende nicht in Sicht scheint. Es drängt sich mir auf Grund intensivster Beobachtungen die Erkenntnis auf, dass diese Krise unmittelbar mit unserem Finanzsystem und unserer Wirtschaftspolitik zusammenhängt.

Insbesondere eine Plausibilität einer auf exponentiellem Wachstum fußenden Finanzpolitik, bei welcher eine innewohnende Deflation stets durch eine gezielte Inflation der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgeglichen werden muss, scheint mir nicht vorhanden zu sein. Die EZB spricht dabei von Preisniveaustabilität, wenn real eine Inflation von 1-2% angestrebt wird.

Es wäre darüber hinaus ebenso interessant zu erfahren, ob und wie Sie und Ihre politische Bewegung die Schuldenproblematik der Geldentstehung ausschließlich durch Kredit betrachten und welche Gegenmaßnahmen Sie zur kommenden Deflationskrise, der ich sehr besorgt gegenüberstehe, als geeignet erachten.

Desweiteren stellt sich mir konsequenterweise die Frage, wie ein Finanzsystem, das einem Kettenbrief gleichkommt, überhaupt irgendeine rechtliche Legitimation besitzen kann und man sich an einem ständigen Wachstumszwang zur Zinsbedienung orientiert, der auf Grund der menschlichen Eigenschaft, nicht mehr und mehr bis ins Unendliche leisten zu können, vollkommen unmöglich ist und ganz zwangsläufig irgendwann in einer Krise enden muss.

Ich bitte Sie ausdrücklich um eine klare Stellungnahme Ihrerseits, sowie ob meiner dringenden Befürchtung einer nahenden desolaten Wirtschaftskrise einer Klärung der genannten Sachverhältnisse in einem Ausschuss ihrer Fraktion, in der diese Dinge klar und deutlich zur Sprache kommen und diskutiert werden können.

Vielen Dank.


Hochachtungsvoll,
Antwort von Dr. Barbara Hendricks
11Empfehlungen
19.06.2008
Dr. Barbara Hendricks
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage, die ich mit Interesse gelesen habe.

Die zunehmende globale Vernetzung der Finanz- und Handelsströme und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Bürgerinnen und Bürger beschäftigen uns Sozialdemokraten in besonderem Maße. Zu Recht sorgen Sie sich um die Finanzmarktkrise, die die Weltwirtschaft nun schon seit dem letzten Sommer belastet und auch deutsche Banken nicht verschont.

Ausgangspunkt der Krise waren unverantwortliche Immobilienkredite in den USA und deren Weiterverkauf auf dem internationalen Finanzmarkt, wobei durchaus kriminelle Energie unterstellt werden muss.

Es gilt jedoch hervorzuheben, dass die Wirtschaft der Bundesrepublik für die Globalisierung gewappnet ist und der Finanzkrise überwiegend trotzt: Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im ersten Quartal dieses Jahres so stark wie seit 12 Jahren nicht mehr, nämlich um 1,5 Prozent. Und auch längerfristig werden wir weiterhin von der Globalisierung profitieren: Während der Anteil am Außenhandel in allen anderen großen OECD-Länder in den letzten Jahren stetig fiel, hält Deutschland seit 20 Jahren knapp 10 Prozent am Welthandel und bleibt damit "Exportweltmeister". Die weltweite Nachfrage nach industrieller Spitzentechnologie hält an und verschafft Deutschland Möglichkeiten, die wir zu nutzen bereit sein müssen. Dies macht sich auch in der Finanzpolitik der großen Koalition bemerkbar. Dank höheren Einnahmen aber auch rigider Spardisziplin auf der Ausgabenseite konnte Deutschland in den letzten Jahren die Neuverschuldung erheblich reduzieren und strebt bis 2010 auf gesamtstaatlicher Ebene einen strukturell ausgeglichenen Staatshaushalt an.

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist eine von der Politik unabhängige Institution und verfolgt nach dem Muster der Deutschen Bundesbank das Ziel einer harten, zuverlässigen Währung und einer geringen Inflationsrate (bis 2 Prozent). Vom aktuellen Inflationsschub aufgrund hoher Energiepreise abgesehen, wurde dieses Ziel fast immer erreicht, was sich auch im Außenkurs des Euro niederschlägt. Neben dem Dollar ist der Euro derzeit die wichtigsten Währung der Welt und dies stärkt auch unsere Position als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Eine kommende Deflationskrise, der Sie, wie Sie schreiben, sehr besorgt gegenüberstehen, kann ich vor diesem Hintergrund ganz und gar nicht sehen.

Ich hoffe Ihnen mit meiner Antwort geholfen zu haben und verbleibe mit
freundlichen Grüßen,
Barbara Hendricks
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Frage zum Thema Finanzen
25.05.2008
Von:
Dr. -

Sehr verehrte Frau Dr. Hendricks,

in Ihrer Antwort vom 12.12.2007 schreiben Sie,

"im Zusammenhang mit der seit einiger Zeit auch in Deutschland üblich gewordenen Veräußerung von Krediten ohne Zustimmung oder Kenntnis des Kreditnehmers sind wir im Bundestag gegenwärtig intensiv mit Gegenmaßnahmen beschäftigt".

In meiner Stellungnahme zur nichtöffentlichen Anhörung des Finanzausschusses am 19.9.2007 habe ich (mit Nachweisen) dargelegt, daß auf Drängen der Finanz-Lobby und dem folgenden maßgeblichen Betreiben des Finanzministeriums (in dem Sie tätig waren) die Geschäftsform ´Verkauf von Krediten´ überhaupt erst durch verschiedene Rechtsänderungen und insbesondere Steuerbefreiungen ermöglicht (!) und begünstigt wurde - obwohl bei diesen Geschäften ´Renditen´ über 30 % (!) angestrebt und erzielt werden.

Warum streichen Sie nicht einfach die Steuerbefreiungen ?

Das wäre eine sehr wirksame "Gegenmaßnahme" und eine Art ´Wiedergutmachung´ gegenüber den betroffenen Kreditnehmern, deren Notlage und durch diese ´Geschäfte´ noch verstärkten (manchmal auch erst verursachten) Probleme Sie doch nach Ihren Ausführungen erkennen und verstehen !
Antwort von Dr. Barbara Hendricks
1Empfehlung
30.07.2008
Dr. Barbara Hendricks
Sehr geehrter Herr ,

der grundsätzliche gesamtwirtschaftliche Nutzen von Kreditverkäufen und Verbriefungen als sinnvolle Instrumente der Refinanzierung und Risikodiversifizierung ist nicht in Frage zu stellen. So ermöglichen Kreditverkäufe und Verbriefungen Banken eine breite Streuung von Risiken. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten der Kreditvergabe, auf die unsere Volkswirtschaft angewiesen ist. Kreditverkäufe und Verbriefungen sind weltweit üblich, so dass bei ungerechtfertigten Einschränkungen in Deutschland Wettbewerbsnachteile gegenüber ausländischen Banken zu erwarten wären.

Sie sprechen das Steuerrecht an. So ist es durch eine gesetzliche Regelung, die zum 1. Januar 2003 in Kraft getreten ist, Kreditinstituten erleichtert worden, Kreditforderungen zu verbriefen: Verbriefungszweckgesellschaften, die von Kreditinstituten Kreditforderungen übernehmen und verbriefen, wurden gewerbesteuerrechtlich hinsichtlich der Behandlung von Dauerschulden den Banken gleichgestellt. Diese Ausdehnung des gewerbesteuerlichen Bankenprivilegs ist weiterhin sachgerecht. Ebenso gilt dies für die beiden BMF-Schreiben, mit denen umsatzsteuerliche Unsicherheiten beseitigt worden sind: Mit BMF-Schreiben vom 24. Mai 2004 ist klargestellt worden, dass § 13c UStG (Haftung eines Forderungskäufers für Umsatzsteuerschulden des Veräußerers) nur stark eingeschränkt auf Verbriefungstransaktionen Anwendung findet. Mit BMF-Schreiben vom 3. Juni 2004 wurde geregelt, dass die Verwaltung verkaufter Kreditforderungen durch die veräußernde Bank nicht der Umsatzsteuer unterliegt.

Wir wollen den Schutz des Kreditnehmers bei Kreditverkäufen stärken, ohne die für den Kapitalmarkt dringend notwendige Refinanzierungsmöglichkeit des Forderungsverkaufs zu unterbinden und ohne die Möglichkeit, Verbriefungen durchzuführen, zu verhindern. Die Koalition stärkt mit einen Bündel wirksamer und aufeinander abgestimmter Maßnahmen den Schutz des Kreditnehmers bei Kreditverkäufen. Diese Maßnahmen sind im Risikobegrenzungsgesetz enthalten, das am 27. Juni vom Deutschen Bundestag in 2./3. Lesung beschlossen worden ist.


Mit freundlichen Grüßen
Barbara Hendricks
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Frage zum Thema Finanzen
04.06.2008
Von:

Wann erhalten die Beamten des Bundes , bei dem jetzt eingetretenen hohen Steuereinnahmen, und dem anhaltendem Wirtschaftsaufschwung , den Anteil zurück, der von Ihnen in der Vergangenheit geleistet wurde ? Streichung des Urlaubsgeldes, Kürzung des Weihnachtsgeldes, Kürzung der Pendlerpauschale um nur einige Aspekte zu nennen. Es wird für die Beamten des mittleren Dienstes immer schwieriger bei den ganzen Kosten
und Preissteigerungen, eine Familie zu ernähren.
Antwort von Dr. Barbara Hendricks
4Empfehlungen
25.06.2008
Dr. Barbara Hendricks
Sehr geehrter Herr ,

ich habe Verständnis für Ihre Frage, denn es ist in der Tat so, dass die Einschränkungen, die in der schwierigen Zeit des Wirtschaftsabschwungs und der hohen Arbeitslosigkeit für Angestellte im öffentlichen Dienst vereinbart wurden, wirkungsgleich auf die Beamtinnen und Beamten übertragen worden sind. Damit hatte der öffentliche Dienst der allgemeinen Entwicklung Rechnung getragen und zusätzlich seinen Teil zur Sanierung der Staatshaushalte geleistet.

Umgekehrt hat der Bundestag am 29. Mai dieses Jahres jedoch auch beschlossen, dass die mit der Arbeitnehmergewerkschaft Ver.di ausgehandelten Lohnerhöhungen eins zu eins auf die beim Bund beschäftigten Beamten übertragen werden. Neben einem Sockelbetrag von 50 Euro beinhaltet dieser Beschluss auch eine lineare Einkommenserhöhung um 3,1 Prozent rückwirkend ab 1. Januar 2008. Ab 1. Januar 2009 kommen dann entsprechend dem Tarifergebnis weitere 2,8 Prozent hinzu. Die Einmalzahlung von 225 Euro im nächsten Jahr soll sowohl aktiven Beamten als auch Versorgungsempfängern zugute kommen. Somit wird auch den Beamten ein gerechter Anteil des von ihnen in der Vergangenheit Geleisteten zurückgegeben.

Ich hoffe Ihnen mit dieser Antwort geholfen zu haben und verbleibe mit
freundlichen Grüßen,

Barbara Hendricks
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Frage zum Thema Wirtschaft
19.06.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Dr. Hendricks,

leider sind Sie auf eine der von Herrn Reintjes am 13.5. gestellten Fragen in Ihrer Antwort vom 19.6. in keiner Weise eingegangen. Daher möchte ich diesen Teil hier wiederholen.

Herr Reintjes schrieb:
"Desweiteren stellt sich mir konsequenterweise die Frage, wie ein Finanzsystem, das einem Kettenbrief gleichkommt, überhaupt irgendeine rechtliche Legitimation besitzen kann und man sich an einem ständigen Wachstumszwang zur Zinsbedienung orientiert, der auf Grund der menschlichen Eigenschaft, nicht mehr und mehr bis ins Unendliche leisten zu können, vollkommen unmöglich ist und ganz zwangsläufig irgendwann in einer Krise enden muss."

Ich hoffe auf eine ernsthafte Stellungnahme Ihrerseits.

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Dr. Barbara Hendricks
2Empfehlungen
26.06.2008
Dr. Barbara Hendricks
Sehr geehrter Herr ,

sicher gibt es sogenannte "Produkte", die vom internationalen Finanzsystem gleichsam erfunden und in den Markt gedrängt werden. Aktuelles Beispiel sind die Verbriefungen von überwiegend notleidenden Krediten aus den USA, die sich zum Beispiel schweizerische, britische und deutsche Banken in Erwartung hoher Profite in ihre Portfolios genommen haben. Die weltweite Finanzkrise seit dem Sommer 2007 ist so entstanden.

Ich lehne es allerdings ab, das Zinssystem als solches zu verteufeln, wie es aus den Worten von Herrn Reintjes hervorgeht. Seine diesbezügliche Aussage trifft nicht zu.

Mit freundlichen Grüßen
Barbara Hendricks MdB
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Frage zum Thema Finanzen
06.07.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Dr. Hendricks,

wie konnte es überhaupt zu so dramatischen "Veräußerungen von Krediten ohne Zustimmung und Kenntnis der Kreditnehmer", mit allen fürchterlichen Konsequenzen für die Betroffenen kommen?
Haben clevere Finanzjongleure plötzlich eine Lücke in alten Gesetzen entdeckt oder ist diese Lücke bei jüngeren Gesetzes-gestaltungen entstanden?

Werden Gesetze, - die ja dem deutschen Volk dienen und nicht zum Nachteil gereichen sollen - nicht auf "Herz und Nieren" von Fachleuten, die keinem Finanzdienstleister, Internationalen Fonds, o.ä. verpflichtet sind, geprüft, bevor sie verabschiedet werden?

Kann der Gesetzgeber Gesetze, die ganz offensichtlich nicht dem deutschen Volk sondern einigen wenigen Finanzhaien zum Ausplündern dienen, diese Gesetze nicht wieder zurücknehmen?

Also nicht Verschlimmbessern, sondern den ursprünglichen gerechteren und sicheren Verlauf wiederherstellen?

Glauben SPD-Parlamentarier wirklich, wenn sie sich den Wünschen des Kapitals andienen, werden sie in deren Kreise aufgenommen?? Das hat vor dem ersten Weltkrieg nicht geklappt, es klappt auch heute nicht.
Wenn die benötigten Stimmen eingesackt sind, dann hopp und ab. Klar, hopp und ab mag an mancher Stelle abgefedert sein. Aber als ehemaliger SPD-Parlamentär im allerinnersten Zirkel derer zu sitzen kommen, die schalten und walten? ?

Jedenfalls sind August Bebel und all die vielen ungenannten Mutigen angetreten, dem allerinnersten Zirkel ein Gegengewicht entgegenzusetzen, damit dem Schalten und Walten ein wenig Einhalt geboten wird. Ich bitte, diese Sorgen nicht einfach wegzuwischen. Was SPD und Gewerkschaften in etwas über 100 Jahren aufgebaut, ist innerhalb der letzten 25 Jahren massiv beschädigt worden. Und es geht immer rasanter bergab. Staatsvermögen - vom Steuerzahler erarbeitet, wird dubiosen Fonds in den Rachen geworfen (dubiose Verträge sorgen dafür, daß Lasten weiter vom Staat getragen werden) usw. und nun muß der einzelne Häuslebauer auch noch bangen.

Mfg
I.
Antwort von Dr. Barbara Hendricks
3Empfehlungen
30.07.2008
Dr. Barbara Hendricks
Liebe Frau ,

vielen Dank für Ihre zweite Wortmeldung zu diesem Thema. Leider kann ich Ihnen kein persönliches Gespräch anbieten, wie ich das bei Bürgerinnen und Bürgern in meinem Wahlkreis gerne mache. Ich kann Sie nur ermuntern, sich zur Diskussion direkt an Ihre örtliche Abgeordnete, bzw. Ihren Abgeordneten zu wenden, oder an Parteiveranstaltungen vor Ort teil zu nehmen.

Dennoch möchte ich gerne auf Ihren Beitrag antworten. Wir Sozialdemokraten sind von der Sozialen Marktwirtschaft als bisher erfolgreichster Wirtschaftsordnung überzeugt. Das gilt auch für den Finanzmarkt, den wir deshalb nicht strangulieren wollen. Ohne Regulierung jedoch geht es nicht. Auch wenn zurzeit noch nicht alle Konsequenzen der Finanzmarktturbulenzen der vergangenen Monate erkennbar sind – die Ereignisse waren und sind ein erneuter klarer Beleg dafür, dass die neoliberale Ideologie möglichst unregulierter Märkte große Gefahren in sich birgt. Ohne einen Ordnungsrahmen ist die Stabilität von Märkten, gerade so sensiblen Märkten wie denen für Geld und Wertpapiere, nicht zu gewährleisten. Wir werden uns daher auch in Zukunft auf nationaler wie internationaler Ebene für einen verlässlichen und wirksamen Ordnungsrahmen für die Finanzmärkte einsetzen. So wie wir dies bei den heimischen Kreditverkäufen getan haben, werden wir auch auf internationaler Ebene darin nicht nachlassen.

Wir haben auf nationaler Ebene die Initiative zur Verbesserung der Stellung des Kreditnehmers ergriffen. In mehreren Verhandlungsrunden mit der Union haben wir viel für den Kreditnehmer erreicht. Durch eine Neuregelung der sogenannten Sicherungsgrundschuld wird gewährleistet, dass sich die Position des Darlehensnehmers durch den Kreditverkauf nicht verschlechtert. Jetzt ist sichergestellt, dass dem Kreditnehmer gegenüber dem Finanzinvestor die gleichen Einreden zustehen,die er auch gegenüber seinem ursprünglichen Vertragspartner hätte geltend machen können.Der Schutz des Kreditnehmers wird darüber hinaus durch die Einführung eines verschuldensunabhängigen Schadensersatzanspruchs gegen den Erwerber der Forderung bei ungerechtfertigter Vollstreckung aus der Unterwerfungserklärung verstärkt.

Als weitere Regelungen des Maßnahmenpakets hat der Bundestag beschlossen:
• Kreditinstitute zu verpflichten, ihre Kunden ausdrücklich über die Möglichkeit von Kreditverkäufen im abzuschließenden Kreditvertrag zu informieren. Und nicht - wie derzeit in der Praxis üblich - bloß in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen.
• Darlehensnehmer spätestens drei Monate vor einer Änderung beziehungsweise dem Auslaufen des Darlehensvertrages darüber zu informieren, ob eine Anschlussfinanzierung gewährt wird oder das Kreditverhältnis nicht verlängert wird.
• Erstreckung der Regeln für Verbraucherkredite auf Immobiliendarlehen: Kündigungsschutz in solchen Fällen, in denen der Kreditnehmer mit seinen vertraglichen Zahlungsverpflichtungen nur geringfügig in Rückstand gerät. Eine Kündigung wegen Zahlungsrückständen ist nur noch dann möglich, wenn der Kreditnehmer mit mindestens zwei aufeinanderfolgenden Raten und zugleich mit mindestens 2,5 Prozent des Nennbetrags des Darlehens in Verzug ist.
• Der Kreditnehmer muss bei einem Kreditverkauf unverzüglich darüber informiert werden, wenn die Bank nicht weiterhin für die Bearbeitung des Kredits zuständig ist.
• Zur Stärkung der Stellung des Kreditnehmers bei Mittelstandskrediten werden Unternehmen die Möglichkeit erhalten, nichtabtretbare Darlehensverträge mit ihren Kreditinstituten abzuschließen.

Dieses Bündel effektiver, aufeinander abgestimmter Maßnahmen lässt ein Sonderkündigungsrecht bei ordnungsgemäß bedienten Krediten, das zeitweise in der Diskussion erwogen wurde, überflüssig werden. Zudem wäre bei Einführung eines solchen Rechtes voraussichtlich eine Verteuerung der Kredite für Kreditnehmer eingetreten.

Mit diesen Maßnahmen haben wir eine deutliche Stärkung des Verbraucherschutzes erzielt.


Mit freundlichen Grüßen
Barbara Hendricks
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