Claudia Roth (GRÜNE)
Abgeordnete Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Claudia Roth
Jahrgang
1955
Berufliche Qualifikation
Dramaturgin, Bundesvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Augsburg-Stadt
Landeslistenplatz
1, über Liste eingezogen, Bayern
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(...) Es hat keine Zukunft, auf ein stetig wachsendes Bruttosozialprodukt ohne Berücksichtigung der Umweltkosten und ohne eine positive Bewertung von umweltschonendem Wirtschaften in einem Ökosozialprodukt zu setzen. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
12.01.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Roth,

Am 3. Oktober letztes Jahr wurde im ganzen Land der 17. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung gefeiert.

Wann wird der Artikel 146 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland endlich umgesetzt, der da lautet:

>>Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.<<

Wann dürfen wir endlich wieder selbst mitbestimmen, welche Gesetzte wir zu befolgen haben.

Wenn wir noch gar keine Verfassung haben, wieso gibt es dann ein Bundesverfassungsgericht, und Klagen wegen Verfassungswidrigkeit?

Vielen Dank im Voraus für die Antwort.
Mit freundl. Gruß

Antwort von Claudia Roth
bisher keineEmpfehlungen
18.02.2008
Claudia Roth
Sehr geehrter Herr ,

Ihre Darstellung übersieht und unterschätzt somit einige Entwicklungen, die unser Land im Vereinigungsprozess durchgemacht hat. Der Artikel 146 GG wurde 1990 durch das Gesetz zum Einigungsvertrag erheblich geändert und an die Deutsche Vereinigung angepasst. Das war seinerzeit ein Kompromiss der politisch Verantwortlichen.

Aus der früheren Aufforderung des Grundgesetzes, die deutsche Einheit mit einer neuen Verfassung zu beschließen, wurde eine Formulierung, die die Deutsche Einheit ausdrücklich als Tatsache (nach Artikel 23 GG alter Fassung durch Beitritt der neuen Länder) anerkennt. Dadurch wird die Einheit nicht mehr die "zwingende" Voraussetzung für die neue Verfassung. Trotzdem ist eine Feststellung übriggeblieben, dass eine neue Verfassung das Grundgesetz ablösen kann. So wurde 1990 die Auseinandersetzung um eine neue Verfassung beendet. Wir Grünen hatten damals gefordert, den Vereinigungsprozess über Artikel 146 (Nationalversammlung, neue Verfassung) zu gestalten. Helmut Kohl und seine Regierungskoalition wollten den bloßen Beitritt der neuen Länder nach Art. 23. Dies hat sich unter anderem mit Hilfe einer Mehrheit in der DDR-Volkskammer durchsetzen können.

Nach Ansicht einer Mehrheit unter den hiesigen Staatsrechtlern sind Verfassungsänderungen nach Artikel 146 jetzt an die Beschränkungen für Verfassungsänderungen in Artikel 79 des Grundgesetztes gebunden. Damit bewegen wir uns bei der neuen Verfassung praktisch auf dem Boden ganz normaler Grundgesetzänderungen, die es in der Bundesrepublik immer wieder gegeben hat (zuletzt die Föderalismusreform).

Mit der Deutschen Einheit hat diese Diskussion eine andere Wende genommen und ist jedenfalls für einen von heute aus überschaubaren und politisch einschätzbaren Zeitraum entschieden worden.

Mit freundlichen Grüßen

Claudia Roth
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Frage zum Thema Soziales
14.01.2008
Von:
-

Sehr geehrte Frau Roth!

In Focus Online lese ich, "Berlin (dpa) - Die Türkische Gemeinde in Deutschland will gemeinsam mit den Grünen verstärkt für eine gewaltfreie Erziehung in Familien mit Migrationshintergrund eintreten. Die geplante Kampagne richte sich in deutscher und türkischer Sprache unter anderem in türkischen Sendern gegen Gewalt in der Erziehung. Das sagten Grünen- Chefin Claudia Roth und der Bundesvorsitzende der Gemeinde, Kenan Kolat, in Berlin."

Sind Sie nicht der Meinung, daß dieses löbliche Vorhaben viel besser und nachhaltiger umgesetzt werden kann, wenn Sie es mit einem dauernhaften Aufenthalt in der Türkei verbinden? So sind sie näher an der Basis und können auf Mißstände effizienter reagieren. Sozusagen im Vorfeld.

Mit freundlichen Grüssen
Ihr
- K.
Antwort von Claudia Roth
1Empfehlung
17.01.2008
Claudia Roth
Sehr geehrter Herr ,

Ihren Vorschlag zum dauerhaften Aufenthalt in der Türkei nehmen wir augenzwinkernd zur Kenntnis.

Sie werden hoffentlich keine Schwierigkeiten haben zu verstehen, dass Frau Roth ihr Bundestagsmandat der Entscheidung von Millionen Wählerinnen und Wähler zu verdanken hat, die bewusst die grüne Politik und ihre Vertreterinnen und Vertreter im Deutschen Bundestag haben und wirken lassen wollten. Und sie sind offensichtlich sehr zufrieden mit der Arbeit der grünen Abgeordneten im Parlament und der Programmatik der grünen Partei.

Uns ist klar, dass Fantasien von physischer Abwesenheit und vom "in-die-Wüste-schicken" der anderen dann virulent und artikuliert werden, wenn einem Diskursfähigkeit und Argumente fehlen. Vorschläge dieser Art sind in unterschiedlichen Ausdrucks- und Vollzugsformen aus vielen Unrechtsstaaten, Diktaturen und nicht zuletzt auch dem Reich von Stammtischen hinreichend bekannt.

Jeder würde sich ja lächerlich machen und Ihr Selbstbestimmungsrecht in Frage stellen, wenn er Ihnen einen Wohnortswechsel vorschlagen würde. Diese Entscheidung muss jede und jeder selbst treffen.

Mit freundlichen Grüßen

Das Büro-Team von Claudia Roth
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Frage zum Thema Integration
15.01.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Roth,

Sie machen seit 20 Jahren Türkeipolitik, das sind viele Jahre intensiver Beschäftigung mit diesem Land, welches so voller interessanter Konflikte ist, die bis in unsere aktuelle Tagespolitik Einfluss haben.

In der aktuellen Pressemitteilung auf Ihrer Homepage schreiben Sie:

Zitat
Die Türkische Gemeinde in Deutschland will gemeinsam mit den Grünen verstärkt für eine gewaltfreie Erziehung in Familien mit Migrationshintergrund eintreten. Die geplante Kampagne richte sich in deutscher und türkischer Sprache unter anderem in türkischen Sendern gegen Gewalt in der Erziehung, sagten Grünen-Chefin Claudia Roth und der Bundesvorsitzende der Gemeinde, Kenan Kolat, am Montag in Berlin.
Zitat

Eine vergleichbare Aufforderung an die Eltern von MigrantInnen aus z.B. Polen, Vietnam, Indien, China, Japan, Portugal, Italien oder Griechenland kann ich nicht auf Ihrer Homepage entdecken.

Daher meine Frage:

Sind Sie nicht auch der Meinung, dass Sie mit dieser Pressemitteilung alle MigrantInnen aus der Türkei unter den Generalverdacht der Gewalttätigkeit stellen?

Viele Grüße,

Antwort von Claudia Roth
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17.01.2008
Claudia Roth
Sehr geehrter Herr ,

die angekündigte Kampagne der Türkischen Gemeinde in Deutschland ist eine von vielen Kampagnen, die in der Vergangenheit von verschiedenen Nichtregierungs- und Kinderrechtsorganisationen oder auch von den Medien deutschlandweit oder in manchen Bundesländern durchgeführt worden sind. Sie sollen je nach Aufgabenstellung spezifische Probleme wie umweltschonendes Verhalten, Verbraucherrechte, Gewalt in der Ehe und Respektierung der Selbstbestimmungsrechte der Frauen, Akzeptanz für die Rechte von Kindern oder die Rechte von Schwulen und Lesben ansprechen und für eine Sensibilisierung in der Gesellschaft sorgen. Es ist immer die Entscheidung der Initiatoren, ob und welche Politiker als Unterstützer gewonnen werden. Die türkeistämmigen Einwanderer stellen die größte Gruppe unter Deutschlands neuen Inländern. Entsprechend stark und kampagnenfähig sind ihre Verbände.

Mit der Kampagne kommt kein Generalverdacht der Gewalttätigkeit unter den türkeistämmigen Einwanderern zum Ausdruck. Genauso stellte eine bundesweite Kampagne gegen Vergewaltigung in der Ehe nicht alle Bundesbürger unter Generalverdacht, Vergewaltiger zu sein. Die Türkische Gemeinde in Deutschland ist offensichtlich und zu Recht bemüht, manche Defizite in der Erziehung und die Rolle der Gewalt in den türkeistämmigen Familien zu thematisieren und die Ergreifung von Maßnahmen dagegen zu fordern. Dies entlastet die Politik und die Mehrheitsgesellschaft nicht von ihren Pflichten, eine umfassende Integration mit besseren Bildungschancen, einen besseren und nichtdiskriminierenden Arbeitsmarktzugang und eine nachhaltige Aufklärungsarbeit zu verwirklichen.

Mit freundlichen Grüßen

Das Büro-Team von Claudia Roth
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Frage zum Thema Integration
15.01.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Roth,

in Ihrer aktuellen PM ist zu lesen: "Die Türkische Gemeinde in Deutschland will gemeinsam mit den Grünen verstärkt für eine gewaltfreie Erziehung in Familien mit Migrationshintergrund eintreten."

Frage: Wie kommen Sie jetzt plötzlich zu der Erkenntnis, dass die Erziehung in Migrationsfamilien nicht gewaltfrei sein soll? Die Gesetzeslage in Deutschland hierzu ist doch eindeutig.

Den Begriff "Herdprämie" benützen Sie gerne und oft. Was sagen Sie dazu, dass gerade dieser Ausdruck zum neuen Unwort des Jahres gewählt wurde?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Claudia Roth
2Empfehlungen
17.01.2008
Claudia Roth
Sehr geehrter Herr ,

jede Aufklärungskampagne ist nur dann erfolgreich, wenn sie die Lese- und Medienkonsumgewohnheiten der Menschen in ihrem Wohnumfeld berücksichtigt. Die angekündigte Kampagne der Türkischen Gemeinde in Deutschland ist eine von vielen Kampagnen, die in der Vergangenheit von verschiedenen Nichtregierungs- und Kinderrechtsorganisationen oder auch von den Medien deutschlandweit oder in manchen Bundesländern durchgeführt worden sind. Sie sollen je nach Aufgabenstellung spezifische Probleme wie umweltschonendes Verhalten, Verbraucherrechte, Gewalt in der Ehe und Respektierung der Selbstbestimmungsrechte der Frauen, Akzeptanz für die Rechte von Kindern oder die Rechte von Schwulen und Lesben ansprechen und für eine Sensibilisierung in der Gesellschaft sorgen. Es ist immer die Entscheidung der Initiatoren, ob und welche Politiker als Unterstützer gewonnen werden.
Die Klarheit der Gesetzeslage ist zwar wichtig, doch um die Gesetze einhalten zu können, sind Aufklärungsarbeit und Informationen notwendig. Es ist zu begrüßen, dass die Türkische Gemeinde in Deutschland manche Defizite in der Erziehung und die Rolle der Gewalt in den türkeistämmigen Familien öffentlich thematisiert und zu Recht die Ergreifung von Maßnahmen dagegen fordert.

Der Begriff "Herdprämie" war ein Unwort und nun ist es offiziell. Er beschreibt das propagierte Betreuungsgeld ziemlich präzise, das nichts anderes vorhat als eine moderne Familienpolitik, gesellschaftliche Teilhabe und eine gerechte Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau zu verhindern.

Mit freundlichen Grüßen

Das Büro-Team von Claudia Roth
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Frage zum Thema Verwaltung und Föderalismus
15.01.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Roth,

Herr von Beust hatte Anfang Januar von der Möglichkeit einer schwarz-grünen Koalition in Hamburg gesprochen. Dem hätten Sie einen Abfuhr erteilt, hieß es vor einer Woche in allen Nachrichtenmeldungen un in der Presse.

Jetzt lese ich im Newsletter des Abgeordnetenwatches:

"Im Wahlkampf zur Hamburgischen Bürgerschaftswahl hatte Bürgermeister Ole von Beust kürzlich ein Schwarz-Grünes-Bündnis als Option nach der Wahl am 24.2.2008 ins Gespräch gebracht. Dazu haben sich inzwischen zahlreiche Kandidaten des umworbenen Partners GAL, wie die Grünen in Hamburg heißen,
auf kandidatenwatch.de geäußert. Ergebnis: Von Rot-Grün über Schwarz-Grün bis zu Rot-Rot-Grün sind für die Kandidierenden alle Bündnisse vorstellbar - einzig eine Ampel mit der FDP wurde von den Kandidierenden bislang nicht als Option vorgetragen."

Wie ist das zu verstehen? Haben Sie Ihre Postition geändert oder haben sich die Hamburger Grünen von Ihrer Position distanziert?

MfG

Antwort von Claudia Roth
2Empfehlungen
17.01.2008
Claudia Roth
Sehr geehrte Frau ,

einen Positionswechsel in dieser Frage gab es nicht. Ole von Beust hat die Möglichkeit einer schwarz-grünen Koalition erst in den Mund genommen, als sich andeutete, dass er nicht mehr alleine regieren kann und kein anderer kleiner Koalitionspartner als die Grünen in Sicht ist. Frau Roth bleibt bei der Aussage, dass wir weiterhin an der Option Rot-Grün für Hamburg festhalten und dafür kämpfen. Alles andere wäre indirekte Unterstützung für Ole von Beust in Not. Genauso haben sich alle grünen Spitzenpolitiker aus Hamburg geäußert.
Bei der Zusammenstellung des von Ihnen zitierten Abgeordnetenwatch-Newsletters ist man offensichtlich nach dem Prinzip vorgegangen: von jeder Wiese ein Blümchen nehmen und zu einem Strauß binden. Dies hat aber keine politische Aussagekraft. Warum eine Ampel mit der FDP als Option nicht vorgetragen worden ist, hat seine Berechtigung und liegt an der Bedeutungslosigkeit der FDP in Hamburg und ihrer miserablen Umfragewerte.

Mit freundlichen Grüßen

Das Büro-Team von Claudia Roth
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