Anton Schaaf (SPD)
Abgeordneter Bundestag

Grunddaten
Anton Schaaf
© spdfraktion.de
Geburtstag
30.01.1962
Berufliche Qualifikation
Maurer
Ausgeübte Tätigkeit
MdB
Wohnort
Mülheim an der Ruhr
Wahlkreis
Mülheim - Essen I
Ergebnis
41,4%
Landeslistenplatz
57, Nordrhein-Westfalen
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(...) Die Bundesagentur für Arbeit ist aber trotzdem transparent, indem sie explizit im Monatsbericht Arbeits- und Ausbildungsmarkt unter 8.1. auf Seite 82 die arbeitsmarktpolitischen Instrumente mit Arbeitsgelegenheiten, Beschäftigung schaffenden Maßnahmen, Qualifizierung sowie unter 5.12. und 5.13. die Daten zur Unterbeschäftigung ausweist. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Soziales
08.06.2010
Von:

Sehr geehrter Herr Schaaf,

Ich frage mich langsam wo ich die Sozialdemokratie hier in diesem Land finde, hinter der ich stehen kann.

Nachdem ich nun ein paar Einzelheiten zu unserem heutigen Sparprogramm gehört und gelesen habe, weiß ich jetzt schon, dass ich mich wohl demnächst beim Sozialamt anstellen darf, weil ich die Kosten, die dadurch für mich als kleine Bürgerin entstehen, gar nicht mehr bewältigen kann.

Es ist dabei egal, ob es um die Gesundheitsreform, oder um die Atomkraftwerke oder um die Deutsche Bahn geht.

Im Endeffekt werden die Kosten auf die Menschen umgelagert, die sowieso schon am Existenzminimum leben und froh waren, bisher ohne staatliche Hilfe zu überleben. Denn es ist nur noch ein Überleben...

Ich frage mich wirklich, warum die Verlagerung der Regierung immer von oben nach unten verteilt wird....Wieso nicht anders herum?

Das die Reichen den Armen nun endlich mal unter die Arme greifen.
Es kann doch nicht angehen, dass die Regierung die Reichensteuer nicht herauf setzt.

Einführung einer 30%igen Mehrwertsteuer auf Luxusgüter, z.B. Autos ab einer bestimmten PS-Klasse, Motorboote, Luxusuhren und schmuckbesetzten Hundeshalsbänder, Kaviar und Pelze.

Die Liste kann man noch endlos weiter führen....

Dies alles erzeugt bei mir als Bürgerin den Eindruck, als hätten die verantwortlichen Politiker Angst, da anzusetzen.

Doch bei den kleinen Bürgern ist das kein Problem.
Ich komme mir schon seit Jahren wie eine Zitrone vor, die man auspressen kann, bis ich keine Luft mehr habe.
Vor lauter Existenzangst bin ich schwer krank geworden und so wie es mir geht, geht es auch vielen anderen.
Nebenkostenerhöhungen, Mieterhöhungen,Gas-u. Stromkostenerhöhungen, wirtschaftlicher Aufschlag für Medikamente, Schülertickets und und und....eine unendliche Liste

Ich habe nicht gewählt, weil ich niemandem mehr Glauben und Vertrauen schenken kann.

Wann können wir Bürger endlich mal wieder aufatmen und LEBEN?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Anton Schaaf
1Empfehlung
11.06.2010
Anton Schaaf
Sehr geehrte Frau ,

an den Sparbeschlüssen der Bundesregierung war und ist die SPD nicht beteiligt.

CDU/CSU und FDP haben ihr Sparpaket vorgelegt. Angela Merkel und Guido Westerwelle behaupten: Wir hätten alle über unsere Verhältnisse gelebt.

Klar ist: Das ist ein Paket mit sozialer Schieflage. Es fehlt die soziale Balance. Es ist keineswegs - wie behauptet - ein ausgewogenes und gerechtes Sparpaket. Es waren nicht die Arbeitslosen und die jungen Eltern, die spekuliert haben - bei denen nun gekürzt werden soll.

Die Wahrheit ist: Unter SPD-Finanzminister Peer Steinbrück waren wir auf dem Weg zu einem ausgeglichenen Bundeshaushalt im Jahr 2011. Dann haben uns die Banken und Finanzmärkte eine beispiellose Finanz- und Wirtschaftskrise eingebrockt. Um diese Suppe auszulöffeln, musste sich der Staat massiv verschulden.

Aber dieses Sparpaket ist ein "Dokument des Versagens". Schwarz-Gelb hat für Vermögende den Schongang, für Arbeitslose, Familien und Kommunen hingegen den Schleudergang eingelegt. Denn Letztere müssen die Hauptlast der Sparvorhaben tragen, während Steuergeschenke wie das Mövenpick-Gesetz, das Hoteliers und Gutsituierte bevorteilt, beibehalten werden. Beschäftigte und sozial Schwache zahlen die Zeche der Krise!

Wo wird gespart?

Die von der Bundesregierung geplante Streichung der Beitragsleistung für Arbeitslosengeld II Beziehende an die Rentenversicherung schrumpft die Rentenkasse und produziert später höhere Ausgaben für die Grundsicherung im Alter!

DieMaßnahmen zur finanziellen Abfederung des Übergangs in das Arbeitslosengeld II: Gestrichen! Der Heizkostenzuschuss für Wohngeldempfänger: Komplett gestrichen! Alleine 46 Prozent aller Empfänger sind Rentnerinnen und Rentner.

Das neue Elterngeld: Wird abgesenkt! Damit legt Schwarz-Gelb den Rückwärtsgang in der Familienpolitik ein.

Öffentlicher Dienst: Mehr als 10.000 Stellen werden dauerhaft gestrichen!

Um das Gemeinwohl zu sichern, brauchen wir einen fairen Lastenausgleich und damit einen echten Beitrag der starken Schultern in der Gesellschaft zur Bewältigung der Lasten der Krise. Unsere Vorschläge dafür liegen auf dem Tisch:

  • Eine Finanzmarkttransaktionssteuer
  • Rücknahme der Steuersenkungen für Hoteliers und Gutbetuchte
  • Gerechtere Besteuerung großer Vermögen
  • Ein höherer Spitzensteuersatz
  • Ein flächendeckender Mindestlohn würde bedeuten, dass der Staat
  • Dumpinglöhne nicht mehr mitfinanzieren müsste

Gegen den Angriff auf das Gemeinwohl werden wir Sozialdemokraten Widerstand leisten. Es gibt einen sozial gerechten und wirtschaftlich vernünftigen Weg für unser Land.

Mit freundlichen Grüßen

Anton Schaaf
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Frage zum Thema Senioren
08.06.2010
Von:

Sehr geehrter Herr Abgeordneter,

Sie haben am 20. Mai 2010 zum Thema "Korrektur der Überleitung von DDR-Alterssicherungen in bundesdeutsches Recht" gesprochen. Sie haben nicht unterstellt, dass die Antragsteller "staatsnahe und parteinahe Leute im Besonderen im Fokus hätten." Gleichzeitig betonen Sie aber, Sie verstünden Kollegen die sich schwer tun zu sagen: "Alles, was da versprochen worden ist, wird jetzt auch gewährt." Sie haben Ansprüche für Altersversorgung von Beitrittsbürgern gemeint. Ich möchte Sie fragen: wie bringen Sie Ihre Aussage mit der geltenden Rechtslage in Übereinstimmung? Diese Rechtslage beinhaltet, dass die in der DDR rechtens erworbenen Ansprüche und Anwartschaften den Schutz des Grundgesetzes als Eigentum genießen. Im Einigungsvertrag ist bestimmt, dass Ansprüche und Anwartschaften nach Art, Grund und Umfang anzupassen sind. Die Höhe der Einkommen ist kein Anzeichen für Privilegien.
Ich möchte Sie darum bitten, Ihre Haltung am Beispiel der Ansprüche der Altersversorgung der Intelligenz klar zu stellen. Erkennen Sie diese als rechtens an? Um die Lage zu charakterisieren, sei ein Zwillingspaar betrachtet – Geburtsjahr 1933. Seit 1945 lebte ein Bruder in Hamburg, der andere in Rostock. Beide haben eine hohe Qualifikation erreicht. Sie waren im Jahr 1989 leitende Ärzte an einem Universitätsklinikum ihrer Heimatstadt. Seit 1998 erhalten sie Altersversorgung. Der Bruder aus Hamburg erhält eine Pension in Höhe von 5500 Euro. Der aus Rostock erhält eine Rente in Höhe von 30 Prozent der Pension seines westdeutschen Bruders. Seine DDR-Ansprüche wurden auf die Höhe von Bezügen eines Assistenten gekappt.
Rechnen Sie den DDR-Wissenschaftler zu den in Ihrer Rede erwähnten "Menschen, die in der DDR … partei- oder staatsnah, in der Regel besondere Privilegien hatten"? Wie sind die Kappungen der Altersversorgung zu rechtfertigen? Wie soll es weiter gehen?

Für die konkrete Beantwortung der Fragen dankt im Voraus
Antwort von Anton Schaaf
1Empfehlung
10.06.2010
Anton Schaaf
Sehr geehrter Herr ,

am 20. Mai 2010 sprach ich im Deutschen Bundestag zu einem Antrag der Fraktion DIE LINKE mit dem Titel: "Korrektur der Überleitung von DDR-Alterssicherungen in bundesdeutsches Recht". Dabei habe ich mich mit den Forderungen aus dem Antrag auseinandergesetzt, wo unter anderem verlangt wird, Beschäftigte des Partei- und Staatsapparats der ehemaligen DDR - explizit ehemalige MfS-Beschäftigte - besserzustellen. Ein solches Anliegen ist für mich nicht nachvollziehbar. Dass es sich bei dieser Personengruppe um besonders Privilegierte im Gesellschaftsgefüge der DDR handelte, ist wohl unstrittig. Darüber hinaus zweifle ich nicht daran, dass bei der Rentenüberleitung - die für die meisten Menschen reibungslos vonstatten ging und unbestreitbar mit deutlichen materiellen Verbesserungen einherging- die Ansprüche bestimmter Personengruppen nicht ausreichend berücksichtigt werden konnten. Daher plädiere ich dafür, offene Fragen hinsichtlich der Altersversorgung von Bürgerinnen und Bürgern aus den neuen Bundesländern abschließend zu klären und gegebenenfalls in einem Rentenüberleitungsabschlussgesetz endgültig zu regeln. Allerdings sollten wir außerhalb des Rentensystems Abhilfe schaffen. Die Rentenversicherung und die Solidargemeinschaft der Versicherten dürfen nicht für falsche Versprechen und Versäumnisse haftbar gemacht werden, die sie nicht zu verantworten haben. Wenn es um die Herstellung von Gerechtigkeit geht, müssen offene Einzelfragen als sozialpolitische Fragen behandelt und entsprechend entschieden werden.

Mit freundlichen Grüßen

Anton Schaaf
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Frage zum Thema Soziales
08.06.2010
Von:

Die Arbeitsministerin Ursula von der Leyen will für 33.000 schwer vermittelbare arbeitslose Hartz IV Empfänger Bürgerarbeit einführen. Insgesamt gibt es jedoch 6,48 Millionen (6.480.000) HARTZ IV Empfänger, die größtenteils sicher glücklich wären, so überhaupt wieder einen Job zu ergattern. Das ganze wirkt wie der berühmte Tropfen auf den heißen Stein, insgesamt betroffen wären ca. 0,5 % der HARTZ IV Empfänger.
Was ist davon Ihrer Meinung nach wirklich zu halten?
Antwort von Anton Schaaf
1Empfehlung
11.06.2010
Anton Schaaf
Sehr geehrte Frau ,

zu den Äußerungen von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen zum Thema Bürgerarbeit kann ich nur sagen: wir brauchen echte Arbeit für Bürger statt Bürgerarbeit!

Ein bisschen Jobperspektive, ein bisschen Bürgerarbeit, ein bisschen 1-Euro-Jobs = konzeptlos wirkt die Arbeitsmarktpolitik von Bundesministerin von der Leyen. Einerseits kürzt sie die Stellen für die dauerhafte Beschäftigung Langzeitarbeitsloser bei der Jobperspektive, andererseits lässt sie sich für das neue Instrument Bürgerarbeit feiern. Das passt nicht zusammen.

Die Jobperspektive bietet dauerhafte Arbeit, mit dem Ziel, wieder am 1. Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Die Bürgerarbeit ist auf drei Jahre beschränkt und darf nicht in der Wirtschaft stattfinden.

Wir Sozialdemokraten wollen eine faire, dauerhafte Beschäftigung für Langzeitarbeitslose, die es schwer haben. Deshalb fordern wir: Keine neuen Experimente, sondern freiwillige, sozialversicherungspflichtige Angebote in der Wirtschaft, die mit Gewerkschaften und Kammern abgestimmt sind und die nicht als Projekt gefördert sind, wie die Bürgerarbeit, sondern mit einem eigenen Haushaltstitel abgesichert werden.

Mit freundlichen Grüßen

Anton Schaaf
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Frage zum Thema Gesundheit
02.09.2010
Von:

Lieber Anton,

welchen politischen Stellenwert misst Du den Bestrebungen zu, die Krankenhaushygiene -mglw. auch länderübergreifend - durch den Bund zu regeln?
Wie allgemein bekannt, sterben jährlich über 100000 Menschen in der Bundesrepublik an Keimen, die sie sich erst beim stationären Aufenthalt im Krankenhaus zuziehen.Nicht gerechnet sind daneben Patienten, die sich schwere und z. T. irreversible Krankheiten zuziehen. Das Beispiel Niederlande zeigt, dass das vermeidbar ist!
Nur am Rande:
ich bin 2006 mit einem Schlaganfall ins EKM eingeliefert worden. Problematisch und lebensgefährlich wurde die Sache erst dann, als ich mir auf der Intensivstation eine antibiotikaresistente Lungenentzündung zuzog. Da konnte ich dem "Sensenmann" gerade noch mal von der Schüppe springen!
Ich bitte dich herzlich, dich dafür eizusetzen, dass trotz Montgomery und Co. sowie den Krankenhausgesellschaften eine derartige Regelung durch den Bund erfolgt.

Mit freundlichen Grüßen
Dein
Antwort von Anton Schaaf
1Empfehlung
09.09.2010
Anton Schaaf
Lieber Kalkuhl,

vielen Dank für Deine Nachfrage bezüglich der Hygiene in vielen deutschen Kliniken und der Konsequenzen.

Ich persönlich halte es für sinnvoll, wenn es bundeseinheitliche Hygienestandards gäbe. Eine Grundlage für ein allgemeines Gesetz wären die Empfehlungen des Berliner Robert-Koch-Instituts.* *

In den meisten Ländern fehlen Hygieneverordnungen mit verbindlichen Hygienestandards für die Kliniken vollständig. In zahlreichen Häusern werden einfachste Regeln missachtet. Dieser Zustand ist für ein Land wie Deutschland völlig untragbar.

Die SPD fordert eine bundesweit verbindliche Hygieneverordnung für alle Kliniken, einen ausschließlich für die Hygiene zuständigen Mediziner in jedem Krankenhaus sowie eine Meldepflicht für tödlich verlaufene Krankenhausinfektionen.

In Ländern wie Frankreich und den Niederlanden, in denen massiv in Hygienemaßnahmen investiert wurde, ist die Zahl der Krankenhausinfektionen deutlich zurück gegangen.

Krankenhäuser sind Ländersache, aber bislang haben nur fünf Länder eine Krankenhaushygieneverordnung erlassen. Da dürfen wir im Deutschen Bundestag nicht länger zuschauen.

Mit freundlichen Grüßen

Anton Schaaf
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Frage zum Thema Finanzen
13.09.2011
Von:

Sehr geehrter Herr Schaaf,

mit großer Sorge verfolge ich, welche enormen Kosten und Risiken dem Bürger/ Steuerzahler bzw. den nachfolgenden Generationen zur Euro-Rettung aufgebürdet werden sollen. Nach mehr als einem Jahrzehnt des "Gürtel-enger-Schnallens", sinkender Löhne und bisher beispielloser Sozialkürzungen sollen die deutschen Bürger nun für die Länder geradestehen, die sich dieser "Rosskur" entzogen haben.
Das pathetische Geschwätz, dass Deutschland vom Euro profitiert habe, der Euro angeblich eine Frage von "Krieg oder Frieden" ist, ist für mich und viele meiner Bekannten kaum noch erträglich. Letztlich wurden den Südländern Waren auf Kredit verkauft, die jetzt im Feuer stehen - wir haben unsere Exporte somit selbst bezahlt. Nun alimentieren wir weiter Länder, die de facto entweder schon pleite und/oder reformunwillig sind, solange bis Deutschland selbst zahlungsunfähig ist.
Meine Frage geht dahin, zu erfahren, inwieweit Sie als Abgeordneter bereit sind, diesem Wahnsinn mit Ihrem "Nein" zum Euro-"Rettungsschirm" oder womöglich den unsäglichen "Eurobonds"ein Ende zu machen, damit dieses tote Pferd nicht weiter geritten wird.

Traditionell hat meine Familie - seit Generationen aus dem Ruhrgebiet stammend - sich immer für die Sozialdemokratie entschieden, wenn auch manchmal mit "Bauchgrimmen". Jetzt ist für mich und viele andere in meinem Umfeld ein Umdenken angesagt, wenn wir von unseren Volksvertreten weiterhin derart im Stich gelassen werden. Es gibt leider nicht viele Alternativen, da auch die Vertreter anderer Parteien sich überschlagen in dem Bemühen, das eigene Volk auszuplündern. Aber wie mir ein Kollege unlängst sage: ich wähle jede, wirklich jede Partei, die diesem Wahnsinn ein Ende macht, zur Not auch rechte Splitterparteien.

Wie werden Sie sich entscheiden?
Mit frdl. Gruß
C. , Essen-Stoppenberg
Antwort von Anton Schaaf
bisher keineEmpfehlungen
27.09.2011
Anton Schaaf
Sehr geehrte Frau ,

die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hat vor der Europäischen Union nicht Halt gemacht. Unregulierte Finanzmärkte sind eine Hauptursache der Krise und haben immer weiter zu deren Verschärfung beigetragen. Europa steht vor einer historischen Aufgabe. Es geht um die Zukunft der gemeinsamen Währung. Mehr noch: Es geht um die Zukunft des gemeinsamen europäischen Projekts.

Die Rettung des Euro liegt im ureigensten deutschen Interesse. Sie ist weit mehr als ein Akt der Nächstenliebe gegenüber Staaten, die nicht mehr in der Lage sind, ihre Schulden zu bezahlen. Die Rückkehr zu nationalen Währungen ginge mit einer massiven Verteuerung unserer Exporte einher, denn mit der Abwertung der anderen Währungen würde die D-Mark aufgewertet. Wechselkursrisiken führten zu weniger Handel. Aber rund 60 Prozent unserer Exporte gehen in die EU. Lassen wir also die Eurozone zerbrechen, werden die deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch Arbeitsplatzabbau die Hauptleidtragenden sein. Der Schaden für Deutschland wäre kaum abzuschätzen.

Griechenland dürfte damit erst recht nicht geholfen sein. Durch die Abwertung und damit Schwächung ihrer Währung wären die Hellenen noch viel weniger in der Lage, ihre Auslandsschulden in Fremdwährung zurück zu zahlen - auch nicht die an Deutschland. Die Rettung der Eurozone gibt es nicht zum Nulltarif. Aber der Zusammenbruch kostet uns weit mehr, weil er unsere Wirtschaft immens schwächen wird. Mit der Rettung der Eurozone fördern wir Wachstum in allen Ländern und sichern Beschäftigung und Wohlstand.

Deshalb ist es höchste Zeit, einen dauerhaften Krisenabwehrmechanismus mit klaren und glaubhaften Regeln zur Gläubigerbeteiligung, zum Schuldenabbau und zur Regulierung der Finanzmärkte zu schaffen und um einen europäischen Wachstumspakt zu ergänzen. Wir Sozialdemokraten fordern eine europaweite Umsatzsteuer auf Finanzgeschäfte. Nur mit Haushaltsdisziplin allein lässt sich die Zukunft nicht gestalten. Mit der Einführung einer Finanztransaktionssteuer als europäische Ressource lasst sich ein neues Wachstum schaffen.

Die Zustimmung der SPD zu den Rettungsmechanismen wird trotzdem schwierig, denn es fehlt gänzlich in dem Kabinettsbeschluss eine Aussage über die künftige parlamentarische Beteiligung. Uns geht es um eine ausgewogene Lösung: Einerseits muss der Bundestag sein Königsrecht, die Hoheit über den Haushalt, behalten. Zugleich müssen Rettungsmaßnahmen in der Schuldenkrise rasch möglich sein.

Für uns Sozialdemokraten ist die Refinanzierungskrise der Eurozone aber auch deshalb so bedeutsam, weil es um den Grundwert unserer Partei geht: Solidarität.

Mit freundlichen Grüßen

Anton Schaaf
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