Von:


Sehr geehrte Frau Nahles,
unsere Familiennamen trennt nur ein Buchstabe - unsere Ansichten zum Thema Euro, Eurorettung und soziale Grechtigkeit innerhalb der EU aber (vermutlich) Welten.
Heute (04. Mai) ist überall im Internet zu lesen, dass in Portugal beim öffentlichen Dienst "gespart" werden soll. Zum Beispiel auf den Internetseiten der Tagesschau:
www.tagesschau.de
Ich bin Kommunalbeamter, seit 24 Jahren im Dienst, dies zum Verständnis.
Die Beamten in Portugal sollen nun 40 Stunden in der Woche arbeiten. Bisher haben sie nur schwache 35 Stunden gemacht.
Meine Kolleginnen, Kollegen und ich machen seit sieben oder acht Jahren 41 Stunden in der Woche, haben davor 37,5 gemacht.
Die portugisischen Beamten bekommen 14 Monatsgehälter im Jahr. Das Verfassungsgericht in Portugal hat vor einigen Wochen entschieden, dass das so bleiben muss. Die Regierung wollte auf 13 runter. Das wissen Sie sicher so gut wie ich.
Ich erinnere mich gerne an die herrlichen Zeiten vor 1992, als ich 13 Gehälter bekam. Dann wurde es immer weniger, erst ganz langsam, dann immer schneller. Nun bekomme ich noch 12 Gehälter plus einmalig im Dezember 30% eines Gehaltes.
Die Beamten in Portugal mussen ab JETZT bis 66 Jahren im Dienst bleiben. Wir hier in Deutschland haben schon vor mehreren Jahren die Lebensarbeitszeit verlängert - auf 67 Jahre.
Ich fasse zusammen: Ich arbeite seit Jahren viel mehr (bisher 6 Stunden, nun noch eine), bekommen nur 12,3 Gehälter (statt vierzehn) und mache auch noch ein Jahr länger am Ende des Arbeitslebens.
Trotzdem bekommt Portugal Geld aus dem ESM und damit Steuergeld (auch meines) aus Deutschland.
Frage:
Wie finden Sie das, vorallem vor dem Hintergrund der von der SPD so beschworenen sozialen Gerechtigkeit?
Mit freundlichem Gruß
