André Martens (Piratenpartei)
Kandidat Landtagswahl Baden-Württemberg 2011
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

André Martens
Jahrgang
1970
Berufliche Qualifikation
Dipl.-Informatiker
Ausgeübte Tätigkeit
Software-Ingenieur und Betriebsratsvorsitzender
Wohnort
-
Wahlkreis
Freiburg II , Stimmen (Wahlkreis): 1.787
(...) Aber Spaß beiseite - mich macht es betroffen, dass man anscheinend lieber Parteien diffamiert, die für ähnliche Ziele einstehen, anstatt die Konfrontation mit dem tatsächlichen politischen Gegner zu suchen oder die fast 50 Prozent Nichtwähler zu mobilisieren. Ein fairer Wahlkampf sollte sich im Idealfall über Inhalte definieren. Man muss allerdings sagen, dass sich einige GRÜNE schon von dieser Aktion distanziert und sie als peinlich empfunden haben. (...)
 
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Frage zum Thema Gesellschaft
09.03.2011
Von:

Stimmen Gerüchte, wonach GRÜNE bei einem Infostand der Piraten randaliert haben? Was hat sich tatsächlich zugetragen?
Antwort von André Martens
1Empfehlung
16.03.2011
André Martens
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage.

Nein, diese Gerüchte stimmen glücklicherweise so nicht. Es wurde nicht randaliert.

Einige GRÜNE haben sich allerdings neben einem unserer regelmäßigen Samstags-Infostände in der Freiburger Innenstadt in einer Gruppe zusammengefunden und skandierten mit grünen Clownsnasen "verkleidet" und Bilder von ihrem Kandidaten Kretschmann vor sich her tragend lautstark "Wer Piraten wählt, wählt Mappus!".

Auch den GRÜNEN sollte eigentlich klar sein, dass Herr Mappus kein Mitglied der Piratenpartei ist. Aber Spaß beiseite - mich macht es betroffen, dass man anscheinend lieber Parteien diffamiert, die für ähnliche Ziele einstehen, anstatt die Konfrontation mit dem tatsächlichen politischen Gegner zu suchen oder die fast 50 Prozent Nichtwähler zu mobilisieren. Ein fairer Wahlkampf sollte sich im Idealfall über Inhalte definieren. Man muss allerdings sagen, dass sich einige GRÜNE schon von dieser Aktion distanziert und sie als peinlich empfunden haben.

Das Wahlsystem in Baden-Württemberg ist durch lange Tradition und den Zuschnitt der Wahlkreise so geprägt, dass Rot/Grün aufgrund der zu erwartenden Kombination von Direkt- und Überhangmandaten einen beträchtlich höheren Stimmanteil als Schwarz/Gelb haben müsste, um einen Wechsel herbeizuführen. Allein werden sie es meiner Ansicht nach daher nicht schaffen. Deshalb würde dort ein weiterer Verbündeter wie die Piratenpartei helfen können. Eine neue Partei im Landtag würde alles verändern und das wäre dann ein tatsächlicher Wechsel.

Es ist übrigens recht anmaßend anzunehmen, dass sämtliche Wähler der Piratenpartei ansonsten die GRÜNEN wählen würden. Die meisten unserer Wähler sind von den etablierten Parteien enttäuscht (GRÜNE eingeschlossen), was die derzeit niedrige Wahlbeteiligung von nur knapp über 50 Prozent erklärt. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Fast jeder zweite Baden-Württemberger sieht in Wahlen derzeit keinen Sinn mehr während in anderen Staaten die Menschen für das Erstreiten von Demokratie ihr Leben aufs Spiel setzen. Das ist die eigentliche Tragödie.

Von der Piratenpartei erwartet man einen neuen und unverbrauchten Politikstil. Mit diesem kann keine der derzeit im Landtag vertretenen Parteien aufwarten.

Mit freundlichen Grüßen
André Martens
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Frage zum Thema Arbeit und Wirtschaft
16.03.2011
Von:

Bei einem Besuch an Ihrem Wahlkampfstand hatte ich den Eindruck daß sie Kapitalismus und Globalisierung sehr positiv bewerten. Wie stehen sie daher "Attac" gegenüber?
Antwort von André Martens
1Empfehlung
18.03.2011
André Martens
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für die Frage. An das Gespräch kann ich mich noch gut erinnern.

Globalisierung ist ein sehr vielschichtiger Begriff, den man differenziert betrachten muss.

Ein Thema, das naturgemäß sehr nah an der Piratenpartei ist, ist die Globalisierung der Kommunikation und des Internets. Durch die weltumspannende Kommunikationsmöglichkeit bilden sich erstaunliche Möglichkeiten. Es ergeben sich neue Freundschaften und Vorgänge in den hintersten Ecken der Welt werden plötzlich transparent. Damit verbunden ist dann auch die Globalisierung der Kultur, was dazu führen kann, dass ganze Völker näher zusammenrücken. Auch bei der derzeit laufenden Demokratisierung Nordafrikas spielt das Internet als Kommunikationsmedium eine entscheidende Rolle. Die Piratenpartei ist als globale Bewegung übrigens in über 40 Ländern weltweit präsent.

Aus wirtschaftlicher Sicht gibt es durchaus Vorteile für Firmen, die von der hohen Qualifikation ihrer Mitarbeiter leben. Der deutsche Maschinenbau bzw. die Autoindustrie wären ohne eine globalisierte Wirtschaft sicherlich nicht so erfolgreich. Die Firma, in der ich arbeite, würde ohne diese in dieser Form sicherlich nicht existieren. Natürlich birgt die internationale Vernetzung von Produktionsprozessen hierbei auch Nachteile. Gerade jetzt nach der Katastrophe in Japan werden die globalen Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Firmen, die teilweise wie im Automotive-Bereich mit einer Just-In-Time-Logistik arbeiten, offenbar. Natürlich gibt es durch die Globalisierung Nachteile für Arbeitnehmer mit geringer beruflicher Qualifikation. Das ist einer der Gründe, warum die Piratenpartei vermehrte Anstrengungen im Bildungsbereich vornehmen möchte.

Die Politik kommt durch die Globalisierung durchaus in die Schwierigkeit, dass multinationale Unternehmen erheblichen Druck auf politische Entscheidungen ausüben können. Hier gilt es darauf zu achten, dass dieser Einfluss durch passende rechtliche Rahmenbedingungen begrenzt bleibt.

Für die Umwelt ist die Wirtschafts-Globalisierung definitiv ein Nachteil. Zum einen wirken sich lange Transportwege schädlich aus, aber auch die Rohstoffgewinnung zu Dumpingpreisen bei laxen Umweltauflagen in einigen Gebieten ist eine Gefahr. Hier muss man nur mal anschauen, unter welchen Bedingungen z.B. Uran abgebaut wird. Hier gilt es intelligente Steuerungsmechanismen zu entwickeln, um umweltschädliches Verhalten einzudämmen.

Fazit: Auf der einen Seite haben wir also positive gesellschaftliche Aspekte durch Vernetzung und Kommunikation, die ohne den internationalen Wettbewerb zwischen den Hightech-Firmen so nicht vorhanden wäre, statistisch belegte längere Lebenserwartungen auch in armen Ländern und einen rasanten technologischen Fortschritt, der auf der anderen Seite zu Umweltschäden und Druck der Wirtschaft auf die Politik führen kann. Dies ist also keineswegs eine Schwarz-Weiß-Frage, ob man Globalisierung nun gut oder schlecht findet, sondern eine große politische Herausforderung, die richtige Balance zu finden.

Zu Ihrer Attac-Frage:
Eine zentrale Forderung von Attac ist die Tobin-Steuer, um internationale Finanzmarktspekulationen zu bremsen. Dies halte ich für eine gute Lösung. Auch im Kampf gegen Software-Patente und Patente auf Lebewesen sind Attac und Piratenpartei quasi Verbündete. Ich begrüße ausdrücklich, dass Attac in der Regel friedlich vorgeht und bin froh, dass es diese Organisation gibt.

Zum Kapitalismus:
Es gibt den schönen Spruch: "Im Kapitalismus gibt es die Ausbeutung der Menschen durch die Menschen. Im Sozialismus ist es genau umgekehrt."

Meiner Ansicht nach ist der Kapitalismus vielleicht nicht unbedingt die beste Wirtschaftsform, aber verglichen mit den anderen, die wir kennen, eine der besseren. Ohne Kapitalismus würde es zumindest unseren technologischen Fortschritt in dieser Form nicht geben. Der Kapitalismus hat aber viele Abstufungen. Die Ausprägung in Form einer sozialen Marktwirtschaft wie in Deutschland finde ich von der Theorie her sehr gelungen. Natürlich gibt es auch hier Probleme, die aber ihren Ursprung aber eher in der konkreten Ausgestaltung haben (z.B. Hartz 4). Ich gehöre aber mit Sicherheit nicht zu denen, die den Kapitalismus als solches abschaffen wollen. Mit passenden politische Rahmenbedingungen lässt es sich mit dem Kapitalismus durchaus gut leben.

Ich hoffe, ich konnte Ihre Fragen zur Zufriedenheit beantworten. Wir können unser Gespräch am Infostand gern fortsetzen, wenn Sie möchten.

Mit freundlichen Grüßen

André Martens
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Frage zum Thema Gesellschaft
20.03.2011
Von:

Beim Lesen von Twitter, Blogposts und Ähnlichem habe ich den Eindruck bekommen, die Piratenpartei würde grundsätzlich allen anderen Parteien ablehnend gegenüberstehen. Im Falle eines Einzuges in den Landtag, gibt es eine Partei, deren Linie die PIRATEN zu unterstützen bereit wären, oder würden sie auf keine Variante der Regierungsbildung (ggf. auch Tolerierung o.Ä.) eingehen?
Antwort von André Martens
bisher keineEmpfehlungen
22.03.2011
André Martens
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage.

Kurz formuliert könnte man sagen: Klappern gehört zum Handwerk.

Es ist natürlich so, dass viele sich gerade deshalb bei den Piraten engagieren oder sie wählen, weil sie von den anderen Parteien ein Stück weit enttäuscht sind. Da gehört es zum Selbstfindungsprozess, sich immer wieder vor Augen zu halten, was bei den anderen Parteien schief läuft. Außerdem ist das Aufzeigen der Fehler der anderen Parteien mit der kleinen Hoffnung verbunden, dass man auf diese Weise ein Einlenken erreicht.

Insgesamt finde ich die Piratenpartei diesbezüglich aber eher harmlos. Meiner ersten Antwort hier auf Abgeordnetenwatch können Sie z.B. entnehmen, dass die Grünen zumindest hier in Freiburg sehr intensiv Wahlkampf gegen uns, anstatt gegen den tatsächlichen politischen Gegner machen. Als ehemaligen langjährigen Grün-Wähler hat mich dieses Verhalten ehrlich gesagt zutiefst enttäuscht. Auch die SPD macht zumindest über ihren Account spdbawue auf Twitter aktiv Wahlkampf gegen uns und animiert die Wähler zu vermeintlich besserem taktischem Wählen. Interessant ist dabei, dass diese Angriffe nie auf inhaltlichen Themen basieren. Dort scheinen wir ein Stück unangreifbar zu sein.

Um so erfrischender finde ich es hier in Freiburg, dass die hiesige Kandidatin der SPD, Gabi Rolland, bei Podiumsdiskussionen ihr Bedauern darüber ausgedrückt hat, dass wir Piraten nicht auch auf dem Podium sitzen. Außerdem hat sie eine Koalition mit den Piraten als Möglichkeit dargestellt, falls wir es in den Landtag schaffen.

Trotz aller Sticheleien der Parteien gegeneinander, würde mir persönlich eine Paprika-Koalition bestehend aus SPD, Grünen und Piraten am meisten zusagen.

Eine Koalition mit der CDU würde ich persönlich ausschließen - zu sehr unterscheiden wir uns in unseren Zielen. Die Linke würde ich auch ausschließen, weil dort der freiheitliche Aspekt der Politik viel zu kurz kommt. Zu sehr möchte man dort zentralistisch verwalten und verstaatlichen. Gerade aber die Freiheit gehört zur Kernidentität der Piratenpartei.

Ich hoffe, Ihnen hat meine Antwort weitergeholfen. Wir können auch gern an unserem Infostand weiter diskutieren.

Mit freundlichen Grüßen
André Martens
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