Alexander Achminow (CDU)

Angaben zur Person
Alexander Achminow
Jahrgang
1960
Berufliche Qualifikation
Historiker und Journalist
Ausgeübte Tätigkeit
Verlagsgeschäftsführer
Wohnort
-
Wahlkreis
Leipzig II
Ergebnis
25,6%
Landeslistenplatz
8, Sachsen
Öffentliche Äußerungen
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Frage zum Thema Sicherheit
07.09.2005
Von:

Sehr geehrter Herr Achminow,

ich zitiere aus dem Wahlprogramm Ihrer Partei:

1. (Seite 20)
"Wir brauchen die Kernkraft auch in Deutschland und stellen die Weichen für eine geordnete Entsorgung. Die Betriebsdauer der deutschen Kernkraftwerke wird sich ausschließlich an der Gewährleistung des größtmöglichen Sicherheitsniveaus jeder Anlage orientieren."

2. (Seite 31)
"Alle Menschen in Deutschland sollen vor Terror, Kriminalität und Vandalismus geschützt sein. Der Schutz von Leib, Leben und Eigentum der Bürger ist die ureigenste Aufgabe des Staates."


Meine Frage an Sie ist nun, wie sich diese beiden Aussagen vereinbaren lassen. Bekanntlich ist kein Atomkraftwerk der Welt vor einem Terroranschlag geschützt. Die Folgen eines solchen Anschlags wären verheerend und wahrscheinlich von einem Ausmaß, das sich keiner wirklich vorstellen will. Diese und die generelle Gefahr von Störfällen sind die großen Schattenseiten der Nutzung der Kernenergie, die Ihre Partei, wenn sie mit niedrigen Strompreisen Wähler gewinnen will, dezent totschweigt.

Können Sie daher persönlich mit gutem Gewissen pro Kerkraft argumentieren, obwohl dies der "ureigensten Aufgabe des Staates", die Menschen vor Terror zu schützen, widerspricht? Ist die zunehmende Einschränkung von Bürgerrechten im Anti-Terror-Kampf wirklich vertretbar, wenn man gleichzeitig über die Gefahren eines Anschlags auf ein Kernkraftwerk hinwegsieht?

Mit freundlichen Grüßen,

Antwort von Alexander Achminow
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08.09.2005
Sehr geehrte Frau ,

für Ihre Frage danke ich Ihnen besonders, denn Sie gibt mir Gelegenheit, einen Zusammenhang darzustellen, der in der Diskussion über Kernenergieanlagen oft vernachlässigt wird: Ihre Existenz und die Entsorgung des Brennmaterials erfordern eine Sicherheitsphilosophie und moderne Sicherheitstechnik. Die Sicherheitsfragen stellen sich, ob Kernenergie nun im eigenen Lande gewonnen wird oder die Anlagen in Nachbarstaaten stehen; langfristig geordnete und gesicherte Entsorgung ist notwendig, ob nun Kernkraftwerke noch in Betrieb sind oder es sich um Entsorgungsaltlasten handelt.

Der ideologisierte Umgang mit allen Fragen, die die Kernenergie betreffen, haben vielfach zu einer Vogel-Strauß-Politik geführt. Alles, was mit Kernenergiegewinnung irgendwie zu tun hat – Entwicklung der Sicherheitstechnik, die Brennmaterialtransporte und die Einrichtung von Endlagern, Notfallmedizin usw. –, wurde pejorisiert und tabuisiert. Deutschland war führend in der Kernkraftwerksicherheit – mit der Trittinschen Politik wurde auch hier ein sachlich dringend erforderliches und wirtschaftlich ergiebiges Forschungs- und Entwicklungsfeld quasi ‚abgeschaltet’.

Ich halte die Weiterentwicklung der Kernkraftwerksicherheit und die Einrichtung langfristig sicherer Endlager für dringend geboten und stelle mich daher entschieden gegen die Verfemung von Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Kernenergiegewinnung. Ebenso ist – unabhängig von jeder individuellen oder Partei-Meinung über die Zukunft der Kernenergiegewinnung in Deutschland – die Sicherung vor Nuklearterrorismus eine vordringliche Aufgabe. Ich teile darin durchaus Ihre Auffassung, daß über diese Gefahren nicht hinweggesehen werden darf. Eine offene Diskussion darüber und wesentlich stärkere Anstrengungen zum wirksamen Schutz z.B. vor Terroranschlägen auf Kernkraftwerke sind notwendig.

Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang auch auf die Doppelzüngigkeit der rotgrünen Politik Nuklear-Außenpolitik hinweisen. Jahrelang hat man die Plutoniumgewinnung in Hanau als angeblich zu hohes Risiko einer möglichen militärischen Nutzung bekämpft, dann wollte die Regierung Schröder diese Fabrik ausgerechnet an ein kommunistisches Regime in China abgeben. Gegen das neue, aber sehr risikobehaftete Kernkraftwerk Temelin in Tschechien im Zuge der EU-Beitrittsverhandlungen hat man aber nichts unternommen und die österreichische Regierung und die wenigen deutschen Temelin-Kritiker, zu denen auch die sächsische CDU gehörte, alleingelassen.

Mit freundlichen Grüßen
Alexander Achminow
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Frage zum Thema Sicherheit
08.09.2005
Von:

Sehr geehrter Herr Achminow,

besten Dank für Ihre prompte Antwort. Überhaupt gehören Sie ja zu den zuverlässigsten und schnellsten Kandidaten, was die Beantwortung der hier gestellten Fragen angeht. Dafür mein Kompliment.

Ich habe gewiss nicht vor, hier ein längeres Zwiegespräch einzuleiten - gestatten Sie mir bitte dennoch eine Nachfrage, da Sie meine konkrete Frage nur gestreift und nicht direkt beantwortet haben.

Selbst die Länder, die - laut Ihrer Antwort - mittlerweile an Deutschland in Sachen Kernkraftwerksicherheit vorbeigezogen sind, können doch keine Sicherheit vor Terroranschlägen auf Kernkraftwerke vorweisen. Die Gefahr eines Terroranschlags besteht aber leider täglich. Wie lange wollen Sie noch trotz fehlenden Schutzes vor Anschlägen auf verlängerte Laufzeiten für Kernkraftwerke drängen?

Es ist eine ganz konkrete Frage von mir an Sie, ob Sie guten Gewissens für längere Laufzeiten plädieren können, wenn - von einem Schutz vor Terroranschlägen auf Kernkraftwerke sind wir bekanntlich noch weit entfernt - davon eine täglich existente Gefahr ausgeht, die verheerende Folgen haben könnte?

Muss erst wieder etwas passieren wie in Tschernobyl (damals wurde den Menschen die Gefahr von Störfällen bewusst), bis die Gefahr erkannt und danach gehandelt wird?

Mit freundlichen Grüßen,

Antwort von Alexander Achminow
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09.09.2005
Sehr geehrte Frau Öhlschlägel,

zunächst vielen Dank für das Kompliment, das Sie mir machten, weil ich die Fragen relativ schnell beantworte.

In der Sache ändere ich aber meine Meinung nicht: Die Gefahrenabwehr erfordert sowohl eine hochentwickelte Technologie der Kernkraftwerksicherheit und der Entsorgungssicherheit als auch die wirksame Abwehr von Terroranschlägen. Beides ist gänzlich davon unabhängig, wie Sie oder ich zur Kernenergiegewinnung stehen oder welche Laufzeiten von Kernkraftwerken es in Deutschland oder einem anderen Land gibt. Gefahrenabwehr setzt aber auch eine entsprechende Philosophie voraus, und die darf nicht heißen "Wir tun nichts für die Kraftwerkssicherheit oder für die Entsorgung oder erklären Terrorabwehr für faschistoid, denn wir halten Atome für böse und wollen damit nichts zu tun haben"!

Mit freundlichen Grüßen
Alexander Achminow
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