Walter Riester (SPD)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
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Grunddaten
Walter Riester
Jahrgang
1943
Berufliche Qualifikation
Fliesenlegermeister, Bundesminister a.D.
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Göppingen
Landeslistenplatz
10, über Liste eingezogen, Baden-Württemberg
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(...) Im Übrigen dürften Sie, wenn Sie Skepsis gegenüber den von mir erbrachten Fakten haben, diese Informationen auch der Statistik der Deutschen Rentenversicherung zur Entwicklung des Rentenniveaus entnehmen. Von 2001 bis 2006 hat sich das Bruttorentenniveau zum Durchschnittsverdienst gerade um 0,1% vermindert, das Nettorentenniveau um 0,4%. Der beabsichtigte Dämpfungsfaktor, der von der Vorgängerregierung als demografischer Faktor eingesetzt wurde, als auch die von mir als Alternative dazu eingesetzte Riester-Treppe, sahen deutlichere Dämpfungen vor, die Wirklichkeit weist aus, dass sich fast nichts verändert hat. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Soziales
21.04.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Riester.

Werden Sie sich dafür einsetzen, dass man eine "Riester-Rente" auch bei seiner gesetzlichen Rentenversicherung unter seiner RV-Nummer abschliessen kann? Denn, ich kann es einfach nicht nachvollziehen, dass sich der Staat zum Büttel von Versicherungskonzernen macht! Oder wollen Sie, mit Otto Graf Lambsdorff, als "GröVaZ" ( Größter Versicherungsvertreter aller Zeiten) in die deutsche Geschichte eingehen? Warum wird man gezwungen seine Altersvorsorge Börsenzockern anzudienen?
Ein Beispiel:
Ein kanadischer Pensionsfond (der Name ist mir leider entfallen) kauft sich über einen Hedgefond, in bekannter Machart, in eine europäische Firma ein, zerschlägt sie und verscherbelt die Einzelteile mit horrendem Gewinn. Die Hälfte steckt der hart arbeitende Fondmanager ein, die andere Hälfte bekommen die kanadischen Rentner und die sind glücklich, dass sie so gut investiert haben. Nur auf der anderen Seite des Atlantiks haben 500 o. mehr Leute ihre Arbeit verloren! Wenn ich bedenke, das mit meinen privaten Renteneinzahlungen bei privaten Versicherungen das gleiche gemacht werden kann, es raubt mir , gelinde gesagt, den Schlaf. An solchen Schurkereien will ich, und viele andere nicht beteiligt sein! Ebenso habe ich nicht die geringste Lust irgendwelchen Fondmanagern ein luxuriöses Dasein zu finanzieren!
Vorschlag:
Man könnte z.B. auch Riester-Zulagen auf den Erwerb von Bundesschatzbriefen erteilen, die mit dem Bezug der Rente freiwürden. Aber da verdient ja keiner dran!

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Walter Riester
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22.04.2008
Walter Riester
Sehr geehrter Herr ,

gerne antworte ich auf Ihre Anfrage, denn die Frage die ergänzende Riester-Rente im Rahmen der Rentenversicherungen durchzuführen, haben wir während des Gesetzgebungsverfahren auf Nachfrage natürlich auch mit den Rentenversicherern besprochen. Von den Rentenversicherungen und der sie tragenden Selbstverwaltung wurde nach Prüfung diese Überlegung abgelehnt. Diese Ablehnung war für mich auch durchaus nachvollziehbar.

Die gegenwärtige Aufgabe der Rentenversicherung vollzieht sich im Rahmen eines Pflichtversicherungssystems, für die im Übrigen die Pflichtbeiträge durch die Krankenversicherungen erhoben werden. Kein Mitglied muss geworben werden und obwohl die Rentenversicherung viele gute Informationsbroschüren herausgibt und im Rahmen ehrenamtlicher Rentenberater auch Auskünfte erteilt, ist sie eben nicht dazu gezwungen, Menschen vom freiwilligen Altersvorsorgesparen zu überzeugen.

Außer einer Schwankungsreserve, von gegenwärtig etwas unter einem Monat Rentenzahlung, ist eine Kapitalanlagepolitik, wie sie die Finanzwirtschaft leisten muss, im Rahmen des Umlagesystems nicht erforderlich.

Der gleichzeitige Aufbau eines zweiten riesigen Kapitalstocks bei den Rentenversicherungen wurde aber auch von Sozialpolitikern in der Vergangenheit abgelehnt. Die Ablehnung liegt vor allem darin begründet, dass die Rentenversicherungen gegenwärtig aus dem Bundeshaushalt ca. 80 Mrd. Euro Bundeszuschuss erhalten, die ergänzend zur Altersvorsorge der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler erbracht werden. Unterstellt man nun einen hohen Kapitalstock der sich neben dem der gesetzlichen Rentenversicherung durch zusätzliche Sparleistungen aufbaut, sind die Bedenken nicht unbegründet, dass bei ständig klammen Haushaltskassen der Bundeszuschuss vermindert wird. Dieser Bundeszuschuss, darauf möchte ich noch hinweisen, ist gerade durch Entscheidungen in den Jahren 1999-2002, in denen ich die Verantwortung für diesen Bereich getragen habe, von ehemals 44 Mrd. € auf gegenwärtig 80 Mrd. € angestiegen.

Es gab aber auch rechtliche und nicht zuletzt europarechtliche Gesichtspunkte, die bei der Debatte im Jahre 2000 zu einem Verzicht auf die Anlage in den Rentenversicherungen geführt haben.

Der Einwand, die ergänzende kapitalgedeckte Altersvorsorge hätte auch verpflichtend eingeführt werden können - sowie ich dies auch ursprünglich wollte - ist an einem breiten Widerstand, der mit dem Begriff der Zwangsrente verbunden wurde und der letztendlich dazu geführt hat, dass eine parlamentarische Mehrheit für diesen Weg nicht mehr zu erreichen war, gescheitert.

Ich glaube, dass die angeführten Punkte Ihnen deutlich machen, dass ich mich sehr ausführlich mit der von Ihnen gewünschten Option auseinandergesetzt habe. Ihren Vorwurf, der Staat mache sich zum Büttel der Versicherungskonzerne, möchte ich aus diesem Grunde entschieden zurückweisen.

Ich vermute, dass der gleiche Gedanke im Zusammenhang mit der Kfz-Versicherung der privaten Haftpflichtversicherung oder der Lebensversicherung bei Ihnen nicht auftritt.

Mit freundlichen Grüßen
Walter Riester
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Frage zum Thema Soziales
21.04.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Riester,

mich würde eine Antwort zur Frage vom 21.04.08, Herrn Joachim Lang, interessieren.
Womit ist begründet, dass die "Riester-Rente" komplett von der Versicherungswirtschafts vereinnahmt wurde und damit der Versicherte dem "Treiben" der global operierenden Konzerne hilflos ausgeliefert ist?
Als Versicherter fühle ich mich sehr schlecht informiert, insbesondere über die horrenden Zusatzkosten, welche in die Taschen der Versicherungen wandern.
Eine unabhängige und qualitativ hochwertige Beratung mit entsprechenden Sachkenntnissnachweisen habe ich bisher nicht erlebt. Jeder halbwegs geschickte "Berater" wird doch ermächtigt die Riester-Rente unters Volk zu bringen.
Ebenfalls vermisse ich eine unabhängige Plattform z.B. des Bundes, jenseits aller Werbeversprechen, die umfassend informiert bzw. die Offenlegung aller Zusatzgebühren seitens der Versicherungen anzeigt.

Mit freundlichen Grüßen,

Antwort von Walter Riester
1Empfehlung
25.04.2008
Walter Riester
Sehr geehrter Herr ,

die Antwort auf die Frage von Herrn Lang vom 21.04.08 können Sie der abgeordnetenwatch entnehmen.

Im Übrigen möchte ich Sie auf folgende unabhängige Informationsquellen zur Riester-Rente hinweisen.

1. Eine Fülle von Informationen durch die Deutschen Rentenversicherer

2. Umfangreiche Informationen durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

3. Ständige Produktvergleiche, die von Finanztest regelmäßig vorgenommen
werden

4. Habe ich im Gesetz die Anbieter selbst dazu verpflichtet, die Transparenz über die Kostenstrukturen auszuweisen. Darüber hinaus berät der Deutsche Bundestag gegenwärtig über die gesetzliche Verpflichtung zur weiteren Kostentransparenz von Finanzprodukten.

Mit freundlichen Grüßen
Walter Riester
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Frage zum Thema Soziales
22.04.2008
Von:
-

Sehr geehrter Herr Riester,

Wann beabsichtigen Sie die angekündigte Stellungnahme gegen die Report-Vorwürfe zu veröffentlichen?

mit Dank für Ihre Antwort.

K.-H.
Antwort von Walter Riester
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25.04.2008
Walter Riester
Sehr geehrter Herr ,

die angekündigte Stellungnahme ist auf meiner Homepage auf der Startseite einzusehen.

Mit freundlichen Grüßen
Walter Riester
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Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
22.04.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Riester,
ich verstehe folgendes nicht: die nach Ihnen benannte Rente ist ein Produkt wie Coca-Cola oder Margarine, welches ich kaufen muss. Selbstverständlich möchten an diesem Produkt die Produzenten oder Vertreiber Geld verdienen. Geld, welches ich von meinem Nettolohn und über Steuern bezahle. Neben diesem Gewinn soll ich auch noch etwas davon haben, nämlich eine höhere Rente im Alter. Wie kann es nun sein, dass es auf einmal den Banken, Versicherungen und mir besser geht, wenn doch im Grunde - absolut gesehen - nicht mehr Geld vorhanden ist?
Es gibt doch nicht weniger Rentenbezieher durch private Vorsorge, es gibt auch nicht mehr Einzahler; die Rechnung stellt sich mir wie folgt dar: ich zahle privat ein und bekomme Subventionen vom Staat (welche ich ja bereits bezahlt habe) und heraus kommt etwas an dem erst einmal eine Menge Leute viel Geld verdienen ( auch Sie, wenn ich mir die lange Liste Ihrer "Nebenjobs" überwiegend für solche Firmen, die mir die "Riesterrente" anbieten anschaue ) , bevor ich vielleicht eine "Rendite" habe.
Ich habe das Gefühl, hier soll die Quadratur des Kreises versucht werden: weniger Beitragszahler schaffen es nicht nur, ihre eigene Rente zu sichern, sondern auch noch die Gewinne von Banken, Versicherungen und deren Berater, etc. Wie geht das, Herr Riester?
Das ist eine Frage, von jemanden, in dessen Dienst Sie als MdB und ehemaliger Minister stehen.
Antwort von Walter Riester
bisher keineEmpfehlungen
25.04.2008
Walter Riester
Sehr geehrter Herr ,

einige Aspekte Ihrer Fragestellung ergeben sich aus Antworten, die Sie auf dieser Seite von Abgeordnetenwatch nachlesen können.

Ich bin auch nicht der Überzeugung, wie Sie schreiben, dass der Versuch neben der Sozialversicherungsrente eine ergänzende Altersvorsorge aufzubauen, die Quadratur des Kreises sei. 17,5 Millionen Anspruchsberechtigte der betrieblichen Altersvorsorge lösen dies zu einem erheblichen Teil durch Entgeltumwandlung, über 11 Millionen Menschen zwischenzeitlich durch den Abschluss eines Riester-Vertrages, am besten fragen Sie diese Menschen einmal, wie dies praktisch geht.

Mit freundlichen Grüßen
Walter Riester
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Frage zum Thema Finanzen
23.04.2008
Von:

Sehr geehrter Herr Riester!

In den Medien häufen sich die Vorwürfe Ihnen gegenüber, Sie hätten die gesetzliche Rente zugunsten der privaten Vorsorge geschwächt, es wird sogar unterstellt, dies sei aufgrund Ihrer Nähe zur Versicherungsindustrie geschehen. Was entgegnen Sie diesen Vorwürfen?

Mit freundlichen Grüßen
Steffan
Antwort von Walter Riester
2Empfehlungen
25.04.2008
Walter Riester
Sehr geehrter Herr ,

zum ersten Vorwurf, ich hätte die gesetzliche Rente geschwächt, möchte ich Sie auf eine ausführliche Darstellung auf meiner Homepage verweisen, ich bin überzeugt, dass auch Bürgerinnen und Bürger die keine Rentenexperten sind, hier erkennen können, dass die von mir zu vertretene Rentenreform zu einer deutlichen Stärkung der Rentenversicherung geführt hat. Private Vorsorge ersetzt nicht die gesetzliche Rente, sondern ergänzt sie durch eine öffentlich geförderte Riester-Rente.

Die Zeit während des Gesetzgebungsverfahrens 2000-2001 war eher durch massive Konflikte mit Teilen der Finanzwirtschaft, als durch "Nähe" bestimmt. Jeder der sich dafür interessiert, kann dies gerne der Medienberichterstattung dieser Zeit entnehmen. In den Folgejahren 2002, 2003 und 2004 wurde die Riester-Rente unter anderem auch von Teilen der Finanzwirtschaft und Teilen der Medien systematisch herunter geschrieben. Seit etwa zweieinhalb Jahren wird das Produkt von der Bevölkerung angenommen. Darüber freue ich mich und halte auf Wunsch auch Informationsvorträge, unter anderem auch bei den Anbietern des Produktes. Daraus nun zu konstruieren, ich hätte im Gesetzgebungsverfahren die Rentenversicherung geschwächt, um der Versicherungswirtschaft ein Geschäftsfeld zu eröffnen, ist absurd.

Mit freundlichen Grüßen
Walter Riester
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