Vera Lengsfeld (CDU)
Kandidatin Bundestagswahl 2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

Vera Lengsfeld
Jahrgang
1952
Berufliche Qualifikation
Philosophin
Ausgeübte Tätigkeit
Publizistin
Wohnort
Berlin
Wahlkreis
Berlin-Friedrichshain - Kreuzberg - Prenzlauer Berg Ost
Ergebnis
11,6%
Landeslistenplatz
6, Berlin
(...) Seit der Vereinigung sind über 2 Billionen Aufbauhilfe in die Neuen Bundesländer geflossen und haben die Landschaften dort förmlich aus Ruinen auferstehen lasse. Tatsächlich ist die Infrastruktur Ost zum Teil besser als die Infrastruktur West. Das festzustellen hat nichts mit Verhetzung zu tun. (...)
 
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Frage zum Thema Finanzpolitik
23.08.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Lengsfeld

Der unserem Wirtschaftssystem zugrunde liegende Mechanismus der Geldschöpfung bildet die Grundlage meiner Frage:

Geld wird fast ausschließlich erschaffen, indem Schulden aufgenommen werden: Jedes Mal, wenn jemand bei einer Geschäftsbank einen Schuldschein unterschreibt (ein einzelner Mensch oder aber auch der Staat), wird Geld der gleichen Menge sozusagen aus dem Nichts als Buchgeld neu geschaffen und in Umlauf gebracht.

Da die Schuldner aber sowohl diese Summe als auch die anfallenden Zinsen und Zinseszinsen zurückzahlen müssen, ist stets weniger Geld in Umlauf, als zurückgezahlt werden soll. Die Folde dieser Diskrepanz ist die Notwendigkeit, immer neue Schulden aufzunehmen, um die alten zu finanzieren.

Aus diesem Zusammenhang folgt sowohl der Wachstumszwang unseres Wirtschaftssystems, als auch die Zwangsläufigkeit von periodisch auftretenden Krisen wie der derzeitigen, weil diese ständig wachsenden Schuldenblasen irgendwann absurd groß werden und platzen müssen.

Die Frage an Sie:

Ist die hier geschilderte Praxis der Geldschöpfung durch Schuldenaufnahme im Zusammenhang mit der aktuellen Krise ein Thema für Sie persönlich oder in Ihrer Partei allgemein? Gibt es Stellungnahmen dazu?

Danke für Ihre Bemühungen und mit freundlichen Grüßen,

Dr. G.
Antwort von Vera Lengsfeld
4Empfehlungen
25.08.2009
Vera Lengsfeld
Sehr geehrter Herr ,

Ihrer Geldschöpfungstheorie kann ich nicht zustimmen. Geld ist zuvörderst Zahlungs-, d.h. Tauschmittel im Austausch von Werten und Produkten.Es wird also nicht "erschaffen", wenn eine Bank Kredit vergibt, sondern wenn Mehrwert produziert wird, der mittels Geld in den Wirtschaftskreislauf gelangt. Ich stehe der gegenwärtigen Schuldenspirale besonders deshalb skeptisch gegenüber, weil ich einen allzu hohen Anteil des umlaufenden Geldes nicht mehr durch irgend einen Wert gedeckt sehe. Ich kann mich auch nicht damit beruhigen, dass, wie manche "Wirtschaftsexperten "meinen, das immer neue Drucken von Geld keine Auswirkungen auf das Wirtschafts-, und Finanzgefüge hätte, weil es im virtuellen Kreislauf verbleibe, also niemals durch Werte eingelöst werden würde. Ich halte das für einen Kinderglauben. Mein Großvater hat mir beigebracht, dass nur das Geld solide ist, das durch produzierte Werte gedeckt ist. Ich halte es für wahrscheinlicher, dass die Finanzblase platzt, als dass sie irgendwann ohne Folgen gehabt zu haben, verschwindet.

Mit besten Grüßen!

Vera Lengsfeld
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Frage zum Thema Soziales und Familie
25.08.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Lengsfeld,

wie ist Ihre Meinung zum bedingungslosen Grundeinkommen?

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Vera Lengsfeld
8Empfehlungen
25.08.2009
Vera Lengsfeld
Sehr geehrter Herr ,

ich bin der festen Überzeugung, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen die Lösung für unser gegenwärtiges Transferleistungswirrwar ist. Jeder bekommt eine Summe, die seine Grundbedürfnisse sichert. Junge Leute können damit ihre Ausbildungszeit bestehen, ohne von Eltern oder Behörden abhängig zu sein. Jeder zukünftige Rentner weiß, dass sein Grundeinkommen zum Leben reichen wird.Berufstätige können sich die ganze oder nur die halbe Summe in die Steuerkarte als Steuerfreies Einkommen eintragen lassen.Dementsprechend gibt es zwei Steuerklassen. Alle Ausnahmetatbestände sind gestrichen. Nur wer wegen einer schweren Krankheit oder Behinderung mehr Mittel braucht, bekommt mehr als das Grundeinkommen. Der Vorteil dieses Modells ist, dass die gewaltige Umverteilungsbürokratie wegfällt und viel Lebensqualität gewonnen wird, kein Ausfüllen von nervigen Anträgen nötig ist. Das Modell ist bezahlbar, weil die Kosten für die Umverteilungsbürokratie gespart werden. Ich bin auch überzeugt, dass die allergrößte Mehrheit der Bürger trotz des Grundeinkommens arbeiten gehen würde, nicht nur, weil sie sich die Annehmlichkeiten , die unsere Gesellschaft bietet, leisten wollen, sondern weil Arbeit neben Einkommen auch Erfüllung bietet und dem Leben mehr Sinn verleiht.

Mit besten Grüßen!

Vera Lengsfeld
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Frage zum Thema Finanzpolitik
25.08.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Lengsfeld,

ich beziehe mich mit meiner Frage auf Ihre Antwort auf die durchaus berechtigte Frage des Herrn Dr. Vollweiler nach der Problematik des Geldschöpfungsprozesses und den damit verbundenen Folgen.

Wir erklären Sie den Wiederspruch in Ihrer Aussage innerhalb weniger Sätze ? Sie schreiben, dass Geld nicht "erschaffen" wird, wenn eine Bank Kredit vergibt, sondern wenn Mehrwert produziert wird, der mittels Geld in den Wirtschaftskreislauf gelangt. Im nächsten Satz schreiben Sie, dass Sie einen allzu hohen Anteil des umlaufenden Geldes nicht mehr durch irgend einen Wert gedeckt sehen.

Ja, wie kann das denn sein??? Wenn Geld nach Ihrer Theorie nur entsteht wenn "Mehrwert" produziert wird, dann steht ja wohl dem Mehr an Geld auch ein Mehr an Wert gegenüber ? Oder kann es vielleicht doch sein, dass Dr. Vollweiler recht hat und Geld vielleicht doch auch über Kredite geschaffen wird ?

Bitte erklären Sie mir genau den von Ihnen vermuteten Mechanismus und vor allem auch wo Sie diesen belegt sehen. Ganz nach dem Motto, dass Sie ja mehr zu bieten haben.

Mit freundlichen Grüssen
Antwort von Vera Lengsfeld
2Empfehlungen
27.08.2009
Vera Lengsfeld
Sehr geehrter Herr ,

ich sehe den von ihnen bemerkten Widerspruch nicht. Natürlich ist jede Menge nicht gedecktes Geld im Umlauf, das würde ich aber nicht als "Geldschöpfungsprozess" bezeichnen. Geld hat nur wirklichen Wert, wenn es gedeckt ist . Das ist kein von mir "vermuteter Mechanismus", sondern elementares Grundwissen. Sicher können Ihnen ausgewiesene Finanzpolitiker weiter helfen.

Mit besten Grüßen

V.L.
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Frage zum Thema Wirtschaft
27.08.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Lengsfeld,

Im Gegensatz zu Frau Merkel antworten Sie hier auf die Fragen. Das finde ich gut! Ich habe also eine Frage an nicht nur an Sie, sondern die CDU.

Thema: Millionen-Boni von Bankern und Managern.

Auch bei Riesenverlusten werden Managern teilweise Boni gezahlt, obwohl ihre Institute riesige Verluste machen und mit Steuergeldern gerettet werden. Das ist für mich vollkommen unakzeptabel.

Ebenso unakzeptabel ist für mich aber auch eine gesetzliche Begrenzung von Vergütungen. Das würde dazu führen, dass gute Manager die Flucht antreten würden.

Ich habe mir also Gedanken über eine marktwirtschaftliche Lösung gemacht, die diese Boni nicht in den Himmel wachsen lässt.

Der klassische Unternehmer geht ins Risiko. Er kann Millionen mit seinem Unternehmen verdienen. Die Gewinne nach Steuern investiert er wieder. Ein weiterer großer Teil wandert in die Rücklagen und meist nur ein kleiner Teil wird privat entnommen. Der Unternehmer trägt außerdem die Verluste und er haftet mit seinem gesamten Firmenvermögen und in den meisten Fällen sogar darüber hinaus mit seinem Privatvermögen.

Der Manager hingegen, insbesondere der Bankmanager, trägt keine Verluste. Er geht nicht ins Risiko. Er investiert die Boni nicht wieder und er gibt sie auch nicht in die Rücklagen. Im Falle von Verlusten wird er mit Millionenabfindung gefeuert.

Das ist unakzeptabel und muss geändert werden, jedoch ohne dass die Höhe der Boni begrenzt wird:

Die Manager müssen in der selben Höhe ins Risiko gehen, in der sie Boni erhalten wollen. Will also beispielsweise ein Manager im Laufe eines 5-Jahres-Vertrags bis zu 5 Mio Bonus, so muss er in diesem Vertrag ebenso bereit sein, bis zu 5 Mio ins Risiko zu gehen. Der Manager begrenzt seine Boni dann selbst durch seine eigene Risikobereitschaft und er wird vor allem vorsichtiger bei den Risiken, die er eingeht. So werden diese Risiken zukünftig nicht mehr auf Aktionäre und Steuerzahler zukommen..

Wie stehen Sie dazu?
Antwort von Vera Lengsfeld
3Empfehlungen
28.08.2009
Vera Lengsfeld
Sehr geehrter Herr ,

auch wenn ich nur in meinem eigenen Namen antworten kann: Ihr Vorschlag scheint mir sehr vernünftig zu sein. Mich hat an den "Rettungsschirmen" für Banken immer gestört, dass die Banker für die Folgen ihrer Fehlentscheidungen nicht einstehen müssen,sondern einmal mehr die Steuerzahler in Anspruch genommen werden.
Ja, eine persönliche Haftung sollte auch für Manager dabei sein, sonst ist die Hoffnung gering, dass sie sich zukünftig verantwortungsbewußter verhalten. Wenn ich in den Bundestag komme, werde ich mich für einen Antrag in ihrem Sinne einsetzen.

Mit besten Grüßen!

Vera Lengsfeld
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Frage zum Thema Arbeit
29.08.2009
Von:
E.

Sehr geehrte Frau Lengsfeld,
Sie befürworten das bedingungslose Grundeinkommen. Sind Sie der Meinung, daß die Menschen für eine derartige Lösung reif sind bzw. wann - glauben Sie - werden sie es sein?
Wozu brauchen dann Menschen sich noch anzustrengen, nicht nur einfach etwas, was ihnen Spaß macht, sondern auch das, was gebraucht wird (und vielleicht manchmal keinen Spaß macht) zu lernen?
Die Fragen in dieser Richtung ließen sich weiter spinnen.
Werden nicht Menschen, wenn sie aus irgendeinem subjektiven oder objektiven Grund nicht ihren Traumjob bekommen, lieber gar nichts machen? Einkommen und Rente sind ja sicher.
Werden sich Menschen nicht fragen, warum sie arbeiten, während andere aber für das gleiche Geld nichts tun?
Was wird mit den Arbeitskräften, die dann überflüssig sind, weil ihre Arbeitsplätze nicht mehr nötig sind?
Und schließlich: wie soll das Ganze finanziert werden? Herr Werner meint, durch Steuern. Steuereinnahmen fließen aber nur, wenn Einkommen erzielt und Umsätze getätigt werden.
Werden Waren, die mit einem die Kosten des bedingungslosen Grundeinkommens deckenden Steuersatz belastet werden, noch erschwinglich sein?
Werden Menschen noch Eigentum und Vermögen anhäufen, auf das sie dann Steuern zu zahlen hätten, z.B. Vermögens-, Grund-, Erbschafts- oder "Reichen"steuer, wenn das nicht mehr notwendig ist?
Ist also das bedingungslose Grundeinkommen nicht ähnlich dem Kommunismus vor allem eine schöne Utopie, mit der man Menschen die Sinne vernebelt?
Antwort von Vera Lengsfeld
1Empfehlung
03.09.2009
Vera Lengsfeld
Lieber Herr ,

das bedingungslose Grundeinkommen ist nur machbar, wenn es tatsächlich nicht mehr als das Notwendigste abdeckt. Es muss deutlich unter den Löhnen liegen, die für Arbeit erzielt werden. Es darf keine Ausnahmetatbestände geben, die der Steigerung des Lebensstandards dienen. Jugendliche können , abgesichert durch das Grundeinkommen eine Lehre machen oder studieren, ohne auf Eltern oder Bafög angewiesen zu sein. Ich bin ganz sicher, dass die allermeisten Menschen sich für Arbeit entscheiden, weil die nicht nur Einkommen, sondern auch Lebenssinn bedeutet. Ich halte das Ganze für finanzierbar, weil die gesamte teure Transferleistungsbürokratie wegfällt. Nach dem Modell von Dieter Althaus, das ich für sehr ausgereift halte, wird das Grundeinkommen als Freibetrag in die Steuerkarte eingetragen. Es gibt dann zwei Steuerklassen, für Leute, die den gesamten Betrag eintragen lassen, oder nur die Hälfte.

Von diesem Grundeinkommen geht kein Heilsversprechen aus, dem ich sowieso misstraue, sondern es ist die Konsequenz aus dem wachsenden Reichtum der Gesellschaft, die es sich leisten kann, die Grundbedürfnisse ihrer Bürger sicherzustellen, ohne dieselben von sich abhängig zu machen.

Mit herzlichen Grüßen!

Vera Lengsfeld
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