Sehr geehrter Herr

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die Bahn baut keinen Bahnhof um Sie oder mich oder die Bürger zu ärgern. Nach langen Planungen, Berechnungen und Erwägungen hat man sich gegen die anderen ab 1994 in der Diskussion befindlichen Modelle entschieden und sich auf Stuttgart 21 festgelegt. Seither laufen die Planungen, angeführt von hunderten Bahningenieuren, dem Architekturbüro Ingenhoven und dem Ingenieurbüro Sobek. Das sind allesamt gute Leute, zum Teil von Weltruf. Mein Job als Abgeordnete ist nicht, einen Bahnhof zu bauen oder tausende von Aktenordnern und Plänen mit Signalanlagen, Hangbrücken oder Grundwassermanagement zu prüfen - das könnte ich auch gar nicht. Ich habe mich für die Variante entschieden, die ich für richtig und schlüssig halte.
Dass der Stuttgarter Bahnhof einer Erneuerung bedarf, ist schon viel länger bekannt. Nachdem die Bahn nach der Wende in der ganzen Republik Bahnhöfe modernisiert hat, ist nun auch Stuttgart an der Reihe. Es war bekannt, dass hier wegen der Kessellage die Planung länger dauert und die Kosten höher liegen als im Schnitt. Die Bahn zahlt den Löwenanteil. Die Neubaustrecke ist Teil internationaler Vereinbarungen. Dass natürlich auch andere Regionen im Land und im Bund sich weitere Streckenausbauten wünschen, liegt auf der Hand. Da die verfügbaren Mittel aber dafür nicht ausreichen, müssen immer Prioritäten festgelegt werden. Nach zwanzig Jahren Vorschlägen, Diskussion, Planung und Entscheidungen ist eben nun Stuttgart an der Reihe.
Selbst der Erhalt des jetzigen Zustandes des Bahnhofs würde in die Milliarde(n) gehen, denn der gesamte Unterbau der Gleisanlagen ist marode. Die Variante "Kopfbahnhof 21" mit großem Flächenverbrauch und mit ebenfalls Tunnelbauten und mit wuchtigen Brücken über Neckar und Körschtal bietet im Preis-Leistungsverhältnis zu wenig. Und auch die Frage stellt sich, wie es sein kann, dass die angeblich so seriös durchgerechnete vermeintliche Alternative K 21 seit Jahren laut ihren Berechnungen nur 1,2 Mrd. Euro kostet (vgl. "K 21 – die Alternative zu Stuttgart 21”, 4. Auflage). Spielen Fakten wie Baustoffpreissteigerungen, höhere Lohnkosten etc. bei der vermeintlichen Alternative keine Rolle?
Auch wenn Sie Stuttgart 21 kritisch gegenüberstehen, bitte ich Sie zu respektieren, dass ich eine positive Meinung zum Zukunftsprojekt Stuttgart 21 habe. In der Sache denke ich, dass inzwischen wirklich alle wesentlichen Argumente ausgetauscht sind. Wenn der derzeitige Wissensstand für Sie reicht, dagegen zu sein - so reicht er für mich, dafür zu sein. Natürlich ist die Bahn ein Bundesunternehmen. Im Unterschied zu Ihnen finde ich aber gut, was sie macht. Auch hat Grube als Bahnchef viele Altlasten von Mehdorn übernehmen müssen. In puncto Transparenz und Einbeziehung der Öffentlichkeit macht er es um einiges besser.
Mit freundlichen Grüßen
Ute Vogt MdB