Ute Kumpf (SPD)
Abgeordnete Bundestag 2005-2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

Angaben zur Person
Ute Kumpf
Jahrgang
1947
Berufliche Qualifikation
Dipl. rer. pol., Volkswirtin, Gewerkschaftssekretärin
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages, Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion
Wahlkreis
Stuttgart II
Landeslistenplatz
7, Baden-Württemberg
(...) Dort heißt es „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“. Ausgehend von diesem Sozialstaatspostulat ist es die Aufgabe des Staates ein soziales Netz zu schaffen und eine Grundsicherung zu gewährleisten. Für mich als sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete sind die Demokratie und der Sozialstaat untrennbar miteinander verbunden. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
Fragen an Ute Kumpf
Nachricht an folgende Adresse schicken, sobald eine Antwort eintrifft:


An diese Adresse den abgeordnetenwatch.de-Newsletter bestellen
Die Datenschutzbestimmungen zur Behandlung meiner Daten habe ich gelesen.
Bitte loggen Sie sich hier ein.
Frage zum Thema Senioren
07.06.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Kumpf,

Ich schreibe stellvertretend an Sie. Meine Frage hätte ich genau so gut, oder vielleicht sogar besser an Ihre Kolleginnen und Kollegen von CDU, FDP, Grüne.. richten können.
Wenn Sie es für sinnvoll halten können Sie meine Frage gerne weiterreichen.
Nun zur Frage: Am 17. April erschien bei dpa/T-Online die Meldung, dass Peter Struck sich dafür aussprach, den Tarifabschluss im Öffentlichen Dienst auf die Beamten eins-zu-eins zu übertragen.
Es wird weiter gemeldet, dadurch würden die Pensionen um 2,5% steigen.
Die Übernahme des Abschlusses für die Beamten ist inzwischen ja erfolgt. Wenn ich an die Reaktion mancher Ihrer Kollegen und der Arbeitgeberobbyisten auf die 1,1 prozentige Rentenerhöhung zurückdenke steigt eine Riesenwut in mir auf.
Treffen diese Erhöhungen im öffentlichen Diernst nicht die kommenden Generationen? Oder war es so still, weil die Damen und Herren Volksvertreter sich in der zu erwartenden öffentlichen Reaktion geirrt haben und ursprünglich glaubten selbst zu profitieren?
Es ist eine Schande!! Zumal die Pensionäre im Vergleich zu den Rentnern wirklich Ruheständler de Luxe sind, sie profitieren vermutlich immer noch von Wohltaten des kaiserlichen Obrigkeitsstaates, z. B. auch durch Dinge wie Kankheitskostenzuschuß etc.
Durch soches Verhalten geht die Demokratie kaputt.
Aber wengstens erfreuen Sie Herrn Lafontaine damit.

Antwort von Ute Kumpf
5Empfehlungen
18.06.2008
Ute Kumpf
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Anfrage bzgl. der Erhöhung der Pensionszahlungen im Öffentlichen Dienst. Die Tarifergebnisse der Angestellten wurden und werden in der Regel durch den Beschluss des Bundestages auch für Beamte übernommen.

Die zitierte Meldung von Peter Struck ist richtig. Mit der Übernahme des Tarifabschlusses für den Bund zum 1. Januar 2008 erhöhte sich rückwirkend auch die Bundesbeamtenbesoldung, allerdings gemindert durch den sog. Riesterfaktor. Weil die prozentuale Anpassung bei den Pensionen in diesem Jahr bei 2,5 % höher ist wie Sie richtig erwähnen, als das bei der gesetzlichen Rente mit 1,1% der Fall ist, wird in der Presse oft die Tatsachenlage die zur Erhöhung der Pensionen führte, falsch wiedergegeben. Bei nüchterner Betrachtung der Tatsachen ist Ihre Kritik, "dass Pensionäre im Vergleich zu den Rentnern Ruheständler de Luxe sind und von den Wohltaten des kaiserlichen Obrigkeitsstaates profitieren", nicht gerechtfertigt!

Die jährlichen Veränderungen, sprich Angleichungen, weichen zwar wegen der jeweiligen Besonderheiten der unterschiedlichen Versorgungssysteme immer wieder voneinander ab, doch über einen längeren Zeitraum betrachtet, haben sich Rente und Beamtenversorgung bisher durchaus vergleichbar entwickelt. Aktuell verstärkt der Gesetzgeber die Rentenerhöhung, indem der sog.Riesterfaktor in der Rentenversicherung ausgesetzt, in der Bundesbeamtenversorgung aber im Jahr 2008 sogar zweifach angewandt wird. Außerdem sieht der Entwurf des Dienstrechtsneuordnungsgesetzes vor, dass bis Ende 2011 unter Berücksichtigung der allgemeinen Entwicklung der Versorgungssysteme zu prüfen ist, ob die bisherigen und künftigen Einschnitte in der Beamtenversorgung des Bundes ausreichen.

Letztmals wurde die Beamtenversorgung in den Jahren 2003 und 2004 prozentual erhöht, jedoch gleichzeitig ab dem Jahr 2004 mehrfach die Jahressonderzahlung gekürzt. Gegenwärtig erhalten die Versorgungsempfänger des Bundes noch 12,25 Monatsbezüge. Die Sonderzahlung selbst stellt keine Bevorzugung gegenüber den Rentnern dar, weil bei der Rentenberechnung alle beitragspflichtigen Bezüge, also beispielsweise auch "Weihnachtsgeld" berücksichtigt werden. Die jährlichen Einmalzahlungen von jeweils 300 Euro, die die aktiven Bundesbeamten für die Jahre 2005 bis 2007 statt einer prozentualen Besoldungserhöhung erhielten, wurden auf die Versorgungsempfänger des Bundes nicht ausgeweitet. Im Ergebnis lag die Bundesbeamtenversorgung im Jahr 2007 um ca. 2,14 % unter den Beträgen des Jahres 2002, die gesetzliche Rente hingegen um ca. 1,59 % darüber. Die diesjährige Steigerung der Bundesbeamtenversorgung deckt also überwiegend einen Nachholbedarf ab.

An diesem Ergebnis änderte auch nichts durch die zusätzliche Belastung der Rentner seit dem 1. April 2004 durch den Wegfall des Beitragszuschusses zur Pflegeversicherung, weil die Pensionäre des Bundes durch einen Abzug in gleicher Höhe belastet werden. Auch der in diesem Zusammenhang bisweilen vorgenommene generelle Vergleich der durchschnittlichen Höhe von Renten und Pensionen geht aus mehreren Gründen methodisch fehl:

  • Bei der Beamtenversorgung handelt es sich um eine sog. Vollversorgung, die nicht nur die Rente ersetzt, sondern auch die ganz oder teilweise arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersversorgung, die die Tarifbeschäftigten des öffentlichen Dienstes und viele andere Arbeitnehmer, zumindest in Großunternehmen, erhalten. Die Höhe der Beamtenversorgung kann schon deshalb nicht mit der Höhe der Rente verglichen werden.

  • Es gibt in der heutigen Rentnergeneration zahlreiche Klein- und Kleinstrenten bei Personen, die nur kurzzeitig (versicherungspflichtig) gearbeitet haben und danach beispielsweise Hausfrau wurden oder als Selbstständige nicht mehr der Versicherungspflicht unterlagen. Beamte, bei denen eine solche Situation eintritt, müssen aus dem Beamtenverhältnis ausscheiden und werden in der gesetzlichen Rentenversicherung nachversichert, weshalb es Klein- und Kleinstpensionen zwangsläufig nicht gibt, sondern diese auch noch in Form von Renten anfallen. Das gleiche gilt für Zeitsoldaten, die ebenfalls in der gesetzlichen Rentenversicherung nachversichert werden.

  • Die unterschiedlichen Statusverhältnisse (Beamte und Tarifbeschäftigte) sind nicht gleichmäßig über die unterschiedlichen Qualifikationen verteilt. Ca. 75 % der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes (ohne Soldaten) in den Laufbahngruppen des gehobenen und höheren Dienstes sind verbeamtet, in den Laufbahnen des einfachen und mittleren Dienstes hingegen nur ca. 30 % (Stand 2003). Innerhalb der Beamtenschaft überwiegen also die Bezieher relativ höherer Arbeitseinkommen, was sich zwangsläufig auf die Höhe der Versorgung auswirkt.

Abschließend noch eine Bitte: bei den Beamten und Ruheständlern sind mir vor allem die mit kleinen Einkommen wichtig, wie z.B. Polizei- und Postbeamte, Bundesbahnbeschäftigte etc. Ich nehme Sie gerne mit zu Veranstaltungen der Pensionäre, denen ich Rede und Antwort stehen muss und die sehr bitterlich die vorgenommenen Kürzungen beklagen. Ich hoffe, ich konnte damit Ihre Frage hinreichend beantworten.

Mit freundlichen Grüßen
Ute Kumpf
X
Antwort empfehlen
Frage zum Thema Demokratie und Bürgerrechte
22.06.2008
Von:
Eck

Sehr geehrte, liebe Ute Kumpf.

Sie hatten als Sprecherin der SPD-Arbeitsgruppe "Bürgerschaftliches Engagement" interessiert auf den Slogan "Bürgerschaftliches Engagement - Bürgergeld statt Bürgerkrieg" reagiert.

Wir besprachen: Hartz4 unterscheidet nicht zwischen Menschen, die arbeiten und nicht arbeiten, nur zwischen arm und reich, wer respektiert arbeitet, aber für die Inanspruchnahme seiner Arbeitsfähigkeiten nicht ausreichend Arbeitslohn einfordern kann, muss nicht nur in Armut, sondern weitgehend ohne Bürgerrechte und in beständiger Angst vor Schikanen leben. Selbstbestimmte, ehrenamtliche Arbeit wird im Hartz4System nicht als Arbeit anerkannt.

Ein Recht auf ein bedingungsloses/schikanefreies Grundeinkommen würde anerkennen, dass wir in keinem Gesellschaftssystem leben, in dem jeder Bürger eine existenzsichernde Arbeit finden kann, dass sich Bürger keine Landstriche abstecken, Hütten bauen und Wild jagen dürfen, um den Demütigungen eines Hartz4Systems entgehen zu können.

Ich recherchiere Äußerungen von Politikern zum Thema bedingungsloses/schikanefreies Grundeinkommen. Würden Sie bitte Ihre gegenwärtige Position beschreiben? Danke.
Antwort von Ute Kumpf
1Empfehlung
07.07.2008
Ute Kumpf
Sehr geehrte Frau Eck,

vielen Dank für Ihre erneute Anfrage zum Thema Bürgergeld und die sich dahinter verbergenden Chancen und Risiken für unsere Gesellschaft. Ich freue mich, dass Sie sich weiterhin kritisch mit dem deutschen Sozialstaat auseinandersetzen und sich hierzu engagieren. Wie bei unserem gemeinsamen Gespräch in Berlin, lege ich Ihnen auch gerne ein weiteres Mal, nun auf öffentlicher Plattform, meine Position dar.

Mir selbst ist das Konzept der negativen Einkommenssteuer von Milton Friedman bereits seit meinem Volkswirtschaftsstudium vertraut und der zugrundeliegende Gedanke der sozialen Sicherung, in Verbindung mit einem solidarischen, gerechten Ausgleich zwischen Bürgerinnen und Bürgern, hat schon immer mein Interesse geweckt. Allerdings stützen sich ökonomische Modelle in erster Linie auf ökonomische Grundannahmen und ökonomische Interessen, wobei gesamtgesellschaftlichen und individuellen Konsequenzen nur begrenzt erfasst werden. Hier setzt auch meine Kritik zum bedingungslosen Bürgergeld an.

Die von Friedmans Modell abgeleitete Idee des bedingungslosen Bürgergeldes von Götz Werner hat in den letzten Jahren an Popularität gewonnen und ist über Parteigrenzen hinweg zu einem stetigen Diskussionsthema geworden. Grund hierfür ist einerseits die These des Endes der Arbeitsgesellschaft und andererseits die Undurchschaubarkeiten der sozialen Sicherungssysteme, als auch die von ihnen verursachten erkennbaren sozialen Härten. Vielerorts besteht der Wunsch nach einem radikalen Systemwechsel, hinzu einem einfachen und womöglich gerechteren Modell. Ob allerdings das bedingungslose Bürgergeld die richtige Option ist, daran habe ich meine Zweifel.

Neben den Vorteilen einer Bürgergeldregelung: Das System ist übersichtlich, für jedermann einfach zu verstehen und transparent zu verwalten; es ist leicht zugänglich, wenig stigmatisierend und verhindert verschämte Armut, sehe ich aber die große Gefahr der Spaltung unserer Gesellschaft. Und zwar in sozialer, kultureller, wie geschlechtlicher Hinsicht. Das ist mein zentrales Gegenargument.

. Soziale Spaltung: Durch die Bereitstellung eines Grundeinkommens werden Anreize geschaffen, sich der Erwerbstätigkeit zu entziehen. Die Folge hiervon ist eine reduzierte Erwerbsfähigkeit. Hier ist die Empirie eindeutig: Je länger die Absenz vom Erwerbsleben dauert, desto schwieriger ist es die Person wieder in das Erwerbsleben zu integrieren. Die nicht vorgesehenen Eingliederungsprogramme untergraben die (Re-) Integration ins Erwerbsleben. Es würde folglich zu einer dauerhaften Spaltung der Gesellschaft in Erwerbstätige und Erwerbslose kommen.

. Kulturelle Spaltung: Ein Beruf bietet mehr, als den bloßen Verdienst. Durch den Beruf kann das gesellschaftliche Leben mitgestaltet werden, man erhält gesellschaftliche Anerkennung und Zugang zu sozialen Netzen. Auch hier ist die Empirie eindeutig: Über ein eingeschränktes soziales Beziehungsgeflecht verfügen vor allem Personen mit niedrigem Bildungsniveau und Erwerbslose. Die Struktur der Erwerbstätigkeit wirkt sich auch positiv auf das bürgerschaftliche Engagement aus. Denn die Bereitschaft sich politisch zu engagieren sinkt nach dem Ausstieg aus dem Erwerbsleben -- das gilt sowohl für Erwerbslose, als auch für Ruheständler.

. Geschlechtsspezifische Spaltung: Durch ein bedingungsloses Grundeinkommen, würde das Streben der Frauen nach Berufstätigkeit abgewürgt. Es ist bereits heute schon schwierig Mutterschaft und Beruf zu vereinbaren. Durch ein Grundeinkommen würden Frauen während einer Schwangerschaft wohl vorübergehend und in den meisten Fällen anschließend endgültig aus dem Erwerbsleben ausscheiden.

Der deutsche Sozialstaat setzt bereits heute zu sehr auf Sozialtransfers und zu wenig auf soziale Dienstleistungen. Deshalb ist es notwendig die öffentlichen und sozialen Dienste weiter auszubauen. Durch das Bürgergeld würde die soziale Infrastruktur, wie z.B. Ganztagseinrichtungen für Kinder, nicht ausgeweitet werden. Als Vorbild für umfassende soziale Dienstleistungen können unsere skandinavischen Nachbarn dienen.

Meiner Meinung nach, sollten wir nicht den Austritt aus der Arbeitsgesellschaft forcieren, sondern die Idee der Arbeitsgesellschaft überdenken. Der Wandel, den wir herbeiführen wollen, sollte Frauen die gleichen Partizipationschancen eröffnen und die ältere Generation im Ruhestand stärker in die Arbeitsgesellschaft einbinden. Auch wenn das Arbeitsvolumen weiter zurückgeht, gibt es hierfür Möglichkeiten. Erstens kann durch eine gesetzliche Strategie die Arbeitszeit verkürzt werden, ohne Wohlstandseinbußen hinnehmen zu müssen und zweitens gibt es zahlreiche unbefriedigte kulturelle und soziale Interessen, deren Nachfrage marktkonform gestillt werden kann.

Mit freundlichen Grüßen
Ute Kumpf
X
Antwort empfehlen
Frage zum Thema Soziales
23.06.2008
Von:

Hallo Frau Kumpf,

es fällt mir immer mehr auf, daß sich die SPD sehr viel mit Familien und Kindern beschäftgt, das ist auch gut so, aber meines erachtens wird ein großer Teil der Bevölkerung leider vergessen und auch nicht beachtet. Ältere Mitbürger, es gibt soviel Altersarmut bei uns - hier sollte man doch auch mal dran denken; Frauen + Männer die am Rande des Exixstensminimumleben weil der Partner verstorben ist, die sich nur noch mit Hilfe der Tafeln über Wasser halten oder vor Scham hungern. Denkt eigentlich da auch mal jemand dran.

Mit freundlichem Gruß aus Gaisburg
(MUSE-O)
Antwort von Ute Kumpf
bisher keineEmpfehlungen
07.07.2008
Ute Kumpf
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Anfrage hinsichtlich der politischen Maßnahmen, die garantieren sollen, dass Menschen in Deutschland auch ihren Lebensabend in Würde erleben können. Die Lebens- und Arbeitsleistung älterer Menschen ist von großer Bedeutung für das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in Deutschland und ich habe große Achtung davor. Die SPD hat dafür gesorgt, dass mit der Einführung der "Grundsicherung im Alter" eine verschämte Altersarmut verhindert wird. Die Leistung der Grundsicherung soll den grundlegenden Bedarf für den Lebensunterhalt von Menschen absichern, die wegen Alters oder auf Grund voller Erwerbsminderung endgültig aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind und deren Einkünfte für den notwendigen Lebensunterhalt nicht ausreichen. Dadurch soll die Zahlung von Sozialhilfe vermieden werden. Im Gegensatz zur Sozialhilfe wird auf Einkommen der Kinder oder Eltern nicht zurückgegriffen. Auch mit der letzten Rentenerhöhung haben wir durch Aussetzung des Riesterfaktors das Signal gesetzt und die Renten um 1,1 Prozent angehoben.

Auch wenn es -- da gebe ich Ihnen Recht -- arme alte Menschen gibt, hat die Veröffentlichung des 3. Armuts- und Reichtumsbericht 2008 der Bundesregierung deutlich gezeigt, dass prozentual nicht die älteren Menschen von Armut betroffen sind. Ende 2006 bezogen insgesamt 2,3 Prozent der Menschen im Alter ab 65 Jahren eine Grundsicherung. Zu den besonders armutsgefährdeten Gruppen zählen laut Bericht insbesondere Arbeitslose, Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung, Menschen mit Migrationshintergrund, kinderreiche Familien und Alleinerziehende. In Zahlen ausgedrückt: Knapp 25 Prozent der Empfänger von Sozialgeld haben Migrationshintergund, 16,5 Prozent verfügen über keine Berufsausbildung und 12,7 Prozent sind Alleinerziehende. Hier muss die Politik also den Schwerpunkt bei der Armutsbekämpfung legen.

Von Armut betroffen sind demnach vor allem Menschen ohne Chancen auf dem Arbeitsmarkt oder jene, die trotz Vollbeschäftigung von ihrem Einkommen nicht leben können und auf ergänzende Leistungen vom Staat angewiesen sind. Darunter leiden besonders die Kinder. Um Armut zu verhindern, müssen Menschen länger im Arbeitsleben verbleiben und für ihre Arbeit gerecht entlohnt werden. Dafür setzt sich die SPD unter anderem mit der Forderung eines Mindestlohnes und der "Initiative 50 plus" ein. Wir haben auch dafür gesorgt, dass ab 2013 Kinder ab dem 2. Lebensjahr einen Rechtsanspruch für Betreuung haben, damit Eltern bzw. Alleinerziehende überhaupt erst eine Arbeit aufnehmen können.

Sehr geehrte Frau , sicherlich ist noch nicht alles zum Besten bestellt, deshalb wollen wir auch in Zukunft dafür sorgen, dass Armut verhindert und Menschen in Arbeit kommen, wovon wiederum auch die Rentnerinnen und Rentnern profitieren. Anmerken möchte ich noch, dass ich bei Diskussionsveranstaltungen mit jüngeren Menschen oft Kritik in dem Sinne höre, dass die Jungen heute selten sichere Arbeitsplätze hätten, hohe Beiträge in die Sozialversicherungssysteme leisten und private Vorsorge tragen sollen.

Für Ihr Verständnis danke ich. Mit freundlichen Grüßen
Ute Kumpf
X
Antwort empfehlen
Frage zum Thema Senioren
28.06.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Kumpf,

ich wende mich mit einer Frage an Sie, die wie ich denke die wenigsten Mitbürger wissen. Mein Mann ist zum Teil Pension berechtigt (25Jahre Strafvollzug) sowie für 20 Jahre (Former /Schiffsschrauben) Rentenempfänger, beides ist unabhängig voneinander ja erworben worden. Jetzt ist vor kurzem, nach vielen Jahren mal wieder, die Pension erhöht worden, aber die 1,1% Rentenerhöhung wurde ihm (genau wie beim letzten Mal) sofort wieder von der Pension abgezogen.

Ich verstehe die Welt nicht mehr, DENN was hat die rechtmäßig erworbene Rente mit der ANTEILIGEN (natürlich auch keine volle da ja nur 25 Jahre, ist logisch) Pension zu tun, beides ist doch rechtmäßig erworben worden. Das bedeutet unter dem Strich ist keine Rentenerhöhung bei uns angekommen da die 1,1% sofort wieder bei der Pension abgezogen worden ist.

DAS sind Dinge die nie an die Öffentlichkeit kommen, es wird immer nur auf die hohen Beamten gesehen, das gemeine Fußvolk fällt dabei durch das Sieb.

MfG

Standard-Antwort von Ute Kumpf
1Empfehlung
28.07.2008
Ute Kumpf
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Allerdings muss ich Sie bitten, sich an den/die Abgeordnete(n) Ihres Wahlkreis zu richten. Da mich sehr viele Bürgerfragen erreichen, nicht nur über abgeordnetenwatch.de, kann ich leider nicht alle in der nötigen Ruhe und Ausführlichkeit beantworten. Ich fühle mich in erster Linie meinem Wahlkreis Stuttgart/Nord und seinen Bürgerinnen und Bürgern verpflichtet. Ich hoffe Sie haben hierfür Verständnis.

Trotzdem wünsche ich Ihnen natürlich alles Gute für den angeführten Sachverhalt.

Mit freundlichen Grüßen

Ute Kumpf
X
Antwort empfehlen
Frage zum Thema Wirtschaft
07.07.2008
Von:
Dr.

Sehr geehrter Frau Kumpf,

Ludwig Erhard schrieb 1957 in seinem berühmten Buch "Wohlstand für Alle", S. 7:
"... So wollte ich jeden Zweifel beseitigt wissen, daß ich die Verwirklichung einer Wirtschaftsverfassung anstrebe, die immer weitere und breitere Schichten unseres Volkes zu Wohlstand zu führen vermag. Am Ausgangspunkt stand da der Wunsch, über eine breitgeschichtete Massenkaufkraft die alte konservative soziale Struktur endgültig zu überwinden.
Diese überkommene Hierarchie war auf der einen Seite durch eine dünne Oberschicht, welche sich jeden Konsum leisten konnte, wie andererseits durch eine quantitativ sehr breite Unterschicht mit unzureichender Kaufkraft gekennzeichnet. Die Neugestaltung unserer Wirtschaftsordnung musste also die Voraussetzungen dafür schaffen, daß dieser einer fortschrittlichen Entwicklung entgegenstehende Zustand und damit zugleich auch endlich das Ressentiment zwischen ´arm´ und ´reich´ überwunden werden konnten. Ich habe keinerlei Anlaß, weder die materielle noch die sittliche Grundlage meiner Bemühungen mittlerweile zu verleugnen. Sie bestimmt heute wie damals mein Denken und Handeln."
( www.ludwig-erhard-stiftung.de )

Was meinen Sie, sind wir heute dem Ziel breiter Massenkaufkraft näher gekommen oder haben wir eher wieder eine Spaltung der Gesellschaft wie in den 1920er Jahren in wenige Superreiche und dem Rest der Gesellschaft ohne bedeutende Kaufkraft?

Fühlen Sie sich den Zielen Ludwig Erhards verpflichtet / sympathisieren Sie damit / treten Sie aktiv dafür ein?

Was denken Sie als Volkswirtin: Wie viel Euro (bar und/oder als Sichteinlagen) müssten z. B. 90% der privaten Haushalte (deren Unternehmensvermögen inbegriffen) heute im Monatsdurchschnitt besitzen, um im Sinne Ludwig Erhards von breiter Massenkaufkraft sprechen zu können?

Mit freundlichen Grüßen
dr. wo
Standard-Antwort von Ute Kumpf
2Empfehlungen
18.07.2008
Ute Kumpf
Sehr geehrter Herr Dr. ,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Aufgrund der zahlreichen Anfragen, die mich nicht nur über abgeordnetenwatch.de, sondern auch über meine Internetseite und den Postweg erreichen, kann ich Ihnen leider keine ausführliche Antwort geben. Ich möchte Sie bitten sich mit Ihren Fragen an den/die Abgeordnete(n) Ihres Wahlkreises zu richten.

Ich hoffe Sie haben hierfür Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen
Ute Kumpf
X
Antwort empfehlen
Ihre Frage an Ute Kumpf
Sie befinden sich auf einer Archivseite. Die Fragefunktion wurde inzwischen geschlossen.