Sehr geehrter Herr

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vielen Dank für Ihr Schreiben zum Kaukasus-Konflikt.
Die Bundesregierung praktiziert im Falle der Kauskasus-Krise eine sehr verantwortungsvolle Politik im Rahmen der Europäischen Union.
Hintergrund des Konfliktes sind die "eingefrorenen Konflikte" um Abchasien und Südossetien. Seit Jahren gibt es keinen konstruktiven Lösungsprozess.
Anfang August hat nach Schusswechseln zwischen südossetischen und georgischen Ortschaften der georgischen Präsident Michail Saakaschwili eine Waffenruhe verkündet, diese aber durch einen Angriff auf die südossetische Hauptstadt selbst gebrochen. Diese abenteuerliche Politik von Micheil Saakaschwilli, dem georgischen Präsidenten, der dadurch die Krise verschärft hat, darf nicht vernachlässigt werden und muss bei unserer Vorgehensweise berücksichtigt werden.
Russland hat darauf ohne Zweifel unverhältnismäßig reagiert, sowohl militärisch wie politisch, und muss dafür kritisiert werden. Die Motive der russischen Politik sind regionaler Machtpolitik geschuldet und folgen einem Denken, das wir in Europa schon überwunden glaubten.
Wir versuchen dennoch eine Balance zwischen einer Politik, die das Vorgehen Russlands kritisiert und gleichzeitig den Dialog mit Russland als wichtigen Partner aufrechterhält. Davon, dass Russland das "Böse" darstellt, kann in der Politik der Bundesregierung und der SPD keine Rede sein. Die Europäische Union hat auf ihrem Gipfel am 01. September eine ähnliche Linie beschlossen. Dass sie keine Sanktionen gegen Russland beschlossen hat, ist ein Beleg für das differenzierte Vorgehen der Europäischen Union.
Ziel unserer Politik ist eine Lösung des Konfliktes, die auf Ausgleich zwischen den Parteien gerichtet ist.
Die Anerkennung Südossetiens und Abchasiens durch Russland ist diesem Prozess nicht dienlich. Der Vergleich mit dem Kosovo trägt nicht, da die völkerrechtliche Lage eine andere ist. In Serbien gab es bereit eine jahrelange Verfolgung des albanischen Bevölkerungsteils, während der Kaukasus-Konflikt im Rahmen der OSZE zur regulieren versucht wurde. Georgien hat die Bevölkerung in Südossetien und Abchasien nicht in einer vergleichbaren Weise bedroht. Außerdem ist eine völkerrechtliche Voraussetzung für eine Sezession die Lebensfähigkeit des zukünftigen Staates. Diese ist im Fall Südossetiens und Abchasiens nicht gegeben.
Eine Sezession ist weder nützlich für eine Konfliktlösung noch völkerrechtlich vertretbar.
Unsere Politik ist sehr wohl im Interesse unserer Bevölkerung, weil wir auf der einen Seite deutlich machen, dass militärische Auseinandersetzungen keine Mittel für Konfliktlösung im OSZE-Raum sind, und auf der anderen Seite den Dialog mit Russland fortführen.
Russland ist ein wichtiger Partner für Europa, eine Politik der Eskalation wäre für uns gefährlich.
Ich meine, dass auf Georgien eingewirkt werden muss, seine abenteuerliche Politik der Konfrontation aufzugeben. Eine Aufnahme in die Europäische Union und die NATO schließe ich aus. Wir sollten alles dazu tun, in dieser Region auf Konfliktlösung hinzu wirken.
Mit freundlichen Grüßen
Uta Zapf