Thomas Händel (DIE LINKE)

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Frage zum Thema Europas Rolle in der Welt
27.05.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Händel,

Ihre Partei wirbt mit einem Plakat "Raus aus Afghanistan" für die kommende Europawahl. Angesichts der Tatsache, dass das Europaparlament bei der GASP keine Mitsprache hat, sondern nur über ein Anhörungs- und Informationsrecht verfügt, frage ich mich wie Ihre Partei dieses Ziel erreichen will. Wird mit diesem Slogan nicht der Wähler in die Irre geführt?

Beste Grüße
F.
Antwort von Thomas Händel
7Empfehlungen
29.05.2009
Sehr geehrte Frau ,

Vielen Dank für Ihre Anfrage. Ich freue mich, dass Ihnen unser Plakat gefällt. In die Irre geführt wird der Wähler allerdings von den anderen Parteien CDU/ CSU, SPD, Grünen und FDP. Diese behaupten, mit militärischen Mitteln eine friedliche Entwicklung in Afghanistan befördern zu können. Dem widerspricht DIE LINKE energisch. Wir wollen eine friedliche Europäische Union, die im Sinne der Charta der Vereinten Nationen Krieg ächtet, die strukturell nicht angriffsfähig, frei von Massenvernichtungswaffen ist und sowohl auf den Ausbau militärischer Stärke als auch auf eine weltweite militärische Einsatzfähigkeit verzichtet. Wir setzen auf Abrüstung, zivile Kooperation und die Entwicklung partnerschaftlicher Beziehungen zu den Nachbarstaaten.

Das Europaparlament ist übrigens mitnichten auf Anhörungs- und Informationsrechte beschränkt, wenn es um die Durchsetzung politischer Ziele im Sinne einer friedlichen Entwicklung in Europa geht. Schon die Tatsache, das alle Kommissionsmitglieder vom Europäischen Parlament in Ihrer Funktion bestätigt werden müssen, gäbe dem Europaparlament einen wichtigen Hebel zur Durchsetzung politischer Forderungen in die Hand. Auch der Haushalt der EU muss vom Parlament beschlossen werden. Dies beispielhaft für die, wenn auch sehr beschränkten, Möglichkeiten des Europäischen Parlaments in dieser Frage. Wie Sie sehen, es gäbe Möglichkeiten, die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zu einer friedlichen Politik in Europa zu verpflichten. Das setzt den Willen der Mehrheit der Mitglieder des Europaparlaments voraus. Für diese Mehrheit streiten wir, dies ist nur mit einer starken Europäischen Linken im EP zu verwirklichen.

Das soll jedoch nicht verschleiern, das diese Europäische Union dringend eine Demokratisierung nötig hat, wie Ihre Frage ja impliziert. Es gibt zu wenig direkte Beteiligung, das Europäisch Parlament als einzige gewählte Vertretung von 500 Millionen Europäern muss gestärkt und mit mehr Rechten, u.a. mit einem Initiativrecht zur Einbringung von Gesetzes-/ Richtlinien-Vorschlägen aufgewertet werden. Nur so kann dem Politik- und Europaverdruss in weiten Teilen der Bevölkerung entgegengewirkt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Thomas Händel
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Frage zum Thema Arbeitsmarktpolitik
02.06.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Händel,

wie gedenken Sie sich in Zukunft von europäischer Ebene aus gegen die Steuerungerechtigkeit von teilzeitbeschäftigten Müttern gegenüber vollzeitbeschäftigten Müttern einzusetzen?

Es kann nicht sein, dass eine teilzeitbeschäftigte Mutter für eine 20h Woche und 30 Euro brutto weniger Steuern zahlt als eine vollzeitbeschäftigte Mutter mit dem gleichen Bruttostundenlohn.

Warum wird die vollzeitbeschäftigte Mutter in Deutschland mit höheren Steuern bestraft?

Ist das sozial gerecht?

Wie stehen Sie zu einem Steuerrecht, das auf den Bruttostundenlohn ausgerichtet ist und nicht auf den Bruttomonatslohn und somit Teilzeitbeschäftigte bevorzugt?
Antwort von Thomas Händel
4Empfehlungen
04.06.2009
Sehr geehrte Frau ,

Vielen Dank für ihre Zuschrift. Auch mir ist die bestehende Steuerungerechtigkeit in Deutschland ein Dorn im Auge. Während kleine und mittlere Einkommen übermäßig belastet werden, schleichen sich die Großverdiener dank der Steuergeschenke von Rot-Grün und der großen Koalition aus der solidarischen Finanzierung der Gesellschaft davon. Beispiele hierfür sind u.a. die Absenkung des Spitzensteuersatzes von 52 auf 43 Prozent, die Erhöhung der Mehrwertsteuer und die Senkung der Unternehmenssteuern. Alle bisherigen so genannten Steuerreformen waren bestenfalls Murks, haben noch größere Ungerechtigkeiten hervorgebracht und den Vermögenden in diesem Land die Taschen gefüllt.

In Ihrem Fall führen sicherlich sehr unterschiedliche Faktoren zu einer so unterschiedlichen Belastung, wie zum Beispiel Kinderfreibeträge und unterschiedliche Steuerklassen. Dies kann unter Umständen zu solch unterschiedlichen Berechnungen führen.

Das deutsche Steuerrecht geht von einer jährlichen Besteuerung von Einkommen aus. Eine monatliche oder gar stündliche Besteuerung würde die Berechung von angemessenen Steuern nach meiner Meinung sehr verkomplizieren. Wenn ein Arbeitnehmer zum Beispiel nur in 7 von 12 Monaten gearbeitet hat, verringert sich seine jährliche Steuerschuld durch die Anrechnung der Monate, in denen er oder sie kein Einkommen hatte, deutlich. Und das kann Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen zumindest ein wenig entlasten, die seit den Arbeitsmarktreformen der Schröder-Fischer-Regierung zunehmend in prekären Arbeitsverhältnissen arbeiten müssen.

DIE LINKE setzt sich im Bundestag für ein gerechteres Steuersystem ein. Wir fordern einen linaer-progressiven Steuertarif, niedrige Eingangsteuersätze bei einem jährlichen Grundfreibetrag von 9300 Euro, die Abschaffung des Ehegattensplittings sowie die Anhebung des Spitzensteuersatzes auf 53 Prozent. Damit würden die unteren Einkommensgruppen deutlich entlastet und Großverdiener stärker zur Finanzierung des Sozialstaates herangezogen. Die Abschaffung des Ehegattensplittings würde darüber hinaus endlich die Diskriminierung anderer Lebensweisen als der Ehe beenden und wäre ein weiterer Fortschritt in Richtung tatsächlicher Gleichberechtigung.

Von europäischer Ebene gibt es dagegen in dieser Frage wenige Einflussmöglichkeiten, weil die Zuständigkeit für Steuern ausschließlich bei den Mitgliedsstaaten der EU liegt. DIE LINKE setzt sich auf europäischer Ebene für eine Koordinierung der Steuerpolitiken der Mitgliedsstaaten ein, um ungerechte Steuersysteme und Steuerdumping entgegen zu wirken.

Mehr zu den Vorstellungen der LINKEN in punkto Steuergerechtigkeit finden Sie auf unserer Homepage unter www.die-linke.de.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Händel
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