Stefan Gelbhaar (GRÜNE)
Kandidat Berlin 2011
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Grunddaten
Stefan Gelbhaar
Jahrgang
1976
Berufliche Qualifikation
Rechtsanwalt, Strafverteidiger
Ausgeübte Tätigkeit
selbständig
Wohnort
Berlin
Wahlkreis
Lichtenberg WK 6
Landeslistenplatz
6, über Liste eingezogen, Lichtenberg
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(...) Von Ihnen wurde ein wichtiges "Nutzungsinteresse" klar benannt: Natur- und Erholungsräume braucht es natürlich auch in der Stadt, sei es für Mensch und Tier, aber eben auch für die Kühlung der Stadträume, etwa in sehr heißen Sommern ist das für jedermann nachvollziehbar. Auch meine ich, dass das Ufer öffentlich bleiben muss, wie es ja im weiteren Verlauf der Rummelsburger Bucht bis zur Hafenküche geschafft wurde. (...)
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Frage zum Thema Verkehr und Stadtplanung
06.08.2011
Von:
Max

Lieber Herr Wolf,

wir wohnen in Rummelsburg. Einem Stadtteil, der sich bisher ausserhalb des Blickwinkels von Immobilienspekulanten nachhaltig entwickelt hat. (Siehe Kaskelkiez).
Jetzt werden von Herrn Geisel (oder wer ist für die Bebauungspläne in Lichtenberg verantwortlich) die letzten Grundstücke um den Rummelsburger See an den erstbesten Investor verscherbelt, der mit kreditfinanziertem Geld Steuerabschreibungsobjekte bauen will und somit das letzte Stück Natur zubetonieren wird - mit Zustimmung der linken Bezirksbürgermeisterin.

Das müssen Sie als Grüne doch verhindern.

Liebe Grüße
Max
Antwort von Stefan Gelbhaar
bisher keineEmpfehlungen
30.08.2011
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage, die ich wie folgt beantworten möchte:

Für eine lediglich der Gewinnerzielung untergeordneten Entwicklung des Gebiets stehe ich nicht zur Verfügung. Das angesprochene Gebiet gehört wohl - und das ist in Berlin inzwischen selten geworden - zu einem Gutteil der öffentlichen Hand und bietet damit in besonderem Maße Gestaltungsspielräume. Daher ist bei der Entwicklung zuallererst zu fragen, welche Nutzung des Geländes sinnvoll ist, welche Bedarfe bestehen und welche Probleme mit einer möglichen Entwicklung des Geländes gelöst werden können.

Von Ihnen wurde ein wichtiges "Nutzungsinteresse" klar benannt: Natur- und Erholungsräume braucht es natürlich auch in der Stadt, sei es für Mensch und Tier, aber eben auch für die Kühlung der Stadträume, etwa in sehr heißen Sommern ist das für jedermann nachvollziehbar. Auch meine ich, dass das Ufer öffentlich bleiben muss, wie es ja im weiteren Verlauf der Rummelsburger Bucht bis zur Hafenküche geschafft wurde. Für mich ist gerade gewachsenes Grün bei der Entwicklung des Geländes unbedingt zu berücksichtigen - übrigens auch im Sinne des Rummelsburger Sees und seiner Wasserqualität - gerade am Ufer zu ergänzen.

Grundsätzlich ist eine gewisse Bebauung zur Innenstadt hin jedoch denkbar, auch in Anbetracht des gestiegenen Wohnungsbedarfs - aber eben klar mit den genannten Einschränkungen. Die Durchgrünung muss nicht nur erhalten bleiben, sondern bedarf dabei auch an vielen, zum Teil kahlen Stellen noch einer wesentlichen Ergänzung. Eine durchgehende, und zudem gleichförmige "Blockbebauung", wie sie derzeit im Raum steht und diskutiert wird, ist daher unbedingt kritisch zu sehen und daraufhin zu prüfen (und zu verändern), wie die genannten Kriterien erfüllt werden können. Pläne, die diese Punkte nicht berücksichtigen, lehne ich daher klar ab.

Ich habe Ihre Frage auch umgehend nochmals den grünen Bezirksverordneten in Lichtenberg übermittelt, da Bebauungspläne ganz überwiegend im Bezirksparlament behandelt werden, und darum gebeten, der weiteren Entwicklung besonderes Augenmerk zu widmen und die genannten Kriterien zum Gegenstand in der Bezirksverordnetenversammlung zu machen.
Mit freundlichen Grüßen,

Stefan Gelbhaar.

PS: Bezüglich der Entwicklungen an der Rummelsburger Bucht und in Karlshorst-West finden Sie auch weitere Gedanken auf stefan-gelbhaar.de, täglich Neues aus Karlshorst, Friedrichsfelde (Süd) und von der Rummelsburger Bucht gibt es auf facebook.com/kiezstimme.
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Frage zum Thema Verkehr und Stadtplanung
22.08.2011
Von:

Lieber Herr Gelbhaar,

Sie haben das Volksbegehren Unser Wasser bis zu seinem guten Ende unterstützt. Dafür möchte ich Ihnen ganz herzlich danken. Bekanntermaßen beginnt jetzt, da die Geheimverträge,Nebenabreden,Änderungsvereinbarungen offengelegt werden, die eigentliche Arbeit. Die jüngsten Untersuchungen des Bundes der Steuerzahler in NRW haben ans Tageslicht gebracht, dass bei der Frage, wie die Trink- und Abwassertarife berechnet werden, ein absolutes Chaos herrscht. Jeder kommunale Wasserversorger rechnet anders. Die einen schreiben nach Anschaffungszeitwert ab, die anderen nach Wiederbeschaffungszeitwert. Auch bei der kalkulatorischen Verzinsung herrscht offensichtlich kein Interesse an e. einheitlichen, verbraucherorientierten Lösung. Die Folgen sind enorme Unterschiede in den Wassertarifen. Allein in Berlin hat die Änderung der Abschreibungsmethode auf Wiederbeschaffungszeitwerte durch die jetzt offengelegte 5. Änderungsvereinbarung aus dem Jahr 2003 nach Berechungen e. Wirtschaftsprüfers dazu geführt, dass das betriebsnotwendige Kapital als Grundlage für dessen Verzinsung um 40 bis 50 Mio. Euro höher anzusetzen ist! Die kalkulatorischen Kosten machen am Wasserpreis 44% aus, das Grundwasserentnahmeentgelt lediglich 5%. Profitieren tun die Konzerne RWE+Veolia als private Anteilseigner und d. Land Berlin. Meine Fragen an Sie:
1. Würden Sie sich dafür einsetzen, dass für die Wasserpreise in Berlin ein Kalkulationsverfahren zur Anwendung kommt, das von der Verbraucherzentrale unterstützt wird?
2. Würden Sie sich auch auf Bundesebene dafür einsetzen, dass bundesweit e. einheitliches Verfahren zur Kalkulation der Wassertarife durchgesetzt wird, das v. Bundesverband der Verbraucherzentralen getragen wird?
3. Harald Wolf hat das Bundeskartellamt eingeschaltet, um die Trinkwasserpreise in Berlin kontrollieren zu lassen. Besonders hoch sind jedoch die Abwasserpreise. Was würden Sie unternehmen, um auch die Abwasserpreise einer Kontrolle unterziehen zu
lassen?

Beste Gr.
Antwort von Stefan Gelbhaar
2Empfehlungen
30.08.2011
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Frage. Sie haben Recht: Das Volksbegehren "Unser Wasser" hat meine explizite Unterstützung gefunden. Als Landesvorsitzender von Bündnis 90/ Die Grünen Berlin habe ich dabei nicht nur für mich gesprochen, sondern für die Bündnisgrünen insgesamt. Die Bündnisgrünen waren immer gegen diese Teilprivatisierung, weil Wasser ein besonderes, öffentliches Gut ist, und nicht dem Gedanken privater Gewinnmaximierung unterworfen sein kann. Schon 1998/99 hat Renate Künast gemeinsam mit Michaele Schreyer erkannt und öffentlich gemacht, dass dieses Privatisierungs-Projekt für die Stadt Berlin nur Nachteile bringt und dass die BerlinerInen damit "abgezockt" werden.

Die Rekommunalisierung der Berliner Wasserbetriebe war und ist bei uns einer der Schwerpunkte in der Arbeit unserer Abgeordneten Heidi Kosche. In Bezug auf die Rekommunalisierung ist Heidi die Ansprechpartnerin weit über die "grünen Kreise" hinaus, unter anderem dadurch war ich ständig gut informiert, obwohl ich als Rechtsanwalt andere Arbeitsschwerpunkte hatte und habe. Also, gerne beantworte ich Ihre sehr spezifischen Fragen wie folgt:

Zu den Fragen 1. und 2.:

Ich kritisiere die Tarifkalkulation der Wassertarife in Berlin an vielen Stellen und bin da wohl in guter Gesellschaft, zum Beispiel mit dem Bundeskartellamt. Dass die Abschreibungsmethode von Materialien und Gütern etc. von Wasserwerken in den verschiedenen Kommunen in Deutschland unterschiedlich ist, ist dabei für mich nicht das vorrangige Problem. Denn zuerst geht es mir um Berlin, dort stecke ich meine Arbeitskraft rein. Ich würde Bundesaktivitäten jedoch dann unterstützen, wenn die Methode von Städtevergleichen zu Wasserpreisen - so wie aktuell vom Bundeskartellamt praktiziert - weiter ausgebaut werden soll.

Viel wichtiger finde ich jedoch, dass eine Abschreibung reell sein muss. Und das ist meiner Meinung nach die Methode nach Anschaffungswerten, die in Berlin bis zur Teilprivatisierung auch praktisiert wurde. Die Wasserpreise dürfen nur nach den Kosten kalkuliert werden, die die Wasserbetriebe auch haben. Gewinnerzielung ist nicht das Ziel der Wasserbetriebe, natürlich soll der Betrieb wirtschaftlich erfolgen, gerade, um für Neuanschaffungen von Rohren, Uhren und anderen Materialien etc. Mittel zu erwirtschaften. Als Grüner ist mir eine nachhaltige, ökologische Wasserwirtschaft wichtig. Deswegen bin ich bereit, die Wasserpreise für diesen Zweck etwas höher auszurichten, als die eigentlichen Kosten sind, um zukunftorientierte Technologien einführen zu können (z.B. Solardächer auf die Wasserwerke). Aber dies will ich transparent haben. Eine Idee wäre, den "Ökocent" auf der Wasserrechnung jährlich auszuweisen und die "ökologische Erneuerung" in groben Zügen allen Wasserkunden darzulegen. Ich hätte nichts dagegen, dass solche Kalkulationen mit Verbraucherverbänden abgesprochen werden oder dass sie von diesen kontrolliert werden.

Trink- und Abwasser ist für mich ein Generationenvertrag: frühere Generationen haben das angeschafft, was wir heute genießen. Wir haben supergutes Trinkwasser in Berlin und ein funktionierendes Abwassermanagement. Dies will ich auf neuestem technologischem Standard haben, und für unsere Kinder, Enkel und Urenkel so auch weitergeben können!

Dass die Änderung der Abschreibungsmethode in Berlin erfolgte, damit mehr Gewinn aus den Wasserbetrieben für die Privaten herausgeholt werden kann, war daher der falsche Weg und setzt die Fehlsteuerung seitens des Senats und des zuständigen Senators Wolf fort. Ich gehöre aber nicht zu denen die kritisieren, dass das Land auch seinen Anteil bekommt. Ich habe gelesen, das man beim Berliner Wassertisch und bei der FDP da von "Beutegemeinschaft" spricht. Das empfinde ich als eine falsche und undifferenzierte Aussage. Ich meine, die Höhe des Gewinns ist falsch - das ist das Problem.

Die Fraktion der Bündnisgrünen im Abgeordnetenhaus hat vor ca. 3 Jahren ein Modell vorgeschlagen, das "Wasser nur Wasser" bezahlt. Der Gedanke mit dem Ökocent (s.o.) lehnt sich daran an.

Zu Frage 3.:

Ob das gleiche Verfahren eines Städte- und damit Kostenvergleichs zum Reinigen von Schmutzwasser theoretisch möglich wäre, kann ich im Moment nicht überschauen. Die Anregung nehme ich aber gerne auf: Ich würde es nämlich unterstützen, weil ich auch wissen möchte, ob Berlin sein Abwasser teurer reinigt als andere große Städte. Und wenn ja - woran das liegt. Und ob dies möglicherweise auch wieder auf zurückliegende Privatisierung zurück zu führen ist. Schon beim Trinkwasser- Herstellungs-Vergleich des Bundeskartellamtes sind sehr unterschiedliche Methoden der einzelnen Städte bekannt geworden (München leitet sein Wasser etwa aus den Alpen in die Stadt etc.). Möglicherweise ist die Palette der Reinigung sehr breit und schließt dadurch einen Vergleich aus.

Mit freundlichen Grüßen,
Stefan Gelbhaar.
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