Simone Violka (SPD)
Abgeordnete Bundestag 2005-2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

Grunddaten
Simone Violka
Jahrgang
1968
Berufliche Qualifikation
Finanzbuchhalterin
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Chemnitzer Land - Stollberg
Landeslistenplatz
4, über Liste eingezogen, Sachsen
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(...) Ich bin der Meinung, wenn Deutschland auch zukünftig eine funktionierende und bezahlbare Energieversorgung für alle haben will, dann müssen wir zuerst etwas am Verbrauch tun. Spritfresser bei niedrigen Preisen schaden zwar nicht der Geldbörse, aber der Umwelt und vor allem den zukünftigen Generationen, weil wir deren Ressourcen unbekümmert verbrassen. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Finanzen
11.04.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Violka,

Sie sprechen von Kreditvergabeproblemen und von unterschiedlichen Bedingungen, die durchaus berechtigt sind. Jedoch geht ihre Antwort auf meine Anfrage zur Gelderzeugung ausschließlich durch Kreditvergabe gar nicht ein.

Es ist nun so, dass man bei einer Kreditvergabe aus unerfindlichem Grund mehr Geld als Rückzahlung erwartet, als man ursprünglich überhaupt erzeugt hat. Es stehen demnach immer (!) höhere Forderungen dem eigentlich ´erzeugten´ Geld gegenüber. Ich spreche hier nicht von den Krediten eines einzelnen Individuums, dass sich nur durch Umschuldung entschulden kann, also indem es seine Schulden jemand anderem aufbürdet (Kettenbriefproblem), sondern von der Gesamtheit der Kreditvergabe.

Durch diese ständige Umverteilung wird das Problem der Verschuldung auch nicht gelöst, sondern nur weggeschoben. Dies hat mittlerweile zur Folge, dass in Deutschland 10% der Bevölkerung mehr als die Hälfte des Vermögens besitzen. Tendenz steigend. ( www.einblick.dgb.de/grafiken/2005/06/grafik07/ )

Desweiteren dürfen Banken laut Basel II bis zum gar 50fachen ihrer Einlage an Krediten herausgeben. Ein Betrug an Zins- und Zinseszinseinnahmen sondergleichen. ( www.oenb.at/de/glossar/glossar_m.jsp#tcm:14-4169 )

Solche Regelungen verstärken die Kapitalumverteilung zugunsten der Kapitalmehrheitseigner. Denn diese Mehrkosten, die der Kreditnehmer eben stets auf das zu kaufende Endprodukt umverteilt, belasten den Konsumenten derart, dass jener mittlerweile durchschnittlich in jedem Produkt einen Zinsanteil von 30% zu tragen hat - bei Mieten gar bis zu 80% ( www.inwo.de/modules.php?op=modload&file=article&sid=154 ).

Und eben diese Zinseszinsforderungen können letztlich von den Menschen nicht mehr erwirtschaftet werden, da es nun mal eine natürlich Schaffensgrenze gibt und folglich das immens geforderte Wirtschaftswachstum stoppt.

Ich bitte erneut um eine Stellungnahme, da es eben genau aus diesen Gründen real deflationäre Tendenzen gibt.

Hochachtungsvoll
Antwort von Simone Violka
2Empfehlungen
09.05.2008
Simone Violka
Sehr geehrter Herr ,

ich glaube, dass es durchaus üblich ist, wenn man für eine Dienstleistung auch ein Honorar erhält. Wenn Sie ihre Hemden waschen lassen, dann bezahlen Sie auch mehr als nur die tatsächlich angefallenen Kosten für Waschmittel, Wasser, Miete und Strom. Auch die Beschäftigten wollen für ihre Arbeit etwas erhalten. Bei einer Bank die einen Kredit vergibt ist das ebenso. Außerdem erwartet zusätzlich der, der das zu verleihende Geld zur Verfügung steht, nämlich der Sparer, auch Zinsen. Kreditvergaben sind nicht perse schlecht sondern, wenn sie verantwortlich eingesetzt werden, durchaus hilfreich. Schwierig wird es erst, wenn die Kredite den tatsächlichen Wert der mit Krediten gekauften oder erhaltenden Sache wesentlich übersteigen, doch auch hier muss klar gesagt werden: Beide Seiten eines Kredites haben Verantwortung. Niemand wird gezwungen einen Kredit zu nehmen. Hier ist mehr Aufklärung aber auch Verantwortung gefordert.

Was Ihre Befürchtungen zu Deflation betrifft, bleibe ich bei meiner bereits geäußerten Meinung.

Mit freundlichen Grüßen

Simone Violka
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Frage zum Thema Finanzen
14.05.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Violka,

ich muss dem Herrn Schieschnek recht geben: Durch den Zinseszins-Effekt wird permanent Geld umverteilt.
Sie schreiben, dass eine Bank bei einer Kreditvergabe Geld für diese Dienstleistung verlangt. Das ist korrekt, und dass will ich nicht infrage stellen. Damit sind aber noch nicht die Zinsen gemeint, die die Bank an den Kreditgeber, den Sparer weiterleitet.
Das Problem ist das Geld selber! Es kann gehortet werden, und damit hat es allen anderen Sachen auf dieser Welt etwas vor raus. Um in Ihrem Beispiel zu bleiben: Das Hemd leiert irgendwann aus (oder ist irgendwann aus der Mode:-)), das Waschpulver ist irgendwann nicht mehr zu gebrauchen, und erzeugter Strom muss eigentlich gleich verbraucht werden...
Nehmen Sie irgend einen anderen Gegenstand: Er verrottet irgendwann oder es entstehen Lagerkosten, also: Er muss verbraucht werden. Nicht so unser Geld. Mann kann es horten und es erst wieder frei geben wenn jemand einen Kredit braucht, um dann den Zins zu erpressen.
Wir brauchen also ein Geld, dass den selben Zustand hat wie andere Gegenstände auch: Es muss schlecht werden. Dann beinhaltet das Geld bereits eine Umlaufsicherung, ist dann wieder nur Tauschmittel und nicht, wie im jetzigen System Tauschmittel UND Kapitalvermehrer.
Ich weiß, dass eine solche Geldreform revolutionäre Züge hat, aber immer mehr Regiogeld-Initiativen (www.regiogeld.de) machen es vor: Marktwirtschaft funktioniert fairer, wenn man das Geld entmachtet.

Mich würde interessieren, ob Sie in Ihren Finanz-Ausschüssen das momentane Geldsystem schon manchmal in Frage stellen, da die Situation der öffentlichen Haushalte ja sehr angespannt ist.


Mit freundlichen Grüssen:

Antwort von Simone Violka
2Empfehlungen
29.05.2008
Simone Violka
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Frage.

In der Theorie mögen Sie vielleicht Recht haben. Nur funktioniert leider die gesamte Welt nicht so. Nicht einmal die sozialistischen Systeme. Wenn ich an die DDR erinnern darf: hier war man gezwungen einen Milliardenkredit aus der damaligen BRD anzunehmen weil sonst die Volkswirtschaft komplett zusammengebrochen wäre. Regional kann man alternative Modelle verfolgen, aber global funktioniert das nicht. Denn Menschen die ausschließlich auf solches Geld angewiesen wären, müssten komplett auf Sachen verzichten, die regional nicht angeboten bzw. hergestellt werden.

Wir können nur in Frage stellen wofür es eine real funktionierende Alternative gibt, die sehe ich derzeit nicht.

Mit freundlichen Grüßen

Simone Violka, MdB
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Frage zum Thema Diätenerhöhung
20.05.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Violka,

ich sehe die letzte Erhöhung der Diäten für Bundestagsabgeordnete kritisch. Mir ist schon klar, dass diese Maßnahme den formalen Möglichkeiten entspricht. Mir stellen sich aber folgende Fragen:

1. Sind die Erhöhungen der letzten Jahre IN DIESEM UMFANG wirklich notwendig?

2. Hätte man nicht auf einen GÜNSTIGEREN ZEITPUNKT zur Erhöhung der Diäten warten müssen? Selbst wenn die Erhöhung gerechtfertigt ist lässt sich diese Tatsache aufgrund der angespannten sozialen Lage nicht vermitteln. Viele Menschen erleben, dass ihre Bezüge geringer bzw. ihre Ausgaben höher werden und nehmen die Erhöhung der Diäten deswegen als Selbstbereicherung wahr.

Die Notwendigkeit höherer Diäten steht meiner Meinung nach auch deswegen in Frage, weil es sich die Fraktion der Linkspartei leisten kann, die Summe der Erhöhungen für soziale Projekte abzuführen (Bericht der Glauchauer "Freien Presse", Interview mit Jörn Wunderlich).

Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Simone Violka
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29.05.2008
Simone Violka
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Fragen.

Ich würde mir anstatt der regelmäßig wiederkehrenden Diätendiskussion eine öffentliche Diskussion darüber wünschen was die Arbeit eines Abgeordneten bzw. einer Abgeordneten wert ist.

Momentan gibt es eine Richtgröße wo sich die Bezahlung an der von Bürgermeistern mittlerer Städte (80.000 bis 100.000 Einwohner) bzw. Landräten anlehnen soll.
Zum Vergleich: Ein Abgeordneter ist für ca. 300.000 Einwohner zuständig und hat keinen Verwaltungsapparat zur Verfügung.

Augrund "ungünstiger" Zeitpunkte für Diätenerhöhungen wurde in den letzten Jahren 4 Mal auf eine Anpassung verzichtet. Das hatte zur Folge, dass die Schere der Bezüge zu den oben genannten Kommunalbeamten immer größer wurde. Mit der letzten Erhöhung versuchte man diese zu schließen. Noch bevor es dazu kam vergrößerte sich diese Schere wieder aufgrund des aktuellen Tarifabschlusses im öffentlichen Dienst.

Ich persönlich halte die Höhe aufgrund der oben genannten Vergleiche für gerechtfertigt, hätte aber der angedachten Erhöhung zum jetzigen Zeitpunkt nicht zugestimmt, weil sie mir zu zeitnah zur letzten liegt.

Außerdem möchte ich eine Veränderung bei der Altersversorgung, weil die mir im Verhältnis, zu hoch ist. Aber das ist ein anderes Thema.

Nun zu ihrer Frage zur Linkspartei und der Spenden.
Was jeder mit seinem Geld macht ist jedem selbst überlassen. Ich selbst spende einen erheblichen Teil (ca. 15% meiner Bruttobezüge) für verschiedene Einrichtungen und soziale Zwecke. Ich halte das für selbstverständlich und würde mir wünschen, mehr Menschen würden sich entsprechend ihrer Möglichkeiten sozial betätigen.

Mich stört vielmehr, wenn Menschen für das Geld was sie in ihrem Betätigungsfeld erhalten nicht die entsprechende Gegenleistung erhalten. Damit meine ich die Nebenverdienste und zwar parteienübergreifend. Ich bin Abgeordnete und das ist mein derzeitiger Beruf, für den werde ich bezahlt. Es ist für mich ok, wenn jemand ein Geschäft hat und das weiterführt oder eine Kanzlei oder ähnliches. Aber für mich ist es nicht in Ordnung, wenn jemand Abgeordneter ist und zusätzlich noch für jemand anderen arbeitet und sei es für seinen ehemaligen Arbeitgeber. In der Zeit wo ich für die Bürgerinnen und Bürger aktiv bin verdienen andere zusätzlich Geld.
Wenn jemand 30.000, 50.000 oder was auch immer zusätzlich verdient, dann erwarte ich sogar dass er einer Erhöhung nicht zustimmt, denn er bringt ja für das Geld viel weniger Leistung. Aber es kann auch nicht sein, dass dann diejenigen die voll für ihr Geld arbeiten als raffgierig hingestellt werden nur weil sie für ihre eigentliche Arbeit die sie sehr ernst nehmen ordentlich bezahlt werden wollen. Da sind LINKE genauso mit dabei wie andere Parteien.

Mit freundlichen Grüßen

Simone Violka, MdB
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Frage zum Thema Finanzen
30.05.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Violka,

vielen Dank für die Beantwortung meiner Frage!

In einem Punkt möchte ich Ihnen Recht geben:
Das sozialistische System stellt für mich ebenfalls keine Alternative dar, der real existierende Kapitalismus alledings auch nicht.
Für Sie etwa?
Ich muß Ihnen als Mitglied des Finanzausschußes nicht vorrechnen, wie sich die Schuldenlast im Bund, Ländern und Kommunen in den letzten 50 Jahren entwickelt hat. Sicherlich, es gibt kapitalistische Länder, in denen die Staatsverschuldung nicht so stringent verlief wie bei uns (z.B.:USA), bei denen haben wir aber sehr hohe Verschuldungsraten in der Bevölkerung.
Wie Herr Schieschnek schon geschrieben hat betragen die Kapitalkosten in den Produkten über 30% (in den 70er Jahren waren es "nur" um die 15%). Ich frage mich, wie viel Zinswirtschaft können wir uns noch leisten, bevor unsere Wirtschaft kollabiert.
Deswegen noch einmal die Frage: Glauben Sie an dieses kapitalistische System?
(Achtung: Ich setze Kapitalismus NICHT gleich mit Marktwirtschaft, im Gegenteil: Die Marktwirtschaft würde viel besser funktionieren ohne Kapitalismus)
Es freut mich zu sehen, daß sozialdemokratische Politiker sich langsam diesem Problem zuwenden: So war Wolfgang Thierse einer der ersten, sie sich die Regiowährung "Berliner" besorgten.
Und kürzlich hat Klaus von Dohnanyi in einem Interview gesagt:
"...Wir haben generell das Problem, das Leute, die Kapital haben und es nicht brauchen, durch Zinsen natürlich hinterher noch mehr haben. Das sind alles Probleme, mit denen wir uns intensiv auseinandersetzen müssen..."

Sie glauben es gäbe keine Alternative. Wir müssten beim Geldsystem anfangen zu verändern (die Regiowährungen machen es vor...). Das müsste diskutiert werden, auf nationaler aber auch internationaler Ebene.


Mit freundlichen Grüssen:

Antwort von Simone Violka
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03.06.2008
Simone Violka
Sehr geehrter Herr ,

ich glaube an die Demokratie und die damit verbundene soziale Marktwirtschaft. Wie die Marktwirtschaft außerhalb des Kapitalismus funktionieren soll erschließt sich mir nicht. Sie haben recht mit der Verschuldungsproblematik in den verschiedenen Kommunen, Ländern und des Bundes sowie der privaten Schulden, der muss man mit einer konsequenten Entschuldungspolitik begegnen. Das geht aber nur, wenn die dazu nötigen Einschränkungen von der Gesellschaft mit getragen werden, leider werden gerade diese Einschränkungen oft, vor allem in Wahlkampfzeiten, kritisiert und von der Entschuldung abgekoppelt. Denn verteilt werden kann nur was erwirtschaftet wurde und wenn in der Vergangenheit zu viel verteilt wurde, dann muss heute und zukünftig diese Ausgleich durch sparen wieder hergestellt werden. Ohne Einschränkungen geht das nicht. Noch mal, ich habe nichts gegen regionale Währungen. Doch sie lösen nicht grundlegende globale Probleme.

Natürlich gibt es Menschen die mehr haben als sie brauchen. Aber wer bestimmt das? Und mit welchem Recht? Ich versuche lieber diese Menschen mehr am Gemeinwohl zu beteiligen als ihnen ihr Vermögen vorzuwerfen. Es gibt nämlich sehr viele Menschen, die "geben". Nur hängen sie das nicht permanent an die große Glocke.

Mit freundlichen Grüßen,

Simone Violka, MdB
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Frage zum Thema Soziales
01.06.2008
Von:

Sehr geehrte Frau Violka,

meine Frage an Sie lautet:
Wie beabsichtigen Sie als Bundestagsabgeordnete sowie weitere Mitglieder des Deutschen Bundestages aus den neuen Bundesländern das Thema Rentenpunkte-Angleichung wieder aktuell in die Debatte einzubringen.
Laut Einigungsvertrag Deutschlands wurde der Artikel 143 in das Grundgesetz aufgenommen, der aussagt, dass nur bis spätestens 1995 Abweichungen der Gesetzgebung für das Beitrittsgebiet erlaubt sind.
18 Jahre später - heute 2008 - werden für unsere Rentenberechnungen im Osten immer noch niedrigere Punktwerte zur Berechnung der Altersrente herangezogen.
Ich finde - eine von weiteren Ungerechtigkeiten und Benachteiligungen der Menschen hier.
Gesetze werden doch gemacht, dass sie eingehalten werden. Würde mich auch interessieren, was unsere Kanzlerin darüber denkt.
Es könnte allerdings auch sein, sie den Einigungsvertrag lange nicht gelesen.
Und : Es soll mir keiner mehr mit niedrigeren Lebenshaltungskosten im Osten kommen. Da gibt es sicher Unterschiede zu Großstädten und Provinzen. Aber selbst wenn das so wäre, bekommen wir da schon in den neuen Bundesländern
1. niedrigere Löhne,
2. niedrigeres Hartz IV,
3. niedrigeren Sold und sicher noch einige andere Dinge, die ich jetzt im Moment nicht kenne.
Wenn ich es überhaupt noch schaffe, bis 65,5 Jahre in der Autoindustrie zu malochen, die Aussichten dann selbst nach 28 Jahren Arbeit im vereinten Deutschland auf niedriger Rentenpunktberechnung meine Rente zu erhalten - zu allen Kürzungen der Rente - eine katastrophale Ungerechtigkeit. die zum Himmel schreit. Meine Frage deshalb noch einmal am Schluss: Wie beabsichtigen Sie als Bundestagsabgeordnete sowie weitere Mitglieder des Deutschen Bundestages aus den neuen Bundesländern das Thema Rentenpunkte-Angleichung wieder aktuell in die Debatte einzubringen.
Mit freundlichen Grüßen

Antwort von Simone Violka
1Empfehlung
03.06.2008
Simone Violka
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Frage.

Das von Ihnen angesprochene Thema ist bei den ostdeutschen SPD-Abgeordneten nie aus der Debatte herausgekommen, sondern es wird intern nach einer rechtlich sicheren Lösung gesucht.

Doch aus verschiedenen Gründen ist das wesentlich komplizierter als vielleicht vermutet. Erstaunlich ist, dass bei einer sofortigen Angleichung auf 100% viele Rentnerinnen und Rentner im Osten des Landes sogar eine geringere Rente erhalten würden als bei der jetzigen Berechnung. Das liegt daran, dass parallel zur prozentualen Absenkung ein höherer Punktwert gilt. Dieser nimmt im gleichen Maße ab wie die Prozente steigen. Das ist eine verkürzte und vereinfachte Darstellung des Verfahrens, aber ich hoffe dadurch ist das Kernproblem verständlich. Das bedeutet für uns als Abgeordnete, dass eine 100%ige Angleichung nicht das Problem der drohenden Altersarmut im Osten lösen kann.

Sie haben Recht mit dem geringeren Einkommen. Nur leider wird das nicht staatlich vorgegeben sondern tarifrechtlich erstritten. Ein von mir geforderter Mindestlohn in Höhe von 7,50 Euro würde zumindest den Fall nach unten aufhalten und hätte eine zeitnahe Rentenerhöhung von 1 bis 2 Prozent zur Folge. Leider ist das mit unserem momentanen Koalitionspartner nicht umzusetzen.

Unrecht haben Sie mit ihrer Behauptung im Osten würde weniger Hartz IV gezahlt. Dieser Satz ist bundesweit seit dem 01. Juli 2007 einheitlich.

Nun aber zurück zur Rente. Im bestehenden System gibt es kaum Möglichkeiten etwas grundlegend zu verändern. Deshalb plädiere ich für ein anderes System in das jeder einzahlt und in dem jeder auch Rentenansprüche erhält. Also auch Selbstständige und Menschen, die vorrangig von Renditeerträgen leben. Hierbei kann man sich leicht am Schweizer Modell orientieren. Jeder zahlt nach seinem Einkommen ein, allerdings wird die auszuzahlende Rente gedeckelt. Also jemand der auf sein 100.000 Euro Einkommen Beiträge bezahlt bekommt nur auf einen wesentlich niedriger liegenden Betrag die Rente ausgezahlt. Ich finde das nicht ungerecht, sondern: Wenn das Aufkommen von Jung für Alt nicht mehr reicht muss es durch reich für arm ergänzt werden. Dadurch können auch die Beiträge massiv gesenkt werden, was sich positiv auf die Konjunktur auswirkt.

Auch das Schweizer System ist ein Umlagesystem so dass sich für die so genannten Bestandsrentner keine negativen Veränderungen ergeben müssten. Doch zu solch einem Systemumbruch braucht man nicht nur Politiker die das umsetzen, sondern auch eine Gesellschaft die das stützt. Denn die Betroffenheit bei den Reichen wäre groß und genauso groß auch die öffentliche Entrüstung. Deshalb braucht es eine breite Basis in der Gesellschaft.

Ich halte die Bürgerversicherung auch in der Rente für eine gerechte
Alternative, die wir aber nur mit dem entsprechenden Partner umsetzen
können. Und dafür sorgt der Wähler.

Mit freundlichen Grüßen

Simone Violka, MdB
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Ihre Frage an Simone Violka
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