Sabine Wils (DIE LINKE)
Abgeordnete EU

Grunddaten
Sabine Wils
Jahrgang
1959
Berufliche Qualifikation
Diplom-Chemikerin
Ausgeübte Tätigkeit
MdEP
Wohnort
-
Bundesland
Hamburg
Bundeslistenplatz
2
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(...) Amerikanische Geheimdienste haben schon vor dem SWIFT-Abkommen auf sensible Bank- und Kontodaten der Menschen in Europa zugegriffen, doch dieses illegale Vorhaben wurde nun legalisiert. (...)
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Frage zum Thema Gesundheit
22.01.2013
Von:

Guten Tag Frau Wils,

erstmal vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort von 20.04.2012!

Nachdem jetzt der Entwurf für die neue Tabakrichtlinie vorliegt, der explizit auch die e-Zigarette betrifft, wende ich mich erneut an Sie. Ich dampfe jetzt fast ein Jahr (komplett umgestiegen) und mein allgemeiner Gesundheitszustand hat sich deutlich verbessert. Auch wenn noch keine echten Langzeitstudien vorliegen können, gehe ich doch lieber das kleine potentielle Restrisiko ein, als mich wieder den nachgewiesenen erheblichen Risiken der Tabakzigarette auszusetzen. Sollte diese Richtlinie legal bindend werden, wäre ich gezwungen, wieder zur traditionellen Zigarette (2 Schachten pro Tag) zu greifen, da die derzeit in der Apotheke erhältlichen Produkte (Pflaster, Kaugummi, Inhaler, etc.) für mich unbrauchbar sind.

Hier sind ein paar Fragen, wie ich sie auch schon einigen Ausschußkollegen gestellt habe:

Werden bei der Expertenanhörung am 25.02. auch richtige Wissenschaftler wie z.B. Jean-Pol Tassin ( solwand.blog.de ) Gehör finden?

Oder sind das solche "Experten" wie die vom (einstmals renomierten) DKFZ, die in konjunktiven Litaneien absurde Szenarien konstruieren, die jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entbehren?

Werden da auch die angeblich nicht vorhandenen Studien berücksichtigt, von denen viele hier ( www.rursus.de ) zu finden sind?

Kann ich auf Ihre Unterstützung hoffen?
Antwort von Sabine Wils
8Empfehlungen
01.02.2013
Sabine Wils
Sehr geehrter Herr ,

leider kann ich Ihre Frage vom 22.01.2013 noch nicht abschließend beantworten.

Mehrere renommierte Organisationen kommen nach wie vor zu dem Schluss, dass kurz- und langfristige gesundheitliche Auswirkungen von e-Zigaretten noch nicht ausreichend erforscht sind. Auch aufgrund des hohen Abhängigkeitspotentials des in ihnen enthaltenen Nikotins seien sie als gesundheitlich bedenklich zu bewerten. Darüber hinaus sei es wahrscheinlich, dass e-Zigaretten insbesondere Kindern und Jugendlichen den Einstieg in den Nikotinkonsum durch den Vorbildcharakter erleichtern würden.
Deshalb möchte ich zunächst an der Expertenanhörung im Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) am 25.02.2013 teilnehmen, um noch mehr Informationen in dieser Angelegenheit zu erhalten.

Im Folgenden möchte ich Ihre Frage beantworten, welche Personen bei der der Expertenanhörung nach unserem aktuellen Kenntnisstand sprechen werden:

  • Ms Florence Berteletti Kemp, Director, Smoke Free Partnership

  • Antonella Pederiva, Secretary General, Confederation of European Community Cigarette, Manufacturers (CECCM)

  • Dr Martina Pötschke-Langer, Head of the Unit Cancer Prevention in the German Cancer Research Center

  • Luk Joossens, Advocacy Officer, Association of European Cancer Leagues (ECL)

  • Dr David Hammond, Associate Professor in the School of Public Health & Health Systems at the University of Waterloo - Canada

  • Dr Jean King, Director of Tobacco Control

Welche Studien während der Anhörung eine Rolle spielen könnten, ist mir nicht bekannt. Im Mittelpunkt der Debatte wird der Kommissionsentwurf zur neuen Tabakrichtlinie stehen.

Die öffentliche Anhörung zu Tabakprodukten wird voraussichtlich entsprechend der Ankündigung auf der Website des Europäischen Parlaments am 25.02.2013 von 15.00 -18.30 im Gebäude Jozsef Antall (JAN) 4Q2 in Brüssel stattfinden. Ich gehe davon aus, dass Sie die Anhörung auch im Internet verfolgen können.

Mit freundlichen Grüßen

Sabine Wils
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Frage zum Thema Gesundheit
03.02.2013
Von:

Guten Tag, Frau Wils!

Vielen Dank für Ihre klare und informative Antwort.
Da die meisten dieser "Experten" eher für ihre rigiden politischen Ansichten als für wissenschaftliche Kompetenz bekannt sind, dürfte objektive Information bei der Anhörung leider spärlich gesät sein. Vielleicht können Sie da trotzdem ein paar der folgenden Fragen klären:

Wer hat diese Experten ausgewählt?
Sind das die gleichen, die sich von der Pharmaindustrie beraten ließen? ( ec.europa.eu Seite 4 unten)
Wie kann man von denen eine objektive Beratung zu etwas erwarten, das ihre Umsätze bei den bereits aufwendig und teuer als Medikament zugelassenen Produkten gefährden könnte?

Wo gibt es einen echten Nachweis, dass eine e-Zigarette als "Einstiegsdroge" für Jugendliche überhaupt interessant ist?
Ich kenne keinen einzigen Dampfer, der vorher Nichtraucher gewesen wäre. Die meisten sind über 40 und waren vorher Jahrzehnte lang starke Raucher. Außerdem sind da die Anschaffungskosten für die Grundausstattung an Geräten und es ist wesentlich einfacher und billiger (und "cooler"), sich von anderen eine klassische Zigarette zu besorgen.

Wieso wird immernoch das Suchtpotential von Nikotin vorgeschoben, obwohl Tassin et al. ( solwand.blog.de ) bereits vor Jahren nachgewiesen haben, dass dies nur in Verbindung mit anderen Stoffen gegeben ist?
Gibt es einen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass diese Studie nicht auf den Menschen übertragbar ist?
Wenn es wirklich um die Gesundheit und Sucht geht, warum werden diese Stoffe (MOA-Hemmer) nicht in der Kombination mit Nikotin verboten?
Warum nicht ein "Reinheitsgebot" für Liquids analog zum deutschen Bier?
Alles was ein gutes, frei verkäufliches Liquid braucht sind:
  • Propylenglykol
  • Glyzerin
  • Wasser
  • Nikotin (bis 36 mg/ml !)
  • für Lebensmittel zugelassene Aromen
Antwort von Sabine Wils
2Empfehlungen
20.02.2013
Sabine Wils
Sehr geehrter Herr ,

die Experten, die auf der öffentlichen Anhörung sprechen werden, wurden von den zuständigen Koordinatoren jeder Fraktion für den Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) ausgewählt. Ich selbst war nicht an der Auswahl beteiligt.

Für meine Fraktion der Vereinten Europäischen Linken/Nordische Grüne Linke (GUE/NGL) ist Martina Anderson Schattenberichterstatterin und somit für das Thema zuständig ( www.europarl.europa.eu ).

Mit freundlichen Grüßen,

Sabine Wils
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Frage zum Thema Verbraucherschutz
12.02.2013
Von:

Sehr geehrte Frau Wils,

im April steht voraussichtlich die Abstimmung des neuen europäischen Datenschutzrechtes an.

Nun wird öffentlich, dass es massiven Einfluss global agierender US-Firmen gibt, die durch Lobbytätigkeit erreichen, dass z.T. komplett von ihnen formulierte Texte in das Regelwerk einfließen. Zudem ist es ihnen offenbar gelungen, dass der Datenschutz durch Streichung einiger Passagen, z.B. zu Strafen bei Missbrauch, hinter den aktuellen Stand zurück fallen könnte.

Erst im vergangenen Sommer wurde bei dem Versuch, die Weitergabe von Daten der Meldeämter an Adresshändler ohne Widerspruchsmöglichkeit zu etablieren, deutlich, dass die deutschen Bürger nicht bereit sind so einfach auf ihre Rechte zu verzichten. Vermutlich werden die Bürger anderer europäischer Länder diesen Kontrollverlust ähnlich kritisch sehen.

Im Urheberrecht werden immer weitere Verschärfungen (Ausdehnung der Schutzfrist auf 70 Jahre) mit dem Argument installiert, dass das Recht auf das "eigene Werk" schützenswert sei. Bei dem - eigentlich verbrieften - Recht auf informationelle Selbstbestimmung scheint dies für die "eigene Person" nicht zu gelten.

2011 wurde von der Europäischen Kommission der Ansatz eines "Rechts auf Vergessenwerden" aufgenommen, der in die Datenschutzreform einfließen sollte. Die jetzt ruchbar gewordene Einflussnahme konterkariert dieses Vorhaben vehement.

Wie stehen Sie zu der Gefahr, dass durch massive internationale Datensammlungen gläserne Konsumenten geschaffen werden und einmal erhobene Daten von Unternehmen weiterverkauft oder sonst beliebig genutzt werden dürfen, ohne dass es die Möglichkeit zu einem Widerspruch gäbe?

Mit der Bitte sich für ein Datenschutzrecht für alle europäischen Bürger einzusetzen, welches ihnen das Recht der Kontrolle über erhobene Daten erhält, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen,

Antwort von Sabine Wils
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12.05.2013
Sabine Wils
Sehr geehrter Herr ,

ich habe mich mit der Beantwortung Ihrer Frage etwas schwer getan.

Schon Ihrer Fragestellung entnehme ich, dass Sie die vielfältige Einflussnahme der Wirtschaft gegen ein scharfes Datenschutzrecht und deren Wirksamkeit auf die Entscheidungsfindung in der Europäischen Union bemerkt haben. Die Ablehnung dieser Tendenzen durch meine Fraktion und durch mich ist Ihnen sicher auch nicht entgangen.

Deshalb will ich hier etwas grundsätzlicher ausholen, um Ihnen meine Sicht auf die Einbindung des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung in die Politik der Europäischen Union aufzuzeigen.

Die Gefahr des gläsernen Konsumenten, aber in gleich bedeutsamen Maße des gläsernen Arbeitnehmers und gläsernen Bürgers (Überwachung der Bürger) wird zunehmend zur Realität. Und diese Realität wird nicht nur in der EU sondern auch in Deutschland durch die bestimmende Politik z.B. durch die Weitergabe von Adressdaten der Meldeämter gefördert.
In die Formulierung aller gesetzlichen Vorhaben sind Wirtschaftsvertreter neben dem Lobbyistenunwesen auch über direkte Gesetzes- und Verordnungsvorlagen beteiligt.

Die Europäische Union ist mit dem Ziel gegründet worden, zum dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt zu werden. Dieser Weg soll über den Rückzug des Staates und eine maximale Orientierung auf den Markt im Sinne des Neoliberalismus erfolgen. Zum Recht geworden ist dies im Lissabon-Vertrag, der die Freiheit des Warenverkehrs, der Dienstleistungen, des Kapitals und die Freizügigkeit der Arbeitskräfte im "Verfassungsrang" festschreibt.

Die Staaten innerhalb der Europäischen Union konkurrieren auf dem Binnenmarkt gegeneinander. Hierbei sind die Steuern, die Löhne und Sozialsysteme, die Umweltstandards und auch der Datenschutz Wettbewerbsfaktoren, die in Konkurrenz zueinander Wettbewerbsvorteile schaffen sollen. Die Lohndumpingpolitik in Deutschland (Agenda-Politik mit Niedriglöhnen, prekärer Beschäftigung, Leiharbeit) oder das Steuerdumping in Irland sind dafür Beispiele.

Bei Abwägung mit Bürgerrechten haben diese Wirtschaftsinteressen regelmäßig Vorrang. Dies wird durch die Rechtsprechung des EuGH z.B. zu Mindestlöhnen, Streikrecht, usw. vorgegeben. Welche Grenzen kann es noch geben, wenn die Europäische Union zum Schutz der Finanzinvestoren EU-Bürger in die Obdachlosigkeit, in die Krankheit ohne Gesundheitsversorgung, in die Arbeitslosigkeit bis hin zum Hungern treibt?

Innerhalb der EU wird von der Fiktion gleichwertiger Standards ausgegangen. Das Ergebnis können Sie hier nachlesen: "Mit Beschlüssen vom 22.04.2013 entschied das Schleswig-Holsteinische Oberverwaltungsgericht (OVG) auf Beschwerden des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) gegen Beschlüsse des Verwaltungsgerichts (VG) Schleswig, dass auf die Datenverarbeitung bei Facebook auch in Bezug auf deutsche Nutzer nicht deutsches, sondern ausschließlich irisches Datenschutzrecht anwendbar sei (Az. 4 MB 10/13, 4 MB 11/13)." Quelle: www.datenschutzzentrum.de

Die Spitzen der EU streben ein Freihandelsabkommen mit den USA an. Für das angestrebte Freihandelsabkommen der EU mit den USA wird nur eine minimale Ausweitung des Handelsverkehrs erwartet. Ein solches Freihandelsabkommen erfordert eine Angleichung der unterschiedlichen Rechtssysteme und Regeln. Bei fehlendem ökonomischen Vorteil kann ich hier nur den Wunsch nach weiterer neoliberaler Ordnungspolitik erkennen.

Ich lehne die Europäische Union in ihrer derzeitigen Verfasstheit ab. Mit dem Lissabon-Vertrag, der Marktorientierung und der neoliberalen Reichtumsförderung (Finanzkrise) sind Bürgerrechte und Demokratie unvereinbar. Diese Politik hat die Finanzkrise gefördert und die EU in die Eurokrise getrieben, die die Existenz der EU in Frage stellt.

Bürgerrechte und Demokratie haben nur in einer anderen Europäischen Union eine Zukunft - und zu diesen Bürgerrechten zählt auch der Datenschutz.
Dafür setze ich mich aktiv in und außerhalb des Europäischen Parlaments ein.

Mit freundlichen Grüßen

Sabine Wils
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