Sabine Scherbaum (DIE FRAUEN)
Kandidatin Europawahl 2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich.

Grunddaten
Sabine Scherbaum
Jahrgang
1960
Berufliche Qualifikation
Ingenieurin
Ausgeübte Tätigkeit
Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Forschung und Entwicklung)
Wohnort
-
Bundesland
Bayern
Bundeslistenplatz
1
(...) Doch FeministInnen fordern die Repräsentanz von Frauen auf allen politischen und ökonomischen Entscheidungsebenen gemäß ihres Bevölkerungsanteils von 51%. Ich bin der Ansicht, dass dies nicht nur ein Gebot von Demokratie und Gerechtigkeit ist, sondern auch für viele gesamtgesellschaftliche Belange von Vorteil wäre. (...)
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Frage zum Thema Bürgerrechte, Datenschutz und politische Teilhabe
31.05.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Scherbaum,

ich habe auf der Seite "Wer steht zur Wahl" gelesen, daß die feministische Partei als Ein-Themen-Partei bezeichnet wird.
Meinen Sie dass Feminismus nur ein einziges Thema ist? Es ist doch vielmehr so, dass Feminismus alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens berührt.

Nicht nachvollziehbar ist mir auch die durchgängig männliche Sprachform in diesem Text. (z.B. "Jeder Einzelne...." Sollten nicht in einem Text über die Feministische Partei (und eigentlich auch sowieso in allen Texten) beide Geschlechter benannt werden?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Sabine Scherbaum
24Empfehlungen
02.06.2009
Sehr geehrte Frau ,

Das von Ihnen erwähnte Profil unserer Partei wurde im Auftrag der Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb) von Frau Sandra Fischer von der Rheinische-Friedrich-Wilhelms Universität Bonn erstellt.

Da auch wir nicht nachvollziehen konnten, weshalb eine Partei, die in einem 64-seitigen Parteiprogramm zu nahezu allen gesellschaftlich relevanten Themen Stellung bezieht, als eine Ein-Themen-Partei definiert wird, haben wir uns an den Verantwortlichen Herrn Trinius von der bpb gewandt. Uns wurde entgegnet, es handle sich um einen "objektiven wissenschaftlichen und urheberrechtlich geschützten Autorentext", der keine Korrekturwünsche unsererseits zuließe. Wir haben uns auch die Mühe gemacht, andere Parteiprofile auf die Verwendung des Begriffs "Ein-Themen-Partei" zu untersuchen, was uns letztendlich die durch die bpb vollzogene Einschätzung unserer Partei als noch unverständlicher erscheinen lässt.

Wir hatten ebenfalls gebeten, den in unserem Parteiprofil verwendeten ausschließlich männlich orientierten Sprachgebrauch unaufwändig an unser Verständnis der Sichtbarmachung von Frauen (z.B. "Migrantinnen und Migranten") anzupassen. Bedauerlicherweise wurden wir auch hier lediglich auf die "objektive Wissenschaftlichkeit" des Textes verwiesen.

Wir bedauern die Veröffentlichung unseres Parteiprofils in dieser Form sehr, zumal es uns trotz unserer Bemühungen nicht gelungen ist, mit der bpb sowie der Autorin Sandra Fischer zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen.

Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass die bpb als öffentliche Einrichtung gehalten ist, in ihren eigenen Publikationen die Kriterien des Gender Mainstreaming einzuhalten. Über dieses informieren die Seiten der bpb ausführlich unter www.bpb.de . Unter anderem wird hier eine "geschlechter-differente Sichtweise" als Selbstverständnis der Bundeszentrale für politische Bildung beschrieben.

Mit freundlichen Grüßen
Sabine Scherbaum
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Frage zum Thema Sozialpolitik
04.06.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Scherbaum,

erst einmal finde ich es total wichtig und gut, dass es Ihre Partei gibt und hoffe, dass Sie nicht nur den Einzug in´s Parlament schaffen, sondern auch genügend Stimmen bekommen, um den Fraktionsstatus zu erhalten.

Vielleicht können Sie für frischen Wind sorgen und als neue politische Kraft die etablierte Parteienlandschaft mal frauenbewegt vor sich hertreiben, so wie es damals z.B. die Grünen taten mit dem Thema Umweltschutz.

Ich persönlich bin ebenfalls frauenbewegt unterwegs in Gewerkschaft und in einem international tätigen Frauennetzwerk.

Sehen Verknüpfungspunkte für eine institutionsübergreifende Zusammenarbeit für die Sache der Frauen? Beispielsweise für ein Projekt oder eine gemeinsame Kampagne, um Synergieeffekte zu erzielen oder einem Thema den richtigen Schwung zu verleihen?
Antwort von Sabine Scherbaum
11Empfehlungen
06.06.2009
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Unterstützung und Interesse an der "Sache der Frauen".

Feministische Politik hat natürlich auch die Intension, andere Organisationen und Parteien für feministische Anliegen zu gewinnen und zu sensibilisieren. Die Tatsache, dass es in der Vergangenheit Frauenorganisationen nur bedingt gelungen ist, auf die Ebene der Politik Einfluss zu nehmen, war der Auslöser für die Gründung der Feministischen Partei DIE FRAUEN im Jahr 1995.
Eine Kooperation mit feministischen Initiativen und Organisationen ist die Grundlage ihrer Forderungen. Über die Mitgliedschaft im deutschen Frauenrat ist die Feministischen Partei DIE FRAUEN auch in der European WomenŽs Lobby vertreten und unterstützt deren 50/50 Campaign for Democracy ein Vorschlag, mit dem der Frauenanteil in der Europäischen Kommission mit einfachen Mitteln auf 50% erhöht werden kann.

Sie geben an, selbst gewerkschaftlich engagiert zu sein. Daher wissen Sie sicher, dass die Durchsetzung frauenpolitischer Anliegen innerhalb von gewerkschaftlichen Gruppierungen eine gewisse Herausforderung bedeutet. Trotzdem sehe ich Gewerkschaften als eine gesellschaftlich bedeutsame Kraft, die ihren schleichenden Bedeutungsverlust möglicherweise eindämmen könnte, wenn sie ihren Blick verstärkt auf die Fragen "Welche Arbeitsplätze braucht eine Gesellschaft??" und "Wie können wir die Verteilung von Arbeit und Einkommen geschlechtergerecht organisieren??" richten würde. Die Unterstützung der Erzieherinnen und der Discounter-Verkäuferinnen sehe ich hier als hoffnungsvolle Ansätze.
Was unsrer Arbeitswelt unter gleichstellungspolitischen Gesichtspunkten fehlt ist eine gesetzliche Festschreibung des Grundsatzes »gleicher Lohn für gleiche Arbeit« , die Etablierung allgemeiner Kriterien zur Arbeitsbewertung sowie eine Anpassung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes an die europäischen Mindestvorgaben und die Einführung des Verbandsklagerechts.

Sehen Sie in ihrem gewerkschaftlichen Umfeld hier Ansätze, sich diesen Themen konsequent zu widmen? Oder findet lediglich eine Aufreibung weiblicher Energien zugunsten eines patriarchalem Organisationsverständnis statt? An Ihrer Meinung zu dieser Frage, die nicht rhetorisch gemeint ist, bin ich ernsthaft interessiert.

Vielleicht noch ein letzter Punkt zu einem Anliegen, das bezeichnet:
Auch der Kampf für ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft - in der Vergangenheit gerne dem "Gedöns" (Kanzler Schröder) zugerechnet - kann nur gewonnen werden, wenn viele Frauenverbände an einem Strang ziehen. Letztendlich hat jedoch die Politik die Entscheidungsmacht. Die Feministische Partei DIE FRAUEN bietet sich an, in diesem Rahmen für die Anliegen der Frauen einzutreten.

Mit freundlichen Grüßen
Scherbaum
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Frage zum Thema Sozialpolitik
06.06.2009
Von:

Liebe Frau Scheerbaum,

gerade haben wir einen Erzieherinnenstreik, der - wie schin der erfolglose vor
10 Jahren etwa, deutlich macht, wie stark die Geschlechterrollen die Struktur
der Gesellschaft mit Herrschaft prägen.

Die Erzieherinnen wurden seit damals nicht ernst genommen in ihren fachlich berechtigten Forderungen an die Politik und die Tarife, mit weiteren Ansprüchen
ohne bessere Arbeitsbedingungen, also mit mehr ausbeuterischen Zuständen
konfrontiert. Dies zeigt überdeutlich, wie zentral wichtige aber als weiblich
konotierte Aufgaben real abgewertet werden. Was schlägt ihre Partei konkret zur aktuellen Lösung dieses Zustandes in Deutschland auf EU Ebene vor ?
Antwort von Sabine Scherbaum
11Empfehlungen
06.06.2009
Sehr geehrte Frau

Der Erzieherinnenstreik ist sehr zu begrüßen, zeigt er doch erstmals auch in der breiten Öffentlichkeit beispielhaft die Diskriminierungen auf, die Frauenberufe in der gesellschaftlichen Wertschätzung erfahren.

Erzieherinnen haben eine wertvolle Aufgabe in unserer Gesellschaft. Trotzdem wird ihre Arbeit in diskriminierender Weise unterbewertet. Die Belastungen der Tätigkeiten wie starker Lärm, soziale Anforderungen in hohem Umfang sowie körperliche und psychische Belastungen werden in der Arbeitsbewertung und damit in der Bezahlung nicht berücksichtigt. Ein Facharbeiter mit der gleichen Ausbildungsdauer erhält bis zu 400€ mehr Gehalt bei vergleichsweise besseren Arbeitsbedingungen.

Feministische Politik fordert eine Neubewertung aller Tätigkeiten, die sich an der gesellschaftlichen Nützlichkeit orientiert. Wir wollen und brauchen z.B. keine Arbeitsplätze in der Rüstungs- oder in der Atomindustrie, sondern eine lebensdienliche Wirtschaft, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert. Dazu gehören zuallererst sogenannte personennahe Dienstleistungsberufe wie ErzieherInnen, SozialarbeiterInnen, Alten- und KrankenpflegerInnen sowie Arbeitsplätze in Bildung und umweltfreundlichen Technologien.

Die Europäische Union hat bereits von mehreren Jahren die Diskriminierung von Frauen durch deutsche Tarifverträge bemängelt. Bisher ist jedoch nicht viel geschehen - im Gegenteil: die Hartz-Gesetze haben Frauen und Frauenberufe weiter aus dem "Normalarbeitsmarkt" in prekäre Beschäftigungen gedrängt, und die Entgeltlücke zwischen Männern und Frauen ist weiter gestiegen und beträgt inzwischen 23%.

Die Europäische Union hat Möglichkeiten, Deutschland verstärkt zur Umsetzung ihrer Richtlinien zur Gleichstellung zu bewegen. Dass dies in der Vergangenheit nicht geschehen ist, liegt nicht nur an der aktiven Rolle der Wirtschaftslobby in Brüssel, sondern auch an der entsprechenden Blockadehaltung der deutschen Vertreterinnen und Vertreter im europäischen Parlament sowie in der Kommission und im Rat.

Im Europäischen Parlament benötigt es feministische Kräfte, um die Umsetzung der Richtlinien zur Gleichstellung in die nationalen Gesetzgebungen weiter zu forcieren. In der Feministischen Partei DIE FRAUEN stellen sich Frauen - und ein Mann- für diese Aufgabe zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Sabine Scherbaum
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Frage zum Thema EU-Finanzpolitik / Währungsunion
06.06.2009
Von:

Sehr geehrte Frau Scheerbaum,

hat ihre Parei Vorschläge, wie die Weltfinanzkrise, bzw. die strukturelle Krise des derzeitigen Finanzund Wirtschaftssystems überwunden werden könnte.

Haben Sie und ihre Partei hierzu Vorschläge auf globaler (WTO+GATTS, IWF/Weltbank, bzw. UNO auf EU Ebene Europäische Gremien und EU Zentralbank und darauf abgestimmt auf Nationaler und regionaler Ebene zu machen ?

vielen Dank für Ihre Antwort, die für meine Wahlentscheidung sehr aufschlussreich wäre.

Antwort von Sabine Scherbaum
11Empfehlungen
06.06.2009
Sehr geehrte Frau ,

Es gibt von verschiedenen Seiten ausgesprochen gute Anregungen, wie die aktuelle Weltfinanzkrise angepackt werden muss, um sie nicht zur sozialen und ökologischen Katastrophe eskalieren zu lassen. Wir stellen dabei jedoch fest, dass auch kluge Vorschläge von attac und sozialökologischen Wirtschaftsorganisationen die weibliche Sicht auf die aktuelle Situation in ihren durchaus guten Lösungsansätzen ignorieren. Tatsache ist, dass unser gesamtes Wirtschaftssystem darauf aufbaut, die Arbeit der Frauen weltweit zu marginalisieren, bzw. zu ignorieren. Die Bedeutung dieser un- und unterbezahlten Arbeit wird völlig unterschätzt. Sie ist die Basis für unsere Wirtschaft und für unseren Wohlstand. Alleine in Deutschland werden 62% der Arbeit unbezahlt verrichtet - in der Mehrheit von Frauen. Es wird so getan, als ob diese Tätigkeiten keine Bedeutung für unsere Ökonomie haben; es wird so getan, als ob Gesundheitsfürsorge, Erziehung, Pflege im häuslichen Bereich keinen Einfluss auf die Qualität einer Gesellschaft haben.

Es gibt diese schöne zweideutige englische Aussage: Who cares ? Wen kümmert es? Wer kümmert sich? Es sind die Frauen! Auch aus diesem Grund müssen Frauen in die Bewältigungsstrategien der Wirtschaftskrise einbezogen werden. Ihnen wird nicht ganz zu Unrecht eine andere Sicht auf die Anliegen einer Gesellschaft zugesprochen. Eine Sicht, die sich im Sinne "Who cares?" weniger dem Profitdenken und der reinen Kapitalverwertung verschreibt.

Dass es auch bei Frauen Ausnahmen von dieser Regel gibt, ist der Tatsache geschuldet, dass wir Frauen uns an die patriarchalen Spielregeln halten müssen, wenn wir Teilhabe und Teilnahme an den Machtstrukturen haben wollen - Machtstrukturen, die hauptsächlich darauf ausgerichtet sind, sich selbst zu erhalten. Feministische Politik möchte diese Machtstrukturen aufbrechen, zum einen über die demokratische Beteiligung von Frauen ? wir wollen die Hälfte der Macht und die Hälfte des Geldes. Zum anderen über Inhalte, die die Vision einer gewalt- und herrschaftsfreien Gesellschaft vor Augen haben.

In der Überwindung einer Wirtschafts- und Finanzkrise hin zu einer sozial gerechten Weltwirtschaft mit dem Primat des Gemeinwohls statt freiem Waren- und Kapitalverkehr müssen meiner Ansicht nach mindestens folgende Punkte realisiert werden:

· Europa muss sich trennen von seiner Politik der Militarisierung und von seinem militärischen Verständnis von "Rohstoffsicherung". Feministische Politik setzt sich ein für ein Europa als Friedensprojekt.
· Der Dollars als Weltleitwährung muss durch einen internationalen Währungskorb ersetzt werden.
· Alle UN-Mitgliedsstaaten sowie die Zivilgesellschaft müssen in die Entwicklung einer weltweiten Regulierung der Finanzmärkte eingebunden werden.
· Eine Weltfinanzmarktaufsicht und eine Weltsteueraufsicht müssen eingerichtet werden mit dem Ziel, die Steueroasen trocken zu legen und den internationalen Kapitalverkehr transparent zu verfolgen.
· Die Handlungen all dieser Institutionen müssen demokratisch legitimiert sein, das bedeutete unter anderem: auch dort müssen Frauen und Männer gleichermaßen vertreten sein.
· Bei allen Maßnahmen mussen die Fragestellungen der "Care-Ökonomie" berücksichtigt werden. Die Care-Ökonomie beschäftigt sich mit der Frage, wie eine Gesellschaft die Sorge für ihre Mitglieder organisiert.

Um mit meiner Antwort den Rahmen dieses Forums nicht zu sprengen, möchte ich Sie bei weiterem Interesse an den Vorschlägen der Feministischen Partei DIE FRAUEN zum Thema "Internationale Politik" auf unser Programm verweisen: "Wertewandel in der Wirtschaft: Ökofeministische Weltinnenpolitik" www.feministischepartei.de

Mit freundlichen Grüßen
Sabine Scherbaum
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