Sabine Leidig (DIE LINKE)
Abgeordnete Bundestag

Grunddaten
Geburtstag
07.08.1961
Berufliche Qualifikation
Geschäftsführerin
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Bundestags
Wohnort
Hanau/Berlin
Wahlkreis
Odenwald
Ergebnis
6,8%
Landeslistenplatz
1, Hessen
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(...) Als Abgeordnete habe ich nur einen sehr geringen Einfluss auf die Realisierung einzelner Verkehrsprojekte. Allgemein gilt mein Einsatz aber ganz klar dem Ausbau der Schiene, so z.B. in den Haushaltsberatungen. Der Haushaltsentwurf der schwarz-gelben Koalition setzt aber weiter auf Beton, d.h. auf den motorisierten Straßenverkehr. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
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Frage zum Thema Verkehr und Infrastruktur
02.04.2010
Von:
Dr.

Sehr geehrte Frau Leidig,

mit Interesse habe ich Ihren Standpunkt zu den Busfernlinen gelesen. Als Sohn eines Busunternehmers bin ich sehrwohl verwundert wie Busfernlinien die Deutsche Bahn "ausstechen" sollten.

Allein die jährlichen Zuschüsse der Bundesregierung (von mindest. 5-10 Mrd. pro Jahr) ermöglichen der DBahn Investitionen in die Infrastruktur, die von privaten mittelständischen Busunternehmen niemals möglich wären (so auch nicht in den Buserwerb). Wie Sie sicherlich auch wissen, verwendet die DBahn den größten Teil der staatlichen Zuschüsse nicht für Investitionen in das deutsche Bahnnetz oder die flächendeckende Modernisierung der Bahnhöfe, sondern in wenige (aus meiner Sicht absolut nutzlosen) Prestigeobjekte wie Berlin, Leipzig, Stuttgart sowie in ausländische Unternehmen. Dies ist allgemein bekannt! Bestimmt auch Ihnen.

Meine Frage nun an Sie: Wann hören Politiker auf die Deutsche Bahn in diesem Umfang zu bezuschussen UND (der nächste Punkt ist der viel schwerwiegendere), wann beginnen Politiker, die Bahn und die Nutzung der Zuschüsse aus Steuergeldern zu kontrollieren und zu reglementieren. Trotz zigfacher Hinweise aus staatlichen und neutralen Kontrollgremien ist es der Deutschen Bahn noch immer möglich, jährlich Milliarden zu verschwenden.

Als selbstständiger Unternehmensberater kann ich Ihnen und dem Vorstand der Deutschen Bahn nur einen Tipp geben: Investieren Sie die Steuergelder in die Projekte, die Ihnen ein gut ausgebautes und modernes Strecken- und Preisnetz in Deutschland ermöglichen. DANN haben Sie auch die Konkurrenz der Busfernlinien nicht zu fürchten.

Als Schlusssatz: Mit Ihrer Einstellung behindern Sie die Wettbewerbsfreiheit! Kann diese Einstellung nicht in Brüssel eingeklagt werden?

Ich danke Ihnen im voraus für Ihre Stellungnahme.

Hochachtungsvoll,
Dr.

P.S.: Als Bahn-Comfort-Kunde mit jährlich mind. 50 Zugfahrten kann ich die Leistungsfähigkeit sehr gut einschätzen. Bin also kein "Fachfremder".
Antwort von Sabine Leidig
bisher keineEmpfehlungen
21.04.2010
Sabine Leidig
Sehr geehrter Herr Dr. ,

danke für Ihre Mail, die mich über Abgewordnetenwatch.de erreichte.
Ich gehe sehr wohl davon aus, dass die Zulassung von Busfernlinien in Konkurrenz zur Bahn dazu führen werden, dass der Schienenverkehr noch mehr ins Abseits gedrängt wird.

Vorab bitte ich Sie jedoch zu beachten: Ich bin keineswegs eine Verteidigerin der Deutschen Bahn AG und ihrer Praktiken, wohl aber eine engagierte Unterstützerin des Schienenverkehrs. Vergleichbares gilt für die LINKE als Fraktion. Es handelt sich hier um einen beachtlichen Unterschied.

Mit Ihren Forderungen,
wonach man "die Steuergelder in Projekte" investieren solle, "die ein gut ausgebautes und modernes Strecken- und Preisnetz (…) ermöglichen"
dass "die Bahn und die Nutzung der Zuschüsse aus Steuergeldern zu kontrollieren" sei, rennen Sie bei mir offene Türen ein.

Klarstellen möchte ich vorab auch die realen Zahlen hinsichtlich der Zuschüsse und der Art dieser Zuschüsse aus -Steuergeldern. Die Bahn erhält jährlich rund 2,5 Mrd. Euro für die Instandhaltung des Netzes (die Infrastruktur) und den Ausbau desselben. Darüberhinaus fließen in den Schienenpersonennahverkehr im Jahr rund 7 Mrd. Euro, davon erhält die DB AG (DB Regio) rund 5,5 Mrd. Euro). Der Fernverkehr der Bahn erhält keine Zuschüsse.

Richtig ist ihre indirekte Unterstellung, wonach die Bahn die in die Infrastruktur fließenden Gelder nur zu einem Teil tatsächlich dort investiert. Dass sie in diesem Bereich gar nichts investieren würde, stimmt nicht. Allerdings ist es schon ein erheblicher Betrag, der von den insgesamt 3,5 Mrd. Euro, die dem Schienennetz zufließen, von der Bahn als Quersubventionierung in andere Bereiche umgelenkt wird: in den Fernverkehr, in den Güterverkehr und zum Aufkauf von Unternehmen im Ausland. Dieser Vorgang wurde gerade von unserer Fraktion wiederholt als untragbar kritisiert. Dass ein solch unverantwortlicher Umgang mit Steuergeldern gestattet wird, liegt nicht an "den Politikern" schlechthin, wohl aber an den Parteien, die in jüngerer Zeit die Regierung stellten und die allein den formellen Eigentümer Bund in den Führungsorganen der Deutschen Bahn AG vertreten.

Neben der Kritik an der mangelhaften Kontrolle der Steuermittel, die die Bahn erhält, kritisieren Sie die Höhe derselben. Dem kann ich nicht folgen. Tatsächlich werden alle Verkehrsmittel erheblich subventioniert. Es ist "nur" eine verzerrte Verkehrsmarktordnung (teilweise auch eine verquere mediale Berichterstattung), die hier einseitig den Bahnverkehr ins Zentrum rückt. Bei Berücksichtigung der externen Kosten des Verkehrs (Kosten für gesundheitliche und Umweltschäden, Lärmkosten, Schäden durch Tote und Verletzte) liegt die Subventionierung im Straßenverkehr mit Abstand an der Spitze der subventionierten Verkehrsarten; die Schiene wird (auch gemessen an der jeweiligen Verkehrsleistung) am geringsten bezuschusst.

Im Busfernfernverkehr liegt eine besonders hohe Subventionierung vor: Die von den Busunternehmen und vom Busverkehr an den Staat gezahlten Gelder (Mineralölsteuer, Kraftfahrzeugsteuer) decken die tatsächlichen Kosten für die Vorhaltung und Abnutzung der Infrastruktur (vor allem für Straßennutzung und Stellplatzbeanspruchung) nur zu einem Bruchteil. Busse sind - im Gegensatz zu Lkw - sogar von der Mautpflicht auf Autobahnen ausgenommen. Wobei selbst die Lkw-Autobahn-Maut die tatsächlichen Kosten für die Autobahnnutzung nicht vollständig abdeckt, weshalb in der Schweiz daher die Maut fast doppelt so hoch ist. Auf dem übrigen Straßennetz gibt es (bisher) keine Mautpflicht, was unlogisch und unökologisch ist (letzteres wegen der Verlagerung von potentiellem Autobahnverkehr auf das übrigen Straßennetz).

Auf eine Reihe anderer Aspekte, weswegen meiner Meinung nach die Freigabe eines Buslinien-Fernverkehr den Schienenverkehr existentiell bedrohen muss, sind wir in dem ausführlichen Beitrag, der sich nochmals beigefügt findet, eingegangen.
Im übrigen wird hier nochmals die eingangs gemachte Unterscheidung bedeutsam: Wir, die Linke, als engagierte Verteidigerin des Schienenverkehrs sind gegen diese Freigabe eines mit der Schiene konkurrierenden Bus-Linien-Verkehrs. Die Deutsche Bahn AG ist keineswegs dagegen. Vielmehr ist diese längst dabei, auf einzelnen Strecken den Linienverkehr auf der Schiene einzustellen und in eigener Regie Bus-Linien-Verkehre einzusetzen. Augenblicklich versucht sie, eines der europaweit größten Buslinien-Verkehrsunternehmen (Arriva) zu übernehmen.

Unter anderem will die Deutsche Bahn AG auf diese Weise noch mehr das tun können, was Sie und ich kritisieren: zugewiesene Steuergelder für Zwecke einzusetzen, die mit dem Schienenverkehr nichts zu tun haben (Aufkäufe im Ausland) oder die mit einem sinnvollen Flächenbahn wenig zu tun haben (Investitionen z. B. für "Stuttgart 21"). Und so wie die Deutsche Bahn AG durch den Aufkauf von Stinnes/Schenker bereits zu einem führenden Lkw-Speditions-Unternehmen geworden ist, könnte sie sich durchaus (möglicherweise begünstigt durch die allgemeine Freigabe des Bus-Linien-Fernverkehrs), zu einem europaweit auftreten Bus-Linien-Konzern entwickeln. Die von Ihnen erwartete Verbesserung der Marktmöglichkeiten für mittelständische Busunternehmen, durch eine Freigabe der Bus-Linien-Verkehre, wäre auf diese Weise sehr gering.

Mit freundlichen Grüßen
Sabine Leidig
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Frage zum Thema Umwelt
07.05.2010
Von:

Sehr geehrte Frau Leidig

Ich habe mich im letzten Jahr dazu entschieden mein Haus umfassend energetisch zu sanieren. Dazu beauftragte ich zunächst einen Energieberater der mir verschiedene Möglichkeiten aufzeigte. Ich entschied mich für die umfassenste und damit auch bei weitem teuerste Variante, allerdings wurden die Kosten etwas gemildert duch versprochene Förderungen für ereuerbare Energien. Ich wählte also eine Pelletheizung und eine Solaranlage zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung. Jetzt war es soweit das die Anlagen installiert und die Gelder beantragt werden konnten. Am Freitag den 30. April 2010 hat mein Installationsbetrieb die Anträge auf der Internetseite der Bafa heruntergeladen und sie mir zum unterschreiben weitergereicht, Gestern brachte ich die Unterlagen zurück, und Heute werde ich von meinem Energieberater darauf hingewiesen das am 03. Mai 2010 das Programm zum 03. Mai 2010 gestoppt wurde und keine Mittel mehr ausgezahlt werden. Ziemlich kurzfristig, oder? Es geht bei mir um ca 4000,- € Förderung die ich natürlich auch eingeplant habe, schließlich belaufen sich die Kosten des gesamten Projekts auf etwa 80.000,- €. Wäre es im letzten Jahr klar gewesen das die Förderung innerhalb eines Wochenendes verschwindet hätte ich eine für mich wesentlich kostengünstigere Variante der Sanierung gewählt.
Nun habe ich schon darüber nachgedacht eine Bank zu gründen oder Grieche zu werden, habe das aber wieder verworfen und möchte nun eine ernstgemeite Frage stellen.

Was werden sie dagegen unternehmen (auch im hinblick darauf das ja offensichtlich genug Geld für Hotelies da ist), und wie komme ich nun trotzdem noch zu meinem Geld?
Wo wir schon beim Hotelgewerbe sind kann ich ihnen auch noch mitteilen das meine Freundin in einem arbeitet und sich weder an den Zimmerpreisen noch an ihrem Lohn etwas geändert hat.

Mit freundlichen Grüßen

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Frage zum Thema Arbeit
11.05.2010
Von:

Sehr geehrte Frau Leidig,

aus persönlicher Betroffenheit wende ich mich an Sie, ebenso wie an die anderen Abgeodneten aus meinem Wahlkreis mit der Bitte um Stellungname zu einer Frage, von der ich glaube, dass sie von algemeinerer Bedeutung ist.

Die Arbeitsagenturen schicken unzählige Arbeitslose zu so genannten Bewerbertrainings, deren tatsächlicher Nutzen eher fraglich ist, während für substantielle fachliche Weiterbildung gleichzeitig kein Geld mehr vorhanden ist. Wäre es, angesichts der Haushaltslage nicht an der Zeit, sich von der lieb gewonnenen Illusion zu verabschieden, dass die Massenarbeitslosigkeit überwiegend ein Resultat mangelhafter Bewerbungsunterlagen sei, und stattdessen die ohnehin knappen Mittel besser für sinnvollere Maßnamen einzusetzen?

Mein Arbeitsvermittler deutete an, dass die Bewerbertrainings von den Arbeitsagenturen in großen Kontingenten zentral eingekauft worden seien. Sollte man nicht die Vergabekriterien der Arbeitsgenturen sowie die Qualitätsanforderungen an solche aus öffentlichen Geldern finanzierte Kurse einmal gründlicher durchleuchten?
Antwort von Sabine Leidig
2Empfehlungen
12.05.2010
Sabine Leidig
Sehr geehrter Herr ,

Sie haben vollkommen Recht. Die Bewerbertrainings finden bundesweit statt. In vielen Fällen schildern Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Maßnahmen, dass es sich dabei eher um eine Beschäftigungstherapie handelt bzw. im Vorfeld nicht darauf geachtet wurde, ob diese Maßnahme für den jeweiligen Betroffenen Sinn macht. Selbstverständlich sind die fehlenden Arbeitsplätze das Hauptproblem.

Was die Weiterbildung erwerbsloser Menschen betrifft, ist es so, dass sowohl die Arbeitsagenturen als auch die ARGEn bzw. Optionskommunen vollkommen umgesteuert haben, weg von nachhaltiger und sinnvoller Qualifizierung, hin zu schnellen und kurzfristigen Maßnahmen. Diese kosten einerseits wenig und andererseits werden sie kurzzeitig als statistischer Erfolg verbucht.

DIE LINKE hat diesen Kurswechsel in der Arbeitsmarktpolitik schon immer kritisiert und sieht diese Ausrichtung als grundfalsch an. Die beste Garantie für Chancen am Arbeitsmarkt und gegen Arbeitslosigkeit ist eine gute Ausbildung, das belegen immer wieder die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit und verschiedenste Studien. Demzufolge müsste sich auch die Arbeitsverwaltung entsprechend verhalten und in die Qualifikation der erwerbslosen Menschen investieren. Die Bundesagentur für Arbeit verfügt aber über immer weniger Mittel, was die Förderung der beruflichen Weiterbildung angeht und muss sich nach den politischen Vorgaben der Bundesregierung richten, die seit vielen Jahren eine verfehlte und fachlich wenig fundierte Arbeitsmarktpolitik betreibt.

Eine klare politische Forderung der LINKEn ist, dass Erwerbslose einen Rechtsanspruch auf berufliche Weiterbildung haben müssen. Grundsätzlich muss das gesamte arbeitsmarktpolitische Instrumentarium umgesteuert werden, um die Arbeitslosigkeit effektiv zu bekämpfen und nicht die Arbeitslosen, wie es oft derzeit der Fall ist.

Bezüglich der von Ihnen angesprochenen Qualität der Bewerbertrainings macht es mit Sicherheit Sinn, die Arbeitsagentur konkret auf Mängel hinzuweisen. Oft ist es nämlich so, dass die Agenturen von Missständen gar nichts mit bekommen, weil sich kein Betroffener darüber beschwert und die Agenturen womöglich dankbar für solche Hinweise sind.

Sabine Leidig
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Frage zum Thema Soziales
12.05.2010
Von:

Sehr geehrte Frau Leidig,

wie ist Ihre Meinung zum bedingungslosen Grundeinkommen?

Vielen Dank für Ihre Antwort.


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Frage zum Thema Verkehr und Infrastruktur
29.08.2010
Von:

Sehr geehrte Frau Leidig,

leider bekommen wir bei Anfragen zum Baustopp der B 50/Hochmoselübergang an Bundesminister Dr. Ramsauer immer wieder Antworten von Mitarbeitern seines Ministeriums, die uns einfach nur die Sach- und Rechtslage erläutern, obwohl wir die zur Genüge kennen. Uns geht es um eine POLITISCHE Entscheidung. Und über eine solche muss bei Bedarf jederzeit neu nachgedacht werden können.
Daher auch an Sie als Mitglied des Ausschusses für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung die Frage:
Muss das objektiv zumindest in dieser Ausführung nicht notwendige Projekt trotzdem ausgeführt werden, nur weil es nach jahrzehntelangem Streit juristisch formal abgesegnet wurde?
Spielt es keine Rolle, dass tatsächlich die ursprünglichen Gründe für diesen mehr als 40 Jahre alten Straßenbau-Plan nicht mehr existieren?
Eine "Aufmarschtrasse" für die NATO ist obsolet geworden, weil der kalte Krieg Gott sei Dank lange vorbei ist.
Eine Verbindung von den belgischen Häfen ins Rhein-Main-Gebiet gibt es inzwischen (A 61 und Autobahnverbindung über Kaiserslautern) mehrfach und besser.
Von einer Verbesserung des regionalen Verkehrs kann keine Rede sein, das kann eine Trasse, die nur an einer recht abgelegenen Stelle ans Moseltal angebunden ist, gar nicht leisten. Vorteile haben nur ganz wenige, was den Kostenaufwand in keiner Weise rechtfertigt.
Aber sehr viele Menschen haben große Nachteile:
Vor allem der Tourismus – nach Aussagen selbst des ehemaligen rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministers Bauckhage DAS wirtschaftliche Standbein der Region – erhielte mit der optischen Verschandelung des Moseltals und der Zerstörung eines ganz wichtigen Wander- und Naherholungsgebietes innerhalb der landschaftlich wunderschönen Moselschleife zwischen Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach einen nicht wieder gut zu machenden Dämpfer.
270 Mio. und mehr für diesen Unsinn sollten uns erspart bleiben. Werden Sie uns weiter - vielen Dank für das bisherige Engagement Ihrer Fraktion - helfen?

Danke
Antwort von Sabine Leidig
1Empfehlung
10.09.2010
Sabine Leidig
Sehr geehrte Frau ,

die von Ihnen genannten Argumenten gegen diesen Straßenneubau kann ich voll und ganz unterstützen und ich werde mich auch in Zukunft gegen den Bau bzw. Weiterbau der B 50 / Hochmoselübergang aussprechen.

Meine Fraktion und ich halten Deutschland straßenmäßig für erschlossen, so dass auf Straßenneu- und ausbau (bis auf wenige Ausnahmen) verzichtet werden kann und - angesichts der absehbaren Endlichkeit fossiler Rohstoffe - muss. Auch aus Gründen der Klimagerechtigkeit, der sozialen Perspektiven und Nachhaltigkeit, vertrete ich nachdrücklich die Orientierung auf postfossile, solidarische Mobilitätsalternativen, bei der öffentliche Angebote, nichtmotorisierte Fortbewegung und die Entwicklung der Nähe im Zentrum stehen.

Nun zu Ihren konkreten Fragen: Natürlich ist auch zum jetzigen Zeitpunkt eine qualifizierte Beendigung möglich. Nicht nur veränderte Rahmenbedingungen begründen dies, sondern auch der entstehende Schaden für diese einmalige Landschaft des Moseltals.
Im zur Zeit im Bundestag diskutierten Entwurf des Bundeshaushaltes 2011 sind für den Abschnitt B50a (Platten) - Zubringer B53 neu Kosten in Höhe von rund 182 Mio. € und für den Abschnitt Zubringer B53 neu - Zubringer B50a (Longkamp) 88,9 Mio € vorgesehen, jeweils der Großteil ab 2012 und Folgejahre.

Aus einer Antwort des Bundesministers für Verkehr auf eine schriftliche Frage vom 2. Juni 2010 (Bt-Dr. 17/1918, S. 55/56 --> dip21.bundestag.de ) geht hervor, dass eine erneute Kosten-Nutzen-Bewertung des Projektes auf Basis der aktuellen Kostenermittlungen und Verkehrsprognosen durchgeführt wird - zu erwarten ist aufgrund der Kostensteigerungen ein noch schlechterer Wert als die 3,4 aus dem Bundesverkehrswegeplan 1992. Diese neue Bewertung soll jedoch erst zum Ende des Jahres vorliegen, wie ich jüngst erfahren habe.

Da Verkehrsminister Ramsauer zu Anfang des Jahres aus Finanzgründen die Grenze für zu realisierende Projekte im Nutzen-Kosten-Verhältnis bei mindestens 4 (also muss der Nutzen des Projektes mindestens das Vierfache der Kosten ausmachen) gezogen hat, wäre auch aus wirtschaftlichen Gründen ein Stopp nötig. Einklagbar ist diese Grenze allerdings nicht; es wird auch in vielen anderen Fällen dagegen verstoßen.

Es bedarf also möglichst schnell einer politischen Entscheidung, um Schaden von Landschaft, Umwelt und öffentlichen Haushalten abzuwenden. Da der Bundestag mit diesem Projekt nicht mehr befasst wird, sind meine Einwirkungsmöglichkeiten gering. Den Haushalt 2011 wird meine Fraktion auch aus diesem Grunde ablehnen. Sollte es Situationen geben, bei denen Sie ein Einmischen vor Ort meinerseits, als MdB und verkehrspolitische Sprecherin der Linksfraktion, als hilfreich einschätzen, so bin ich generell gerne dazu bereit, mich einzubringen.

Mein Büro gibt mit Kollegen vierteljährlich das "Verkehrspolitische Zirkular" heraus. Wir informieren darin über unsere Arbeit im Bereich der Verkehrspolitik. Bei Interesse senden wir Ihnen gerne Exemplare (oder auch regelmäßig) zu oder Sie finden es als download auf unserer Website: www.linksfraktion.de

Mit freundlichen Grüßen

Sabine Leidig
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