Rolf Hempelmann (SPD)
Abgeordneter Bundestag 2005-2009
Dieses Profil dient zu Archivzwecken, eine Befragung ist nicht mehr möglich. Besuchen Sie das aktuelle Profil.

Grunddaten
Rolf Hempelmann
Jahrgang
1948
Berufliche Qualifikation
Oberstudiendirektor, Schulleiter
Ausgeübte Tätigkeit
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreis
Essen II
Landeslistenplatz
57, Nordrhein-Westfalen
weitere Profile
(...) Ihre Sorge, dass Ihnen in diesem Bereich die Geschäftsgrundlage entzogen werden könnte, ist verständlich. Aber es geht uns ja nicht um ein generelles Verbot des Datenhandels. Im Übrigen erkenne ich in der angedachten Neuregelung auch Chancen: Schließlich ist eine Werbesendung unter zuvor erfolgter Einwilligung des Adressaten zielgerichteter und spart somit eine breite Aussendung mit nur geringer Reaktionsquote. (...)
Parlamentarische Arbeit / Nebentätigkeiten
Fragen an Rolf Hempelmann
Auswahl der Fragen und Antworten
Nachricht an folgende Adresse schicken, sobald eine Antwort eintrifft:


An diese Adresse den abgeordnetenwatch.de-Newsletter bestellen
Bitte loggen Sie sich hier ein.
Frage zum Thema Internetsperren
19.06.2009
Von:
Uwe

Sehr geehrter Herr Hempelmann,

da Sie dem Gesetz der Zugangserschwernis zugestimmt haben bitte ich um Beantwortung folgender Fragen:

Wie beurteilen Sie Ihr Fachwissen bzgl. moderner Informationssysteme?

Haben Sie sich die Unterschiede der Bedeutung der Begriffe Entfernen eines Internetangebotes oder nur Gardinen vor dem Fenster (Stopschild) erklären lassen und sind sich der Unwirksamkeit dieses Gesetzes bewusst?

Warum handelt es sich hierbei nicht um Zensur im Sinne des Grundgesetzes, zumal es keine richterliche Kontrolle des BKA gibt?

Wie beurteilen Sie anhand dieser Abstimmungen das zu erwartende Wahlergebnis für die SPD?

Seien Sie gewiss meine Stimme ist weg.

Mit freundlichen Grüßen

Uwe
Antwort von Rolf Hempelmann
bisher keineEmpfehlungen
29.06.2009
Rolf Hempelmann
Sehr geehrter Herr ,

von Ihren früheren Zuschriften (zuletzt auch direkt an mein Büro) weiß ich um Ihre kritische Haltung. Ich bitte Sie zu respektieren, dass meine Fraktion sich sehr eingehend mit dem Thema auseinandergesetzt hat und schlussendlich zu der Überzeugung gekommen ist, den oben genannten Gesetzentwurf mehrheitlich zu unterstützen. Für weitere Details möchte ich Sie auf meine untenstehende Antwort von Herr Noetzel verweisen.

Mit freundlichen Grüßen

Rolf Hempelmann
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Arbeit
07.09.2009
Von:

Nach einer Studie des DIW ( www.diw.de ) sind "Die Reallöhne der Arbeitnehmer ... seit 2004 gesunken - eine Entwicklung, die es in diesem Ausmaß nie zuvor in der Bundesrepublik gegeben hat. Die Verteilung hat sich deutlich verschoben hin zu Kapital- und Selbständigeneinkünften"
Wie soll die Verschuldung der Bundesrepublik aubgebaut werden - wird die Last hauptsächlich von den Arbeitnehmern getragen, oder soll sie gleichmäßiger verteilt werden?
Was ist das Konzept, und auf welchen Erkenntnissen gründet es sich?
Antwort von Rolf Hempelmann
bisher keineEmpfehlungen
18.09.2009
Rolf Hempelmann
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Durch die negative Reallohnentwicklung in Deutschland haben die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen enormen Beitrag zur Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft geleistet. Die Kehrseite der Medaille ist in der Tat, dass das Verhältnis zwischen Arbeitnehmereinkünften auf der einen sowie Kapital- und Selbständigeneinkünften auf der anderen Seite aus dem Gleichgewicht geraten ist. Die fehlenden Arbeitnehmereinkünfte haben darüber hinaus zu einer erheblichen Schwächung des Binnenkonsums geführt, die sich nun in der Krise schmerzlich bemerkbar macht.

Ziel der SPD ist, das Verhältnis zwischen Arbeitnehmer- und Kapital-/Selbständigeneinkünften wieder ausgewogener zu gestalten - wobei die Tarifautonomie überall dort Vorrang hat, wo sich gleichwertige Tarifpartner gegenüberstehen. Arbeitnehmer sind im Rahmen von Lohnabschlüssen angemessen am Unternehmenserfolg zu beteiligen. Entgeltsteigerungen im Rahmen des Produktivitätsfortschritts sollten dabei eine Selbstverständlichkeit sein. Weiterhin treten wir für einen allgemeinen, gesetzlichen Mindestlohn ein, der in der großen Koalition leider noch nicht durchsetzbar war. Immerhin konnten wir aber die Zahl der Arbeitnehmer mit branchenbezogenen Mindestlöhnen auf über 3 Millionen verdoppeln. Schließlich hat die SPD über das zum 1. April 2009 in Kraft getretene Mitarbeiterkapitalbeteiligungsgesetz eine Verbesserung der Teilhabe von Mitarbeitern am eigenen Unternehmen durchsetzen können.

Die desolate Finanzlage, vor der wir nun stehen, ist im Wesentlichen der Finanz- und der daraus resultierenden Wirtschaftskrise geschuldet. Vor der Krise waren wir auf einem guten Weg, die Neuverschuldung bis 2011 bis auf Null zurückzufahren.

Die Finanzierung der Folgekosten der Krise und der Schuldenabbau dürfen nicht überwiegend den Arbeitnehmern aufgebürdet werden. Die SPD verspricht keine unhaltbaren Steuersenkungen für hohe Einkommen und Unternehmen, sondern strebt einen fairen Lastenausgleich an. Wir fordern in unserem Regierungsprogramm, die Verursacher der Finanzkrise über eine Börsenumsatzsteuer an den Kosten der Krise zu beteiligen. Darüber hinaus beabsichtigen wir, den Spitzensteuersatz in der Einkommensteuer auf 47% ab einem Einkommen von 125.000 Euro (250.000 Euro für Verheiratete) anzuheben und gleichzeitig untere und mittlere Einkommen sowie Familien zu entlasten.

Weiterhin wollen wir Steuerhinterziehung bekämpfen und Steuerschlupflöcher schließen. Dabei scheuen wir nicht davor zurück, auch international Missstände beim Namen zu nennen, wie dies Bundesfinanzminister Peer Steinbrück jüngst getan hat. Wer sich auf Kosten unseres Staates und der ehrlichen Steuerzahler bereichert, wird zukünftig mit schärferen Sanktionen rechnen müssen. Dies gilt gleichermaßen für Steuerpflichtige wie für Steueroasen.

Schuldenabbau wird schlussendlich nur mit einem angemessenen Wirtschaftswachstum möglich sein. Frank-Walter Steinmeier hat mit seinem - zunächst von den Medien verrissenen, dann breit gelobten - Deutschland-Plan Perspektiven für vier Millionen neue Arbeitsplätze bis 2020 aufgezeigt. In Bereichen wie der Umwelttechnologie, dem Gesundheitssektor oder der Kreativwirtschaft liegen erhebliche Potenziale, die mit den richtigen politischen Instrumenten aktiviert werden können und müssen.

Allein im Umbau unserer Energiewirtschaft hin zu einem massiven Ausbau der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energien steckt ein Potenzial von mehreren hunderttausend zukunftsfähigen Arbeitsplätzen. Gleichzeitig sinkt unsere Importabhängigkeit von fossilen Rohstoffen. Dadurch bleiben mittel- und langfristig Milliardenbeträge im eigenen Land - für Zukunftsinvestitionen und Schuldenabbau.

Nähere Informationen zum Deutschland-Plan sowie zum Regierungsprogramm der SPD finden Sie auch auf meiner Internetseite unter www.rolf-hempelmann.de .

Mit freundlichen Grüßen

Rolf Hempelmann
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Integration
10.09.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Hempelmann,

zum 1. Juli 2009 wurde verpflichtend als Abschluss für Integrationskurse der neue "Deutsch-Test für Zuwanderer" (DTZ) eingeführt. Dieser Test zieht erhebliche Änderungen bei der Durchführung der Integrationskurse wie auch der Auswertung der Tests nach sich.

Da ich seit vielen Jahren in dem Bereich tätig bin, habe ich immer wieder folgende Beobachtungen gemacht: Träger, die Integrationskurse vorbildlich durchführen (überschaubare Kursgröße, individuelle Beratung und Einstufung), machen aufgrund des höheren Zeitwaufwands de facto ein Minus. Träger, die alle in einen Kurs packen und den Lehrkräften ein lächerliches Honorar zahlen, können hingegen Gewinn machen.

Das Nachsehen haben die freien Lehrkräfte und die Teilnehmenden, denn - das ist Realität - schlechte Prüfungsergebnisse korrespondieren mit bestimmten Trägern und die Teilnehmenden haben dann ihr Bugdet "verschleudert".

Die Lehrkräfte müssen seit Beginn der Integrationskurse immer mehr Qalifikationen nachweisen, und das bei lächerlichen Honoraren. Dass netto 4-5 Euro pro Stunde herauskommen, ist leider keine Seltenheit, und wenn man dafür einen Universitätsabschluss nachweisen muss, fragt man sich ernsthaft, ob auch diejenigen, die diese Rahmenbedingungen geschaffen haben, für das Geld arbeiten würden - und zwar mit allen Risiken, die man als Freiberufler ohnehin trägt (kein bezahlter Urlaub, Kurs fällt aus, man wird krank etc.).

Diese Situation wird sich meiner Einschätzung nach durch die Einführung des DTZ verschärfen, denn für die Auswertung des Tests stehen nur ein sehr enger Zeitrahmen und ein noch begrenzteres finanzielles Budget zur Verfügung.

Es wird von Seiten der Politik hohe Qualität in diesem Sektor gefordert, daher meine Frage: Wann werden die Bedingungen, die in diesem Sektor herrschen, verbessert, und warum werden nicht mehr Betroffene - also auch Lehrkräfte - in die Entscheidungsfindung eingebunden?

Mit freundlichen Grüßen
Antwort von Rolf Hempelmann
bisher keineEmpfehlungen
22.09.2009
Rolf Hempelmann
Sehr geehrte Frau ,

vielen Dank für Ihre Anfrage vom 10. September, in der Sie nachvollziehbare Schwierigkeiten bei der Durchführung der Integrationskurse ansprechen - insbesondere nachdem der neue "Deutsch-Test für Zuwanderer" eingeführt wurde. Die oftmals sehr schlechte Bezahlung der Lehrkräfte ist meiner Fraktion bekannt. Die beiden zuständigen Berichterstatter, Dr. Michael Bürsch und Rüdiger Veit, haben sich wiederholt für eine Erhöhung der Stundensätze eingesetzt.

Es ist uns wichtig, dass die Träger die Kurse auch für kleinere Gruppen anbieten können und die Lehrkräfte angemessen honoriert werden. Erste Verbesserungen bei der Finanzierung haben wir 2007 erreicht und wir konnten diesen Fortschritt auch mit dem Haushalt 2009 fortschreiben, aber wir sind noch nicht so weit wie wir wollten. Eigentlich waren sich Vertreter der Koalitionsfraktionen, des Bundesinnenministeriums (BMI), des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BMAF) und die Bundesintegrationsbeauftragte schon Ende 2007 einig darüber, dass eine weitere Aufstockung der Kostenerstattung pro Teilnehmer und Stunde wünschenswert sei. Als erstrebenswert wurde ein Stufenmodell vereinbart: Demnach würden die ersten 15 Teilnehmer eines Kurses mit einem Stundensatz von 2,70 Euro vergütet. Die Teilnehmer oberhalb von 15 Teilnehmern bis zur maximalen Teilnehmerzahl von 20 Personen würden mit 2,35 Euro pro Stunde/pro Teilnehmer vergütet.

Dafür müssten entsprechende Mittel im Haushalt des Innenministeriums freigemacht werden, was trotz wiederholten Drucks der SPD-Fraktion noch nicht geschehen ist. Wir werden - trotz der anstehenden Neukonstituierung des Bundestages - am Ball bleiben. Denn Integration durch Sprachförderung ist weiterhin ein Schwerpunkt unseres Programms.

Ihr auf praktischen Erfahrungen gründendes Schreiben leite ich zur Kenntnisnahme gerne an Rüdiger Veit weiter, den Sprecher der Querschnittsarbeitsgruppe Integration und Migration der SPD-Fraktion. Außerdem möchte ich Ihnen empfehlen, sich auch direkt an das BMAF zu wenden, um auf die schwierigen Rahmenbedingungen für Integrationskurse hinzuweisen.

Mit freundlichen Grüßen

Rolf Hempelmann
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Verbraucherschutz
11.09.2009
Von:

Ich habe in meiner Mietwohnung eine Nachtspeicherheizung und einen Sondervertrag mit dem RWE. Bei bisherigen Preiserhöhungen konnte ich widersprechen und eine gerichtliche Überprüfung der Preiserhöhung erreichen.
Neuerdings geht das RWE anders vor: Es kündigt den Sondervertrag und bietet einen neuen Sondervertrag mit der Preiserhöhung an.Akzeptiere ich den neuen Vertrag nicht wird der Nachtspeicherstrom abgestellt.Ich habe keinerlei Möglichkeit die Preiserhöhung auf Billigkeit von einem Gericht untersuchen zu lassen.Das RWE hat das absolute Monopol auf dem Nachtspeicherstrom.Ich kann in ganz Deutschland keinen anderen Anbieter finden.
Meine Frage: Gibt es eine Behörde oder ein Instution an die ich mich mit einer Beschwerde über diese Praktik wenden kann.Das RWE hebelt mit dieser Praxix die Rechtsprechung aus und das als absoluter Monopolist.

Antwort von Rolf Hempelmann
1Empfehlung
15.09.2009
Rolf Hempelmann
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für Ihre Anfrage zu Nachtspeicherheizungen.

Wegen der vielen Nachtspeicherheizungen, die es in Essen noch gibt, ist mir bekannt, dass es derzeit so gut wie unmöglich ist, den Stromversorger zu wechseln, ohne den gesonderten Speicherstrom-Tarif zu verlieren. Dies ist in der Tat ausge­sprochen unbefriedigend, liegt aber leider auch an netzspezifischen Problemen, die es derzeit für neue Anbieter wirtschaftlich unattraktiv machen, eigene Speicherstrom-Tarife anzubieten. Die Bundesnetzagentur ist schon seit längerem dabei, diese Thematik aufzuarbeiten, um Lösungen für mehr Wettbewerb aufzeigen zu können.

Der von Ihnen geschilderte Sachverhalt, dass RWE Rhein-Ruhr den bisherigen Sondervertrag kündigt und Sie mangels Alternativen quasi zur Unterschrift unter den neuen Vertrag nötigt, ist eine neue Kategorie. Ich habe umgehend mit dem Bundes­kartellamt als bundesweit oberste Kartellbehörde Kontakt aufgenommen und den von Ihnen geschilderten Sachverhalt erörtert. Dort bestätigte man mir, dass ein derartiges Geschäftsgebaren in den letzten Monaten zu einem "gängigen Problem" geworden und nicht nur auf RWE beschränkt sei. Das Bundeskartellamt ist deshalb dabei, sich das gesamte Problemfeld Nachtspeicherstrom/Wärmestrom genauer anzuschauen und konsequent auf missbräuchliches Verhalten der Versorger hin zu untersuchen. Ob und wann dabei möglicherweise Missbrauchsverfahren gegen einen oder mehrere Versorger eröffnet werden, ist derzeit noch nicht absehbar.

Die Basis für dieses Vorgehen des Bundeskartellamtes ist eine Novelle des Wettbe­werbsrechts, die der Bundestag Ende 2007 beschlossen hat. Dadurch haben wir das Bundeskartellamt in die Lage versetzt, noch besser als bisher gegen missbräuchlich erhöhte Tarife örtlicher Strom- und Gasversorger vorzugehen. Auf dem Gasmarkt war dies auch bereits erfolgreich. Rund 30 Gasversorger haben sich Ende 2008 als Gegenleistung für die Einstellung eines Missbrauchsverfahrens durch das Bundes­kartellamt verpflichtet, ihre Preise zu senken bzw. Preiserhöhungen nicht in vollem Umfang an ihre Kunden weiterzugeben. Darüber hinaus wurde im Frühjahr 2009 eine Untersuchung auf der Ebene des Strom-Großhandels eingeleitet, die noch nicht abgeschlossen ist.

Zur Verbesserung des Wettbewerbs auf dem Strom-Endkundenmarkt hat der Bundestag im Juni 2008 auf Initiative der SPD im Rahmen des so genannten "Gesetzes zur Öffnung des Messwesens bei Strom und Gas für Wettbewerb" zwei Maßnahmen beschlossen. Erstens wurde beschlossen, dass ab Januar 2010 "intelligente" Stromzähler eingebaut werden müssen, wenn ein Gebäude neu errichtet oder grundlegend saniert wird oder wenn der Stromkunde dies wünscht. Diese Zähler können zukünftig aus der Ferne abgelesen werden und ermöglichen so eine genauere Abrechnung. Der Kunde selbst wird anhand eines Displays oder über eine Verbindung zum eigenen Computer eine bessere Möglichkeit haben, seinen Stromverbrauch nachzuvollziehen - bis hin zu einzelnen stromverbrauchenden Geräten. Zweitens werden die Energieversorger durch das neue Gesetz verpflichtet, spätestens Ende 2010 "intelligente" Tarife anzubieten. Das können sowohl lastabhängige (z.B. wenn viel Windstrom eingespeist wird, wird der Strom billiger) als auch tageszeitabhängige Tarife sein. Intelligente Zähler und Tarife zusammen sollen dazu führen, dass zukünftig mehr Energieversorger Tarife anbieten, von denen auch für Bezieher von Wärmespeicherstrom profitieren können.

Mit freundlichen Grüßen

Rolf Hempelmann
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Frage zum Thema Gesundheit
11.10.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Hempelmann,

verzeihen Sie den vielleicht nicht ganz zutreffenden Betreff "Gesundheit" zur Einleitung meines Anliegens. Es geht um die zunehmende Gewalt gegenüber Fahrgästen seitens irregeführter Heranwachsender. Unter den vorgegeben Auswahlbetreffen fand ich kein geeignertes.

Soeben lass ich in einer Online-Zeitung fr-online.de dass es schon wieder zu Übergriffen auf wehrlose Fahrgäste seitens einer Gruppe Heranwachsender gekommen ist. Dieses Ereigniss ist - wie Sie sicher wissen- nur ein weiteres Unglück einer deutschlandweiten Gewaltserie wie mir scheint. Ich bin sehr besorgt über Gefahren die lauern, wenn man sich dazu durchdringt Zivilcourage zu zeigen. Ich will dieses Thema nicht umschmücken, Tatsache ist das ich davor Angst habe weiterhin Zivilcourage zu zeigen.

Ich möchte gerne Ihre Meinung zu diesen Thema erfahren. Was können wir dagegen tun, was raten Sie den Nutzern des ÖPNV? Und warum werden den Schulen nicht genug Gelder zur Verfügung gestellt, damit die Schüler an proffesionellen Gewalt-Präventions-Kursen teilnehmen können?

Ich bedanke mich, für die hier gegebene Möglichkeit mein Anliegen zu thematiesieren und bin sehr gespannt auf Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen
Ariane Wilhelmus
Antwort von Rolf Hempelmann
1Empfehlung
09.11.2009
Rolf Hempelmann
Sehr geehrte Frau Wilhelmus,

vielen Dank für Ihre Anfrage über Abgeordnetenwatch.

Jugendliche Gewalt findet auf vielen öffentlichen Ebenen statt -- an Schulen sowie in den Bussen und Bahnen des ÖPNV wird uns die Problematik besonders deutlich.

Ihre Angst davor, Zivilcourage in Zukunft zu zeigen, ist nachvollziehbar angesichts der Tatsache, dass couragierte Helfer ebenfalls zu Opfern wurden. Allerdings kam es zu dem tragischen Zwischenfall, weil nur eine Person Courage zeigte und ihn die mit anwesenden Bürger im Stich ließen -- Zivilcourage muss für uns alle gelten.

Jugenddelinquenz kann nur durch große gesellschaftliche Bemühungen vermindert werden; neben der Zivilcourage von aufmerksamen Mitbürgerinnen und Mitbürgern stehen die Bildungseinrichtungen sowie die elterliche Erziehung im Fokus der Verantwortung.

Ihre Frage nach Gewalt-Präventionskursen an Schulen zielt genau darauf ab. Grundsätzlich verantwortlich für solche Angebote sind die jeweilige Landesregierung bzw. die Schulministerien der Länder.

Eine Publikation des Deutschen Jugendinstituts (DJI) aus dem Jahr 2007 unter dem Titel "Strategien der Gewaltprävention im Kindes- und Jugendalter -- Eine Zwischenbilanz in sechs Handlungsfeldern" thematisiert die Bereiche, in denen der Staat Verantwortung übernehmen kann. Den Kindertagesbetreuungseinrichtungen, Schulen und der Kinder- und Jugendhilfe fällt diese Aufgabe zu.

Die Finanzierung von Gewalt-Präventionskursen, Deeskalations-Coaching, Anti-Aggressions-Trainings muss von den Ländern gestärkt werden.

Einige gute Projekte gibt es bereits: Zivile Konfliktbearbeitung in Form des Streit-Schlichter-Modells, das an vielen Schulen (und Jugendhilfeeinrichtungen) projektartig umgesetzt wird, scheint geeignet, um Gewalthandlungen zwischen Kindern und Jugendlichen einzudämmen. Allein im Regierungsbezirk Köln werden an mehr als 200 Schulen Streitschlichterprogramme durchgeführt. Inzwischen wurden mehr als 1000 Lehrkräfte, die wiederum Schülerinnen und Schüler ausbilden, von der Thomas-Morus-Akademie in Bensberg für dieses Modell ausgebildet.

Eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen e.V. (KfN) im Auftrag des Bundesministeriums des Innern (Titel: Jugendliche in Deutschland als Opfer und Täter von Gewalt) belegt, dass sich das Ausmaß der Jugendgewalt in den letzten Jahren nicht drastisch erhöht hat.

Die zugrundeliegende repräsentative Dunkelforschung zum Thema Jugendkriminalität, welche 1998 mit ihren Befragungen begann, verzeichnet eine gleichbleibende bis rückläufige Tendenz. Leider vermittelt die Medienberichterstattung über Jugendgewalt oftmals den gegenteiligen Eindruck.

Die Überwachung von Bahnhöfen und Bussen bzw. Bahnen mag für die Aufklärung von Gewaltdelikten hilfreich sein, dennoch mindert es nur selten die Hemmschwelle von gewaltbereiten Jugendlichen.

Schnellschüsse wie der weitere Ausbau der Überwachungskultur sollten vermieden werden. Vielmehr gilt es, die Präventionsarbeit zu stärken und dadurch Gewaltdelikte zu verhindern

Der neugewählte SPD-Oberbürgermeister der Stadt Bonn hat bspw. angeregt, Fahrgastbegleiter in Zeiten der erhöhten Gewaltausübung -- insbesondere abends und nachts -- einzusetzen und somit die Sicherheit aller zu gewährleisten. Das ist ein guter Ansatz, um die Ausbrüche von Gewalt zu vermindern und die "gefühlte" Sicherheit der Fahrgäste in öffentlichen Verkehrsmitteln zu erhöhen. Eine wichtige Aufgabe aber besteht vor allem darin, Kindern und Jugendlichen in allen Bildungseinrichtungen -- und dazu gehört selbstredend auch das Elternhaus -- ein Bewusstsein für den respektvollen Umgang mit allen Teilen der Gesellschaft und in allen Bereichen des Alltags zu schaffen.

Die Zivilcourage aufmerksamer Mitmenschen bleibt in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung und verdient größten Respekt.

Mit freundlichen Grüßen

Rolf Hempelmann
X
Antwort empfehlen
Lesezeichen
Ihre Frage an Rolf Hempelmann
Die Fragefunktion wurde inzwischen geschlossen.