Roland Fischer (SPD)
Kandidat Bundestagswahl 2009
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Roland Fischer
Jahrgang
1961
Berufliche Qualifikation
-
Ausgeübte Tätigkeit
Pressesprecher und Redakteur
Wohnort
München
Wahlkreis
München-West/Mitte
Ergebnis
27,5%
Landeslistenplatz
-, Bayern
(...) Allerdings bin ich - das gehört zur Ehrlichkeit dazu - alles andere als ein Energieexperte. Neuen Kohlekraftwerken stehe ich übrigens nicht nur skeptisch, sondern ablehnend gegenüber. Kohlekraftwerke müssen rund um die Uhr betrieben werden, um wirtschaftlich zu sein. (...)
 
Kandidaten-Check
Beim Kandidaten-Check können Sie Ihre eigenen politischen
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Roland Fischer hat sich am Kandidaten-Check beteiligt und zu allen von 32 Thesen Position bezogen.
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Frage zum Thema Finanzpolitik
18.09.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Fischer,

Sie versprechen auf Ihrer Internetseite den Wählern, dass Sie als Bundestagsabgeordneter keiner Mehrwertsteuererhöhung zustimmen werden.

Ich frage Sie, weshalb Sie eine höhere Umsatzsteuerer so konsequent ablehnen?

Durch die Einnahmen einer höheren Umsatzsteuer lässt sich, wie Sie auf Ihrer Internetseite zitieren, die Staatsverschuldung abbauen. Man müsste im Gegenzug nur die direkte Einkommenssteuer, vor allem für Geringverdienende senken. Das wäre einfach und vor allem gerecht! Die Mehrwertsteuer ist in meinen Augen die gerechteste Steuer die es gibt.

Können Sie mir einen glaubhaften Grund nennen, weshalb die Umsatzsteuer ungerecht sei, wenn diese mit einer Senkung der Einkommenssteuer für Geringverdiener einhergehen würde?

Allerdings muss ich natürlich zugeben, dass nicht nur Sie und die SPD hier so vehement dagegen sprechen, denn es können leider nur wenige Politiker ehrlich zu geben, dass USt.erhöhungen sinnvoll sind. Es geht halt doch immer nur um Wählerstimmen und nicht um wirksame Lösungen. Das System der Mehrwertsteuer ist wohl zu einfach, als dass man dieses dem Wähler glaubhaft machen kann, dass sie wirklich so einfach ist. Lieber beschäftigen wir uns mit dem komplizierten Steuersystem wie wir es bisher bei der Lohnsteuer haben.

Vielen Dank für Ihre Antwort.

B.W.
Antwort von Roland Fischer
1Empfehlung
25.09.2009
Roland Fischer
Sehr geehrter Herr ,

vielen Dank für ihre Frage. Ich gebe zu, dass die Mehrwertsteuer auf den ersten Blick einfach und gerecht erscheinen mag. Jedoch ist und bleibt sie die ungerechteste Steuer. Bei der Mehrwertsteuer findet absolut kein sozialer Ausgleich statt. Für jeden Bürger ist die Mehrwertsteuer gleich hoch und das nicht relativ, sondern absolut. Dies bedeutet, dass sie für Geringverdiener relativ zu ihrem Einkommen eine stärkere Belastung ist als für Besserverdiener.

Die Einkommenssteuern für Geringverdiener zu senken um die Belastung durch Erhöhung der Mehrwertsteuer zu kompensieren, würde nicht funktionieren. Ein Großteil der Bevölkerung, auch der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, zahlt heute schon keine Steuern, wie möchten sie diese entlasten? Allein die Einkommenssteuer mit ihren unterschiedlichen Steuersätzen oder z. B. eine Vermögenssteuer garantieren, dass starke Schultern mehr tragen als schwache Schultern. Steuergerechtigkeit besagt, dass sich die Steuer an der Leistungsfähigkeit des Steuerzahlers und an der Höhe seines Einkommens orientiert (Leistungsfähigkeitsprinzip) und dass sie in sich schlüssig ausgestaltet ist (Folgerichtigkeitsprinzip). Theoretisch ermöglicht die Mehrwertsteuer dem effektiv steuerbelasteten Endverbraucher eine Steuerung der Eigenbelastung, die bei direkten Steuern nicht möglich ist. Praktisch sind aber vor allem die Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen gezwungen, den größten Teil ihres Einkommmens oder sogar alles in den Konsum zum Lebensunterhalt zu stecken, während die Besserverdienenden eher eine Wahl zwischen konsumieren oder sparen haben.

In der jetzigen Krise hat vor allem die Binnenwirtschaft, das Konsumverhalten der Verbraucher, eine größere Auswirkung bei uns erspart. Ich glaube grundsätzlich, dass wir unser Wirtschaftswachstum zu stark in den Export und zuwenig in die Binnennachfrage lenken. Mehrwertsteuer fällt aber nur im Inland an, der Export ist davon nicht betroffen. Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer würde also den Import- und den Binnenmarkt schwächen, den Export aber noch weiter fördern - aus meiner Sicht der falsche Weg.

Übrigens ist das System der Mehrwertsteuer nur für den Bürger einfach, da er diese automatisch beim Einkauf mitzahlt und sonst weiter nichts mit ihr zu tun hat. Hinter den Kulissen aber sind die Verrechnungen und Erstattungen zwischen den Firmen und dem Finanzamt äußert kompliziert. So kompliziert, dass die Umsatzsteuer, wie die Mehrwertsteuer korrekterweise heisst, extrem beliebt ist für den Steuerbetrug, z. B. durch Karusselgeschäfte.Nach Angaben des ifo-Instituts sind dem Fiskus dadurch allein 2007 rund 14 Milliarden Euro entgangen.

Gegen eine Vereinfachung unseres Steuersystems, gegen eine Reform, bei der der einzelne Bürger tatsächlich versteht, was er gegenüber dem Finanzamt erklärt, hätte ich nichts einzuwenden - im Gegenteil. Aber diese Reform darf nicht - wie zum Beispiel bei den Vorschlägen der FDP - dazu führen, dass Besserverdienende überproportional um ein Mehrfaches in Summe entlastet werden als Normalverdiener. Damit würden wir die Kluft zwischen Arm und Reich noch vergrößern, statt sie zu schließen. Mir geht es um wirksame u n d gerechte Lösungen, daher lehne ich eine Erhöhung der Mehrwertsteuer ab.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Roland Fischer
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Frage zum Thema Soziales und Familie
22.09.2009
Von:

Sehr geehrter Herr Fischer,
ich habe folgende Fragen an Sie:

1. In München haben nach Mikrozensus 2007 von 1.253.900 Einwohnern 431.000
"Migrations-Hintergrund" (34,4 Prozent). Quelle: "Jeder dritte Münchner hat einen Migrationshintergrund" unter www.mstatistik-muenchen.de
Im Klartext: ein Drittel Ausländer. Halten Sie diesen Ausländeranteil für richtig? Wenn ja: Wie wollen Sie die Identität der bayerischen Landeshauptstadt bewahren? Wenn nein: Welche Maßnahmen zur Reduzierung des Ausländeranteils wollen Sie ergreifen?

2. Deutsche Kinder werden in den Schulen der Landeshauptstadt zur Minderheit. Gut die Hälfte der neu eingeschulten Kinder stammen aus Zuwandererfamilien. Quelle: Abbildung 5 im Ersten Münchener Bildungsbericht unter www.muenchen.de
Würden Sie eine Aufteilung der Klassen nach ethnischer Abstammung und die Unterrichtung in der jeweiligen Muttersprache unterstützen, damit die
Kinder wieder besser lernen können?

3. Im Bereich der Gewaltkriminalität konnten 2007 in München 4.813 Tatverdächtige ermittelt werden, 0,7 % mehr als 2006. Darunter waren 2.259 nichtdeutsche Tatverdächtige, was einem Anteil von 46,9 % entspricht. Quelle: Sicherheitsreport 2007 des PP München, Seite 19, "Fast jeder 2. TV eines Gewaltdelikts ein Nichtdeutscher" unter www.polizei.bayern.de
Viele Bürger fühlen sich nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr sicher, die spezifischen Gewaltdelikte im U- und S-Bahnbereich sind hinreichend bekannt. Mit welchen Maßnahmen wollen Sie der Bedrohung der Menschen in München vor Gewaltkriminalität, Raub und Erpressung begegnen? Wie soll mit ausländischen Mehrfachtätern verfahren werden?

Grüße
W.
Antwort von Roland Fischer
3Empfehlungen
25.09.2009
Roland Fischer
Sehr geehrter Herr ,

in den letzten Stunden vor der Bundestagswahl beantworte ich eigentlich grundsätzlich nur noch Fragen aus meinem Wahlkreis - für mehr fehlt mir einfach die Zeit. Obergiesing liegt im Münchner Süden. Aber trotzdem zumindest ein paar Gedanken zu Ihren Fragen:

Zu 1. Sie ziehen leider aus der Statistik die falschen Rückschlüsse. Migrationshintergrund bedeutet nicht zwangsläufig, dass es sich um Ausländer handelt. Selbst Kinder mit deutschem Ausweis haben einen Migrationshintergrund, wenn sie nichtdeutsche Eltern haben. Einen richtigen oder falschen Ausländeranteil gibt es nicht, somit erübrigen sich ihre Anschlussfragen eigentlich. Obwohl München in der Tat den größten entsprechenden Anteil unter allen Großstädten hat, funktioniert bei uns - nicht zuletzt Dank der sozialdemokratisch geführten Stadtregierung - das Zusammenleben der Nationen, Kulturen und Religionen, der Altersklassen und der sozialen Schichten mit Abstand am besten. Darauf sollten wir vor allem stolz sein.

Zu 2. Eine Aufteilung der Schüler nach Ethnien lehne ich entschieden ab. Denn die Grundschule, wie auch Kindergarten und Kinderkrippe, sind die stärksten Instrumente zu Integration, die uns zur Verfügung stehen. Kinder machen keinen Unterschied zwischen Hautfarben oder Herkunft bei der Wahl ihrer Spielkameraden. Geradezu widersinnig halte ich die Meinung, Kinder in ihrer Muttersprache zu unterrichten. Wir brauchen im Gegenteil eine echte und intensive Sprachförderung in Deutsch vor der 1. Schulklasse um dann eine gemeinsame und erfolgreiche Schulzeit zu ermöglichen. Das Ziel muss doch sein, die Menschen zu integrieren und sie nicht in Parallelgesellschaften abzuschieben.

Zu 3. München ist und bleibt die sicherste Großstadt in Deutschland. Was wir wirklich mehr bräuchten, ist mehr Zivilcourage von uns allen, eine Kultur des Hinschauens und Einschreitens, weniger die des Wegsehens. Wenn der Freistaat Bayern dann auch noch etwas mehr Geld in die Personal- und Sachausstattung der Polizei investieren würde, wenn wir mehr Polizeipräsenz vor Ort hätten, würde die objektive und subjektive Sicherheit steigen. Ansonsten bleibt festzuhalten, dass Tatverdächtige nicht automatisch Täter sind. Mehr als genügend Studien kamen zu dem Ergebnis, dass Ausländer nicht krimineller sind als Deutsche. Im Gegenteil: Sie sind sogar weniger kriminell. Der Unterschied besteht zwischen den sozialen Schichten, nicht zwischen der Herkunft.

Abschließen möchte ich noch darauf hinweisen, dass nach der bayerischen Verfassung jedes Kind, dass in Bayern geboren wird, automatisch bayerischer Staatsbürger ist und damit fester Bestandteil der bayerischen Identität ist- egal woher seine Eltern stammen. Ich plädiere für mehr Miteinander und aufeinander zugehen, statt auszugrenzen und sich abzuschotten.

Mit freundlichen Grüßen
Roland Fischer
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Frage zum Thema Energieversorgung
26.09.2009
Von:

Hallo Herr Fischer,

würden sie die großtechnische Abscheidung und weitere Deponierung von C02, z.B. in tiefliegenden Erdschichten oder ausgebeuteten Erdgaslagerstätten, o.ä., bei bestehenden oder neu zu bauenden Kohlekraftwerken befürworten oder ablehnen? Und warum?

Halten sie es für verantwortbar mit dieser Option zu kalkulieren, um die Ziele der Begrenzung der Klimaerwärmung zu erreichen? Wir brauchen schließlich jetzt Entscheidungen, was wo in den nächsten Jahren investiert wird. Ob etwa neue Kohlekraftwerke gebaut werden dürfen oder nicht.

Viele Grüße

B. Faerber
Antwort von Roland Fischer
1Empfehlung
26.09.2009
Roland Fischer
Sehr geehrter Herr ,

auf die Schnelle zwischen den letzten Wahlkampfterminen eine kurze Antwort auf Ihre Fragen. Ich stehe der CO2-Deponierung, -Verpressung und ähnlichem sehr skeptisch gegenüber. Zum einen lösen wir das Problem nicht, gewinnen - wenn überhaupt - nur Zeit. Zum anderen funktioniert die Technik auch nicht ohne Energieeinsatz, birgt Risiken für Grundwasser, usw. Ich habe immer dann gewaltige Bauchschmerzen, wenn mir jemand das Austreiben des Teufels mit dem Beelzebub nahebringen will.

In meiner Abwägung stehen die ökologischen Probleme und die Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen. Allerdings bin ich - das gehört zur Ehrlichkeit dazu - alles andere als ein Energieexperte. Neuen Kohlekraftwerken stehe ich übrigens nicht nur skeptisch, sondern ablehnend gegenüber. Kohlekraftwerke müssen rund um die Uhr betrieben werden, um wirtschaftlich zu sein. Auch wenn Gaskraftwerke die Abhängigkeit von Drittstaaten erhöhen, scheinen sie mir die einzige vertretbare Alternative, um Schwankungen bei erneuerbaren Energien auszugleichen. Meine Position dazu im Kandidatencheck des BUND habe ich nicht geändert

Letztlich kommen wir aber um konsequentes Energiesparen und erneuerbare Energien nicht herum, aus Gründen der Wirtschaftlichkeit, der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Roland Fischer
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